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Milch

Milch und Milchprodukte zählen in der Geschichte der Menschheit zu den ältesten Lebensmitteln. Früheste Belege über Milch stammen von sumerischen Relieftafeln, die Milchgewinnung und Verarbeitung um ca. 3000 v. Chr. darstellen.
Als "Milch" wird nach dem Milchgesetz lediglich die Kuhmilch bezeichnet, während die Milch anderer Tiere nur unter deutlicher Kennzeichnung der Tierart, z. B. als Ziegenmilch, Schafmilch, in Verkehr gebracht werden darf.
Die Milch entsteht im Euter der Kuh durch Umwandlung von Blutbestandteilen, wobei der Saugreiz (Melkreiz) unentbehrlich ist. Um 1 Liter Milch zu bilden, müssen 300-400 Liter Blut das Euter durchströmen.

Rohmilch/Vorzugsmilch:

ist eine Milch, die in ihrer natürlichen Beschaffenheit roh (nicht erhitzt) mit unverändertem Fettgehalt in den Verkehr gebracht wird. Dies ist die einzige Ausnahme nach der Kuhmilch roh gehandelt werden darf, denn ansonsten schreibt das Milchgesetz die Erhitzung in Molkereien zwingend vor.
Die Betriebe, die eine solche Milch produzieren, müssen als Vorzugsmilchbetriebe anerkannt sein. Es werden besonders strenge Anforderungen an den Gesundheitszustand der Kühe, an die laufende Überprüfung und an die Beschaffenheit der Milch, an Behandlung, Verpackung und Beförderung gestellt. Der Gesundheitszustand des Personals wird ebenfalls überwacht.
Vorzugsmilch ist immer die Milch vom Vortage mit Ausnahme von Freitag und Samstag. Die Milch, die am Freitag und Samstag gemolken wird, wird nicht als Vorzugsmilch in den Handel gebracht, sondern in die Molkerei angeliefert.
Vorzugsmilch wird ausschließlich in verkaufsfertiger Verpackung angeboten. Für Säuglinge sollte man vorher die Rohmilch erhitzen.

Erhitzte Trinkmilch:

Der weitaus größte Teil der Milch wird einer Erhitzung in Molkereien unterzogen, die insbesondere der Keimreduzierung bzw. -freimachung der Milch dient.Vor der Erhitzung unterliegt die Milch einer Qualitätskontrolle, bei der folgende Faktoren geprüft werden:

  • Bakteriologische Beschaffenheit (Keimzahl)
  • Frischezustand (Reduktionsproben, Alkoholprobe, Säuregrad bzw. pH-Wert)
  • Gefrierpunkt
  • Geschmack, Geruch, Aussehen
  • Hemmstoffe (z. B. Antibiotikarückstände)
  • wertgebende Inhaltsstoffe (Eiweiß,- Fettgehalt)
  • Zellgehalt (Hinweis auf Euterentzündung)

Ferner erfolgt eine Reinigung der Milch im Separator. Bei dieser Reinigung werden auch feinste Schmutzpartikel entfernt. Gleichzeitig kann Rahm abgetrennt werden.
Unterschieden werden verschiedene Erhitzungsverfahren. Lange Zeit waren als anerkannte Pasteurisationsverfahren ausschließlich die Dauererhitzung (62-65 °C während mindestens 30 Minuten), die Kurz-erhitzung (71-74 °C während mindestens 40 Sekunden) sowie die Hoch-erhitzung (mindestens 85 °C während 8-16 Sekunden) erlaubt. Neu hinzugekommen ist die so genannte ESL-Milch.

Pasteurisierte Milch:

Kurzzeiterhitzte Milch ("pasteurisierte Trinkmilch") wird bei 72 bis 75 °C für 15 bis 30 Sekunden in speziellen Milcherhitzern indirekt wärmebehandelt ("Pasteurisieren") und dann abgekühlt. Nach diesem Verfahren behandelte Milch hat ein Mindesthaltbarkeitsdatum (MHD) von bis zu 10 Tagen. Sie muss auch ungeöffnet im Kühlschrank gelagert werden. Nach dem Pasteurisieren wird die Milch sofort auf die Temperatur von 5 °C gekühlt. Durch die Pasteurisierung wird das Bakterienwachstum stark gehemmt. Die Vermehrungsformen von Mikroorganismen werden bis zu 99 % abgetötet. Die Verluste an essentiellen Nährstoffen sind bei der Pasteurisation gering, sie betragen ca. 1-2 % an Lysin (Aminosäuren), zwischen 0 und 5 % bei Pyridoxin und weniger als 10 % bei Vitamin B1 (siehe Tabelle).
Neben dieser herkömmlichen Frischmilch wird im Handel seit einiger Zeit auch ESL-Milch angeboten, wobei ESL für “Extended Shelf Life“, also länger haltbar oder länger frisch steht. Im Unterschied zur frischen Milch liegt die Temperatur bei der ESL – Milch kurzzeitig bei 85 bis maximal 127 °C. Anschließend wird sofort abgekühlt, sodass der Geschmack der von Frischmilch nahe kommt. Entscheidend für die Herstellung von
ESL-Milch ist die Verringerung der Keime in der Rohmilch, bevor diese zur weiteren Keimreduzierung pasteurisiert wird. Hierbei werden unterschiedliche Verfahren eingesetzt (Bactofuge → Keime werden durch Zentrifugalkraft herausgeschleudert; Mikrofiltration → entrahmte Milch wird filtriert).
Diese Milch muss auch ungeöffnet im Kühlschrank gelagert werden und hat ein MHD von ca. drei Wochen.
Während mit thermischen Verfahren hergestellte ESL-Milch anfangs als hocherhitzt gekennzeichnet werden musste, ist diese Verpflichtung seit August 2007 entfallen. Solche Milch darf seitdem genau wie Frischmilch als lediglich pasteurisiert deklariert sein. ESL-Milch ist seit 1990 im Handel erhältlich. Sie wird meistens auffällig auf den Verpackungen als “länger frisch“, “längerfrische Milch“, “extra lange frisch“ oder ähnlich bezeichnet und beworben.

Ultrahocherhitzte Milch (H-Milch)

H-Milch ist eine länger haltbare Milch. Gegenüber der Sterilmilch war die Entwicklung der Ultrahocherhitzung ein entscheidender Fortschritt. Durch die Erhöhung der Erhitzungstemperatur konnte die für die Keimtötung erforderliche Erhitzungszeit so stark reduziert werden, dass die chemischen Veränderungen, beispielsweise am Eiweiß und an den Vitaminen, wesentlich vermindert wurden.
Bei der Ultrahocherhitzung wird die Milch während 3-6 Sekunden auf 135-150 °C erhitzt, damit werden alle Mikroorganismen abgetötet.
Zwei Erhitzungsverfahren werden unterschieden:
Bei der indirekten UHT-Behandlung kommt die Milch nur indirekt mit dem Wärmeträger in Berührung. Sie fließt zwischen Platten, die mit Heißwasser erhitzt wurden.
Beim direkten UHT-Verfahren wird direkt in die Milch unter hohem Druck Wasserdampf (Dampfinjektionsverfahren) eingeleitet. H-Milch hat ein MHD von bis zu drei Monaten, während der sie ungeöffnet bei Zimmertemperatur gelagert werden kann.

Sterilmilch:

Bei der Sterilisation wird die Milch während 10-30 Minuten auf 110-120 °C erhitzt. Durch diese lange Wärmebehandlung ist die Milch keimfrei, allerdings werden viele Inhaltsstoffe der Milch zerstört.

Vitaminverluste bei verschiedenen Erhitzungsverfahren

Verfahren Vit. B1 Vit. B2 Vit. B12 Folsäure Vit. C
Pasteurisation 5 % 0 % < 10 % > 5 % 5 – 25 %
ESL 10 – 20 % < 10 % < 10 % < 15 % < 20 %
Ultrahocherhitzung 5 – 10 % < 10 % 5 – 20 % < 20 % 5 – 30 %
Kochen 5 – 10 % < 5 % 5 – 20 % 5 % 5 – 50 %
Sterilisation 20 – 50 % 5 – 20 %  20 – 80 % < 30 % > 50 %


Quelle: milch NRW – Landesvereinigung Milchwirtschaft NRW e.V.

Homogenisierte Milch:

Der größte Teil der im Handel erhältlichen Milch wird neben der Erhitzung außerdem homogenisiert.
Bei der Homogenisierung wird die Milch bei ca. 50-75 °C mit hohem Druck (25-350 bar) durch feine Düsen gepresst. Dadurch werden die in der Milch vorliegenden kleinen Fettkügelchen von ca. 10 µm auf eine Größe von weniger als 1 µm zerkleinert.
Das Homogenisieren hat ausschließlich technologische Vorteile:
Es kann sich keine Rahmschicht mehr bilden, die weitere Verarbeitung der Milch wird erleichtert und der Geschmack der Milch wird durch das Homogenisieren voller.

Milchsorten nach Fettgehalt:

Milch wird mit unterschiedlichen Fettgehalten angeboten. Zu unterscheiden sind:

  • nicht standardisierte Vollmilch mit natürlichem Fettgehalt (mindestens 3,5 %, meist zwischen 3,8–4,4 %
  • standardisierte Vollmilch von mindestens 3,5 %
  • teilentrahmte, fettarme Milch mit mindestens 1,5 und höchstens 1,8 %
  • entrahmte Milch, Magermilch mit höchstens 0,5 % Fett

Kondensmilch:

Wird aus eingedickter Milch hergestellt. Die angelieferte Rohmilch wird entweder pasteurisiert oder ultrahocherhitzt und dann im Vakuum bei etwa 60-70 °C schonend eingedampft (evaporieren). Durch das Verdampfen des Wassers wird die Milch auf rund die Hälfte ihres ursprünglichen Volumens eingedickt. Durch das Hinzufügen von Rahm oder Magermilch kann man die so behandelte Milch auf einen bestimmten Fettgehalt einstellen. Das Sterilisieren erfolgt beim Verarbeitungsprozess in der Verpackung immer und zwangsläufig; es braucht daher nicht extra deklariert zu werden.

Ungezuckerte Kondensmilch wird in vier Fettstufen angeboten:

  • kondensierte Kaffeesahne mit mindestens 15 % Fett.
  • Kondensmilch mit mindestens 7,5 % Fett
  • teilentrahmte Kondensmilch mit mehr als 1,0 % und weniger als 7,5 % Fett.
  • Kondensmagermilch mit höchstens 1 % Fett.

Gezuckerte Kondensmilch wird wie Kondensmilch, jedoch unter Zusatz von Zucker hergestellt; lediglich die Sterilisation entfällt, da das Produkt durch den Zucker bereits haltbar ist. Es findet fast ausschließlich in der Süßwarenindustrie Verwendung.

Inhaltsstoffe Milch je 100 g (Rohmilch)

verw. Kohlenhydrate 4,7 g   Brennwert 67 kcal
Eiweiß 3,3 g   Wasser 87,2 g
Fett 3,7 g      
Vitamine: besonders A, B1, B2
Mineralstoffe: besonders Calcium, Phosphor, Kalium, Magnesium, Jod
Sonstiges: Das Eiweiß der Milch ist sehr hochwertig und besteht vor allem aus Casein, Lactalbumin und Lactoglobulin.


Quelle: Souci-Fachmann-Kraut: Die Zusammensetzung der Lebensmittel - Nährwert-Tabellen; medpharm Scientific Publishers, Stuttgart 2000.

Bedeutung für die menschliche Ernährung:

Ernährungsphysiologisch wertvoll ist das hochwertige Milcheiweiß, der Milchzucker, die B-Vitamine v. a. das Vitamin B2 (= Lactoflavin),
Vitamin A und D sowie das Calcium. Mit einem halben Liter Milch wird 75 % des Calciumbedarfs eines Erwachsenen gedeckt. Der Milchzucker wirkt begünstigend auf die Calciumresorption, so dass das Calcium aus der Milch optimal ausgenutzt wird. Im Säuglings- und Kleinkindalter gehört die Milchallergie zu den häufigsten Lebensmittelallergien. Meist verliert sich die Allergie im späten Kindesalter.
Von Bedeutung ist die Milchzuckerunverträglichkeit, die auf einen Mangel an Lactase das Milchzucker spaltende Enzym zurückzuführen ist.
An Bedeutung zu nimmt die laktosefreie Milch. Der Milchzuckergehalt wird hierbei auf unter 0,1 % reduziert. Um dies zu erreichen, wird das Enzym Lactase zugesetzt, das den Milchzucker in Glukose (Traubenzucker) und Galaktose (Schleimzucker) spaltet. Lactosefreie Milch schmeckt etwas süßer als Laktosehaltige Milch, da vor allem das Spaltprodukt Glukose eine höhere Süßkraft hat als die Lactose.

Verwendung:

Milch kann roh oder leicht erwärmt getrunken werden. Der größte Teil der Milchproduktion wird jedoch verarbeitet. (siehe Verarbeitungsprodukte).
Milch und Rahm runden den Geschmack der Speisen ab, verfeinern und gleichen aus. Zu scharf geratene Saucen werden harmonischer, leichte Suppen vollmundiger und kräftiger. Bei Gemüse tritt der Eigengeschmack durch Milch- oder Sahnezugabe besser hervor.

Verarbeitungsprodukte:

  • Sauermilcherzeugnisse
  • Rahmerzeugnisse
  • Käse

Milchmischgetränke enthalten Milch sowie bis zu 30 % weitere Zutaten wie z. B. Aromen, Fruchtzubereitungen, Kakao und Zucker (meist zwischen 3 und 7 %). Das bekannteste und beliebteste Milchmischgetränk ist der Kakao. Zu beachten ist die Oxalsäure im Kakao, die zu einer Komplexbildung mit Calcium führt und somit die Calciumaufnahme vermindern kann. Allerdings wird von der Oxalsäure im Kakao lediglich weniger als 1 % des Calciums gebunden, die Verfügbarkeit des Calciums ist somit nur minimal eingeschränkt.

Das Besondere an ökologisch erzeugten Milchprodukten:

Die Milch stammt von Bauernhöfen mit ökologisch-orientierter Weidewirtschaft, die folgende Merkmale aufweist:

  • ökologische, artgerechte Tierhaltung und Tierfütterung nach BÖLW (= Bund Ökologische Lebensmittel Wirtschaft e.V.) -Richtlinien
  • keine genmanipulativ veränderten Tiere
  • keine genmanipulativ oder gentechnisch erzeugten Zusätze zur Milchgewinnung oder Milchverarbeitung
  • keine Futtermittel tierischer Herkunft
  • schonende Be- und Verarbeitung der Milch

Spezielle Hinweise für Kunden:

Nicht geeignet bei Kuhmilch-Allergie und Milchzucker-Unverträglichkeit.

Lagerung:

Milch und Milcherzeugnisse sind luft-, wärme- und lichtempfindlich. Daher sollten Milch und Milcherzeugnisse zugedeckt bei einer Temperatur von knapp über 0 °C im Kühlschrank (dunkel) aufbewahrt werden, somit ist ihre Haltbarkeit um einige Tage oder Wochen zu verlängern. Bei diesen Temperaturen werden die Enzymaktivität und die Vermehrung der Mikroorganismen gemindert.

H-Milch kann ohne Kühlung mehrere Wochen aufbewahrt werden. Allerdings werden auch im Verlauf einer längeren Lagerung Vitamine abgebaut. Will man Vitaminverluste vermeiden, so ist es besser, auch ungeöffnete Pakungen im Kühlschrank aufzubewahren. (Vitaminverluste bei Raumtemperatur nach 6 Wochen 10-35 %).

Geöffnete Packungen sind kurzfristig zu verbrauchen, da die praktisch keimfrei abgefüllte Milch einen idealen Nährboden für Keime darstellt.

Literatur:

  • Tummel, B.: Milch und Milchprodukte: Fakten, Fragen, Irrtümer; Landesvereinigung der Milchwirtschaft NRW e.V
  • http://www.meine-milch.de/


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