V

W

X

Y

Z

Termine 2012
Februar 2012März 2012April 2012
Mai 2012Juni 2012Juli 2012
August 2012September 2012Oktober 2012
November 2012Dezember 2012Januar 2013

Niere

Die Niere ist ein Ausscheidungsorgan, das bei den Wirbeltieren paarig angelegt ist. Es ist möglich mit nur einer Niere zu leben. Die Nephrologie (griech. nephros = Niere) als Teilgebiet der inneren Medizin, beschäftigt sich mit den Nieren und ihren Krankheiten.

Begriffsbestimmungen:

Lateinisch heißt die Niere ren, daher bedeutet “renal“ "die Niere betreffend" oder "zur Niere gehörig".
Urea heißt lateinisch Harnstoff. Die Urologie ist ein Teilgebiet der Medizin. Sie beschäftigt sich mit den harnbildenden und harnableitenden Organen (Harnblase, Harnleiter, Harnröhre, Niere).
Urologen sind Fachärzte für diese Organe und behandeln außerdem Krankheiten der Geschlechtsorgane (Hoden, Nebenhoden, Penis, Prostata, Samenleiter, Samenbläschen) des Mannes.

Anatomie der Nieren:

Gewicht und Größe
Die Nieren sind bohnenförmig und braunrot. Sie sind zwischen 10 und 12 cm lang, 5 bis 6,5 cm breit, 3 bis 5 cm dick (Merkwert: 12 cm × 6 cm × 3 cm). Je nach Individuum wiegt eine Niere zwischen 120 und 200 g. Die linke Niere ist meist ein wenig größer und schwerer als die rechte. Ist eine Niere deutlich verkleinert oder fehlt sie, so ist die andere meist vergrößert.

Lage
Die Nieren liegen auf der Höhe der unteren Rippen links und rechts der Wirbelsäule im rückwärtigen Teil des Körpers.
Die Nieren haben "Kontaktflächen“ mit mehreren Organen des Bauchraums, bei der linken Niere sind es der Bauchspeicheldrüsenschwanz (Cauda pancreatis) der Grimmdarm (Colon descendens), Magen und Milz, bei der rechten Niere vor allem die Leber, der Grimmdarm und der Zwölffingerdarm (Duodenum, pars descendens). Die rechts gelegene Leber benötigt mehr Platz als die linksseitig befindlichen Organe. Dadurch liegt die rechte Niere tiefer als die linke. Auf beiden Nieren sitzt häubchenartig die halbmondförmige Nebenniere.

Nierenaufbau
Zur Beschreibung des Nierenaufbaus wird ein oberer und ein unterer Nierenpol (oberes und unteres Ende der Niere) unterschieden, eine vordere und eine hintere Fläche sowie ein medialer (d.h. der Körpermitte zugewandter) und ein lateraler (äußerer) Rand.
Am medialen (inneren) Rand befindet sich eine Einziehung, der so genannte Nierenhilus. Hier münden und verlassen Blutgefäße die Niere, außerdem befindet sich hier das Nierenbecken, von dem der Harn über die Harnleiter (Ureter) in die Harnblase gelangen.

Makroskopische Strukturen

Makroskopisch in Farbe und Struktur deutlich unterscheidbar sind:

Nierenmark (Medulla renalis) besteht aus ca. 12-15 kegelförmigen Pyramiden, deren Basis zur Nierenoberfläche zeigt, während die Spitze (Papille) in die Kelche des Nierenbeckens ragt. In der Papille befinden sich mehrere Öffnungen, durch die der Harn ins Nierenbecken gelangt.

Nierenrinde (Cortex renalis) stülpt sich über die Basis der Markpyramiden. Auf Längsschnitten erscheint die Fläche säulenförmig (sog. Bertini'sche Säulen). Eine Markpyramide mit zugehöriger Rindenschicht bildet einen Nierenlappen, der etwa keilförmig ist.

Mikroskopische Strukturen
Die Funktionseinheit der Niere ist das Nephron, in dem der Harn gebildet wird. Jede Niere enthält zwischen 1 bis 1,4 Mio. Nephrone. Das Nephron selbst besteht aus einem Nierenkörperchen (Corpusculum renis) und dem Tubulusapparat (Tubuli).
Im Nierenkörperchen befindet sich das Glomerulum. Hierbei handelt es sich um ein Knäuel von kleinsten Blutgefäßen (Kapillaren), mit je einem zu- und abführenden Gefäß (Gefäßpol). Umschlossen wird es von einer Kapsel (Bowman-Kapsel), die aus zwei Blättern besteht. In den Zwischenraum wird ein eiweißfreies Filtrat des Blutes (der Primärharn) abgegeben, das am (dem Gefäßpol gegenüberliegenden) Harnpol in ein Kanalsystem geleitet wird. Dieser tritt aus dem Nierenkörperchen in den proximalen Tubulus und in die Henleysche Schleife über, wo er nach dem Gegenstromprinzip aufkonzentriert wird. Es folgen der distale Tubulus und ein Sammelrohr (Tubulus renalis colligens).

Aufgaben der Nieren:

Eine wesentliche Funktion der Niere ist die Ausscheidung so genannter harnpflichtiger Substanzen (z.B. Harnsäure, Harnstoff, Kreatinin), giftiger Substanzen (z. B. Medikamente) und auch Wasser.
Etwa 1.500 l Blut strömt täglich über die Nierenarterie durch die Nieren. Im Glomerulum werden vor allem Eiweiß und Zellen von der Flüssigkeit getrennt, der sogenannte Primärharn wird abgepresst. Dieser enthält neben harnpflichtigen Stoffen für den Körper wichtige Nährstoffe wie z. B. Aminosäuren, Mineralsalze und Traubenzucker. Diese sind zu wertvoll, um ausgeschieden zu werden. Daher müssen sie zurückgewonnen (resorbiert) werden. Außerdem würde der Körper zu viel Flüssigkeit verlieren, wenn der gesamte Primärharn mit ca. 180 Liter pro Tag, ausgeschieden würde.

Die Resorption von Wasser und den darin gelösten wertvollen Stoffen geschieht in den Tubuli, den Sammelröhrchen. Der letztlich verbleibende Rest wird als Endharn oder auch Sekundärharn (Urin) bezeichnet. Er enthält alles, was für den Körper nicht mehr verwendbar bzw. giftig ist. Die Niere produziert in etwa 1,5 Liter Endharn pro Tag. Der von der Niere ins Nierenbecken abgegebene Urin wird jeweils durch den Harnleiter, den Ureter, zur Harnblase transportiert.

Eine weitere Nierenfunktion ist die Bildung von Hormonen bzw. die Umwandlung in die wirksame Form:

Außerdem hat die Niere wichtige regulatorische Funktionen wie die
Regulation:

Zudem ist die Niere neben der Leber maßgeblich an der Zuckersynthese (Gluconeogenese) beteiligt.

Messung der Nierenfunktion:

Die Funktion der Niere kann anhand der Urinmenge, der Urin-konzentration und der Konzentration der harnpflichtigen Substanzen (Harnsäure, Harnstoff, Kalium, Kreatinin) im Blut abgeschätzt werden.
Üblich ist die Messung der so genannten Kreatinin-Clearance.
Gemessen wird die Ausscheidung von Kreatinin, dessen Menge im Urin unter physiologischen Bedingungen relativ konstant ist. Scheidet die Niere zu wenig/zu viel Kreatinin aus, so deutet dies auf eine Funktionsschwäche bzw. eine Nierenerkrankung hin.

Krankheiten der Nieren:

Bedeutende und häufig vorkommende Nierenerkrankungen sind :

Nierenbeckenentzündung wird durch Bakterien verursacht, meist Escherichia coli (>80 %). Häufig sind nicht oder unzureichend behandelte Infekte der Blase und ableitenden Harnwege die Vorstufe. Es treten ähnliche Symptome auf wie bei einem akuten Harnwegsinfekt. Die Entzündung ruft einen Reflux (Rücklauf)- bzw. einen “Urinstau“ hervor. Typische Anzeichen sind: allgemeine Mattigkeit, Fieber, Erbrechen, Schüttelfrost und Übelkeit.

Niereninsuffizienz ist eine Funktionseinschränkung der Nieren mit einem akuten oder chronischen Verlauf. Sie entsteht häufig als Folge einer Mangeldurchblutung, bedingt durch verschiedene Grunderkrankungen (z. B. Diabetes mellitus, Hypertonie). Die Häufigkeit in Deutschland nimt zu.

Die akute Niereninsuffizienz tritt plötzlich ein. Die Nierenfunktion fällt fast komplett aus. Auslösende Faktoren sind häufig ein stark erhöhter Blutdruck, ein Schockzustand aber auch Unfälle oder Vergiftungen.
Symptome sind Oligurie (geringe Urinausscheidung) mit folgender Anurie (totales Fehlen einer Ausscheidung), Atembeschwerden, Herzrhythmusstörungen, Müdigkeit und Wassereinlagerungen. Eine unbehandelte Niereninsuffizienz kann immer zu einem Organversagen führen, im Unterschied zur chronischen kann eine akute Niereninsuffizienz vollständig geheilt werden.

Bei der chronischen Niereninsuffizienz wird das Nierengewebe kontinuierlich zerstört bis hin zum nahezu vollständigen Funktionsausfall. Symptome sind unter anderem Durchfall, gelbe Haut, Juckreiz, Kopfschmerzen, erhöhte Kreatin-Werte und vermehrtes nächtliches Wasserlassen.

Die Urämie tritt im Endstadium eines Nierenversagens auf. Infolge des Verlustes der Filtereigenschaften der Nieren kommt es zu einer Organvergiftung. Typisch sind die gelbliche Hautverfärbung, der Juckreiz und ein nach Urin riechender Atem (urämischer Fötor). Außerdem sammelt sich vermehrt Flüssigkeit im gesamten Körper an (Ödembildung), die zu eine Gewichtszunahme bewirkt.

Nierensteine lagern sich in Nierengängen oder ableitenden Harnwegen ab (Urolithiasis). Stoffe, die eine Steinbildung fördern, sind im Wesentlichen Calciumoxalat sowie Harnsäure ( Gicht). Vorstufen sind kleine Kristalle, die im weiteren Verlauf wachsen und die typischen Probleme beim Wasserlassen verursachen können. Schmerzen entstehen nur dann, wenn die Steine in den Harnleiter gelangen. Diese äußern sich stechend, krampfartig und wellenförmig vor allem im Rücken oder Flankenbereich (Koliken). Begleitend treten Blut im Urin, Erbrechen, Stuhlverhalt und Übelkeit auf.
Diäten, Flüssigkeitsmangel infolge von starkem Schwitzen oder einer zu geringen Trinkmenge begünstigen die Entstehung.

Nierenzellkarzinome gehören zu den seltenen Tumorerkrankungen, sie stellen nur drei Prozent aller Krebsfälle dar. Jedes Jahr erkranken in Deutschland etwa 15.000 Menschen neu an Nierenkrebs. Ab dem 50. Lebensjahr steigt das Risiko für Nierenkrebs und erreicht zwischen 60 und 70 Jahren seinen Höhepunkt (Leitlinien der European Association of Urology - EAU). Männer sind etwa eineinhalbmal so oft betroffen wie Frauen. Weltweit nehmen die Neuerkrankungsraten um etwa zwei Prozent pro Jahr zu.

Neben erworbenen Erkrankungen lässt sich auch eine Vielzahl angeborener Funktionsstörungen bzw. Beeinträchtigungen und Fehlanlagen im Nierenbereich aufzählen, wie z. B. die Doppel- oder Hufeisenniere, das Fanconi-Syndrom oder Morbus Fabri.

Stärkung der Niere und ableitenden Harnwege:

Die wichtigste prophylaktische Maßnahme ist das ausreichende Trinken. Allein durch das Spülen der Nieren und der ableitenden Harnwege werden Bakterien und harnpflichtige Substanzen ausgeschwemmt und damit Infektionen sowie Vergiftungen vorgebeugt. Auch der Entstehung von Steinen im Nierenbereich wird durch ausreichendes Trinken entgegengewirkt. Eine gute Orientierung ist die Empfehlung täglich über den Tag verteilt 30 ml Flüssigkeit pro kg Körpergewicht aufzunehmen. Zusätzliche über das normale Maß hinausgehende Flüssigkeitsverluste wie z. B. durch starkes Schwitzen bedingt müssen ausgeglichen werden. Als Durstlöscher geeignet sind hypotone Getränke (Mineralwasser, Leitungs- und Quellwasser, ungesüßte Früchte- und Kräutertees) sowie isotone Getränke (Fruchtschorlen und spezielle isotonische Getränke). In kleinen Mengen geeignet sind grüner und schwarzer Tee, Kaffee, alkoholische Getränke wie Bier und Wein, ungeeignet sind hypertone Getränke wie Cola, Limonaden und reine Fruchtsäfte.

Vorsicht: größere Flüssigkeitsmengen dürfen von Menschen mit Herz- oder Niereninsuffizienz nicht aufgenommen werden!

Phytotherapie
Eine Vielzahl von harntreibenden Heilpflanzen eignet sich zur so genannten Durchspülungstherapie. Dazu zählen:
Birkenblätter, Bohnenschalen, Brennnesselkraut, Goldrutenkraut, Hauhechelwurzel, Löwenzahnkraut mit Wurzeln, Schachtelhalm (Zinn-kraut).
In der Volksmedizin bekannt und beliebt sind die Wacholderbeeren, deren Anwendung aber Nieren reizend sein kann. Für Nierenkranke und Schwangere sind sie nicht zu empfehlen.
Harnwegsdesinfizierend wirken die Bärentraubenblätter, Cranberries und Preiselbeeren.

Literatur:

 

Bärentrauben, Birkenblätter, Blase, Bohnenschale, Brennnesselkraut, Cranberries, Goldrutenkraut, Löwenzahnkraut, Nierendiät, Preiselbeeren, Schachtelhalm, Wacholderbeeren
Akademie Gesundes Leben - Gotische Strasse 15 - 61440 Oberursel/Taunus,
Tel. 06172 / 3009-822 - Fax 06172 / 3009-819 - Impressum