Entzündungen

 

 

 

Eine Entzündung (lateinisch Inflammatio) ist eine typische Reaktions­folge biologischen Gewebes auf einen äußeren oder inneren Reiz mit dem Ziel den Schädigungsreiz zu beseitigen oder zu reparieren.

Das Entzündungsgeschehen wird meist mit einer Kombination des betroffenen Organs mit der griechischen Endung -itis gekennzeichnet, z. B.: Arthritis (Gelenkentzündung), Dermatitis (Hautentzündung), Myokarditis (Herzmuskelentzündung), Otitis (Ohrenentzündung) Aus­nahme: Pneumonie = “Lungenentzündung“, obwohl die Endung “-itis“ fehlt

Einteilung der Entzündung:

 

Nach dem zeitlichen Ablauf können die Entzündungen eingeteilt werden in:

 

 

 

Nach dem Entzündungstyp werden unterschieden:

 

Entzündungszeichen:

 

Die in der Medizin als klassische 5 Kardinalsymptome bekannten Zeichen einer Entzündung sind:

 

 

Diese fünf Zeichen sind nicht immer direkt erkennbar oder auch nur teilweise nachweisbar. Eine Magenschleimhautentzündung beispiels­weise macht kaum Schmerzen, da die Magenschleimhaut wenig schmerzempfindlich ist.

 

Allgemeine unspezifische Entzündungszeichen

 

Neben den fünf direkten Entzündungszeichen am Ort der Entzündung, kann man eine Entzündung ab einem bestimmten Schweregrad an allgemeinen Reaktionen des Gesamtorganismus erkennen. Zu diesen Allgemeinreaktionen gehören:

 

 

Die Entzündungsreaktion wird vom Bindegewebe, den Blutgefäßen und dem Immunsystem getragen.

 

Ablauf lokaler Entzündungsreaktionen:

 

Lokale Durchblutungsstörung: Diese nur minutenlange Phase wird auch “initiale Ischämie“ genannt. Gemeint ist eine kurzzeitige lokale Durchblutungsstörung durch die Reaktion des Gefäßbindegewebes auf die Adrenalinausschüttung (arterieller Spasmus).

Danach folgt eine, vor allem lokale Mehrdurchblutung (Hyperämie), die zum einen durch den vom vegetativen Nervensystem gelösten Krampf arterieller Blutgefässe, zum andern von einer Verengung (Konstriktion) venöser Gefäße (Venolen) ausgelöst wird. Letzte wird von diversen Mediatoren, z. B. Prostaglandine, Kinine, ausgelöst. Diese Abfluss­störung wiederum führt zu einer “Verklebung von Blutplättchen“ (Thrombozytenaggregation) und anderen durch die Einblutung ins Gewebe (Blutstase) ausgelösten Folgen (Sludge-Fänomen, Exsudation).

Die Durchlässigkeit (Permeabilität) der Gefäßwände wird durch Gefäß­mediatoren, hier Histamin, Prostaglandin, Kinine, Serotonin, gesteigert.

Durch die erhöhte Durchlässigkeit können nun Plasmaeiweisse in das betroffene Gebiet einströmen. Für die Entzündungsreaktion wichtig sind hierbei vor allem verschiedene weiße Blutzellen wie neutrophile, basophile und eosinophile Granulozyten, Makrophagen und Lymphozyten.

Entzündungsauslöser:

 

Auslösende Reize können sein:

 

physikalische Reize: wie Druck, Verletzung oder Fremdkörper oder krankhafte Stoffwechselprodukte wie Harnsäurekristalle

thermische wie Wärme, Kälte

chemische: Säuren, Laugen, Toxine, entgleiste Enzyme, wie z. B. bei der Pankreatitis (= Bauchspeicheldrüsenentzündung)

Mikroorganismen wie Bakterien, Viren, Pilze, Parasiten

Allergene wie Autoallergene bei rheumatischen Erkrankungen, Auto­immunkrankheit oder Fremdallergene

 

Häufige Ursachen für Entzündungsreaktionen:

 


Heilungsreaktion nach einer Entzündung:

 

 

  1. Infolge der Gewebsverletzung kommt es zur Blutgerinnung. Die klein­sten Blutgefässe (Kapillaren) verschließen sich. In der Umgebung der Verletzung stirbt zwar Gewebe ab, gleichzeitig wird aber Platz für nachfolgende “Reparaturprozesse“ geschaffen. Der Zelluntergang bei einer Entzündung ist notwendig, um die anschließenden Heilungs­vorgänge zu ermöglichen.

  2. Innerhalb von 1 – 2 Tagen vermehren sich Grundzellen des Binde­gewebes (Fibroblasten), die sich im verletzten Gebiet ansiedeln. Zur Versorgung dieser Zellen werden auch neue Blutgefässe gebildet.

  3. Diese erste Substanz auch Granulationsgewebe genannt, wird später durch das eigentliche Funktionsgewebe ersetzt. Bei größeren Ver­letzungen bleibt eine Narbe zurück, die gekennzeichnet ist durch faserreiches, zell- und gefäßarmes Bindegewebe.

 

Entzündungshemmende Medikamente:

 

Es werden eine Vielzahl von entzündungshemmenden Medikamenten angeboten. Sie werden auch als Antiphlogistika (antiphlogistisch = entzündungshemmend) bezeichnet.

Entzündungshemmer können in folgende Gruppen unterteilt werden:

 

1. Steroidale Entzündungshemmer:

sie leiten sich vom Cortison ab, das eine bestimmte chemische Struktur hat, ein so genanntes Steroidgrundgerüst. Alle Entzündungshemmer mit einem Steroidaufbau werden daher steroidale Entzündungshemmer genannt!

Cortison ist ein lebensnotwendiges, körpereigenes Hormon, das in der Nebenniere produziert wird. Neben Wirkungen auf den Fett-, Eiweiss- und Mineralstoffwechsel steuert es wichtige Vorgänge im Immunsystem. Es wird als “Stresshormon“ vor allem für die Abwehr des Körpers auf äußere Belastungen benötigt. Das körpereigene Cortison und andere künstlich hergestellte Cortisonmedikamente sind zudem die am besten und schnellsten wirkenden Entzündungshemmer. Im Dauergebrauch können sie allerdings schwere Nebenwirkungen haben. Die Gefahr von Infektionen sowie des Wiederaufflammens verborgener Infekte ist erhöht. Die Wundheilung ist verzögert. Es besteht die Gefahr der Knochen­brüchigkeit. Ein latenter Diabetes kann ausbrechen.

2. Nichtsteroidale Entzündungshemmer (NSE)

Entzündungshemmende Medikamente, die keine chemische Verwandt­schaft mit dem Cortison haben, werden als nicht steroidale Entzündungs­hemmer zusammengefasst. Der wichtigste Wirkstoff in dieser Gruppe ist die Acetylsalicylsäure (ASS). Sie sind wirksam gegen Entzündungen, Schmerzen und haben eine Reihe weiterer Wirkungen (z.B. Blut verflüssigend).

Sie hemmen bestimmte Enzyme, nämlich die Cyclooxygenasen (=COX) und dadurch die Herstellung von Gewebshormonen (Prostaglandinen), die eine wichtige Rolle bei Entzündungen spielen.

Daneben haben die Prostaglandine noch weitere wichtige Funktionen im Körper:

 

 

Da die NSE die Herstellung der Prostaglandine hemmen, äußern sich ihre wichtigsten Nebenwirkungen durch Schädigungen der Magen-Darm-Schleimhaut (Geschwüre, Blutungen etc.) und durch eine Beeinträch­tigung der Blutgerinnung und damit Verstärkung der Blutungsneigung durch Hemmung der Blutplättchenverklumpung (=Trombozyten­aggregation).

Daneben können sie eine Störung der Nierendurchblutung verursachen. Wassereinlagerung im Körper vor allem in den Beinen, mit einer Erhöhung des Blutdrucks oder in seltenen Fällen Nierenversagen können die Folgen vor allem bei Langzeitgebrauch sein.

So genannte spezifisch COX-2 hemmende NSE stehen seit einiger Zeit zur Verfügung. Diese hemmen spezifisch die Entzündungsvorgänge, haben aber weniger negative Auswirkungen auf Magen-Darmtrakt und keine auf Blutplättchen.

 

3. Pflanzliche Entzündungshemmer:

 

Eine Vielzahl von Pflanzen haben entzündungshemmende Wirkungen.

Pflanzen Anwendung Pflanzen Anwendung
Arnikablüten äußerlich verdünnt   Rosskastaniensamen, -blüten, -blätter innerlich und äußerlich
Beinwellblätter und -wurzeln äußerlich   Salbeiblätter zum Gurgeln
Eichenrinde äußerlich Bäder und Umschläge   Schafgarben- blüten, -kraut innerlich und äußerlich
Johanniskraut (Rotöl) äußerlich   Süßholzwurzel innerlich
Kamillenblüten innerlich und äußerlich   Teufelskrallenwurzel innerlich
Ringelblumen- blüten äußerlich   Weihrauchharz innerlich und äußerlich



 

Kälte- und Wärmeanwendungen bei Entzündungen:

 

Wärme ist angebracht, bei chronischen, das heißt, schleichend ent­stan­denen Entzündungen. Sie steigert den Stoffwechsel und die Durch­blutung, entspannt und heilt, lindert die Schmerzen und erhält die Beweglichkeit. Wärme verschlimmert aber akute Entzündungen (z.B. akutes Rheuma).
Kälte ist angebracht bei akuten Entzündungen und Muskelprellungen. Sie verhindert Schwellungen, lindert Entzündung und Schmerzen. Eis­beutel und Kühlkompressen sollten in Bereich von kleinen Gelenken wie Fingern nicht länger als 5 Minuten, sonst nicht länger als 20 Minuten angewendet werden. Es sollte auch immer ein Tuch zwischen Eisbeutel und Haut liegen. Das verhindert Kälteschäden

 

Literatur: