Yersinien

 

Yersinien sind bakterielle Krankheitserreger, die nach dem Forscher Alexandre Yersin benannt sind. Auch der Erreger der Pest gehört zur Gattung der Yersinien. Andere Yersinienstämme verursachen vorrangig Magen-Darm-Infektionen, können aber auch langfristig Folgeerkrank-ungen wie z. B. eine Arthritis auslösen.

Häufigkeit, Merkmale und Spezies von Yersinien:

Bei den Auslösern von bakteriellen Darmerkrankungen, sind Yersinien nach Campylobacter und Salmonellen, die dritthäufigste Gruppe. In Deutschland werden pro Jahr rund 3000 Erkrankungen gemeldet. Betroffen sind vor allem Kleinkinder. Eine rückläufige Tendenz ist zu erkennen.

Mikrobielle Charakteristika von Yersinien

Gruppeneinteilung nach Gram

Gram-negativ

Atmung

Fakultativ anaerob

Form und Länge

Kurzstäbchen

Familie

Enterobacteriaceae

Temperaturbereich für Wachstum

4°  - 43°

 

Das Bundesinstitut für Risikobewertung nennt drei von insgesamt 17 Yersinienarten, die Krankheiten beim Menschen verursachen können:

Die durch Yersinien insbesondere durch Y. enterocolitica und Y. pseudotuberculosis, hervorgerufenen Krankheitsbilder, werden auch als Yersiniosen bezeichnet. Sie haben seit den 1950er Jahren deutlich zugenommen, während die Pest aktuell keine zahlenmäßig bedeutende Infektionskrankheit mehr ist.

Infektionen mit Yersinia enterocolitica sind in Deutschland, im Gegensatz zu Infektionen mit Yersinia pseudotubercolosis, meldepflichtig.

Übertragungswege der Yersinien:

Yersinien werden hauptsächlich über belastete Lebensmittel auf den Menschen übertragen. Die wichtigsten Lebensmittel sind Fleisch, vor allem Schweinefleisch, sowie Milch, Salat und Wasser. Gefährlich sind rohe bzw. nicht ausreichend erhitzte Produkte. Yersinia pseudotuberculosis kommt vor allem in Wildtieren vor.

Erstsymptome, Folgeerkrankungen und Komplikationen:

Erste Symptome zeigen sich nach 3 – 7 Tagen. Sie gleichen denen einer Magen-Darm-Entzündung, also Bauchkrämpfe, heftiger Durchfall, Erbrechen und Übelkeit. Hinzu können auch grippeähnliche Symptome kommen sowie Schwellungen der Lymphknoten. Schmerzen treten häufig in der Leistengegend auf, was zu einer Fehldiagnose (Blinddarm­entzündung) führen kann.

Als Folgeerscheinungen/Komplikationen können auftreten:

Therapie einer Yersinien-Infektion:

Meist ist die körpereigene Abwehr in der Lage, die Yersinien zu bekämpfen und die Infektion klingt von selbst ab. Bei schweren Verläufen und starken Symptomen sind Antibiotika die Mittel der Wahl. Zu beachten ist, dass sich Yersinien in den Körperzellen aufhalten und dort nur schwer zu bekämpfen sind. Daher kommen nur Antibiotika in Frage, die zur Gruppe der Tetracycline gehören. Mittel der Wahl bei Erwachsenen ist Doxycyclin.

Vorbeugung von Yersinien-Infektionen:

Entscheidend ist das Vermeiden von Erhitzungsfehlern bei der Lagerung und Zubereitung von Lebens­mitteln, d.h. ausreichende Erhitzung von Fleischprodukten, besonders Hackfleisch, auf Kerntemperaturen von mehr als 70 °C mindestens 2 Minuten lang. Der Kontakt von rohem Fleisch mit Arbeitsgeräten, auf denen anschließend Gemüse, Obst oder Salat verarbeitet wird, sollte vermieden werden.

Bei Kühlschranktemperaturen von 4°C können sich Yersinien noch vermehren! Das Tiefgefrieren bietet auch keinen sicheren Schutz, denn Yersinien können in TK-Produkten mehrere Wochen überleben. Das Erhitzen und Pasteurisieren unten den oben beschriebenen Bedingungen ist die wichtigste hygienische Maßnahme.

Risikogruppen:

Ein erhöhtes Risiko, lebensbedrohliche Krankheitsverläufe infolge einer Yersinien-Infektion zu erleiden, haben folgende Gruppen:

Die genannten Risikogruppen sollten kein rohes Schweinefleisch verzehren.

Literatur: