Das Reformhaus-Fachlexikon
Informationen zu Ernährung, Heilpflanzen, Naturheilkunde und Vitalstoffen. Nachschlagewerk mit über 690 Stichworten auf mehr als 2250 SeitenDas Gleichgewicht zwischen Säuren und Basen (Alkalien) im Körper ist von entscheidender Bedeutung für einen reibungslosen Ablauf aller Stoffwechselvorgänge. Wissenschaftlich umstritten ist die Frage, inwieweit die Ernährung den Säure-Basen-Haushalt beeinflusst.
Chemisch-physikalische Grundlagen:
Zur Bestimmung des Säure-Basen-Gehaltes einer Lösung wird der pH-Wert ermittelt. Er gibt das Verhältnis von Säuren (in Form von positiv geladenen Wasserstoffionen = H+) zu Basen (in Form von Hydroxyl-Ionen = OH-) an. Ein pH-Wert von 7 zeigt eine neutrale Lösung an. Werte unter 7 zeigen ein zunehmend saures Milieu an, Werte über 7 ein zunehmend basisches. Die Mess-Skala reicht von 0 14.
pH-Werte im Organismus:
In einem Organismus herrscht kein einheitlicher pH-Wert. Die Werte varrieren entsprechend den Bedingungen, die in den verschiedenen Körperräumen und Organen anzutreffen sind. Beispiele für pH-Werte:
Blut: 7,35
Dünndarm: 8,0
Haut: 5,5
Magen: 1,0 2,0
Urin: 4,6 7,5
Der jeweilige pH-Wert ist wichtig für die Funktionen und Stoffwechselabläufe, insbesondere für die Enzymaktivitäten. Beispielsweise ist der saure pH-Wert des Magens notwendig für die Desinfektion des Speisebreies und für die Eiweißverdauung.
Die Molekülform der Proteine und damit eine normale Struktur der Zellbestandteile ist pH-abhängig. Auch die optimale Wirksamkeit der Enzyme (alter Begriff: Fermente) sind hochaktive Eiweißstoffe, die biochemische Reaktionen stark beschleunigen oder erst ermöglichen. Auf diese Weise regulieren sie viele Stoffwechselvorgänge. Zusammen mit Vitaminen und Hormonen werden sie häufig auch als Wirkstoffe bezeichnet.Enzyme ist an einen normalen pH-Wert gebunden. Insgesamt haben die pH-Werte des Blutes und der Körperflüssigkeiten Einfluss auf folgende Faktoren:
Regulation des Säure-Basen-Haushaltes:
Gründlich erforscht ist v.a. die Regulation des Blut-pH-Wertes. Er wird in engen Grenzen gehalten, um Stoffwechselentgleisungen zu verhindern. Blut-pH-Werte unter 7,0 und über 7,8 können zum Tode führen.
Stoffe, die Säuren bzw. Basen neutralisieren können, werden Puffer genannt. Im Blut werden folgende Puffersysteme unterschieden:
Die Ausscheidung der sauren bzw. basischen Komponenten geschieht über die Lunge (in Form von Kohlendioxid) und über die Niere (in Form von Hydrogencarbonat).
Da das Blut ein stark "gepuffertes System" ist d.h. schon kleine Veränderungen des pH-Wertes werden sofort korrigiert ist der Einfluss der Ernährung auf den Blut-pH- Wert gering.
Weitgehend unbekannt ist dagegen die Rolle des Bindegewebes bei der Regulation des Säure-Basen-Haushaltes.
Störungen im Säure-Basen-Gleichgewicht:
Steigt der Blut pH-Wert über die obere Grenze der Norm (über 7,45), dann spricht man von Alkalose (erhöhte Basizität), fällt er unter die untere Grenze der Norm (7,35), kommt es zu einer Azidose (Säureüberschuss).
Zusätzlich wird je nach der Ursache der Störung eine metabolische (= stoffwechselbedingte) Azidose (bzw. Alkalose) von einer respiratorischen (= atmungsbedingte) Azidose (bzw. Alkalose) unterschieden.
Ursachen einer metabolischen Azidose können unter anderem sein:
Ursachen einer metabolischen Alkalose können unter anderem sein:
Ursachen einer respiratorischen Azidose können unter anderem sein:
Ursachen für eine respiratorische Alkalose können unter anderem sein:
Störungen des Säure-Basen-Gleichgewichtes im Bindegewebe:
Vor allem in der Naturheilkunde wird die Bedeutung des Bindegewebes für den Säure-Basen-Haushalt des Körpers stark hervorgehoben. Eine Reihe von Krankheiten, wie z. B. vegetative Störungen (z. B. Migräne), rheumatische Erkrankungen, Stoffwechselerkrankungen (z. B. Diabetes ist eine Stoffwechselstörung, die durch einen absoluten bzw. relativen Insulinmangel gekennzeichnet ist. Man unterscheidet zwei Formen des Diabetes, Typ I (früher Jugenddiabetes)und Typ II (früher Altersdiabetes). Diabetes, Gicht ist eine ererbte Stoffwechselstörung des Purin- bzw. Harnsäurestoffwechsels. Bei erhöhter Konzentration in Blut (Hyperurikämie) und Körpersäften kann die Harnsäure auskristallisieren und zu dem äußerst schmerzhaften Gichtanfall führen. Gicht) ), Krankheiten des Verdauungstraktes u. a. werden mit einer "Übersäuerung" (Azidose) des Bindegewebes in Zusammenhang gebracht.
Eine Grundannahme ist die These, dass chronischen Erkrankungen häufig latente (verborgene) Azidosen mit abgesunkener Basenreserve vorauslaufen.
Diese verborgene Übersäuerung soll darin begründet sein, dass sich überschüssige Säuren beim Transport von den Zellen zum Blut oder umgekehrt im Bindegewebe ablagern und dort zu Störungen des Stoffwechsels führen.
Ernährung und Säure-Basen-Haushalt:
Die Rolle der Ernährung für den Säure-Basen-Haushalt wird in der wissenschaftlichen Diskussion unterschiedlich bewertet. Aus schulmedizinischer Sicht wird die Bedeutung der Nahrungsmittel für den Säure-Basen-Haushalt gering eingeschätzt. Grundlage dieser Bewertung ist die Regulation des Blut pH-Wertes, die in sehr engen Grenzen erfolgt. Die Auswahl der Lebensmittel hat danach kaum einen Einfluss auf den Blut-pH-Wert. Schon kleine Abweichungen werden sofort korrigiert (siehe auch Regulation des Säure-Basen-Haushaltes).
Demgegenüber wird die Rolle der Ernährung auf den Säure-Basen-Haushalt in der Komplementärmedizin und in verschiedenen alternativen Ernährungsformen stark hervorgehoben.
Einfluss von Lebensmitteln auf den Säure-Basen-Haushalt:
Zahlreiche Tabellen verschiedener Autoren bewerten den Einfluss einzelner Lebensmittel auf den Säure-Basen-Haushalt. Die Lebensmittel bzw. Lebensmittelgruppen werden nach ihrer Wirkung (sauer, neutral, basisch) auf die Säurebilanz des Körpers unterschieden.
Eine häufig angewendete Messmethode beruht auf Messungen des Urins. Hierbei wird ermittelt, welche Wirkung bestimmte Lebensmittel auf den Urin-pH-Wert haben.
Als Säure bildend werden danach diejenigen Lebensmittel bezeichnet, deren Verzehr eine Ansäuerung des Urins bewirkt; als basenbildend solche, deren Verzehr eine Alkalisierung hervorruft.
Bei einer anderen Methode wird der Gehalt an Basen bildenden Mineralstoffen (Der Gesamtkörperbestand dieses Mineralstoffes beträgt ca. 1 kg beim Mann und ca. 800 g bei der Frau. Mehr als 99 % des Calciumbestandes befinden sich in Form von Calcium-Hydroxyapatit (Ca5(PO4)Oh) im Knochen und in den Zähnen.Calcium, Kalium gehört zu den Mineralstoffen. Es ist ein Mengenelement, der Bestand im menschlichen Körper beträgt etwa 140 g. Rund 90 % des Kaliums im Körper befindet sich innerhalb der Zellen. Kalium ist der "Gegenspieler" des Natriums, das hauptsächlich außerhalb der Zellen vorkommt.
Kalium, Magnesium ist ein essentieller Mineralstoff. Mg ist neben Kalium der bedeutendste Mineralstoff in den Zellen. Magnesium, Natrium gehört zu den Mineralstoffen. Es ist ein Mengenelement, der Bestand im menschlichen Körper beträgt etwa 100 g. Häufiges Problem ist die Überversorgung mit Natrium, die Bluthochdruck begünstigen kann.Natrium) denen an Säure bildenden Mineralstoffen (Chlor, Phosphor liegt im Organismus in Form von Phosphat vor, entweder als freies Phosphat oder gebunden als Baustein zahlreicher Verbindungen z.B. Lezithin, ATP u.a.). Der erwachsene Mensch hat durchschnittlich einen P-Bestand von rund 700 g, wovon 70 - 80 % im Skelett liegen.Phosphor, Schwefel wird fast ausschließlich in Form der S-haltigen Aminosäuren Methionin und Cystein aufgenommen. Die nicht zum Eiweißaufbau verwerteten Mengen an diesen Aminosäuren werden im Stoffwechsel oxydiert, wobei Sulfat entsteht.
Schwefel) gegenübergestellt. Je nach Gesamtbilanz wird eine Einteilung in Basen- oder Säureüberschuss vorgenommen.
Beispielsweise enthält demnach Spinat in 100 g 22,3 mval (chemisches Äquivalentgewicht) Basen bildende Valenzen und 6,4 mval Säure bildenden Valenzen. Er hat demzufolge einen Basenüberschuss von 16,9 mval. Hafer ist nicht ganz so alt wie die meisten anderen Getreidearten. Ursprünglich kommt er aus Vorderasien, wird aber auch in Europa schon lange angebaut. Über mehrere Jahrhunderte war Haferbrei ein fester Bestandteil unserer Ernährung.Hafer enthält in 100 g 24,0 mval Basen bildende Valenzen und 37,4 Säure bildenden Valenzen, d. h. er hat einen Säureüberschuss von 13,4 mval.
Beide Messmethoden geben nur einen Teilaspekt des äußerst komplexen Geschehens der Säure-Basen-Regulation wieder. Zudem sind die Tabellen über die Säure- bzw. Basenwirkung einzelner Lebensmittel nicht einheitlich. Während manche Lebensmittel in bestimmten Übersichten als Basen bildend bewertet werden werde sie in anderen Tabellen als Säurebildner eingestuft.
Einigkeit besteht weitestgehend über die Wirkung der wichtigsten Lebensmittelgruppen.
Die folgende Übersicht ist eine Zusammenstellung aus mehreren Säure-Basen-Tabellen.
| Stark Säure bildend | Schwach Säure bildend | Schwach Basen bildend | Stark Basen bildend |
| Alkohol ist die übliche Kurzbezeichnung für den "Genussalkohol" Äthylalkohol, der auch Äthanol oder Ethanol genannt wird. Chemisch ist Alkohol die Bezeichnung für bestimmte Kohlenwasserstoffverbindungen, bei denen Hydroxylgruppen (OH-Gruppen) Wasserstoffatome ersetzen.Alkohol, Eier ist die handelsübliche Bezeichnung für Hühnereier. Eier anderer Tiere (Ente, Gans) müssen der Art entsprechend benannt werden.Eier | Nüsse | Hülsenfrüchte | Blattsalate |
Nahrungsergänzungs- und Naturheilmittel für den Säure-Basen-Haushalt:
Im Handel werden zahlreiche Basenmischungen in unterschiedlichen Zusammensetzungen angeboten. Zu beachten ist, dass etliche Basenmischungen als Trägerstoff Milchzucker enthalten. Diese sind nicht geeignet für Menschen mit einer Milchzuckerunverträglichkeit (Laktoseintoleranz).
Basenüberschüssige Pflanzen (Tees und Frischpflanzensäfte) sind z.B.:
Neben den Produkten, die im Stoffwechsel eine basische Wirkung entfalten, werden bei erhöhter Säureausschüttung des Magens traditionell Säure neutralisierende oder Säure aufsaugende (absorbierende) Mittel angewendet. Hier kommen z. B. in Frage: Heilerde gehört zu den ältesten Heilmitteln der Welt. Schon in der antiken Welt genossen die nach ihren Herkunftsorten benannten Erden als Heilmittel hohes Ansehen. Die Wirkungen der Heilerde beruhen hauptsächlich auf ihren physikalischen Eigenschaften.Heilerde, Kartoffelsaft, Kieselsäure (Silicea), Weißkohlsaft.
Literatur und Adressen:
Basenfasten, Bohnenschalen, Brennnessel, Heilerde, Kartoffel, Kieselerde/-säure, Löwenzahnkraut, Silicium