TCM-Ernährung

 

Die traditionelle chinesische Medizin (TCM) hat sich vor etwa 3000 Jahren aus dem Taoismus entwickelt. Ein wichtiger Bestandteil der TCM ist neben Akupunktur, Bewegung (z.B. Tai Chi), Massage, Meditation und Pflanzenheilkunde die Ernährung.

Philosophisches Fundament:

Alle Lebensvorgänge gründen auf dem Yin-Yang-Prinzip. Yin und Yang sind zwei Pole, die nahezu alle Lebensbereiche in zwei entgegengesetzte Polaritäten zuordnen also z.B. männlich-weiblich, hell-dunkel, kalt-warm, nass-trocken usw.
Ein gestörtes Yin-Yang Gleichgewicht ebnet Krankheiten den Weg. Anzustreben ist daher in der TCM ein energetisch ausgewogener Lebensstil, zu dem auch die Ernährung gehört.

5-Elemente-Lehre:

Eine weitere wichtige Säule der TCM ist die Einteilung von materiellen, energetischen und emotionalen Faktoren in die 5 Elemente Holz, Feuer, Erde, Metall und Wasser. Jedes der 5 Elemente nährt das benachbarte Element und wird bestimmten Qualitäten zugeordnet. So unterhält Holz das Element Feuer, die Asche des Feuers ernährt die Erde, aus der Erde wird Metall gewonnen, die Mineralien des Metalls machen das Wasser lebendig und das Wasser ernährt die Pflanzen, aus denen wiederum das Holz hervorgeht. Somit schließt sich der Kreis der 5 Elemente!
Jeder Mensch durchläuft nach der Lehre der TCM in seinem Leben 5 Entwicklungsphasen, die von den jeweiligen Elementen geprägt werden. Wird er jeweils positiv unterstützt, entwickeln sich den Elementen zugeordnete vorteilhafte und hilfreiche Lebenseinstellungen und -haltungen. Unter ungünstigen Einflüssen kommt es dagegen zu negativen Haltungen.

Geburt und frühe Kindheit = Holz

Positiv: Kreativität, Spontanität, Toleranz, Großzügigkeit und Offenheit
Negativ: Steifheit, Intoleranz, Zorn, Geiz und Gefühlslosigkeit

Jugend = Feuer

Positive Entwicklung: Intelligenz, Wissen, Intuition, geistige Klarheit
Negative Entwicklung: Desinteresse, mangelndes Verständnis für andere, Unfähigkeit, ein geistiges Leben zu führen

Mittleres Lebensalter = Erde

Positive Entwicklung: Vernunft, praktische Erfahrung und Konzentration auf das Wesentliche
Negative Entwicklung: Unfähigkeit Ideen umzusetzen, aus Erfahrung zu lernen und eine Existenz zu gründen

Reifes Lebensalter = Metall

Positive Entwicklung: Materieller und psychologischer Überschuss, Selbstbewusstsein, Mitfühlen
Negative Entwicklung: Existenzangst, egoistisches Denken, Rücksichtslosigkeit

Fortgeschrittenes Alter = Wasser

Positive Entwicklung: Furchtlosigkeit, Spiritualität
Negative Entwicklung: Angst, Blockaden, Feindseligkeit



  Holz Feuer Erde Metall Wasser
Jahreszeit Frühling Sommer Spätsommer Herbst Winter
Klima Wind Hitze Feuchtigkeit Trockenheit Kälte
Farbe Grün Rot Gelb Weiss Blau/schwarz
Yin-Organ Leber Herz Milz Lunge Nieren
Yang-Organ Gallenblase Dünndarm Magen Dickdarm Blase
Sinn Sehen Sprechen Schmecken Riechen Hören
Geschmack Sauer Bitter Süss Scharf Salzig
Emotion Zorn Freude Vernunft Trauer Angst


Quelle: Temelie 1996


Lebensmittelauswahl:

Ziel der Ernährung in der TCM ist die Harmonisierung von Yin und Yang. Nach diesem Ziel richtet sich die optimale Lebensmittelauswahl und -zubereitung.
Die 5 Elemente-Lehre spielt dabei eine wichtige Rolle. Zum Beispiel werden bestimmte Organsysteme und Geschmacksrichtungen den 5 Elementen zugeordnet.
Große Bedeutung hat auch die thermische Behandlung. Industriell verarbeitete, v.a. tiefgekühlte Lebensmittel werden abgelehnt. Aber auch Rohkost sollte nicht im Übermaß verzehrt werden. Beachtet wird das Klima und die Befindlichkeit: an kalten Tagen und bei Erschöpfungszuständen werden wärmende Lebensmittel empfohlen, bei heißen Temperaturen sollten eher "kalte" Nahrungsmittel gegessen werden.
Gedünstetes Gemüse und Vollgetreideprodukte stehen bei den Empfehlungen ganz oben. So genannte neutrale Lebensmittel (siehe Tabelle) werden bevorzugt empfohlen, da sie ausgleichend wirken und den Körper mit Lebensenergie ("Qui") erfüllen.
In jeder Mahlzeit sollten alle 5 Geschmacksrichtungen vertreten sein, mindestens aber drei.


  heiß warm neutral erfrischend kalt
Holz
(sauer)
  Grünkern
Huhn
Essig
  Weizen
Ente
Sauerkraut
Orangen
Tomaten
Zitronen
Joghurt
Feuer
(bitter)
Hammel
Bockshornklee
Buchweizen
Schafskäse
Kurkuma
Feldsalat
Rosenkohl
Roggen
Rote Beete
Quitte
Salbei
Grüner Tee
Erde
(süss)
Fenchel
Zimt
Walnüsse
Amaranth
Kürbis
Aprikose
Vanille
Honig
Haselnüsse
Hirse, Mais
Alle Kohlsorten
Pflaumen
Rind, Butter
Safran
Sonnenblumenkerne
Olivenöl
Gerste
Mangold
Birnen
Tofu
Estragon
Ahornsirup
Gurken
Bananen
Metall
(scharf)
Chilli
Muskat
Hafer
Zwiebeln
Fasan
Schimmelkäse
Kümmel
Hase Reis
Kohlrabi
Gans
Kresse
 
Wasser
(salzig)
  Forelle
Thunfisch
Erbsen
Karpfen
Kichererbsen
Tintenfisch
Algen
Mung-Bohnen
Austern
Miso



Ernährungsphysiologische Bewertung:

Die Ernährung nach der TCM ist eine vegetarisch orientierte Ernährungsweise mit einem hohen Getreideanteil. Die Ernährungsempfehlungen richten sich weitgehend nach individuellen Merkmalen (Yin-/Yangüber-schuss bzw. Yin-Yangmangel, "Qui"-Fluß u.a.), die auf der Basis der chinesischen Medizin beruhen. Eine Bewertung nach westlichen, naturwissenschaftlichen Kriterien ist nur schwer möglich. Aufgrund der jahrtausendealten, guten Erfahrungen gehört die Ernährung nach der TCM zu den empfehlenswerten alternativen Ernährungsformen.

TCM-Ernährung im Reformhaus:

Da die TCM-Ernährung qualitativ hochwertige naturbelassene Lebensmittel empfiehlt, kommen zahlreiche Lebensmittel des Reformhauses für diese Ernährungsform in Frage. Lediglich Tiefkühlprodukte werden abgelehnt.

Literatur: