Gallensteine

 

 

 

Ein Gallenstein (Cholelith, von griechisch “chole“ = Galle, “lithos“ = Stein) entsteht aufgrund einer Kristallisation in der Gallenflüssigkeit. Gallensteine unterscheiden sich in ihrer Größe, die von einigen Millimetern (auch Sludge oder Grieß genannt) bis hin zu mehreren Zentimetern reicht.

Aufgabe und Zusammensetzung der Galle:

Die Gallenflüssigkeit – kurz als Galle bezeichnet – wird in der Leber gebildet. Rund ein halber Liter “Lebergalle“ wird in der Gallenblase zu der grünlichen “Blasengalle“ eingedickt.

Die Galle spielt eine wesentliche Rolle bei der Fettverdauung. Über die Galle können auch Stoffwechselendprodukte und Giftstoffe ausgeschieden werden. Die Galle besteht zu ca. 82 % aus Wasser und zu ca. 12 % aus Gallensäuren. Diese werden zu etwa 95 % im tieferen Darmabschnitt wiedergewonnen und der Leber zugeführt (= enterohepatischer Kreislauf). Dies stellt eine Art “Recycling“ dar, d.h. Die Leber spart sich erhebliche Produktionsarbeit. Die weiteren Bestandteile sind:

Gallenblase als Speicherorgan:

Die Gallenblase, die etwa neun Zentimeter lang ist und ein Fassungsvermögen von 50 Milliliter hat, dient als Speicher für die in der Leber erzeugte Galle. Bei der Nahrungsaufnahme wird die Galle durch das Zusammenziehen der Gallenblasenmuskulatur über den Gallenblasengang freigesetzt.

Anatomie von Gallenblase und Gallengängen:

Die Gallenblase liegt an der Unterseite der Leber. Ihr Ausgang, der Gallenblasengang (Ductus cysticus), verbindet die Gallenblase mit dem gemeinsamen Lebergallengang. Durch diesen Zusammenschluss von Lebergallengang und Gallenblasengang entsteht der Hauptgallengang (Ductus choledochus), der gemeinsam mit dem Gang der Bauchspeicheldrüse in den Zwölffingerdarm mündet.

Gallensteinleiden = Cholelithiasis:

Ist die häufigste und bedeutendste Erkrankung der Gallenblase und der Gallengänge. Nahezu alle anderen Krankheiten der Gallengänge entstehen aufgrund von Gallensteinen.

Häufigkeit:

In den westlichen Industrieländern leiden etwa zehn bis 15 Prozent der Erwachsenen unter Gallensteinen, allerdings klagen nur etwa 25 Prozent der Betroffenen über Beschwerden. Frauen erkranken wesentlich häufiger als Männer.

Die festen kristallinen Ablagerungen (Konkremente) werden je nach Ort ihres Auftretens bezeichnet:

Zusammensetzung der Gallensteine:

Als Hauptgruppen werden unterschieden:

Cholesterinsteine: 70 % der Gallensteine; bestehen zu über 70 % aus Cholesterin; gelbe Farbe, können kirschgroß werden.

Pigment- oder Bilirubinsteine: 20 % der Gallensteine; im Kern meist Cholesterin, an das Gallenfarbstoff (Bilirubin) als Kalziumbilirubinat anlagert ist; etwa sandkorngroß, treten in größeren Mengen auf; braune oder schwarze Farbe; Konsistenz weich oder bröckelig.

Kombinationssteine: 10 % der Gallensteine; entstehen durch Verkalkung von Cholesterin- und Pigmentsteinen durch entzündliche Prozessen. Dabei entsteht eine Mischung aus Cholesterin, Pigment und Kalk. Der Anteil an Cholesterin bei diesen Steinen beträgt zwischen 30 und 70 Prozent. Sie sind häufig vielfarbig und hart. Etwa zehn Prozent der Erkrankten sind von einer Verkalkung der Gallensteine im Verlauf der Erkrankung betroffen.

Entstehung von Gallensteinen:

Gallensteine entstehen in der Regel aufgrund einer Störung des Gallensäurestoffwechsels, bei denen vor allem Bilirubin- und/oder Cholesterin eine Rolle spielen. Eine Infektion in der Gallenblase oder den Gallengängen kann ein begünstigender Faktor sein, auch die Ernährung kann zur Gallensteinbildung beitragen. Vor allem eine Übersättigung der Gallenflüssigkeit mit Cholesterin ist die Voraussetzung für eine Konkrementbildung. Beteiligt sein können:

Liegt das Verhältnis von Gallensäuren zu Cholesterin unter 13: 1 (Normalwert: 20 : 1), bleibt das Cholesterin nicht mehr in Lösung. Eine erhöhte Konzentration von Schleimstoffen (Muzine) führt dann zu einer verstärkten Ausfällung von Cholesterin in der Galle und in Folge zu einem Steinwachstum.

Die Bildung von Gallensteinen unterliegt auch einer erblichen Veran-lagung. Die „5 F-Regel“ beschreibt die Risikogruppen:

Rund 75 Prozent der Personen mit Gallensteinen sind symptomlos.

Charakteristische Beschwerden sind:

Achtung: Beschwerden bei einer leichten Gallenblasenreizung ähneln denen einer Magenschleimhautentzündung und können daher miteinander verwechselt werden.

Diagnose von Gallensteinen:

Wichtig für bei der Diagnosestellung ist die Vorgeschichte (typische Symptome – s.o., evtl. erlittene Koliken).
Typisch ist ein Klopfschmerz über der Gallenblase. Mittels einer Blutprobe (erhöhte Leberwerte) kann der Verdacht erhärtet werden.
Bei einem Verschluss der Gallengänge im Bereich des Gallenblasenausgangs kann die Ultraschalluntersuchung (Sonographie) die Steine meist “aufdecken“.
Nicht so eindeutig ist der Befund, wenn die Steine in den Gallengängen liegen. Dann muss zusätzlich eine sogenannte Endoskopie erfolgen.
Auch die so genannte orale Cholezystographie ist eine sichere Methode, um Gallensteine in der Gallenblase nachzuweisen. Dabei wird die Gallenblase nach Gabe eines Kontrastmittel geröntgt.

Therapie von Gallensteinen:

Zu unterscheiden sind operative und nicht operative Methoden. Zu den operativen Therapien zählen:

Laparoskopie: eine Bauchspiegelung mithilfe eines Endoskops (so genannte "Schlüssellochchirurgie"). Dabei wird die Gallenblase entfernt (= Cholezystektomie). Fehlt die Gallenblase, so ist keine Speicherung der Galle mehr möglich. Die Folge ist ein andauernder leichter Gallefluss in den Darm, der normalerweise unproblematisch ist. Vermieden werden sollten sehr fettreiche Speisen.
ERCP (endoskopische retrograde Cholangio- und Pankreatographie): bei dieser zunächst diagnostischen Methode werden Gallengangssteine nach Entdeckung direkt entfernt, indem über ein Endoskop ein Körbchen in den Gallengang eingeführt, der Stein gefasst und herausgenommen wird.

Nicht-operative Behandlungsmethoden sind weniger effektiv und werden daher seltener angewendet. In Frage kommen:

Die medikamentösen Therapie mit Gallensäuren (Ursodeoxycholsäure (UDCA) oder Chenodeoxycholsäure), mit denen die Steine über mehrere Monate hinweg aufgelöst werden,
Steinauflösung mit Methyl-Tertbutyläther (MTBE),
Steinzertrümmerung (Lithotrypsie) mittels außerhalb des Körpers (extrakorporal) erzeugter Schallwellen.
Bei diesen Methoden kommt es in den meisten Fällen zum erneuten Auftreten der Gallensteine (Rezidivbildung).

Ernährungsfaktoren:

Die wichtigsten Ernährungsfaktoren, die die Entstehung von Gallensteinen fördern sind:

Ballaststoffarme Ernährung (Verzögerung der Nahrungspassage im Darm, erhöhte Fettaufnahme)
Energiearme Ernährung gekoppelt mit schneller Gewichtsreduktion
Fettreiche Ernährung (vor allem gesättigte Fettsäuren, die zur körpereigenen Bildung von Cholesterin führen)
Parenterale Ernährung
Übergewicht (20 %iges Übergewicht verdoppelt das Gallensteinrisiko)
Zuckerreiche Ernährung (Mechanismus unbekannt)

Kaffeetrinker haben ein verringertes Risiko!

Direkte Auslöser für Gallenbeschwerden sind häufig:

Aber auch eine normale Mahlzeit kann bei bestehenden Steinen Symptome auslösen.

Literatur: