Eisenspeicherkrankheit

 

Die Eisenspeicherkrankheit, medizinisch Hämochromatose, zählt in Europa zu den häufigsten Erbkrankheiten. Es handelt sich um eine Stoffwechselerkrankung, die durch eine erhöhte Eisenaufnahme aus dem Darm gekennzeichnet ist.
Ganz allgemein werden Eisenspeicherkrankheiten auch als Siderosen bezeichnet. Unterschieden werden erbliche (primäre) und erworbene (sekundäre) Eisenspeicherkrankheiten.

Ursachen/Genetik:

Verantwortlich für die primäre und häufigste Form von Hämochromatose (Typ1) ist eine Mutation des auf dem Chromosom 6 liegenden HFE-Gens (H bedeutet Hämo, FE ist das chemische Zeichen für Eisen) Neben der erblichen Hämochromatose gibt es weitere, jedoch äußerst seltene, primäre Eisenspeicherkrankheiten. Diese sind auf Mutationen anderer Gene zurückzuführen.
Die erbliche (= hereditäre) Hämochromatose vom Typ 1 wird in autosomal-rezessivem Erbgang vererbt. (Autosomal: der Gendefekt liegt nicht auf einem Geschlechtschromosom; Rezessiv: liegt der Gendefekt nur auf einem Chromosom vor, erkrankt der Träger nicht). Dies bedeutet, dass Hämochromatose nur dann entstehen kann, wenn die Genkopien (Allele) von Vater und von der Mutter beide verändert (mutiert) sind. Hierbei können beide Allele dieselbe Mutation (homozygot) oder verschiedene Mutationen in Kombination (kombiniert-heterozygot) aufweisen.
Nur bei 10%-50% der Menschen mit genetischer Disposition entwickelt sich das Vollbild der Hämochromatose. Zusätzliche Faktoren wie Alkoholmissbrauch, Fettleibigkeit und Ernährungsgewohnheiten spielen eine wichtige Rolle in der Krankheitsentstehung.( Hämochromatose Typ 1 als multifaktorielle Erkrankung).
Sekundäre Eisenspeicherkrankheiten können aufgrund verschiedener Vorerkrankungen wie zum Beispiel Alkoholismus oder Hepatitis C entstehen, wenn der Körper mit Eisen überlastet ist.

Kombinationen mit anderen Krankheiten:

Die Hämochromatose Typ1 ist häufig vergesellschaftet mit der Porphyria cutanea tarda, einer Störung des Porphyrin-Stoffwechsels sowie mit Zöliakie (Glutenunverträglichkeit). Ein physiologischer Eisenwert bei Zöliakie kann auf eine Hämochromatose deuten, denn normalerweise geht die Zöliakie mit einem Eisenmangel einher.

Häufigkeit der Eisenspeicherkrankheit:

Nach Angaben der Hämochromatose-Vereinigung ist die Hämochromatose eine der häufigsten erblichen Stoffwechselstörungen.
Männer sind im Vergleich zu Frauen etwa zehnmal so häufig betroffen. Dies hängt mit dem regelmäßigen Blut- und damit Eisenverlust bei der Monatsblutung zusammen. Frauen erkranken daher in der Regel erst nach der Menopause.

Zahlen über die Häufigkeit der Eisenspeicherkrankheit

Häufigkeit des Gendefekts (Chomosom 6)

1 : 300 in Europa (in Irland 1:80)

Defektfreie Träger

5 – 10 %

Erkrankungsrate bei Defekt

30 %

Menschen mit Defekt von beiden Eltern

– von diesen erkranken:

250.000

20 (-50) %

Quelle: Hämochromatose-Vereinigung

Bedeutung des Eisens bei der Eisenspeicherkrankheit:

Eisen ist ein lebensnotwendiges Spurenelement und wichtig für Sauerstoff­transport und Energie-Stoffwechsel. Eisen ist andererseits auch ein potentiell toxisches Schwermetall.

Eisen in freier, ungebundener Form ist giftig, wirkt als "freies Radikal" und verursacht Gewebeschäden. Während beim gesunden Menschen täglich ein bis zwei Milligramm Eisen resorbiert werden, sind es bei Personen mit Hämochromatose etwa drei bis vier Milligramm. Der Eisengesamtwert beträgt beim gesunden Erwachsenen 4 bis 5 Gramm. Das Eisen liegt im Organismus wie folgt vor:

Transferrin ist ein Protein (Glykoprotein), das im Blutserum für den Transport des Eisens verantwortlich ist. Beim gesunden Menschen ist die maximale Eisenaufnahmekapazität des Transferrins nur zu etwa 30 Prozent ausgeschöpft. Bei der Eisenspeicherkrankheit ist die Sättigung auf über 60 Prozent erhöht. Die aktuelle Bindungskapazität des Transferrins wird zur Labordiagnostik verwendet.

Diagnostik:

Parameter/Methoden

Grenzwerte/Indizien

Serumeisen (Transferrin)

>170 µg/dl (bzw.< 31µmol/l)

Ferritin

  • Frauen vor der Menopause
  • Männer, Frauen nach der Menopause
 

>200 ng/ml
>300 ng/ml

Transferrinsättigung

  • Frauen
  • Männer
 

> 50%
> 60%

Gentest

Verdacht auf Hämochromatose

Leberbiopsie, nur notwendig bei

- negativem Gentestergebnis,

- sehr hohem Ferritinwert (Ferritin
>1000ng/ml) und/oder

- Hinweisen auf einen Leberschaden


Quelle: Hämochromatose-Forum

Symptome und Folgeschäden:

Im Anfangsstadium der Eisenspeicherkrankheiten zeigen sich meist keine spürbaren Symptome. Frühsymptome wie chronische Müdigkeit und Gelenkbeschwerden sind unspezifisch.
Bei rechtzeitiger Diagnose und Therapie sind die Lebensqualität und Lebensdauer durch die Eisenspeicherkrankheiten nicht eingeschränkt.
Bei später Diagnose und Therapie sind die Lebensqualität und Lebensdauer jedoch deutlich verringert. So entwickeln etwa 70 Prozent der Betroffenen einen Diabetes mellitus und sehr viele eine Leberzirrhose. Auch Leberkrebs, Herzschwäche und Gelenkprobleme sind zu erwarten. Die durch den Eisenüberschuss hervorgerufenen Folgekrankheiten wie Herzschäden, Gelenkschäden, Diabetes mellitus oder eine Leberzirrhose können in der Regel trotz intensiver Therapie nicht mehr zurückgebildet werden.

Symptome bei Hämochromatose

Müdigkeit, allgemeine Schwäche, Unwohlsein

Leberzirrhose Lebervergrößerung (in 90 Prozent der Fälle) bis hin zum Leberkrebs

Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit)

Gelenkbeschwerden

dunkle Hautpigmentierungen, insbesondere in den Achselhöhlen

Vergrößerung der Milz

Gewichtsabnahme

Herzinsuffizienz

Libidoverlust, Impotenz

Herzrhythmusstörungen

Kurzatmigkeit

Nebennierenschädigungen


Therapie:

Ziel der Therapie ist eine Entleerung der Körpereisenspeicher. Am wirk­samsten wird dies durch eine Aderlasstherapie erreicht. Zu Beginn soll ein Aderlass von 500 ml Blut pro Woche durchgeführt werden. Bis zur Entspeicherung der Eisendepots vergehen bei einer fortgeschrittenen Hämochromatose etwa eineinhalb Jahre. Der Serumferritinwert sollte unter 50 µg/l abfallen. Zur Aufrechterhaltung einer ausgeglichenen Körper­eisenbilanz genügen individuell angepasst 4 bis 12 Aderlässe pro Jahr.

Eine weitere Therapieform ist die maschinelle Erythrozytapherese. Im Unterschied zum Aderlass können bei der Apherese mehr Erythrozyten pro Behandlungstermin entnommen werden und somit kann die Häufigkeit der Behandlungen (Aderlässe) deutlich reduziert werden. Auf Grund der höheren Entnahmemenge von Erythrozyten pro Behandlung sinken die Ferritinwerte beim Patienten wesentlich schneller ab, als bei einer Aderlassbehandlung.

Mithilfe des Wirkstoffs Deferoxamin wird vermehrt Eisen über Stuhl und Urin ausgeschieden. Oft ist es nötig, den Betroffenen über Jahre hinweg zu behandelt. Zudem ist es wichtig, die eigentliche Grunderkrankung zu behandeln.

Ansprechpartner und Literatur: