Typgerechte Ernährung

 

Die typgerechte Ernährung ist ein Ernährungskonzept, das im Wesentlichen auf den Grundsätzen der Vollwerternärung basiert, zusätzlich noch konstitutionelle Aspekte mit einbezieht. Hintergrund ist die Kritik an den herkömmlichen Ernährungs- und Gesundheitsempfehlungen, die individuelle Merkmale (Gestalt, Gewicht, Muskeltonus, Persönlichkeit u.v.a.) der Menschen kaum oder gar nicht berücksichtigen.

Begriff der Konstitution:

Konstitution leitet sich vom lateinischen Wort constitutio (Beschaffenheit) ab. Medizinisch wird die Konstitution als individuelle Eigentümlichkeit des Menschen, durch Erbanlagen bedingt, verstanden.
In verschiedenen Konstitutionslehren werden Menschen mit ähnlichen physischen, z.T. auch psychischen Merkmalen,bestimmten Konstitutionstypen zugeordnet. Für den jeweiligen Typus werden charakteristische Funktionsschwächen und/oder Krankheiten (Diathese = Veranlagung für bestimmte Krankheiten) beschrieben. Auf der Basis dieser Erkenntnissse können gezielt Empfehlungen zu einer individuell zugeschnittenen Prävention und auch Therapie gegeben werden.

Konstitutionsbegriff in verschiedenen Gesundheitslehren:

Seit altersher sind konstitutionelle Faktoren wichtige Elemente in den verschiedenen Medizinschulen. So werden im Ayurveda die drei "Doshas" Vata (Wind), Pitta (Feuer), Kapha (Erde, Schleim) beschrieben. In der Traditionellen Chinesischen Medizin werden die Menschen und bestimmte Lebensphasen den Elementen Erde, Feuer, Holz, Metall, und Wasser zugeordnet. Auch im westlichen Kulturkreis entstanden Typenlehren, von denen die bekanntesten die Naturelllehre nach Carl Huter (Empfindungs-, Bewegungs- und Ernährungsnaturell) und die Typenlehre nach Ernst Kretschmer (Astheniker, Athletiker und Pykniker) sind. Auch in der Homöopathie fließen konsitutionelle Elemente in Form der Arzneimitteltypen stark in die Behandlung mit ein.

Typen in der Typgerechten Ernährung:

Bei der typgerechten Ernährung werden in Anlehnung an Huter die folgenden Grundtypen unterschieden:

Empfindungstyp
ist eher schlank bis untergewichtig, feingliedrig und hat oft Probleme zuzunehmen. Die Gesichtszüge sind fein, schmal und zart, begleitet von einer lebhaften Mimik. Die Augen sind leuchtend und ausdrucksvoll, oft groß. Die Wangen sind zart, dünn und fein, die Nase schmal, schlank und meist von mittlerer Länge. Das Haar ist fein, seidenartig. Arme, Beine, Hände und Füsse sind dünn, schlank, zart und mittellang. Der Muskeltonus ist eher schwach, aber gut ausgelegt für ausdauernde Bewegung.
Schwachpunkte sind der Magen, das Verdauungssystem und die Neigung zu Schwächezuständen (Muskeln, Bindegewebe, Knochen).

Bewegungstyp
hat einen kräftigen, athletischen Körperbau. Das Gesicht wirkt kantig und knochig. Die Augen erscheinen eher klein, die Mimik ist energisch. Die Nase ist groß und meist lang, das Kinn stark ausgeprägt und hervortretend. Auffallend ist außerdem ihre helle, sonnenempfindliche Haut. Die Haare sind ebenfalls hell bis rötlich. Haarausfall mit Geheimratsecken sind häufig anzutreffen. Der Hals der Bewegungstypen ist oftmals lang und muskulös, die Gliedmaßen sind überdurchschnittlich lang, die Knochen stark entwickelt. Ihr Körperbau prädestiniert sie generell für sportliche Aktivitäten, insbesondere für Kraftsportarten und solchen mit starkem kämpferischem Wettkampfcharakter (Ballsportarten).
Schwachpunkte sind die Leber sowie die Neigung zu entzündlichen Erkrankungen und rheumatischen Krankheiten.

Entspannungstyp
hat einen kraftvollen Körperbau. Er neigt stark zur Gewichtszunahme und ist ein "guter Futterverwerter". Die Haut ist dick und glatt. Das Gesicht ist breit, voll, rund und weich, die Mimik ist wenig ausgeprägt. Die Nase ist kurz bis mittellang, die Nasenspitze rund. Der Hals erscheint kurz und dick. Arme und Beine sind mittellang, die Muskulatur ist kräftig. Der füllige, rundförmige Körperbau ist für den Entspannungstyp charakteristisch. Schwachpunkte sind die Neigung zu Übergewicht (Adipositas) und damit verbundene ernährungsabhängige Krankheiten wie Diabetes, Gicht und Fettstoffwechselstörungen.

Mischtypen
Nur wenige Menschen entsprechen absolut den beschriebenen Grundtypen. Bei den meisten Menschen findet man eine Kombination aus zwei Typen, wobei eine der beiden Basiskonstitutuionen stärker, aber eben nicht extrem ausgeprägt ist. Bei den Mischtypen überwiegt je nach Situation entweder die eine oder andere typspezifische Reaktion. Es kann auch sein, dass ein Mensch seine Typanteile phasenweise unterschiedlich stark auslebt.

Empfehlungen für die einzelnen Typen:

Empfindungstyp
Besonderer Schwachpunkt des Empfindungstyps ist der Magen und insgesamt der Verdauungstrakt. Bei der Zusammenstellung ihrer Ernährung müssen Empfindungstypen weniger auf Energie und Fett als auf sorgfältige Zusammenstellung und gute Bekömmlichkeit achten.
Grobe Vollkorngerichte (Frischkornbrei, Gerichte mit ganzen Körnern), Hülsenfrüchte und zu viel Rohkost sind ungünstig für den Empfindungstyp. Er braucht sehr viel Wärme auch in der Ernährung. Suppen, warme Getreidebreie (Porridge), Vollkorntoast, gedünstetes Gemüse sind gut für ihn.
Eine regelmäßige Einnahme der Mahlzeiten ist unbedingt zu empfehlen, auch wenn es schwerfällt. Besonders wichtig sind Rituale zur Beruhigung eines hektischen Alltags.
Besser sind drei üppige Hauptmahlzeiten sind mehrmals täglich kleine Portionen, die jedoch nicht zu spät am Abend eingenommen werden sollten. Der Körper erhält dadurch gleichmäßig Energie und ist dennoch nicht belastet.
Für den Empfindungstyp ist es besonders wichtig, dass bei den Mahlzeiten eine gute Atmosphäre herrscht, er entspannt ist und das Essen ganz genießen kann. Nebenbeschäftigen wie Lesen oder intensive Gespräche sollten vermieden werden.

Bewegungstyp
Durch ihre große Aktivität müssen Bewegungstypen bei der Zusammenstellung ihrer Nahrung nicht sehr auf Energie und Fett achten. Sie sollten bevorzugt kohlenhydrathaltige Nahrungsmittel in Form von Vollkornprodukten, Kartoffeln, Gemüse, Obst und Trockenobst verzehren.
Aufgrund ihrer konstitutionellen Neigung zur Übersäuerung und zu entzündlichen Reaktionen sollten Bewegungstypen nicht zu eiweißreich essen.
Die meisten Bewegungstypen haben einen "gesunden Hunger" und auch eine gute Verdauungsleistung. Kräftige vollwertige Speisen werden meist bevorzugt. Im Gegensatz zum Empfindungstyp verträgt der Bewegungstyp "schwer verdauliches" und Rohkost in der Regel gut.
Da Konstitutionell die Leber als Schwachpunkt zugeordnet ist, sollten sie ganz besonders auf Schadstoffarmut, d.h. eine hohe Lebensmittelqualität achten.

Entspannungstyp
Entspannungstypen müssen aufgrund ihrer Neigung zu Übergewicht und den klassischen ernährungsabhängigen Krankheiten besonders auf Energie und Fettgehallt der Nahrung achten.
Ballaststoffreiche Mahlzeiten vor dem Essen verhindern eine überkalorische Ernährung. Heißhungerattacken sollten unbedingt vermieden werden, indem gründlich gekaut und bewusst gegessen wird. Reichlich Obst und wasserreiche Gemüsearten wie Tomaten, Gurken, Paprika, Sellerie u.a. sollten bevorzugt werden.
Die Ernährung sollte vorwiegend lakto-vegetabil ausgerichtet werden. Beim Verzehr von Fleisch und Wurst sollten magere Sorten bevorzugt werden oder besser durch vegetarische Spezialitäten ersetzt werden.
Entspannungstypen sprechen besonders gut auf Fastenkuren und so genannte Entlastungstage (Obsttag, Molketag u.a.) an. Somit kann der Stoffwechsel regelmäßig entlastet werden.

Literatur:

Grunddiät, Vollwerternährung