Rohkost

 

Als Rohkost bezeichnet man eine Ernährungsweise, die aus vorwiegend unverarbeiteten Lebensmitteln besteht. Die meisten als Rohkost beschriebenen Kostformen enthalten überwiegend pflanzliche Lebensmittel.

Rohkost wurde im 19. Jahrhundert von verschiedenen Ernährungs-forschern als eine Art Heilnahrung angesehen, die therapiebegleitend bei verschiedenen Erkrankungen hilfreich sein sollte. Aufsehen erregende Erfolge erzielte Maximilian Bircher-Benner mit seiner “vegetabilen Rohkost“ bei Patienten mit Krankheiten des rheumatischen Formenkreises.

Rohkost-Kriterien und Rohkost-Konzepte:

Die verschiedenen Rohkostkonzepte unterscheiden sich primär in folgenden Aspekten:

In der populärwissenschaftlichen Literatur wird rohe Nahrung häufig mit Begriffen wie lebendig und vital verbunden, erhitzte Nahrung dagegen als denaturiert oder gar “tot“ bezeichnet. Häufig wird eine Temperatur von 40°C als Grenze zur “Denaturierung“ angegeben, weil ab dieser Temperatur die Enzyme nicht mehr aktiv sein können bzw. die “Proteine denaturiert würden“.

In der Praxis existiert eine Vielzahl von Rohkostkonzepten: Eine wissenschaftliche Bewertung ist schwierig, da viele Rohköstler nicht ausschließlich ein Konzept verfolgen und diese Form der Ernährung nur vorübergehend praktizieren.

In der Gießener Rohkost-Studie (Ergebnisse auf S. 4) nennen 30,9 % der praktizierenden Rohköstler als wichtigstes Rohkostbuch: “Willst Du gesund sein Vergiss den Kochtopf“ von Helmut Wandmaker, 26,5 % die “Instinctotherapie“ von Guy-Claude Burger und 17,6 % den “Großen Gesundheitskonz“ von Franz Konz.

Eine Übersicht populärer Rohkostkonzepte ist in der folgenden Tabelle zu finden.

Rohkost-Ernährung
Vegetarische RohkostRohkost mit Fleisch/Fisch
Ovo-lakto-vegetabilVegane Rohkostrohroh/erhitzt
Waerlandkost 1934 
Åre und Ebba Waerland
ohne GetriedeInstincto-therapie 1985
Nach Guy-Claude Burger
Evers-Diät
1936
Dr. med. J. Evers
Rohkost nach Walker 1940
Norman F. Walker
Obst-Rohkost
Sonnenkost nach  Helmut Wandmaker 1988
Rohkost nach Dr. Nolfi 1944
Kristine Nolfi M.D.
Urkost
nach Franz Konz 1989
Enzyme Diet nach 
Edward Howell m.D. 1946
Sunfood Diet Success SystemFit for life 1985
Harvey u. Marilyn Diamond
mit GetreideBioklimatische Ernährung
1990
Jean Huntzinger
Fruitarian healing system 1907 nach Abramowski
Schleimfreie Heilkost 1924 Ehret
Urgesetz der natürlichen Ernährung  1924
Walter Sommer
Natural Hygiene Diet 1928
Schnitzer Intensivkost 1975
Hippokrates Diet 1980
Wigmore
Rainbow Diet 1986
Cousens
Hallelujah Diet 1989
Malkmus

 

Quelle: Semler, E.: Rohkost-Ernährung Ernährungs-Umschau 55 (2008) S. 280-289

Um eine umfassende wissenschaftliche Bewertung der Auswirkungen einer konsequent und dauerhaft angewandten Rohkosternährung vornehmen zu können, sind Langzeitstudien notwendig. Die bislang aussagekräftigsten Ergebnisse lieferte die Gießener Rohkoststudie, bei der nach ungefähr einem Jahrzehnt ein ausführlicher Fragebogen an die 201 Teilnehmer des Endkollektivs der Gießener Studie von 1993/1994 gesandt und ausgewertet wurde.

Ausgewählte Ergebnisse:

Vor- und Nachteile von Rohkost:

Vorteile:

Nachteile:

Literatur: