Blähungen

 

 

 

Unter Blähungen - auch Flatulenz genannt - versteht man eine übermäßige Ansammlung von Luft oder Gasen im Verdauungstrakt. Meteorismus beschreibt einen so genannten "Blähbauch", der auch eine Vorwölbung zeigt. Bei der Flatulenz dagegen, gehen übermäßig viele Darmgase über den Anus ab.
Meist sind Blähungen harmlos und werden durch bestimmte Lebensmittel oder durch zu hastiges Essen mit "Luft schlucken“ verursacht.

Entstehung von Darmgasen:

Im Verdauungstrakt werden im Laufe eines Tages etwa 14 Liter Gase gebildet, vor allem Kohlendioxid, das im Darm bei der Neutralisation des sauren Magensaftes entsteht. Die Gase werden kontinuierlich aus dem Darm abtransportiert, wobei der Hauptanteil davon in das Blut übergeht und über die Lungen abgeatmet wird. 99 Prozent der Gase sind geruchlos.
Das Gas im Magen-Darm-Trakt resultiert überwiegend aus dem Verschlucken von Luft (circa 2 500 mL/Tag) sowie aus intestinaler Gasbildung. Es besteht vorwiegend aus Stickstoff (N2), weniger als zwei Prozent Sauerstoff (O2) und variierenden Mengen an Kohlendioxid (CO2), Wasserstoff (H2) und Methangas (CH4).
Wird die Menge der Gase im Darm zu groß, bilden sich größere Gasbläschen, die nicht mehr abgeatmet werden können. Es kommt zur Schaumbildung. Für die im Bauchraum so angesammelten Gasbläschen gibt es zwei Wege, aus dem Körper zu entweichen: "nach oben“ durch Aufstoßen ("Rülpsen“) oder "nach unten“ durch Windabgang (medizinisch: Flatulenz).
Die übermäßige Luft im Bauch kann weitere Beschwerden auslösen.
Hierzu zählen:

Blähungen bei Säuglingen:

Viele Säuglinge leiden in den ersten drei Lebensmonaten unter Blähungen, der so genannten "Dreimonatskolik“. Der Verdauungstrakt ist in dieser Lebensphase noch unreif. Hinzu kommt häufig, dass die Babies viel Luft beim Trinken schlucken. Durch den Kontakt von Luft und Milch im Babybauch bildet sich ein zäher, feinblasiger Schaum. Die Gasblasen wandern in den Darm, wo sie auf die Darmwand drücken und Schmerzen verursachen. Diese Koliken sind häufig begleitet von heftigen, lang andauernden Schreiattacken.

Ursachen von Darmgasen:

Darmgase können auf verschiedene Arten entstehen. Die wichtigsten Faktoren sind:

Enzymmangel:
bei einem Mangel von Verdauungsenzymen im Magen- und Darmtrakt kann es zu starken Blähungen kommen. Häufig ist es Laktasemangel, durch den es zu einer unzureichenden Verdauung von Milchzucker kommt. (= Laktoseunverträglichkeit, oder Milchzuckerunverträglichkeit)

Fruchtzucker und Zuckeraustauschstoffe:
die Fruktosemalabsorption ist eine Stoffwechselstörung, bei der Fruktose (Fruchtzucker) nicht in ausreichenden Mengen resorbiert werden kann. Durch eine noch nicht genau bestimmte Ursache ist die Aufnahme von Fruktose vom Darm ins Blut verringert und daher die Konzentration im gesamten Darm erhöht. Im Dickdarm wird Fruktose von Darmbakterien unter anderem zu Wasserstoff sowie Kohlenstoffdioxid und kurzkettigen Fettsäuren verstoffwechselt, welche die Symptome insbesondere die Blähungen verursachen. Auch andere so genannte Zuckeraustauschstoffe zum Beispiel Sorbit, Mannit und Xylit können zu starker Gasbildung im Darm führen. Sie finden sich häufig in Kaugummi und Softdrinks.

Spezielle Lebensmittel:
Bestimmte Gemüsesorten, Getreide und Hülsenfrüchte enthalten Kohlenhydrate, die häufig nicht ausreichend aufgespalten also verdaut werden. Sie gelangen unverdaut in den Dickdarm, wo es unter bakterieller Einwirkung zu Gärungs- und Fäulnisprozessen kommt.

Bestimmte Lebensmittelkombinationen:
Eine ungünstige Kombination von bestimmten Lebensmitteln kann eine vermehrte Gasbildung zur Folge haben. Früchte z. B. werden sehr schnell verdaut und sollten deshalb für sich gegessen werden. Wenn sie mit anderen Lebensmitteln kombiniert werden, verlangsamt sich die Verdauung und die Früchte können anfangen zu gären.
Bei Verdauungsschwäche kann auch die Kombination von Proteinen mit stärkehaltigen Kohlenhydraten zu Problemen führen.

Geschluckte Luft und lufthaltige Lebensmittel:
Normalerweise werden kleine Mengen Luft beim Essen und beim Trinken (kohlensäurehaltige Getränke) mitgeschluckt. Dies wird durch zu viel Reden beim Essen verstärkt oder durch zu schnelles Essen verursacht.
Auch besonders lufthaltige Nahrungsmittel, wie z. B. Softeis, Sahne, Getränke mit viel Kohlensäure oder Bier, verursachen Blähungen.

Magen-Darm-Erkrankungen:
schwere Magen-Darm-Erkrankungen oder Krankheiten der Anhangsorgane wie Bauchspeicheldrüse oder Leber gehen häufig mit Malabsorptions-Zuständen (unzureichende Verdauungsleistung) einher. Dies muss diagnostisch abgeklärt werden. Blähungen treten auch bei einem Reizmagen oder Reizdarm auf; nur selten sind plötzlich auftretende Blähungen Anzeichen einer ernsten Erkrankung.

Medikamente:
Auch einige Medikamente (z. B. Antibiotika, Medikamente in der Diabetes-Behandlung) können als Nebenwirkung Blähungen hervorrufen. Ist die Behandlung kurzzeitig, so verschwinden die Beschwerden bald nach Absetzen des Medikaments wieder. Wichtig ist es auch bei dauerhafter Behandlung die Medikamente nicht abzusetzen, sondern die als Nebenwirkung auftretenden Blähungen mit Hilfe rezeptfreier Medikamente zu behandeln.

Empfehlungen zur Vorbeugung/Selbsthilfe von Blähungen:

Naturheilmittel gegen Blähungen:

Zu den sogenannten Karminativa gehören Anis, Fenchel, Koriander, Kümmel, Kamille und Pfefferminze. Diese sechs natürlichen, blähungstreibenden Mittel werden sowohl einzeln als Tee als auch in Teemischungen angeboten. Sie wirken krampflösend, gärungswidrig und verdauungsfördernd.
Wichtig ist die Arzneibuchqualität! Ohne ausreichende Wirkstoffmenge tritt kein Effekt ein. Außerdem sollten Anis-, Fenchel- und Kümmelfrüchte vor der Teezubereitung angequetscht werden.
Bei unzureichender Ausschüttung von Verdauungssäften in Magen und Darm sind Enzyme hilfreich. Eiweiß spaltende Enzyme sind in frischen tropischen Früchten wie Ananas (Bromelin), Kiwi (Actinidin), Melone und Papaya (Papain) enthalten. Auch Pepsin fördert die Eiweißverdauung. Eine traditionelle Zubereitung aus Pepsin ist z. B. der Pepsinwein.

Medikamente gegen Blähungen:

Medikamente gegen Blähungen lösen die Luftbläschen im Darm auf. Diese Medikamente enthalten als Wirkstoff entweder Dimeticon oder Simethicon oder eine Kombination beider Wirkstoffe. Die Wirkstoffe sorgen für eine Entschäumung des Verdauungsbreies im Darm, indem sie die gebildeten Gasbläschen zum Platzen bringen.

Literatur:

Ananas, Anis, Enzyme, Fenchel, Fruchtzucker, Kamille, Kümmel, Milchzuckerunverträglichkeit, Papaya, Pfefferminze,