Ketogene Diät

 

Die Ketogene Diät ist eine kohlenhydratarme und fettreiche Ernährung, die bei verschiedenen Krankheiten, vor allem bei Epilepsien, therapeutisch wirksam ist. In der populärwissenschaftlichen Literatur wird eine ketogene Ernährung bei Demenz- und Krebserkrankungen empfohlen. Charakteristisch sind die Entstehung von Ketonkörpern und deren energetische Verwertung.

Wichtig ist eine Differenzierung verschiedener Diäten, die zu einer Ketose führen. Eine Ketose beschreibt den Zustand erhöhter Ketonkörper im Blut. Eine wissenschaftlich fundierte „Ketogene Diät“ wie sie von renommierten Forschern entwickelt wurde, muss deutlich von populär-wissenschaftlichen Konzepten mit ketogenen Wirkungen wie der Atkins-Diät, der Banting Diät oder der Sippy-Diät unterschieden werden. Diese wurden vorrangig mit dem Ziel einer Gewichtsreduktion vermarktet.

Ketonkörper und ihre Wirkungen:

Die Leber als Syntheseort kann bis zu 185 g Ketonkörper täglich herstellen. Zu den Ketonkörpern zählen:

Azetoazetat und β-OH-Butyrat sind wasserlösliche energiereiche Stoff-wechselprodukte, die primär beim Fettsäureabbau entstehen. Sie werden beim Fasten als alternative Brennstoffe zur Glukose gebildet. Während längerer Fastenphasen versorgen sie den Organismus mit Energie. In kleinen Mengen entstehen diese Ketonkörper auch bei Nahrungszufuhr.

Azeton ist ein Abbauprodukt von Azetoazetat und ist für den charakteris-tischen Geruch (nach Nagellackentferner) bei einer ketotischen Stoffwechsellage (Ketose) verantwortlich. Aceton spielt, im Unterschied zu Azetoazetat und β-OH-Butyrat, keine Rolle für den Energiestoffwechsel.

Bedeutung der Ketonkörper im Fasten-/ Hungerstoffwechsel:

Ohne die Bildung von Ketonkörpern während längerer Hungerperioden hätte der Mensch nicht überlebt. Nach drei Fastentagen liefern die Keton-körper 30 bis 40 % des Energiebedarfs. Da sie von Gehirn und Muskulatur als „Brennstoffe“ verwendet werden können, wird der Verbrauch des unter Nahrungsbedingungen verwendeten Brennstoffs Glukose (Traubenzucker) eingeschränkt. Dieser Spareffekt ermöglicht die Versorgung des Gehirns mit Glukose und vermindert den Umbau von wertvollen Eiweißen zu Glukose (Glukoneogenese). Nach einigen Tagen des Fastenstoffwechsels ist dann auch das Gehirn in der Lage einen Großteil seines Energiebedarfs aus der Oxidation von Ketonkörpern zu decken.

Ketonkörperbildung aus Nahrungsfetten:

Nicht nur im Hungerstoffwechsel können Ketonkörper zur Energie-gewinnung genutzt werden. Bei der ketogenen Diät lässt sich nach einer fettreichen und kohlenhydratarmen Mahlzeit ein deutlicher Anstieg des Azetons in der Ausatemluft nachweisen. Dies gilt als Beleg für eine ketotische Stoffwechsellage.

Indikationen der ketogenen Diät:

Wissenschaftlich gesichert ist die Anwendung der ketogenen Diät bei Epilepsien, die medikamentös und operativ nicht behandelbar sind.

Weitere seltene Erkrankungen mit Störungen des cerebralen (das Gehirn betreffend) Energiestoffwechsels sowie des Kohlenhydratstoffwechsels, bei denen die ketogene Diät sinnvoll ist, sind:

Formen der ketogenen Diät: Als klassische ketogene Diät gilt die von Wilder entwickelte Kost, bei der das Gewichtsverhältnis zwischen ketogen wirkendem Fettanteil und anti-ketogen wirkendem Anteil aus Kohlenhydraten und Eiweiß angegeben wird. Differenziert werden die ketogenen Kostformen mit einem ketogenen Anteil von 5, 4 oder 3 zu 1 Teil nicht ketogener Nährstoffe. Um die Verträglichkeit und die ketogenen Wirkungen zu steigern, wurde die klassische Ketogene Diät um den vermehrten Einsatz von Fetten mit mittelkettigen Fettsäuren (MCT) erweitert. 

Merkmale der Ketogenen Diät
Namen
Zusammen-setzung
Indikation
Fachterminus
Populärwissenschaftliche Diäten mit ketogenen Effekten
Kohlenhydratarm, Eiweißreich, Fettarm/-reich
Atkins, Banting, Sippy

Kohlen-hydrate stark begrenzt, kcal reduziert
Übergewicht, Alternativmedizin

Wissenschaftliche fundierte Ketogene Diäten (KD)
Kohlenhydratarm
Klassische KD
LCT
Epilepsie
KDc LCT 4: 1/ 90 %
Eiweiß begrenzt
MCT-Diät
MCT
Epilepsie
KDc MCT 70 %
Fettreich
Modifizierte MCT-Diät, Radcliffe-Diät
50 % MCT
50 % LCT
Epilepsie
KDc MCT 30 %,
LCT 30 %
KD = Ketogene Diät; LCT = langkettige Fettsäuren; MCT = mittelkettige Fettsäuren; KDc = „c“ steht für den Einsatz der KD bei Störungen des cerebralen Energiestoffwechsels
Quelle modifiziert nach: Baumeister M, Friedrich A: Ketogene Diät; Schattauer Verlag

 

Praktische Anwendung der ketogenen Diät:

Für die Umsetzung der ketogenen Diät in der Praxis ist eine sehr gute Kenntnis der geeigneten und nicht geeigneten Lebensmittel sowie eine detaillierte Berechnung des Speiseplans notwendig. Die Kostpläne sollten daher nur von diesbezüglich ausgebildeten Ernährungsfachleuten erstellt werden. Die Tabelle gibt beispielhaft eine Übersicht zur Eignung von Lebensmitteln:

Eignung für ketogene Diät
Lebensmittelgruppen
Gut geeignet
Fettreiche Fisch, fettreiche  Fleisch-, Wurst- und Käsesorten, Avokados, Oliven, Fette und Öle
Bedingt geeignet
Fettarmer Fisch, fettarme Fleisch-, Wurst- und Käsesorten, Obst, Gemüse Pilze, Nüsse
Ungeeignet
Getreideerzeugnisse, Honig, Marmelade, Süßigkeiten, Trockenobst

 

Bei den verwendeten Fetten sollte das Verhältnis von Omega-6- zu Omega-3-Fettsäuren beachtet werden. Anzustreben ist eine Relation von 5 Teilen Omega-6 Fettsäuren zu 1 Teil Omega-3 Fettsäuren, wie auch in den Referenzwerten für eine gesunde Ernährung empfohlen. Angeboten wird eine ketogene Diät auch in Form von Formulaprodukten, bei denen eine genaue Einhaltung des jeweils gewünschten ketogenen Quotienten (5 : 1, 4 : 1 oder 3 : 1) leicht möglich ist.

Nebenwirkungen:

Es werden zahlreiche Nebenwirkungen der ketogenen Diät beschrieben. In den meisten Fällen treten die Nebenwirkungen hauptsächlich in der Anfangs-, also der Umstellungsphase, auf eine ketogene Kost auf. Diese können mit Hilfe von erfahrenen Diätassistenten/innen und Ernährungs-therapeuten/innen durch verschiedene Maßnahmen beherrscht werden. Im Standardlehrbuch der ketogenen Diät werden folgende, zum Teil auch seltene, Nebenwirkungen beschrieben:

Wechselwirkungen:

Zu beachten sind Wechselwirkungen mit Medikamenten. Bei folgenden Wirkstoffen wurden Interaktionen beobachtet:

Literatur: