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Bauchspeicheldrüse

Die Bauchspeicheldrüse (Pankreas) ist ein etwa 100 g schweres Organ im Oberbauch hinter dem Magen. Die Bauchspeicheldrüse produziert einerseits Verdauungsenzyme, die in den Dünndarm ausgeschüttet werden (exkretorische Funktion) und andererseits Insulin, das in die Blutbahn abgegeben wird (inkretorische Funktion).

Anatomie der Bauchspeicheldrüse:

Anatomisch unterschieden werden der Pankreaskopf, der Pankreas­körper und der Pankreasschwanz. Der Ausführungsgang (Ductus pancreaticus) durchzieht das Organ in seiner ganzen Länge und mündet zusammen mit dem Ausführungsgang der Gallenwege (Ductus chole­dochus) in den Zwölffingerdarm (Duodenum).

Die Langerhansschen Inseln der Bauchspeicheldrüse sind Zellverbände mit einem Durchmesser von 75 – 500 µm, die verstreut wie Inseln in der Bauchspeicheldrüse liegen. Sie wurden 1869 von Paul Langerhans, einem deutschen Pathologen, entdeckt und nach ihm benannt. Zusammen werden sie als Inselorgan bezeichnet, um ihre eigenständige Funktion zu betonen. Ein Großteil der Inselzellen wird von den B-Zellen ausgemacht, die Insulin herstellen. Die A-Zellen produzieren den Gegen­spieler von Insulin, das Glucagon. Weiter werden unterschieden D- und F-Zellen.

Physiologie der Bauchspeicheldrüse:

Exkretorische Funktion:

Pro Tag produziert die Bauchspeicheldrüse 1 – 1,5 l Pankreassaft, in dem u.a. die Verdauungsenzyme enthalten sind. Aufgrund des hohen Hydrogencarbonatgehalts liegt der pH-Wert mit 8,0 – 8,4 im alkalischen Bereich. Zusammen mit den ebenfalls alkalischen Sekreten Galle und Darmsaft neutralisiert er den sauren Magensaft. Dadurch wird ein gün­sti­ges Milieu für die Enzyme des Pankreassaftes geschaffen.

Gesteuert wird die Ausschüttung über verschiedene Prozesse. Unter­schieden werden die kephalische Sekretionsphase, die gastrische Phase und die intestinale Phase.

Die kephalische Phase ist geprägt von Impulsen des Nervensystems wie z.B. Geruchs- und Geschmacksreize. Auch der bloße Anblick von Speisen kann reflektorisch eine Sekretion von Pankreassaft auslösen.

Die anschließende gastrische Phase beginnt, wenn der Nahrungsbrei in den Magen gelangt. Auslöser sind Dehnungsreize und andere lokale Reflexe sowie die im Magen und Darm freigesetzten Hormone Chole­cystokinin, Gastrin und Sekretin.

Kommt Mageninhalt in den Zwölffingerdarm, beginnt die intestinale Phase mit der weiteren Ausschüttung von Pankreassaft.

Inkretorische Funktion:

In den B-Zellen wird das Insulin über verschiedene Vorstufen (Prae-Proinsulin, Proinsulin) gebildet und in Vesikeln gespeichert. Ausgelöst wird die Insulinausschüttung über einen erhöhten intrazellulären Calcium­einstrom, der wiederum durch einen Anstieg des Blutglucosespiegels verursacht wird.  Auch eine Erhöhung der Konzentration an freien Fett- und Aminosäuren löst eine Insulinausschüttung aus.

Das Ausmaß der Insulinfreisetzung wird durch Einflüsse des vegetativen Nervensystems beeinflusst.

Verdauungsenzyme der Bauchspeicheldrüse:

Der Bauchspeichel enthält die Verdauungsenzyme für alle Energie liefernden Nährstoffe, also Eiweiß spaltende, Fett spaltende und Kohlen­hydrat spaltende Enzyme.  Beim Fehlen anderer Verdauungsenzyme würden diese ausreichen, die aufgenommene Nahrung zu verdauen. 

Das Kohlenhydrat spaltende Enzym alpha-Amylase liegt im Pankreassaft bereits in aktiver Form vor.

Die Eiweiß spaltenden Enzyme Carboxypeptidasen, Chymotrypsin und Trypsin werden als inaktive Vorstufen produziert und werden erst im Zwölf­fingerdarm aktiviert.

Zu den Fett spaltenden Enyzyme zählen Esterasen, Lipase und Phos­pholipase A. Die Pankreaslipase wird zwar in aktiver Form sezerniert, entfaltet ihre volle Wirkung erst zusammen mit den Gallensäuren.

Die Pankreasenzyme werden in den so genannten Azinuszellen gebildet und in deren Zymogengranula gespeichert. Nach dem Signal zur Entleerung setzt die Neubildung wieder ein.

Erkrankungen der Bauchspeicheldrüse:

Bedeutende Erkrankungen der Bauchspeicheldrüse sind:

Betroffen ist im Wesentlichen die Verdauungsfunktion des Pankreas, in Mitleidenschaft gezogen werden, kann aber auch die inkretorische Funk­tion der Bauchspeicheldrüse, d.h. die Blutzuckerregulation.

Sie wird gestört, wenn chronische Entzündungen das Organ weitgehend zerstören. Es tritt dann eine Blutzuckererkrankung (Diabetes) auf, weil nicht mehr ausreichend funktionsfähige Inselzellen vorhanden sind, die das lebensnotwendige Insulin produzieren.

Akute Pankreatitis:

Die akute Pankretitis ist eine plötzlich einsetzende, intravitale Selbst­verdauung (Autodigestion), ausgelöst durch eine Aktivierung von inak­tiven, gespeicherten Verdauungsenzymen (Zymogenen).“

Wie es zu dieser Aktivierung mit anschließender Entzündungsreaktion kommt, ist unbekannt.

Neben der ödematösen Verlaufsform gibt es noch die  gefährlichere hämorrhagisch-nekrotisierende Verlaufsform. Diese  Verlaufsform ist nicht selten und bedarf einer Intensivtherapie in der Klinik. Liegt eine Gallenblasenerkrankung zugrunde, muss die Gallenblase entfernt werden.

Symptome sind ein heftiger Schmerz im Oberbauch sowie ein Blut­druck­abfall und einem eventuell eintretendem Schock. Eine vorübergehende Darmlähmumg und eine diabetische Störung können auftreten.

Alkoholmissbrauch und Gallensteine sind die  häufigsten Auslöser für die akute Pankretitis.

Ein Rückfluss von Gallenflüssigkeit oder von Verdauungssaft aus dem Zwölffingerdarm in die Bauchspeicheldrüse ist dabei oftmals ursächlich beteiligt.

Seltene Ursachen einer Bauchspeicheldrüsenentzündung sind Medika­mentennebenwirkungen oder andere Viruserkrankungen.

Diskutiert wird auch eine Beteiligung freier Radikale (oxidativer Stress), die durch einen Mangel an den antioxidativ wirkenden Vitaminen A, C, E, Carotin sowie an Selen verstärkt gebildet werden. Eine Zufuhr dieser Radikalfänger ist möglicherweise sinnvoll.


Chronische Pankreatitis:

„Die chronische Bauchspeicheldrüsenentzündung (chronische Pankrea­titis) geht mit einem fortschreitenden Gewebeuntergang einher, der letztlich zur exokrinen und endokrinen Pankreasinsuffizienz (dauerhafte Leistungsschwäche des Organs) führt.“

Eine Sonderform der chronischen Pankreatitis ist die besonders bei Kindern und Jugendlichen vorkommende tropische Variante. Bestimmte Inhaltsstoffe der Cassavafrucht sowie ein Proteinmangel werden als Aus­löser diskutiert.

Symptome sind wie bei der akuten Pankreatitis der starke Schmerz im Oberbauch. Nimmt die Leistungsfähigkeit der Bauchspeicheldrüse weiter ab, kommt es infolge einer Verdauungsschwäche (Maldigestion) zu Blähungen, Durchfall, Fettstühlen und Gewichtsabnahme bis hin zu einer hochgradigen Abmagerung, der pankreatogenen Kachexie.

Erst ab einer 80 %igen Zerstörung des Drüsengewebes kommt es zu den beschriebenen Malabsorptionssymptomen. Die Bauchspeicheldrüse besitzt eine große Reservekapazität bzgl. ihrer Verdaungsleistung. 

Schreitet die chronische Entzündung weiter fort, wird auch die Blut­zucker­regulation betroffen. Es kommt zu einer verminderten Insulin­sekretion in den Langerhansschen Inseln. Der so entstehende Diabetes wird auch als sekundärer oder pankreopriver Diabetes bezeichnet.

 

Mit 70 – 80 % ist der chronische Alkoholmissbrauch der häufigste Auslöser der chronischen Pankreatitis. Eine tägliche Aufnahme von 50 g Alkohol und mehr erhöht das Risiko stark.

Allerdings gibt es vermutlich eine angeborene stark ausgeprägte Em­pfind­lichkeit gegenüber dem Alkoholkonsum. Bei Menschen mit einer hohen Alkoholempfindlichkeit können schon kleinere Mengen Alkohol eine Pankreatitis auslösen.

Wie bei der akuten Pankreatitis werden auch andere Ernährungsfaktoren als Auslöser verdächtigt, beispielsweise ein Vitaminmangel vor allem bei den antioxidativ wirkenden Vitaminen A, C, E, Carotin sowie den Spuren­elementen Selen und Zink. Auch eine hohe Fett- und Eiweißaufnahme wird mit der chronischen Pankreatitis in Zusammenhang gebracht.

Bauchspeicheldrüsenkrebs:

Bauchspeicheldrüsenkrebs – in der Fachsprache als Pankreaskarzinom bezeichnet – kann überall in der Bauchspeicheldrüse entstehen. Er ist in der Bundesrepublik Deutschland eine relativ seltene Tumorerkrankung. Etwa 17 von 100.000 Menschen sind pro Jahr betroffen.

Als Todesursache rangiert das Pankreaskarzinom allerdings mit etwa 12.100 Verstorbenen im Jahr 2000 an 5. Stelle und ist damit ursächlich für etwa sechs Prozent aller Krebstodesfälle. Die meisten Betroffen erkranken im höheren Lebensalter: Das mittlere Erkrankungsalter liegt für Männer bei 68 und für Frauen bei 75 Jahren. Die Häufigkeit  hat in den letzten 60 Jahren in den westlichen Industrienationen kontinuierlich zugenommen.

Bei weitem am häufigsten von Tumorerkrankungen betroffen ist der Kopf­anteil der Bauchspeicheldrüse. Je nachdem, in welchem Gewebe der Tumor seinen Ursprung nimmt, unterscheidet man verschiedene Formen von Bauchspeicheldrüsenkrebs.

Über 95 Prozent der Bauchspeicheldrüsenkarzinome entstehen durch die bösartige Umwandlung von Zellen, welche die kleinen Ausführungsgänge des Speichel bildenden Drüsenanteils auskleiden (duktale exokrine Tumoren). Unter ihnen sind die so genannten Adenokarzinome am häufigsten: Sie machen etwa 80 bis 90 Prozent aller Krebserkrankungen der Bauchspeicheldrüse aus. Seltener sind die Cystadenokarzinome, die ebenfalls aus den Gangzellen hervorgehen (ca. sechs Prozent aller Pankreaskarzinome), oder die acinären Tumoren, die von den Acini, den Enzym produzierenden Drüsenendstücken des Pankreasgangsystems, ausgehen.

Deutlich seltener sind die so genannten endokrinen Tumoren. Sie machen etwa fünf Prozent der Krebserkrankungen der Bauch­speichel­drüse aus. Endokrine Tumoren können von den Hormon produzierenden Zellen der Langerhans-Inseln ausgehen, die verstreut innerhalb der Drüsen­läppchen sitzen.

Ernährungsfaktoren, die als Auslöser für das Pankreaskarzinom in Frage kommen sind:

Darüber hinaus ergab eine Studie, dass Personen mit einer niedrigen Lycopin- und Selenkonzentration im Blutserum ein besonders hohes Risiko für Pankreaskarzinome haben.

Auch Pestizide können karzinogen wirken. Eine höhere Erkrankungsrate fand sich bei Arbeitern und Bauern, die einen intensiven Kontakt mit Organochlorverbindungen hatten.

Ernährungsempfehlungen:

Zur Vorbeugung von Erkrankungen der Bauchspeicheldrüse spielen der Alkohol- und Fettkonsum eine große Rolle. Daher sollte  nicht jeden Tag Alkohol konsumiert werden, um eine Gewöhnung zu vermeiden.

 

Männer sollten dauerhaft nicht mehr als maximal 50 g Alkohol (ca. 1 l Bier/ ½ l Wein) aufnehmen, bei Frauen liegt die Grenze bei 20 g Alkohol (ca. 400 ml Bier/ 200 ml Wein)!

Die tägliche Fettaufnahme sollte den Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung entsprechen, d.h. Fette sollten an der Gesamt‑energieaufnahme nicht mehr als 30 – 35 %  ausmachen. Dies entspricht in der Praxis einer Fettzufuhr von 60 – 80 g Fett am Tag. Gegebenfalls sollte ein Teil der Fettzufuhr über MCT-Fette erfolgen.

 

Bei der Gemüse- und Obstzufuhr sollte die „5 am Tag“ Regel beachtet werden, d.h. pro Tag möglichst 2 Portionen Obst sowie 3 Portionen Gemüse à ca. 100 g zu verzehren.

Bei schweren Fällen müssen Verdauungsenzyme in Form von Arznei­mitteln eingenommen werden. Dies sollte ärztlich begleitet werden.

Literatur:

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