Cortisol

 

 

 

Cortison ist ein Hormon, das in der Nebennierenrinde gebildet wird. Es ist eine Vorstufe des eigentlichen Hormons, das Cortisol (= Hydrocortison) heißt. Heute verwendet man den Namen Cortison als Sammelbegriff für alle Abwandlungen dieses Hormons, die die gleichen Wirkungen haben.

Bildung/ Ausschüttung des Cortisol:

Bei Stresssituationen kommt es zu einem starken Anstieg der Cortisolproduktion in der Zona fasciculata der Nebennierenrinde. Stimulierend wirken die Hypophyse mit ihrem Hormon ACTH und noch eine Stufe höher der Hypothalamus durch seinen Corticotropin Releasing Factor (CRF).
Die Cortisolwerte im Blutserum weisen eine typische Schwankung im Tagesverlauf auf (zirkadiane Rhythmik). Der höchste Wert wird morgens kurz nach dem Aufwachen erreicht (Cortisol Awakening Response, CAR). Wegen der starken Schwankung des Blutwertes über Tage ist die einmalige Messung von Cortisol nicht sinnvoll. Für die Überprüfung der Nebennierenrindenfunktion ist daher die Bestimmung eines Cortisoltagesprofils notwendig.

Blutwerte des Cortisol:

Cortisol wird aus dem Blutserum oder aus dem 24-Stunden-Sammelurin oder aus dem Speichel gewonnen. Da die tageszeitlichen und altersabhängigen Schwankungen sehr stark sind, muss die Untersuchung unter Beachtung genauer Entnahmevorschriften durchgeführt werden. Meist wird keine Einzelbestimmung sondern ein so genannter standardisierter Funktionstest durchgeführt.

 

 

Referenz-/Normalwerte alte Einheit SI Einheit
Erwachsene (Blut), 8 Uhr 5 - 25 μg/dl 138 - 690 nmol/l
Kinder (Blut), 8 Uhr 0,6 - 29 μg/dl 17 - 800 nmol/l
Erwachsene (Urin) 20 - 90 μg/24 h 55 - 248 nmol/24 h
Kinder (Urin) 2 - 55 μg/24 h 6 - 152 nmol/24 h

 

 

Zur Diagnosesicherung sollten mehrere Untersuchungen in Kombination mit der Bestimmung von ACTH durchgeführt werden.

Wirkungen von Cortisol:

Cortisol ist für den Menschen und höhere Tiere lebensnotwendig. Es ist neben den Katecholaminen (Adrenalin und Noradrenalin) ein wichtiges Stresshormon. Das Cortisolsystem reagiert aber träger als das Katecholaminsystem. Bei Stresssituation kommt es zu einem starken Anstieg der Cortisolproduktion.
Zu den wichtigsten Funktionen des Cortisols gehört die hormonelle Regulation des Salz- und Wasserhaushaltes in der Niere. Es wirkt entzündungshemmend und erhöht den Blutzuckerspiegel.
Cortisol besitzt ein sehr breites Wirkungsspektrum und hat im Stoffwechsel vor allem Effekte auf den Kohlenhydrathaushalt, den Fettstoffwechsel und den Proteinumsatz. Cortisol wirkt immunsuppressiv (= das Immunsystem unterdrückend).
Eine Überfunktion (Hypercortisolismus) führt zum klinischen Bild des
Morbus Cushing, eine Unterfunktion (Hypocortisolismus) zum Morbus Addison. Bei einem Mangel an funktionstüchtigem Nebennieren-rindengewebe muss Cortisol dauerhaft eingenommen werden. Cortisol-Erhöhungen führen zum so genannten Cushing-Syndrom, das durch Stammfettsucht, “Mondgesicht“ und Elektrolytstörungen gekennzeichnet ist. Dies kann zu Herzrhythmusstörungen führen. Außerdem können folgende Faktoren eine dauerhaft erhöhte Cortisol-Konzentration bewirken:

Therapeutische Anwendung von Cortisol:

Cortison ist absolut unverzichtbar zur Behandlung all jener Patienten, deren Nebennierenrinde nicht in der Lage ist, die jeweils notwendige Hormonmenge selbst herzustellen. In diesen Fällen ist Cortison lebensrettend, lebenserhaltend und ruft bei richtiger Dosierung keinerlei Nebenwirkungen hervor.
Primär werden heute Cortisonpräparate verabreicht, um Entzündungen zu unterdrücken und immunologische Reaktionen zu dämpfen. Das bedeutet, dass Cortisol bei vielen ganz unterschiedlichen Krankheiten erfolgreich eingesetzt werden kann. Voraussetzung für diese Wirkung ist allerdings, dass höhere Dosen des Hormons verabreicht werden als sie der Körper normalerweise produziert. Dieser Hormonüberschuss bringt daher das Risiko unerwünschter Wirkungen mit sich.

Cortisolüberschuss:

Ein länger dauernder Hormonüberschuss kann ein Zustandsbild wie bei der Nebennierenrinden-Überfunktion (Cushing-Krankheit) hervorrufen: Gewichtszunahme, Vollmondgesicht, Stammfettsucht, Blutdruckanstieg, Blutzuckererhöhung, Muskelschwäche, Kaliummangel, Verminderung der Infektionsabwehr, seelische Veränderungen, Augenstörungen (grauer oder grüner Star) und Knochenschwund (Osteoporose).

Anwendung von Cortisonpräparaten:

Neben dem vor knapp 60 Jahren erstmals eingesetzten körpereigenen Hormon Cortisol, auch als Hydrocortison bezeichnet, verwenden Ärzte noch andere so genannte Cortikoide, die durch chemische Veränderung von Cortison hergestellt werden.
Diese synthetischen Stoffe unterscheiden sich hinsichtlich Wirkdauer und -stärke vom natürlichen Cortisol. Leider ist es bis heute nicht gelungen, ein Corticoid herzustellen, das nur positive, entzündungshemmende Wirkungen hat. Deshalb können Nebenwirkungen auftreten, wenn der Patient Corticoide über mehrere Monate in höherer Dosierung einnehmen muss.
Die Rate an Nebenwirkungen hängt ab von der Darreichungsform sowie der Dosierung des Cortisonpräparates:
Wer zum Beispiel Cortisonpräparate als Inhalationsspray verwendet, muss nicht mit den genannten Nebenwirkungen rechnen. Bei der Inhalation moderner Wirkstoffe gelangt nur ein Bruchteil der eingesetzten Dosis in den Blutkreislauf.
Fast nebenwirkungsfrei ist die niedrig dosierte Corticoid- Ersatztherapie – sie wird beispielsweise beim Ausfall der Hirnanhangsdrüse oder der Nebenniere nötig.
Werden tatsächlich längerfristige hoch dosierte Behandlungen nötig, muss sorgfältig zwischen den Vor- und Nachteilen abgewogen werden.

Regeln für die Langzeit-Therapie:

  1. Nicht mehr, aber auch nicht weniger einnehmen als nötig bzw. vom Arzt verordnet wurde. Für eine Langzeitbehandlung sollte die Low-Dose-Therapie (Niedrigdosisbehandlung) angestrebt werden.
  2. Die gesamte Tagesdosis sollte morgens vor 8 Uhr (am besten mit etwas Milch oder Joghurt) eingenommen werden. Manche Krankheiten erfordern eine 2x tägliche Einnahme. Dann sollten 2/3 der Tagesdosis morgens und 1/3 nachmittags eingenommen werden.
  3. Niemals eine Cortisonbehandlung ohne Rücksprache mit dem Arzt
    abbrechen.
  4. Eine ausgeglichene Ernährung hilft, unerwünschte Wirkungen zu
    reduzieren.
  5. Kalorienüberschuss vermeiden: Regelmäßiges Wiegen hilft das Gewicht zu überwachen.
  6. Körperliche Aktivität möglichst an der frischen Luft - so weit es die Krankheit erlaubt.
  7. Regelmäßige Kontrollen beim Arzt durchführen lassen.
  8. Bei jeder Befindensänderung, fieberhaften Erkrankung oder bei Eintritt einer Schwangerschaft den behandelnden Arzt sofort verständigen.
  9. Wenn ein Facharzt wegen einer anderen Erkrankung oder Störung
    aufgesucht werden muss, sollte dieser von der laufenden Cortisontherapie verständigt werden. Evtl. verordnete Medikamente müssen geprüft werden, ob sie sich mit Cortison vertragen.
  10. Corticoidausweis bei sich führen.

Literatur/Links: