Ayurveda

 

 

Ayurveda ist eine ganzheitliche Lebens-, Gesundheits- und Medizinlehre, die ihren Ursprung in Indien hat. Ayurvedische Medizin und Ernährung finden auch in Europa zunehmend Interesse. Ayurveda leitet sich ab von den Sanskritworten "ved" = Wissen und "ayus" = gesundes Leben.

Geschichte und Ausbreitung:

Das Wesen der Ayurveda wurde jahrhundertelang mündlich durch Gesänge und Verse überliefert, bevor die Regeln und Empfehlungen aufgeschrieben wurden. Die Ursprungsdaten können daher nur geschätzt werden. Die "Rigveda" ist schätzungsweise 4500 Jahre alt und ist damit das älteste Lied der Welt. In 128 Hymnen beschreibt sie 67 Kräuter und die medizinische Heilung im alten Indien. Die "Atharvaveda", entstand vor ca. 3200 Jahren, gibt zusätzliche Informationen über die Wurzeln dieser Medizin.
Die Ayurveda wurde weiter praktiziert und der erste schriftliche Text war die "Charaka Samhita". Sie wurde von dem ayurvedischen Lehrer Charaka etwa 700 v.Chr. in Punjab verfasst und enthält eine große Anzahl von Informationen über die Anwendung der Medizin im allgemeinen und von Nahrung und Kräutern zur Heilung im speziellen.
Die Ayurveda erlebte unter dem Hindu-Krieger Ashoka eine Blütezeit. Durch die Verbreitung des Buddhismus wurde die Ayurveda Grundlage einiger bedeutender Heilverfahren wie z.B. der tibetanischen buddhistischen Medizin und teilweise der chinesischen Medizin. Sie beeinflusste auch die medizinischen Heilpraktiken in Japan und Indonesien.
Mit der Besetzung Indiens durch die Moslems im 10. und 11. Jahrhundert n.Chr. wurde die Ayurveda zwangsweise durch das heute noch praktizierte islamische Heilverfahren der "Unani" ersetzt. Auch während der späteren Besetzung durch die Engländer wurde die Ayurveda unterdrückt. Mit der Unab-hängigkeit Indiens wurde die Ayurveda wiederbelebt.

Bereiche der ayurvedischen Gesundheitslehre:

Die Ausbildung von ayurvedischen Ärzten schloss das Studium der Astrologie, Farbtherapie, Heilung mit Edelsteinen, Psychologie, Klimakunde, Heilkräuterkunde und Ernährungskunde mit ein. Die traditionelle ayurvedische Medizin umfasst acht Bereiche: Gynäkologie und Geburtenhilfe, Toxikologie, Hals-Nasen-Ohren-Medizin, Kinderheilkunde, allgemeine oder innere Medizin, Augenheilkunde und Chirurgie, die plastische Chirurgie eingeschlossen.

Philosophische Grundlagen und Konstitutionslehre:

In der ayurvedischen Lebensauffassung ist alles Lebendige auf der Erde aus 5 Elementen zusammengesetzt: Erde (= Substanz), Wasser (= Flüssigkeit), Feuer (= Energie), Luft (= Beweglichkeit) und Äther (= Raum für die Materie). Diese "5 Bausteine des Seins" werden im Ayurveda zu 3 Lebensenergien, den "Doshas" zusammengefasst:

Vata: Äther und Luft bilden das Prinzip der Bewegung
Pitta: Feuer und Wasser das Prinzip der Umwandlung
Kapha: Erde und Wasser das Prinzip der Formgebung

Die Lehre von den 3 Doshas spielt eine zentrale Rolle im ayurve-dischen System. Danach sind in jedem lebenden Organismus die 3 unsichtbar miteinander verbundenen Energien Vata, Pitta und Kapha vorhanden. Diese Kräfte bestimmen das jeweilige Erschei-nungsbild, den Aufbau und die Funktionsweise der inneren Organe, die Art der intellektuellen Fähigkeiten sowie das psychische Muster eines Menschen.
Entscheidend für die Gesundheit ist ein Gleichgewicht der 3 Doshas. Damit ist nicht gemeint, dass alle 3 Doshas zu gleichen Anteilen vorhanden sein müssen, wichtig ist eine optimale Balance dieser Grundkräfte bei jedem Menschen.
Jeder sollte seinen persönlichen Konstitutionstyp (Dosha) kennen, da Verhaltens- und Ernährungsregeln im Ayurveda zugeschnitten sind auf die jeweiligen Typen.

Beim Vata-Typ dominiert das Element Luft. Wechselhaftigkeit kennzeichnet seine ganze Lebensführung. Ähnlich den Eigenschaften des Windes können geistige und körperliche Energien schubweise auftreten. Der Vata-Typ ist lebendig, kreativ und begeisterungsfähig, manchmal allerdings auch unberechenbar. Sein Körperbau ist leicht und sein Gewicht gering, er hat unregelmäßig Appetit, eine unregelmäßige Verdauung und häufig Probleme im Magen-Darm-Bereich.

Beim Pitta-Typ dominiert das Element Feuer. Daher sind Pitta-Menschen hitzige Charaktere mt häufig hellroten Haaren und rosiger Gesichtsfarbe. Ehrgeiz, Zielstrebigkeit, aber auch eine Neigung zu heftigen Zornesausbrüchen sind typisch. Sie sind Kämpfer- und Führungsnaturen, die sich nur schwer unterordnen können. Sie sind zielstrebig, konzentrationsfähig und analytische Denker. Ihr Körperbau ist sportlich und wohlproportioniert; sie haben meist großen Appetit, eine gute Verdauung, bevorzugen kaltes Essen und Getränke mit süßem, bitteren oder herbem Geschmack.

Beim Kapha-Typ dominiert das wässrig-erdige Element. Kapha-Menschen sind ruhige, beständige und ausgeglichene Menschen mit starker Lebenskraft und großem Durchhaltevermögen. Langsamkeit ist charakteristisch für ihr gesamtes Verhalten. Entscheidungen werden in Ruhe und mit Bedacht getroffen. Vom Körperbau sind sie eher stark und schwer. Kapha-Menschen legen Wert auf gutes Essen, doch Gewichtsprobleme und eine langsame Verdauung machen ihnen zu schaffen.

Die wenigsten Menschen sind reine Vata-, Pitta- oder Kaphatypen. Die meisten sind Mischtypen mit der Dominanz von 2 Doshas. Daher wird im Ayurveda unterschieden zwischen den 3 reinen Typen, den Mischtypen mit der Dominanz von 2 Doshas und den Mischtypen, bei denen alle 3 Doshas relativ gleichgewichtig vertreten sind.

Die Ayurvedische Ernährungslehre:

Die Ernährung hat in der Ayurveda eine prophylaktische und therapeutische Bedeutung. Die Grundlagen der ayurvedischen Ernährungslehre bilden verschiedene Regeln für die Zubereitung der Nahrung, den Zeitpunkt der Nahrungsaufnahme, die Speisenkombination, die optimale Verwendung von Gewürzen und die Beachtung des jeweiligen Konstitutionstypes.