Vollwerternährung

 

Der Begriff Vollwert-Ernährung steht für das in den 70er Jahren in Gießen entwickelte gleichnamige Ernährungskonzept. In diesem Konzept sind Fragen der langfristigen Umwelterhaltung, der sparsamen Ressourcenutzung sowie der Auswirkungen des Ernährungsverhaltens in Industrieländern auf Entwicklungsländer integriert.
In der Vollwert-Ernährung werden Mensch, Umwelt und Gesellschaft im Sinne der Ernährungsökologie gleichrangig berücksichtigt.

Ansprüche der Vollwert-Ernährung:

  1. Gesundheitsverträglichkeit
    Die verzehrte Nahrung wirkt sich auf Entwicklung und Zustand des menschlichen Körpers aus und bestimmt letztendlich die Gesundheitsverträglichkeit der Ernährung. Eine nach den Referenzwerten der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) im Jahre 2000 zusammengestellte, bedarfsgerechte Ernährung leistet einen wichtigen Beitrag zur Vorbeugung ernährungsabhängiger Krankheiten und ermöglicht die Sicherung einer optimalen Gesundheit und Leistungsfähigkeit.

  2. Umweltverträglichkeit
    Die vielfältigen Wechselwirkungen zwischen Ernährungssystem und Ökosystem ergeben für den Bereich Ernährung zahlreiche Aspekte. Die Vollwerternährung bewertet die Methoden bei derErzeugung, Verarbeitung, Vermarktung, Zubereitung sowie der Entsorgung des Verpackungsmülls und der organischen Reste im Hinblick auf die Umweltverträglichkeit. Ziele bei der Lebensmittelproduktion sind eine möglichst geringe Ressourcennutzung und eine geringe Umweltbelastung

  3. Sozialverträglichkeit
    Auch die Zusammenhänge zwischen dem Ernährungssystem und der Gesellschaft werden in der Vollwert-Ernährung in die Bewertung von Lebensmitteln miteinbezogen. So werden die Wirkungen auf diejenigen Menschen berücksichtigt, die in der Erzeugung, Verarbeitung, Vermarktung und Zubereitung von Lebensmitteln tätig sind. Beispielsweise sollen Benachteiligungen v.a. von Menschen in den Entwicklungsländern beseitigt werden.

Grundsätze der Vollwert-Ernährung:

Mit den 12 Grundsätzen der Vollwert-Ernährung sollen die Gesundheits-, Umwelt- und Sozialverträglichkeit praktisch realisiert werden:

  1. Bevorzugung pflanzlicher Lebensmittel (überwiegend laktovegetabile Lebensweise)
    Gründe: höhere Nährstoffdichte, weniger unerwünschte Inhaltsstoffe, hoher Gehalt an Ballaststoffen und sekundären Pflanzenstoffen, positive Ergebnisse bei Studien über Vegetarier, weniger ökologische Probleme.

  2. Bevorzugung gering verarbeiteter Lebensmittel (Lebensmittel so natürlich wie möglich)
    Gründe: Verarbeitungsverluste bei verschiedenen Verfahren führen zur Verminderung des Geahltes an essentiellen Nährstoffem

  3. Reichlicher Verzehr unerhitzter Frischkost (etwa die Hälfte der Nahrungsmenge)
    Gründe: siehe auch Punkt 2; Frischkost erfordert intensives Kauen, dadurch besseres Einspeicheln und positive Wirkungen auf Zähne und Zahnfleisch.

  4. Zubereitung genussvoller Speisen aus frischen Lebensmitteln, schonend und mit wenig Fett
    Gründe: Lebensfreude durch Genuss beim Essen, Erhaltung der wertgebenden Inhaltsstoffe

  5. Vermeidung von Nahrungsmitteln mit Zusatzstoffen
    Gründe: gesundheitliche Risiken (z.B. Allergien) können trotz Prüfung nicht vollständig ausgeschlossen werden; mögliche Wechselwirkungen der Zusatzstoffe sind nicht ausreichend erforscht.

  6. Vermeidung von Nahrungsmitteln aus bestimmten Technologien (Gentechnik, Food Design, Lebensmittelbestrahlung)
    Gründe: fragwürdiger Nutzen, potenzielle Risiken noch nicht befriedigend geklärt.

  7. Möglichst ausschließliche Verwendung von Erzeugnissen aus anerkannt ökologischer Landwirtschaft (AGÖL, IFOAM)
    Gründe: unnötige Umweltbelastungen werden vermieden und eine naturgemäße Kreislaufwirtschaft gefördert.

  8. Bevorzugung von Erzeugnissen aus regionaler Herkunft und entsprechend der Jahreszeit
    Gründe: hoher Energieaufwand (Transport- und Lagerhaltung) wird vermieden, Umweltbelastungen werden reduziert, höhere Nitratbelastung durch Produkte aus Treibhaus- oder Folienanbau.

  9. Bevorzugung unverpackter oder umweltschonend verpackter Lebensmittel
    Gründe: weniger Umweltbelastung durch Einsparen von Verpackungsmaterial

  10. Verminderung der Schadstoffemission und dadurch der Schadstoffanreicherung in der Nahrungskette durch Verwendung umweltverträglicher Produkte und Technologien

  11. Verminderung von Veredelungsverlusten durch geringen Verzehr tierischer Lebensmittel
    Gründe: durch die Umwandlung von pflanzlichen Erzeugnissen in tierische Produkte (= Veredelung) gehen durchschnittlich 65 - 90 % der Nahrungsenergie und des Proteins verloren, d.h. nur etwa 10 - 35 % der eingesetzten Futtermittel bleiben in Form tierischer Lebensmittel erhalten. Von der gleichen Ackerfläche könnten folglich sehr viel mehr Menschen ernährt werden, wenn die darauf angebaute pflanzliche Nahrung nicht für die Erzeugung tierischer Produkte verwendet würde.

  12. Bevorzugung landwirtschaftlicher Erzeugnisse, die unter sozialverträglichen Bedingungen produziert, verarbeitet und vermarktet werden
    Gründe: die Menschen in Entwicklungsländern erhalten für ihre Arbeitsleistung nur einen Bruchteil der Löhne der Bevölkerung von Industrieländern.

Empfehlungen für die Vollwert-Ernährung:

Konkrete Lebensmittelempfehlungen sind:

Literatur:

Grunddiät, Typgerechte Ernährung