Kinderernährung

 

Die Richtlinien für eine gesunde Ernährung von Kindern und Jugendlichen unterscheiden sich im Grundsatz nicht von den 10 Regeln der DGE (Deutschen Gesellschaft für Ernährung) für Erwachsene. Quantitativ gibt es in Abhängigkeit vom Lebensalter natürlich erhebliche Unterschiede bei den mengenmäßigen Empfehlungen bzgl. Nahrungsenergie und den einzelnen Nährstoffen.

Seitens des Forschungsinstituts für Kinderernährung in Dortmund wurde daher Anfang der 1990er Jahre die “Optimierte Mischkost“, kurz optimiX®, entwickelt. Inzwischen ist die Optimierte Mischkost zum Standard der Kinderernährung in Deutschland geworden. Qualitätsstandards z.B. für die Schulverpflegung sowie Bewertungen von Verzehrserhebungen orientieren sich an ihr.

Ziele der Optimierten Mischkost:

Erreicht werden bei Kindern und Jugendlichen soll:

Das Konzept der Optimierten Mischkost:

Die Optimierte Mischkost basiert auf 7-Tages-Speiseplänen einer üblichen Kinderernährung. Diese wurden so optimiert, dass mit ihnen im Durchschnitt die Referenzwerte (= Mengenempfehlungen für Nährstoffe) für Energie, Eiweiß, Fett, Kohlenhydrate sowie Mineralstoffe und Vitamine für 4- bis 6- Jährige als Referenzgruppe erreicht werden.
Die Pläne liefern im Durchschnitt 13,8% der Energie aus Protein, 32,8% aus Fett und 53,4% aus Kohlenhydraten. Die Anteile gesättigter, einfach und mehrfach ungesättigter Fettsäuren an der Energiezufuhr betragen 10,3 %, 15,2% bzw. 7,3 %.

Die Verzehrsmengen jeder Lebensmittelgruppe an den sieben Tagen wurden aufsummiert und daraus altersgemäße Lebensmittelverzehrsmengen pro Tag berechnet.

Da mit zunehmendem Alter die empfohlenen Nährstoffdichten (die Nährstoffdichte eines Nahrungsmittels ist das Verhältnis vom Nährstoffgehalt bezogen auf die Energie), weitgehend konstant bleiben, wurden die aus dem beispielhaften Speiseplan für 4- bis 6-Jährige abgeleiteten Lebensmittelverzehrsmengen für die anderen Altersgruppen entsprechend den durchschnittlichen Energie hochgerechnet.
Daher verändern sich zwar die empfohlenen absoluten Verzehrsmengen mit dem Alter, die Zusammensetzung der Nahrung, d. h. die Mengenverhältnisse der Lebensmittelgruppen untereinander, sind aber für den Altersbereich 1–18 Jahre einheitlich.

Neben einer optimalen Nährstoffversorgung und der Prävention von ernährungsmitbedingten Krankheiten und Übergewicht, wurde bei der Konzeption darauf geachtet, dass die Optimierte Mischkost im Alltag von Familien umgesetzt werden kann. Die in Deutschland üblichen Mahlzeitengewohnheiten und die bekannten Essensvorlieben von Kindern und Jugendlichen wurden berücksichtigt.

Für die Optimierte Mischkost werden keine speziellen Lebensmittel oder Produkte benötigt.

Empfehlungen für die Nährstoffzufuhr:

Während Säuglinge in den ersten Monaten aufgrund ihres hohen Energiebedarfs pro kg Körpergewicht noch bis zu 50 % der Energie aus Fett zu sich nehmen sollen, sinkt dieser Anteil nach einer Übergangsphase im Kleinkindalter (30 - 40 %) auf 30 - 35 % ab dem Alter von vier Jahren. Der Anteil von Kohlenhydraten an der Energiezufuhr sollte nach dem Säuglingsalter mehr als 50 % betragen.

Der Proteinbedarf pro kg Körpergewicht sinkt mit abnehmender Wachstumsgeschwindigkeit im Säuglingsalter und bleibt im Kindes- und Jugendalter stabil. Die benötigten Nährstoffdichten, d. h. der Bedarf an Vitaminen und Mineralstoffen im Verhältnis zu den Richtwerten für die Energiezufuhr, bleibt vom zweiten Lebensjahr bis ins Erwachsenenalter weitgehend konstant. Für die Lebensmittelauswahl gelten deshalb für Kinder und Jugendliche aller Altersgruppen dieselben Regeln.

DGE - Empfehlung der Nährstoffzufuhr

 

Altersbereich

1 – 3

m / w

4 – 6

m / w

7 – 10

m / w

10 – 13

m / w

13 – 15

m / w

 

Energie (kcal)1

1100 / 1000

1500 / 1400

1900 / 1700

2300 / 2000

2700 / 2200

 

Protein (g/kg/Tag)2

1,0

0,9

0,9

0,9

0,9

 

Essenz. FS n6/n3

(% der Energie)

3,0 / 0,5

2,5 / 0,5

2,5 / 0,5

2,5 / 0,5

2,5 / 0,5

 

Vitamin A (mg RÄ3)

0,6

0,7

0,8

0,9

1,1 1,0

 

Vitamin D (µg)

5

5

5

5

5

 

Thiamin (mg)

0,6

0,8

1,0

1,2 / 1,0

1,44 / 1,14

 

Riboflavin (mg)

0,7

0,9

1,1

1,4 / 1,2

1,64 / 1,34

 

Vitamin B6 (mg)

0,4

0,5

0,7

1,0

1,4

 

Folsäure (µg FÄ5)

200

300

300

400

400

 

Vitamin B12 (µg)

1,0

1,5

1,8

2,0

3,0

 

Vitamin C (mg)

60

70

80

90

100

 

Calcium (mg)

600

700

900

1100

1200

 

Magnesium (mg)

80

120

170

230 / 250

310

 

Eisen (mg)

8

8

10

12 / 15

12 / 15

 

Jod (µg)

100

120

140

180

200

 

1 Richtwerte für durchschnittliche Energiezufuhr bei Kindern und Jugendlichen mit BMI
im Normalbereich und durchschnittlicher körperlicher Aktivität

2 g pro kg Körpergewicht pro Tag

3 Retinol-Äquivalente

4 der hohe Wert ergibt sich durch den Bezug zur Energiezufuhr

5 Folsäure-Äquivalente (Nahrungsfolat)



Lebensmittelempfehlungen:

In der Optimierten Mischkost werden „empfohlene“ und „geduldete“ Lebensmittel unterschieden. Die empfohlenen Lebensmittel decken den
Nährstoffbedarf zu 100 %, den Energiebedarf aber nur zu etwa 90 % . Die Lücke von etwa 10 % der Gesamtenergiezufuhr, kann durch die geduldeten Lebensmittel mit niedriger Nährstoffdichte gedeckt werden (Süßwaren, Knabberartikel und gesüßte Getränke). Dabei beträgt der Anteil von Zuckerzusätzen etwa 6% der Energiezufuhr.
Die Berechnung des Verzehrs geduldeter Lebensmittel basiert auf den
Referenzwerten für den Energiebedarf, die von einer moderaten körperlichen Aktivität ausgehen. Bei einer geringen körperlichen Aktivität sinkt der Energiebedarf und der Spielraum für die geduldeten Lebensmitteln wird geringer.



Weitere Hinweise zur Lebensmittelauswahl

Fast Food

Nicht öfters als 1 bis 2 mal/Woche

Fertiggerichte

Werden toleriert, gut in Kombination mit Obst und Gemüse

Getränke

energiefrei oder energiearm

Getreide

> 50 % aus Vollkorn

Gemüse/Obst

frisch, tiefgekühlt

„Kinderlebensmittel“

überflüssig

Milch/Fleisch

fettarm

Speiseöle

Pflanzenöle (Rapsöl)

Speisesalz

+ Jod, Fluorid, Folsäure



Empfehlungen zu den Mahlzeiten:

Regelmäßige Mahlzeiten im Kindes- und Jugendalter können eine gute Ernährungsqualität fördern und bei der Prävention von Übergewicht helfen. Daher wurden in der Optimierten Mischkost auch Empfehlungen für die Zusammensetzung der Mahlzeiten abgeleitet. In den Referenz-Speiseplänen gibt es entsprechend den traditionellen Ernährungsgewohnheiten in Deutschland fünf Mahlzeiten am Tag.

Empfehlungen zu Mahlzeiten

Mahlzeiten

Zubereitung

Empfohlene Lebensmittel

Frühstück

kalt

Brot/Müsli/Milchprodukte/Obst

1. Zwischen-mahlzeit

kalt

Brot/Gemüserohlost/Müsli/Milch­produkte/Obst

Mittagessen

warm

Kartoffeln, Reis/Nudeln/Gemüse/ Rohkostsalat/Fleisch (3x/Woche, Fisch 1x/Woche)

2. Zwischen-mahlzeit

kalt

Brot/Gemüserohlost/Müsli/Milch­produkte/Obst

Abendessen

kalt

Brot/Gemüserohlkost/Milchprodukte

/fettarme Wurst

Energiearme Getränke sollten jederzeit zur Verfügung stehen!



Die Mahlzeiten sollten in einer angenehmen Atmosphäre eingenommen werden. Die wichtigsten Empfehlungen sind:

Gewicht bei Kindern und Jugendlichen:

Im Erwachsenenalter werden BMI-Werte ≥ 25 als Übergewicht und BMI-Werte ≥ 30 als Adipositas definiert. Bei der Beurteilung des BMI im Kindes- und Jugendalter wird berücksichtigt, dass durch das Wachstum und die Pubertätsentwicklung alters- und geschlechtsspezifische Veränderungen der Körperzusammensetzung erfolgen.
Zur Feststellung von Übergewicht/Adipositas bzw. Untergewicht, werden bei Kindern und Jugendlichen altersbezogene Perzentilkurven für Mädchen und Jungen verwendet. Perzentilkurven geben für jedes Alter an, wie groß und wie schwer Mädchen und Jungen im Durchschnitt sind. Gleichzeitig wird gezeigt, welche Abweichungen nach oben oder unten noch in Ordnung sind.
Perzentilwerte sind Werte, unterhalb derer ein bestimmter Anteil aller Werte liegt. Das 50. Perzentil des BMIs 20-jähriger Frauen bspw. beträgt 20.9 kg/m². Das bedeutet, dass 50% der 20-jährigen Frauen einen BMI haben, der < 20.9 kg/m² ist. Zur Beurteilung hoher Körpergewichte ist eine Orientierung an dem 85. Perzentil als internationaler Standard vorgeschlagen worden. Für die Diagnose einer ausgeprägten Adipositas sollte das 95. Perzentil zugrundegelegt werden. Das Gewichtskriterium für Untergewicht findet seine Entsprechung zwischen dem 5. und 10. BMI-Perzentil.



Alter

Starkes

Untergewicht

Untergewicht

Normalgewicht

Übergewicht

Starkes

Übergewicht

7

< 12,2

< 13,3

13,4 – 17,9

> 18,0

> 23,1

8

< 12,2

< 13,2

13,3 - 18,7

> 18,8

> 22,3

9

< 13,0

< 13,7

13,8 – 19,7

> 19,8

> 23,4

10

< 13,4

< 14,2

14,3 – 20,6

> 20,7

> 23,4

11

< 13,8

< 14,7

14,8 – 20,7

> 20,8

> 22,9

12

< 14,8

< 15,0

15,1 – 21,4

> 21,5

> 23,4

13

< 15,2

< 15,6

15,7 – 21,9

> 22,0

> 24,4

14

< 16,2

< 17,0

17,1 – 23,1

> 23,2

> 26,0

15

< 16,9

< 17,6

17,7 – 23,1

> 23,2

> 27,6

16

< 16,9

< 17,8

17,9 – 23,7

> 22,8

> 24,2

17

< 17,1

< 17,8

17,9 – 23,3

> 23,4

> 25,7

18

< 17,6

< 18,3

18,4 – 23,4

> 23,5

> 25,0





Alter

Starkes

Untergewicht

Untergewicht

Normalgewicht

Übergewicht

Starkes

Übergewicht

7

< 13,0

< 13,6

13,7 – 19,1

> 19,2

> 21,1

8

< 12,5

< 14,2

14,3 - 19,2

> 19,3

> 22,6

9

< 12,8

< 13,7

13,8 – 19,3

> 19,4

> 21,6

10

< 13,9

< 14,6

14,7 – 21,3

> 21,4

> 25,0

11

< 14,0

< 14,3

14,4 – 21,1

> 21,2

> 23,0

12

< 14,6

< 14,8

14,9 – 21,9

> 22,0

> 24,8

13

< 15,6

< 16,2

16,3 – 21,6

> 21,7

> 24,5

14

< 16,1

< 16,7

16,8 – 22,5

> 22,6

> 25,7

15

< 17,0

< 17,8

17,9 – 23,0

> 23,1

> 25,9

16

< 17,8

< 18,5

18,6 – 23,6

> 23,7

> 26,0

17

< 17,6

< 18,6

18,7 – 23,6

> 23,7

> 25,8

18

< 17,6

< 18,6

18,7 – 23,9

> 24,0

> 26,8



Umgang mit verschiedenen Lebensmittelgruppen:

Fast Food – Essen auf die Schnelle
Zwar fehlen aussagekräftige Studien über den Zusammenhang zwischen dem Verzehr von Fast food und der Entstehung von Übergewicht bei Kindern und Jugendlichen, tendenziell erhöht ein zu viel an Fast food das Risiko für Übergewicht und führt zu einer insgesamt schlechteren Ernährungsqualität. Einige Tipps zum Umgang:

Fertiggerichte (Convenience Food)
sind Lebensmittel, die küchentechnisch vorgefertigt sind und zum Verzehr nur noch erhitzt werden müssen wie z.B. Tiefkühlkost, Instanterzeugnisse, Backmischungen oder Konserven. Convenience Produkte sind nicht grundsätzlich abzulehnen, beispielsweise ist das Tiefkühlen ein sehr schonendes Konservierungsverfahren. Bei der Auswahl ist vor allem auf die Zutatenliste zu achten. Vor allem Instantprodukte sind ernährungsphysiologisch deutlich schlechter als frisch zubereitete Lebensmittel.

Kinderlebensmittel
werden speziell für Kinder angeboten. Sie sind in der Regel teurer als die herkömmlichen Vergleichsprodukte und bieten kaum einen Vorteil. Die häufige Hervorhebung eines wertvollen Nährstoffs (z.B. Calcium) ist irreführend, da dieser meist begleitet ist von reichlich Fett, Zucker, Aroma- und anderen Zusatzstoffen.

Ernährungsverhalten von Kindern:

Das Ernährungsverhalten von Kindern wird in der Kleinkindphase im wesentlichen von den Eltern geprägt. Später spielen Freunde und Mitschüler sowie die Werbung eine wichtige Rolle.

In der Praxis bewährte Empfehlungen für Eltern sind:

Eltern sollten auch in Bezug auf gesundes Essen Vorbilder sein. Kinder lernen durch Nachahmung. Stehen genügend gesunde Lebensmittel zur Auswahl, werden die Kinder diese ohne “Zwangsmaßnahmen“ verzehren.

Das natürliche Hunger- und Sättigungsgefühl von Kindern sollte respektiert werden. Kinder sollten nicht gezwungen werden, ihren Teller leer zu essen oder bestimmte Lebensmittel zu verzehren, die sie nicht mögen.
Die häufig bei Kindern anzutreffende “Neophobie“ - eine Abneigung gegenüber unbekannten Speisen – sollte akzeptiert werden. Werden Kindern solche Speisen häufiger ohne Zwang (!) angeboten, wird ihre Neugierde geweckt und die Speisen werden irgendwann einmal ausprobiert.
Die Gewichts- und Längenentwicklung von Kindern verläuft nicht linear sondern in Schüben. Daher wechseln Phasen von Appetitlosigkeit und Phasen reichlichen Verzehrs. Dies sollten Eltern wissen und Kinder nicht zum Essen zwingen bzw. ihr Essverhalten zu stark reglementieren.
Die Mahlzeiten sollten bewusst und nicht nebenbei, am besten im Familienkreis, eingenommen werden. Feste Essenszeiten geben den Kindern Rhythmus und Struktur.
Lebensmittel sollten nicht als Erziehungsmittel eingesetzt werden im Sinne von Belohnung oder Trost. Dadurch werden unbewusste Verbindungen geschaffen (mir geht’s schlecht, ich brauche Süßigkeiten), die Übergewicht bzw. Essstörungen fördern können.
Der natürliche Bewegungsdrang von Kindern sollte verstärkt werden. Die Alltagsbewegungen (Radfahren, Laufen) sollten selbstverständlich sein, Kinder sollten verschiedene Sportarten ausprobieren können.

Ansprechpartner und Literatur: