Das Reformhaus-Fachlexikon
Informationen zu Ernährung, Heilpflanzen, Naturheilkunde und Vitalstoffen. Nachschlagewerk mit über 690 Stichworten auf mehr als 2250 SeitenDie Steinzeitdiät (Paleo diet) wird als die artgerechte Ernährung des Menschen beschrieben. Ausgangspunkt ist die These, dass die optimale Ernährung des Menschen aus den Lebensmitteln bestehen sollte, die die Urmenschen verzehrt haben. Hierzu zählen z.B. Früchte, Nüsse, (Wild)Fleisch und Fisch.
Grundthese der Steinzeitdiät/-ernährung:
Die Erforschung der Ernährungsweise des Menschen in der Steinzeit ist nicht nur von historischem Wert. Mit einem evolutionstheoretischen Ansatz wird versucht ernährungswissenschaftliche Problemstellungen zu lösen. Die zentrale Vorstellung besteht darin, dass die optimale Ernährung des Menschen gleichsam die artgerechte Ernährung darstellt.
Nur hieran habe sich der Mensch im Laufe der Evolution (genetisch) angepasst.
Logischerweise setzt sie sich aus den Lebensmitteln zusammen, die die ersten Menschen der Spezies Homo sapiens gegessen haben. Diesen so genannten paläolithischen Lebensmittel z.B. Früchte, Nüsse, Samen, Wildfleisch, Fisch stehen die nicht paläolithischen Lebensmittel wie z.B. Als "Milch" wird nach dem Milchgesetz lediglich die Kuhmilch bezeichnet, während die Milch anderer Tiere nur unter deutlicher Kennzeichnung der Tierart, z.B. als Ziegenmilch, Schafmilch, in Verkehr gebracht werden darf.Milch und Milchprodukte, Getreide ist ein Sammelbegriff für kultivierte Gräser bzw. deren Körner. Hierzu zählen im engeren Sinne die Arten der botanischen Familie der Gräser. Getreidearten im weiteren Sinne sind Pflanzen aus anderen botanischen Familien mit getreideähnlichem Charakter und Verwendung.Getreide, Speiseöle oder Salz ist der Oberbegriff für salzig schmeckende und zum Salzen von Speisen geeignete Mineralstoff-Gemische. Hauptinhaltsstoff ist das "salzartig" verbundene Natriumchlorid (NaCl). Salz gegenüber, die wenig bzw. gar nicht verzehrt werden sollten.
Dieser evolutionsbiologische Ansatz ergänzt die üblicherweise angewandten Methoden aus den Bereichen der Epidemiologie, Physiologie, Biochemie und der Molekularbiologie. Demzufolge soll die im Paläolithikum praktizierte Ernährungsweise als Entscheidungshilfe für die Aufstellung von Empfehlungen für eine vollwertige Kost dienen.
Populär wurde die Steinzeitdiät in Deutschland vor allem durch die Publikationen des Ernährungswissenschaftlers Nicolai Worm, in Amerika durch die Studien des Ernährungsepidemiologen Willett.
Ernährung in der Steinzeit:
Das erstmalige Auftreten des Homo sapiens wird auf einen Zeitraum vor rund 400.000 Jahren datiert. Er lebte bis vor rund 10.000 Jahren, also in der Altsteinzeit, überwiegend als Jäger und Sammler.
Angaben über seine Ernährungsweise gründen unter anderem auf der Nahrungsanalyse heutiger Naturvölker (Jäger und Sammler), anatomischen und physiologischen Veränderungen während der Evolution des Menschen und auf Analysen verschiedener Stickstoff- und Kohlenstoffisotope in Knochenfunden.
Nährstoffe:
Nach diesen Studien unterscheiden sich die in der Steinzeit aufgenommenen Nährstoffe quantitativ erheblich von den heute ermittelten Ist- und Sollwerten für die Nährstoffaufnahme. Auffallend sind der hohe Proteinanteil und der relativ niedrige Kohlenhydratanteil der Kost. N. Worm hält folgende Nährstoffrelation für charakteristisch:
Infolge der in der Steinzeit typischen Ernährungsweise ist auch die Aufnahme der Mineralstoffe Der Gesamtkörperbestand dieses Mineralstoffes beträgt ca. 1 kg beim Mann und ca. 800 g bei der Frau. Mehr als 99 % des Calciumbestandes befinden sich in Form von Calcium-Hydroxyapatit (Ca5(PO4)Oh) im Knochen und in den Zähnen.Calcium, Eisen gehört zu den essentiellen Spurenelementen. Eisen ist für alle Lebensformen, mit Ausnahme einiger Bakterienarten, ein essentieller Bestandteil bzw. Cofaktor vieler Proteine und Enzyme.Eisen, Kalium gehört zu den Mineralstoffen. Es ist ein Mengenelement, der Bestand im menschlichen Körper beträgt etwa 140 g. Rund 90 % des Kaliums im Körper befindet sich innerhalb der Zellen. Kalium ist der "Gegenspieler" des Natriums, das hauptsächlich außerhalb der Zellen vorkommt.
Kalium, Magnesium ist ein essentieller Mineralstoff. Mg ist neben Kalium der bedeutendste Mineralstoff in den Zellen. Magnesium und Zink gehört zu den essentiellen Spurenelementen. Der höchste Zinkgehalt wurde in Geweben des Auges festgestellt.Sehr zinkreich sind auch die Inselzellen der Bauchspeicheldrüse (Produktionsort des Hormons Insulin) und die männlichen Geschlechtsorgane. Der menschliche Körper enthält insgesamt 2 - 4 g.Zink deutlich höher als in der heutigen Zeit.
Der P/S-Quotient (Verhältnis von mehrfach ungesättigten zu gesättigten Fettsäuren) lag deutlich höher als zurzeit, das Verhältnis von Omega-6 zu Omega-3 Fettsäuren betrug wahrscheinlich 1 : 1. Auch die Zufuhr an Ballaststoffen und einigen Vitaminen wie Folsäure und Der Name Ascorbinsäure verweist auf den Zusammenhang zwischen der berüchtigten Seefahrerkrankheit "Skorbut" und der "Antiskorbutwirkung" von Vitamin C. Alle Säugetiere können Ascorbinsäure} aus Glukose selbst herstellen. Ausnahmen sind Menschen, Affen, Meerschweinchen sowie Vögel und Fische.Vitamin C war vermutlich deutlich höher.
Lebensmittel:
Diese Daten ergeben sich aus den typischerweise verzehrten Lebensmitteln. Etwa 1/3 der Kost bestand nach Eaton et. al. aus den tierischen Lebensmitteln Fisch und Wildfleisch. Kohlenhydrate sind chemische Verbindungen aus Kohlenstoff (C), Wasserstoff (H) und Sauerstoff (O). Sie gehören zu den Hauptnährstoffen in der menschlichen Ernährung.Kohlenhydrate wurden vermutlich primär in Form von Gemüse und Früchten gegessen. Getreide ist ein Sammelbegriff für kultivierte Gräser bzw. deren Körner. Hierzu zählen im engeren Sinne die Arten der botanischen Familie der Gräser. Getreidearten im weiteren Sinne sind Pflanzen aus anderen botanischen Familien mit getreideähnlichem Charakter und Verwendung.Getreide hatte nur einen unbedeutenden Anteil an der täglichen Kost, nicht zuletzt weil Getreide erst mit der Zeit von Ackerbau und Viehzucht vor rund 10.000 Jahren zu einem Grundnahrungsmittel des Menschen wurde. Die Die Urheimat der Kartoffel liegt in den Hochländern Südamerikas. Hier war sie schon in den ersten Jahrhunderten n.Chr. als Nahrungspflanze bekannt. In Deutschland wurden die ersten Kartoffeln um die Wende vom 16. zum 17. Jahrhundert angebaut.Kartoffel war nur in Südamerika bekannt. Auch Als "Milch" wird nach dem Milchgesetz lediglich die Kuhmilch bezeichnet, während die Milch anderer Tiere nur unter deutlicher Kennzeichnung der Tierart, z.B. als Ziegenmilch, Schafmilch, in Verkehr gebracht werden darf.Milch wurde nach dem Abstillen nicht mehr verzehrt. Nüsse und Samen waren wichtige Fett gehört neben Eiweiß und Kohlenhydraten zu den energieliefernden Hauptnährstoffen. Grundbaustein der Fette sind die Fettsäuren eine Kohlenstoffkette, die mit Sauerstoff (O) und Wasserstoff (H) bestückt ist.Fett- und Proteinquellen.
Ein zentraler Punkt der Steinzeitdiät wie sie von Worm empfohlen wird, ist die Beachtung des Glykämischen Index/ der glykämischen Last bei Kohlenhydrathaltigen Lebensmitteln. Der glykämische Index ist ein Maß für die Blutzuckerwirksamkeit eines Lebensmittels. Lebensmittel mit einem hohen glykämischen Index werden zunehmend mit Übergewicht, einem erhöhten Herz-Kreislauf- und Diabetesrisiko in Verbindung gebracht. Generell weisen Die verschiedenen Mühlenerzeugnisse, die durch Vermahlen, Quetschen, Schroten oder Sieben hergestellt werden, sind Schrot, Grieß, Dunst, Mehl, Kleie, Grütze, Graupen und Flocken. Sie sind Ausgangsstoff für eine Vielzahl von FolgeproduktenGetreideprodukte und Kartoffeln einen relativ hohen glykämischen Index auf.
Kritik an der Steinzeiternährung:
Eine Ernährungsform ist nicht deshalb gesund, weil der Organismus an diese im evolutionsbiologischen Sinne angepasst ist.
Die natürliche Selektion wirkt nicht wie häufig fälschlich behauptet in der Weise, dass eine optimale Anpassung der Organismen erfolgt. Vielmehr ist der evolutive Prozess als Kompromiss aufzufassen. Gene, die den Reproduktionserfolg steigern, werden sich auch dann innerhalb einer Population durchsetzen, wenn sie mit Nachteilen für das einzelne Individuum verbunden sind. Umgekehrt ist davon auszugehen, dass Gene, die die reproduktive Kapazität negativ beeinflussen, auch dann via Selektion eliminiert werden, wenn diese gleichzeitig die individuelle Gesundheit bzw. die Lebensdauer eines Organismus verbessern. Mit anderen Worten: Optimale Gesundheit ist kein Selektionskriterium; was zählt, ist allein der Fortpflanzungserfolg.
Die paläolithische Ernährung ist ein reines Abstraktum, das es weder gab noch gibt.
Die Ermittlung und Definition der paläolithischen Ernährung ist mit erheblichen Problemen behaftet und wirft eine Reihe prinzipieller Fragen und Probleme auf. Tatsächlich, das zeigen sowohl ethnographische als auch archäologische Untersuchungen, variiert das Ernährungsverhalten von Sammler- und Jägergemeinschaften erheblich in Abhängigkeit von den jeweiligen zeitlichen und lokalen Gegebenheiten. Während manche Populationen, wie z. B. die grönländischen Inuits oder die sibirischen Evenkis, vorwiegend Lebensmittel tierischen Ursprungs verzehren, konsumieren andere Völker wie z. B. die Kung große Mengen an Wildpflanzen. Je nach Ökosystem, in dem die Völker siedelten, wechselten sich überwiegend pflanzlich ernährte Populationen mit solchen ab, die fast nur Tierisches aßen.
Diese Varianz im Nahrungsverhalten spiegelt sich auch in der breiten Streuung der Nährstoffrelation wider, die sich bei Protein im Bereich von 1935 Energieprozent bewegt und bei Kohlenhydraten zwischen 2240 Energieprozent liegt.
Die Tatsache, dass bei allen Jäger- und Sammler-Gruppen, gleich welchem Ernährungsmuster sie auch immer folgen, chronisch-degenerative Erkrankungen äußerst selten zu beobachten sind, ist nicht eine notwendige Folge ihrer jeweiligen paläolithischen Kost.
Unter energetischen Gesichtspunkten betrachtet besteht das gemeinsame präventive Potenzial derart unterschiedlicher Kostformen in der knappen Energiezufuhr bei gleichzeitig hohem Energieumsatz.
Solange die Energiezufuhr knapp bzw. der Energieverbrauch hoch genug ist, scheint die Frage nach den Anteilen vom Tier stammender und pflanzlicher Lebensmittel bzw. die Nährstoffrelation offenbar von untergeordneter Bedeutung zu sein.
Literatur: