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Nierendiät

Eine Nierendiät benötigen Menschen, bei denen Nierenerkrankungen zu einer Einschränkung der Nierenfunktion geführt haben. Unabhängig davon, wie fortgeschritten die Nierenschädigung ist, zeigen diätetische Maßnahmen sowohl kurz- als auch langfristige Wirkungen. Die Nierendiät richtet sich prinzipiell nach dem Stadium der Nierenerkrankung. Unterschieden werden:*Unter Dialyse versteht man die Entfernung von Stoffwechselschlacken und Wasser aus dem Blut über eine körpereigene oder künstliche Membran. Die Dialyse findet bei der Hämodialyse außerhalb des Körpers statt.
**Bei der Bauchfell (Peritoneal)dialyse erfolgt die Entfernung von Giftstoffen und Stoffwechselschlacken über das gut durchblutete Bauchfell als Membran.

Grundregeln einer Nierendiät ohne Dialysebehandlung:

Um das Fortschreiten der Nierenerkrankung zu verlangsamen wird eine Senkung des erhöhten Blutdrucks und bei manchen (nicht bei allen) Nierenerkrankungen die Verminderung der Eiweißzufuhr empfohlen. Der in den europäischen Ländern stark erhöhte Eiweißkonsum führt zu einer hohen Belastung der Nieren. Der normale Eiweißbedarf eines erwachsenen Menschen liegt nach internationalen Richtlinien bei etwa 0,8 g pro kg Körpergewicht, das sind ca. 60 g bei einem Körpergewicht von 75 kg. In der Bundesrepublik Deutschland beträgt der durchschnittliche tägliche Pro-Kopf-Verbrauch an Eiweiß dagegen ca. 1,3 g/kg Körpergewicht, also 97,5 g bei 75 kg Körpergewicht. Diese hohe Eiweißbelastung führt bei Menschen, deren Nieren bereits etwa durch entzündliche Prozesse geschädigt sind, zu einem beschleunigten Abbau der für die Filtration entscheidenden Nierenkörperchen (= Glomeruli).
In einem noch nicht dialysepflichtigen Stadium ist es daher möglich, über eine eiweißarme Diät das Fortschreiten der Nierenerkrankung zu verlangsamen. Positive Nebeneffekte der kontrollierten Eiweißzufuhr sind die damit verbundene Verminderung der Phosphatzufuhr und die Verbesserung der Übersäuerung (Azidose).
Darüber hinaus hat sich eine gezielte Ernährungstherapie vor dem Dialysestadium als wichtiger Faktor für die Lebensprognose unter einer späteren Dialysebehandlung herausgestellt. Ziele und Nutzen einer Diät im Vordialysestadium sind daher:Grundregeln einer Nierendiät bei Dialysebehandlung:

Die Dialyse ist zwar ein guter, aber kein vollwertiger Ersatz der natürlichen Nierenfunktion. Während die Nieren 24 Stunden am Tag arbeiten und Stoffe, die nicht vom Körper verwertet werden können, ausscheiden, dialysiert ein Patient in der Regel nur drei- bis viermal in der Woche für vier bis fünf Stunden. Zwischen den Dialysen steigt der Gehalt des Körpers an Wasser, Stoffwechselprodukten und Mineralstoffen deutlich an. Erst bei der nächsten Dialyse können diese Stoffe wieder ausgeschieden werden. Auf diese Weise ist der Körper großen Schwankungen unterworfen, die durch eine ausgewogene, auf die Nierensituation zugeschnittene Ernährungsweise verringert werden können. Hinzu kommt, dass über das Verfahren der künstlichen Blutwäsche bestimmte lebensnotwendige Nährstoffe wie Aminosäuren und Vitamine verloren gehen. Werden diese Verluste nicht über entsprechende Ernährungsmaßnahmen ausgeglichen, kann es zu Mangelerscheinungen kommen.
Die richtige Ernährung ist also eine notwendige Ergänzung der Dialysebehandlung. Im Wesentlichen muss dabei auf die Zufuhr von Flüssigkeit, Eiweiß, Vitaminen und Mineralstoffen wie Kalium, Natrium und Phosphat geachtet werden.
Auch wenn allgemeine Richtlinien für die Ernährung von Dialysepatienten vorliegen, ist es unumgänglich, einen individuellen Plan, der genau auf die Bedürfnisse jedes einzelnen Patienten zugeschnitten ist, zu erstellen. Die Stoffwechselverhältnisse lassen sich nur bedingt von einem Betroffenen auf den anderen übertragen.

Energiezufuhr
Die notwendige Energiemenge, die über die Ernährung zugeführt werden muss, richtet sich bei Dialysepatienten genau wie bei Nierengesunden nach dem täglichen Grundumsatz und der körperlichen Aktivität. Allgemein gelten als Richtwerte etwa 2500 kcal (= Kilokalorien) für einen Mann und 2100 kcal für eine Frau. Ein guter Kontrollwert für die optimale Kalorienzufuhr ist das Erhalten eines normalen Körpergewichts. Für jeden Patienten wird das optimale Körpergewicht zusammen mit dem behandelnden Dialysearzt festgelegt.

Eiweiß
Bei der Dialysebehandlung gehen generell Aminosäuren durch die Dialysemembranen verloren. Deshalb ist der Bedarf eines Dialysepatienten an täglichem Eiweiß erhöht und liegt bei etwa 1,1-1,2 g pro kg Körpergewicht, also bei ca. 90 g für ein Gewicht von 75 kg. Das sind etwa ein Drittel mehr als bei Nierengesunden.
Dieser Wert sollte nicht über- oder unterschritten werden. Nimmt der Patient zu viel Eiweiß zu sich, reichen die drei bis vier Dialysebehandlungen pro Woche nicht aus, die Eiweißabbauprodukte (Harnstoff, Phosphat) aus dem Körper zu entfernen. Bei einer zu geringen Eiweißzufuhr dagegen kommt es zu Folgeerscheinungen wie Gewichtsverlust, Muskelschwund und erhöhter Infektanfälligkeit.
Tierische Eiweiße sind im Allgemeinen biologisch hochwertiger als pflanzliche. Die so genannte biologische Wertigkeit errechnet sich daraus, wieviel Gramm eines Eiweißes benötigt werden, um 100 g körpereigenes Eiweiß herzustellen. Dieser Wert ist wesentlich für eine ausgeglichene Stickstoffbilanz. Dabei geht es darum, dass nicht mehr Stickstoff über Urin und Kot ausgeschieden als über die Nahrung zugeführt wird. Je geringer der biologische Wert eines Eiweißes ist, desto größere Mengen davon werden zur Sicherung des Bedarfs benötigt. Der Dialysepatient sollte seinen Eiweißbedarf deshalb mindestens zur Hälfte über Nahrungsmittel tierischen Ursprungs decken: Fleisch, Fisch, Milchprodukte, Eier.

Kalium
Eine zu hohe oder - bei Dialysepatienten allerdings eher selten - zu niedrige Konzentration an Kalium im Blut kann zu lebensgefährlichen Herzrhythmusstörungen führen. Da bei Dialysepatienten die Ausscheidung von Kalium über den Urin in der Regel nicht mehr gewährleistet ist, müssen sie ihre Kaliumzufuhr mit der Nahrung im Vergleich zum Gesunden stark einschränken
(nicht mehr als 2 g täglich).
Viel Kalium enthalten vor allem bestimmte Obst- und Gemüsesorten (z.B. Bananen, Kirschen, Kartoffeln, Hülsenfrüchte), Trockenobst, Nüsse, Obstsäfte.
In geringen Mengen können jedoch auch kaliumreiche Nahrungsmittel genossen werden. Für größere Mahlzeiten empfiehlt sich dabei eine besondere Behandlung beim Kochen. Kalium ist wasserlöslich und kann daher bis zu zwei Drittel aus den Lebensmitteln herausgelöst werden. Das Gemüse, z.B. die Kartoffeln, sollten dafür in kleine Stücke geschnitten und über 24 Stunden gewässert werden. Anschließend wird das Wasser abgegossen, und das Gemüse wird in viel frischem Wasser gegart. Während des Kochens sollte das Kochwasser mehrfach gewechselt und anschließend nicht weiter verwendet werden. Auch Obst verliert beim Kochen bis zu 50% seines Kaliumgehaltes.

Phosphat
Phosphat ist ein Stoff, der vor allem im Knochenstoffwechsel des Menschen eine wesentliche Rolle spielt. Ist die Phosphatkonzentration im Blut zu hoch, wird ein Hormon der Nebenschilddrüsen (= Epithelkörperchen), das so genannte Parathormon, vermehrt gebildet und ins Blut abgegeben
(= sekundärer Hyperparathyreodismus). Die Folge davon ist ein verstärkter Abbau von Kalzium aus dem Knochen, was zu einer Knochenerweichung mit erhöhter Neigung zu Knochenbrüchen (= renale Osteopathie) führt. Die Patienten leiden in einem solchen Fall unter starken Knochenschmerzen. Da auch Phosphat normalerweise vor allem über den Urin ausgeschieden wird, ist bei Dialysepatienten verstärkt auf die tägliche Zufuhr über Nahrungsmittel zu achten.
Die Lebensmittel, die viel Eiweiß enthalten, haben in der Regel auch einen hohen Gehalt an Phosphat. Zu nennen sind hierbei besonders Milchprodukte (vor allem konventioneller Schmelzkäse), Fleisch, Wurstwaren und alle Vollkornprodukte. Deshalb ist eine hohe Eiweißzufuhr meist auch mit einer hohen Phosphatzufuhr verbunden. Die Menge an täglich zugeführtem Phosphat sollte
1000-1200 mg nicht überschreiten.
Wenn die normale Dialyse die Phosphatkonzentration des Blutes nicht ausreichend senken kann, muss eine medikamentöse Behandlung mit so genannten Phosphatbindern (Aluminiumsalze, seit neuestem auch Aluminium-freie Binder sowie Kalzium-Verbindungen) eingeleitet werden.

Natrium
Natrium (Kochsalz) fördert die Einlagerung von Wasser in das Körpergewebe (= Ödembildung) und lässt den Blutdruck ansteigen. Deshalb sollten Dialysepatienten im Allgemeinen salzarm essen (weniger als 6 g pro Tag). Stark salzhaltige Produkte wie Schinken, Räucherwurst und Konserven jeder Art sollten eher gemieden werden.

Vitamine
Da durch den Dialysevorgang ungewollt die wasserlöslichen Vitamine (C, B1, B2, B6 und B12) aus dem Körper ausgewaschen werden, muss eine ausreichende Vitaminzufuhr über die Nahrung gewährleistet sein. Darüber hinaus ist es möglich, diese Vitamine in Tablettenform oder bei der Dialyse über Vitaminpräparate zuzuführen.

Flüssigkeit
Die tägliche Flüssigkeitsaufnahme ist ein zentrales Thema für jeden Dialysepatienten. Zum einen sammelt sich bei zu großen Flüssigkeitsmengen im Körper das Wasser in bestimmten Geweben an und führt zur Ödembildung. Besonders gefährlich ist dabei die Entwicklung von Lungenödemen. Zum anderen steigt bei einem zu hohen Flüssigkeitsgehalt des Blutes der Blutdruck.
Da Dialysepatienten in der Regel keine Flüssigkeit mehr über den Urin ausscheiden können, müssen sie ihre Flüssigkeitsaufnahme zwischen den Dialysen streng kontrollieren. Dabei ist sowohl auf die Trinkmenge als auch auf die Flüssigkeitszufuhr über die Nahrungsmittel (z.B. Suppen, Saucen, Obst) zu achten. Die beste Kontrolle ist hier wiederum das Körpergewicht, das zwischen zwei Dialysen nicht mehr als 1 kg pro Tag ansteigen sollte. Für eine solche Kontrolle ist tägliches Wiegen, am besten morgens nüchtern in leichter Kleidung, zu empfehlen.

Literatur:
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