Adrenalin/Noradrenalin

 

 

 

Adrenalin und Noradrenalin sind Streßhormone. Sie steigern in Sekun­denschnelle die Herz-Kreislauf-Funktionen und versetzen Nerven und Gehirn in Alarmzustand. Ihre ursprüngliche Aufgabe war es, den Körper zu Kampf oder Flucht (fight or flight) zu befähigen. In Notfällen mobili­sieren sie die Energiereserven. Adrenalin wird auch als Epinephrin bezeichnet. Es besitzt ein breites Wirkungsspektrum.

Ausschüttung von Adrenalin und Noradrenalin:

 

Ausgeschüttet werden die Hormone bei:

 

 

Für das Verständnis der Wirkungen von Adrenalin und Noradrenalin ist die Entdeckung bestimmter Rezeptoren (Schlüssel-Schloss-Prinzip) wichtig, an die die beiden Streßhormone andocken und ihre Wirkungen entfalten. Die Rezeptoren (Schlösser) werden in alpha ( und beta-Rezeptoren eingeteilt. Eine weitere Unterscheidung differenziert die Rezeptoren in alpha 1 und – 2 sowie beta 1 und 2- Rezeptoren.

 

Biochemie und Herstellung:

 

Adrenalin ist ein zur Gruppe der Katecholamine gehöriges Neurohormon mit der Formel (OH)2C6H3–HCOH–CH2NH-CH3.

 

Beim Noradrenalinmolekül - (1,2-dihydroxyphenyl)-CHOH-CH2-NH2 - am Molekülende fehlt eine Methylgruppe (-CH3).

Daher haben Adrenalin und Noradrenalin etwas unterschiedliche Wirkungen.
Die Katecholamine werden im Nebennierenmark und in bestimmten Nervenzellen, den so genannten sympathischen Ganglien, gebildet. Zu dieser Gruppe gehören auch die ähnlich wirkenden Hormone Noradrenalin und Dopamin.

Adrenalin kann im menschlichen Organismus aus den Aminosäuren Phenylalanin beziehungsweise Tyrosin synthetisiert werden.

Im ersten Schritt der Adrenalin-Biosynthese wird das Tyrosin-Molekül am C3-Atom durch das Enzym Tyrosin-Hydroxylase mit einer zweiten Hydroxyl­gruppe ausgestattet und liegt damit als 3,4-Dihydroxy­phenylalanin (DOPA) vor. Danach decarboxyliert das Enzym DOPA-Decarboxylase das entstandene Molekül zum biogenen Amin Dopamin.
Durch die Hydroxylierung der Seitenkette mit Hilfe der Dopamin-Hydroxy­lase entsteht Noradrenalin; bei diesem Reaktionsschritt ist Ascorbin­säure (Vitamin C) als Cofaktor beteiligt. Im letzten Schritt überträgt die N-Methyl-Transferase eine Methylgruppe von S-Adenosyl-Methionin auf die Aminogruppe der Seitenkette.

 

Funtionen von Adrenalin/Noradrenalin:

 

Die Wirkungen von Adrenalin und Noradrenalin sind ähnlich, aber nicht identisch. Die Wirkungsunterschiede ergeben sich daraus, dass Nor­adrenalin stärker mit alpha und beta 1 – Rezeptoren, Adrenalin dagegen mit allen adrenergen Rezeptoren annähernd gleich reagiert.

Adrenalin entfaltet seine Wirkung im menschlichen Organismus an so genannten Adrenozeptoren. Adrenalin

 

 

Noradrenalin wirkt an der glatten Muskulatur wesentlich stärker als Adrenalin, d.h. es steigert den Blutdruck mehr in niedriger Dosierung.

Beim Adrenalin werden über die Aktivierung der beta-2-Rezeptoren hauptsächlich "Stoffwechseleffekte" ausgelöst. Auch die Bronchial­muskulatur wird von Noradrenalin wenig beeinflusst. Eine Ausnahme ist die Hemmung der Insulinausschüttung durch Noradrenalin.

 

Arzneiliche Verwendung:

 

Adrenalin findet Verwendung in der Notfall- und Schocktherapie; es dient vor allem der akuten Anhebung des Blutdruckes sowie der Anregung der Herzfunktion beim Herz-Kreislauf-Stillstand.
Daneben wird Adrenalin häufig Lokalanästethika beigemischt, um an der Operationsstelle durch Gefässverengung die Blutung zu minimieren sowie die Aufnahme des Narkosemittels ins Blut zu verhindern.

 

Überproduktion von Adrenalin:

 

Eine erhöhte Adrenalin-Konzentration entsteht bei Tumoren (Phäo­chromozytom, Neuroblastom). Hierbei kommt es unter anderem zu hohem Blutdruck, Schweißausbrüchen, Kopfschmerzen und Herzklopfen.
Daneben sind verschiedene Defekte der Enzyme des Adrenalin-Stoff­wechsels beschrieben.

Weitere Faktoren, die ebenfalls zu hohen Werten führen können, sind:

 

Erniedrigte Adrenalinausschüttung:

 

Eine zu niedrige Adrenalin-Konzentration ist nur anfangs bei einem Funktionsausfall der Nebennieren festzustellen.
Weitere Faktoren, die ebenfalls zu niedrigeren Werten führen können, sind bestimmte Medikamententherapien (z. B. mit Reserpin langfristig, Guanethidin und Clonidin).

 

Adrenalin-Blut- und Urinwerte:

 

Die Adrenalinkonzentration im Blut wird nur selten bestimmt, z. B. dann wenn Verdacht auf einen Tumor besteht, wodurch Adrenalin unkontrol­liert produziert wird. Die Bestimmung von Katecholaminen ist sehr störanfällig.

Adrenalin kann im Blutplasma und im 24-Stunden-Sammelurin bestimmt werden; seine Abbauprodukte (Vanillinmandelsäure, Metanephrine) dagegen nur im 24-Stunden-Sammelurin. Der Patient sollte während der Blutabnahme ruhig sein und liegen. Bereits kurzes Stehen erhöht die Plasmakatecholamine um 50 bis 100 Prozent. Die Kanüle muss 30 Minuten vor der eigentlichen Blutabnahme in die Vene gestochen werden. Die Probe wird dann vorsichtig gemischt und sofort in Eiswasser gestellt. Sie muss innerhalb von zwei Stunden ausgewertet werden.

 

 

Referenz-Normalwert im 24 Stunden Urin Alte Einheit SI-Einheit
Erwachsene bis 20 µg/Tag bis 110 nmol/Tag
Kinder 2 - 3 Jahre bis 6 µg/Tag bis 33 nmol/Tag
Referenz-Normalwert im Blutplasma EDM HPLC-EDC
Erwachsene bis 0,47 nmol/l bis 0,46 nmol/l

 

 



Literatur: