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Säure-Basen-Haushalt

Das Gleichgewicht zwischen Säuren und Basen (Alkalien) im Körper ist von entscheidender Bedeutung für einen reibungslosen Ablauf aller Stoffwechselvorgänge. Wissenschaftlich umstritten ist die Frage, inwieweit die Ernährung den Säure-Basen-Haushalt beeinflusst.

Chemisch-physikalische Grundlagen:

Zur Bestimmung des Säure-Basen-Gehaltes einer Lösung wird der pH-Wert ermittelt. Er gibt das Verhältnis von Säuren (in Form von positiv geladenen Wasserstoffionen = H+) zu Basen (in Form von Hydroxyl-Ionen = OH-) an. Ein pH-Wert von 7 zeigt eine neutrale Lösung an. Werte unter 7 zeigen ein zunehmend saures Milieu an, Werte über 7 ein zunehmend basisches. Die Mess-Skala reicht von 0 – 14.

pH-Werte im Organismus:

In einem Organismus herrscht kein einheitlicher pH-Wert. Die Werte varrieren entsprechend den Bedingungen, die in den verschiedenen Körperräumen und Organen anzutreffen sind. Beispiele für pH-Werte:

Blut: 7,35
Dünndarm: 8,0
Haut: 5,5
Magen: 1,0 – 2,0
Urin: 4,6 – 7,5

Der jeweilige pH-Wert ist wichtig für die Funktionen und Stoffwechselabläufe, insbesondere für die Enzymaktivitäten. Beispielsweise ist der saure pH-Wert des Magens notwendig für die Desinfektion des Speisebreies und für die Eiweißverdauung.

Die Molekülform der Proteine und damit eine normale Struktur der Zellbestandteile ist pH-abhängig. Auch die optimale Wirksamkeit der Enzyme ist an einen normalen pH-Wert gebunden. Insgesamt haben die pH-Werte des Blutes und der Körperflüssigkeiten Einfluss auf folgende Faktoren:

Regulation des Säure-Basen-Haushaltes:

Gründlich erforscht ist v.a. die Regulation des Blut-pH-Wertes. Er wird in engen Grenzen gehalten, um Stoffwechselentgleisungen zu verhindern. Blut-pH-Werte unter 7,0 und über 7,8 können zum Tode führen.

Stoffe, die Säuren bzw. Basen neutralisieren können, werden Puffer genannt. Im Blut werden folgende Puffersysteme unterschieden:

Die Ausscheidung der sauren bzw. basischen Komponenten geschieht über die Lunge (in Form von Kohlendioxid) und über die Niere (in Form von Hydrogencarbonat).
Da das Blut ein stark "gepuffertes System" ist d.h. schon kleine Veränderungen des pH-Wertes werden sofort korrigiert ist der Einfluss der Ernährung auf den Blut-pH- Wert gering.

Weitgehend unbekannt ist dagegen die Rolle des Bindegewebes bei der Regulation des Säure-Basen-Haushaltes.

Störungen im Säure-Basen-Gleichgewicht:

Steigt der Blut pH-Wert über die obere Grenze der Norm (über 7,45), dann spricht man von Alkalose (erhöhte Basizität), fällt er unter die untere Grenze der Norm (7,35), kommt es zu einer Azidose (Säureüberschuss).
Zusätzlich wird je nach der Ursache der Störung eine metabolische (= stoffwechselbedingte) Azidose (bzw. Alkalose) von einer respiratorischen (= atmungsbedingte) Azidose (bzw. Alkalose) unterschieden.

Ursachen einer metabolischen Azidose können unter anderem sein:

Ursachen einer metabolischen Alkalose können unter anderem sein:

Ursachen einer respiratorischen Azidose können unter anderem sein:

Ursachen für eine respiratorische Alkalose können unter anderem sein:

Störungen des Säure-Basen-Gleichgewichtes im Bindegewebe:

Vor allem in der Naturheilkunde wird die Bedeutung des Bindegewebes für den Säure-Basen-Haushalt des Körpers stark hervorgehoben. Eine Reihe von Krankheiten, wie z. B. vegetative Störungen (z. B. Migräne), rheumatische Erkrankungen, Stoffwechselerkrankungen (z. B. Diabetes, Gicht) ), Krankheiten des Verdauungstraktes u. a. werden mit einer "Übersäuerung" (Azidose) des Bindegewebes in Zusammenhang gebracht.
Eine Grundannahme ist die These, dass chronischen Erkrankungen häufig latente (verborgene) Azidosen mit abgesunkener „Basenreserve“ vorauslaufen.
Diese verborgene Übersäuerung soll darin begründet sein, dass sich überschüssige Säuren beim Transport von den Zellen zum Blut oder umgekehrt im Bindegewebe ablagern und dort zu Störungen des Stoffwechsels führen.

Ernährung und Säure-Basen-Haushalt:

Die Rolle der Ernährung für den Säure-Basen-Haushalt wird in der wissenschaftlichen Diskussion unterschiedlich bewertet. Aus „schulmedizinischer“ Sicht wird die Bedeutung der Nahrungsmittel für den Säure-Basen-Haushalt gering eingeschätzt. Grundlage dieser Bewertung ist die Regulation des Blut pH-Wertes, die in sehr engen Grenzen erfolgt. Die Auswahl der Lebensmittel hat danach kaum einen Einfluss auf den Blut-pH-Wert. Schon kleine Abweichungen werden sofort korrigiert (siehe auch Regulation des Säure-Basen-Haushaltes).
Demgegenüber wird die Rolle der Ernährung auf den Säure-Basen-Haushalt in der Komplementärmedizin und in verschiedenen alternativen Ernährungsformen stark hervorgehoben.

Einfluss von Lebensmitteln auf den Säure-Basen-Haushalt:

Zahlreiche Tabellen verschiedener Autoren bewerten den Einfluss einzelner Lebensmittel auf den Säure-Basen-Haushalt. Die Lebensmittel bzw. Lebensmittelgruppen werden nach ihrer Wirkung (sauer, neutral, basisch) auf die Säurebilanz des Körpers unterschieden.
Eine häufig angewendete Messmethode beruht auf Messungen des Urins. Hierbei wird ermittelt, welche Wirkung bestimmte Lebensmittel auf den Urin-pH-Wert haben.
Als Säure bildend werden danach diejenigen Lebensmittel bezeichnet, deren Verzehr eine Ansäuerung des Urins bewirkt; als basenbildend solche, deren Verzehr eine Alkalisierung hervorruft.
Bei einer anderen Methode wird der Gehalt an Basen bildenden Mineralstoffen (Calcium, Kalium, Magnesium, Natrium) denen an Säure bildenden Mineralstoffen (Chlor, Phosphor, Schwefel) gegenübergestellt. Je nach Gesamtbilanz wird eine Einteilung in “Basen- oder Säureüberschuss“ vorgenommen.

Beispielsweise enthält demnach Spinat in 100 g 22,3 mval (chemisches Äquivalentgewicht) Basen bildende Valenzen und 6,4 mval Säure bildenden Valenzen. Er hat demzufolge einen Basenüberschuss von 16,9 mval. Hafer enthält in 100 g 24,0 mval Basen bildende Valenzen und 37,4 Säure bildenden Valenzen, d. h. er hat einen Säureüberschuss von 13,4 mval.

Beide Messmethoden geben nur einen Teilaspekt des äußerst komplexen Geschehens der Säure-Basen-Regulation wieder. Zudem sind die Tabellen über die “Säure- bzw. Basenwirkung“ einzelner Lebensmittel nicht einheitlich. Während manche Lebensmittel in bestimmten Übersichten als Basen bildend bewertet werden werde sie in anderen Tabellen als Säurebildner eingestuft.
Einigkeit besteht weitestgehend über die Wirkung der wichtigsten Lebensmittelgruppen.

Die folgende Übersicht ist eine Zusammenstellung aus mehreren Säure-Basen-Tabellen.

Stark Säure bildend

Schwach Säure bildend

Schwach Basen bildend

Stark Basen bildend

Alkohol, Eier
Fisch, Fleisch
Kaffee, Käse
Süßwaren
Weißmehlprodukte
Wurstwaren

Nüsse
Quark
Sahne
Vollkornprodukte

Hülsenfrüchte
Milch
Pilze
Trockenobst

Blattsalate
Gemüse
Kartoffeln
Obst


Nahrungsergänzungs- und Naturheilmittel für den Säure-Basen-Haushalt:

Im Handel werden zahlreiche Basenmischungen in unterschiedlichen Zusammensetzungen angeboten. Zu beachten ist, dass etliche Basenmischungen als Trägerstoff Milchzucker enthalten. Diese sind nicht geeignet für Menschen mit einer Milchzuckerunverträglichkeit (Laktoseintoleranz).
Basenüberschüssige Pflanzen (Tees und Frischpflanzensäfte) sind z.B.:

Neben den Produkten, die im Stoffwechsel eine basische Wirkung entfalten, werden bei erhöhter Säureausschüttung des Magens traditionell Säure neutralisierende oder Säure aufsaugende (absorbierende) Mittel angewendet. Hier kommen z. B. in Frage: Heilerde, Kartoffelsaft, Kieselsäure (Silicea), Weißkohlsaft.

Literatur und Adressen:

Basenfasten, Bohnenschalen, Brennnessel, Heilerde, Kartoffel, Kieselerde/-säure, Löwenzahnkraut, Silicium

 

 

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