Metabolisches Syndrom

 

 

Unter dem Metabolischen Syndrom (MTS) versteht man das gehäufte Zusammentreffen bestimmter Krankheiten aufgrund von Überernährung und mangelnder körperlicher Bewegung.
Zu den Krankheitsbildern zählen v.a. der Typ II Diabetes mellitus, Fettsucht, Bluthochdruck, erhöhte Blutfettwerte und erhöhter Harnsäurespiegel im Blut bzw. Gicht. Nicht alle Krankheiten müssen gleichzeitig auftreten.

Häufigkeit:

Das Metabolische Syndrom ist eine Volkskrankheit mit ca. 15 Millionen Betroffenen in Deutschland. Liegt ein metabolisches Syndrom zusammen mit einer koronaren Herzerkrankung (KHK) vor, sterben fünfmal so viele Frauen und doppelt so viele Männer im Vergleich zu Patienten ohne metabolisches Syndrom.

Ursachen:

Dem Metabolischen Syndrom liegt in der Regel eine Insulinresistenz zugrunde, d.h. das Hormon Insulin wird zwar von der Bauchspeicheldrüse ausgeschüttet, kann aber seine Funktionen an den Körperzellen (z.B. Einschleusung des Blutzuckers in die Zelle) nur unzureichend erfüllen.
Welche Ursachen das MTS hat, ist nicht sicher bekannt. Umweltfaktoren wie Fehlernährung (vorwiegend fettreiche Kost), körperliche Inaktivität, Stress, Zigarettenrauchen und Alkohol spielen bei der Entstehung eine große Rolle; man bezeichnet deshalb das MTS auch als Wohlstandssyndrom. Hinzu kommt eine genetische Disposition (Veranlagung).

Insulinresistenz als Schlüsselfaktor:

Es ist davon auszugehen, dass ein Großteil der Bevölkerung eine genetisch verankerte Anlage für die Insulinresistenz besitzt. Die Insulinresistenz war unter steinzeitlichen Bedingungen, also in Zeiten sehr knapper Verfügbarkeit pflanzlicher Nährstoffe wie Glucose, bzw. Stärke, ein Überlebensvorteil, so dass diese Erbanlage begünstigt weitergegeben wurde. Aufgrund des Nahrungsüberflusses und des gleichzeitigen Bewegungsmangels, stellt sich dies heute als Überlebensnachteil dar.
Viele Faktoren mit negativer Auswirkung auf die Insulinresistenz wurden in den letzten Jahren ermittelt. Zum einen kommt das Fettgewebe als ursächlicher Faktor infrage. Die vom Fettgewebe abgegebenen freien Fettsäuren beeinträchtigen die Insulinwirkung in mehrfacher Hinsicht, auch die Hormone Leptin und Resistin sowie das Zytokin TNF-alpha. Besonders ungünstig wirkt sich eine erhöhte viszerale Fettmasse (= Bauchfett) aus. Eine Rolle spielt auch ein gering kapillarisierter (Kapillare = kleine Blutgefässe), fettreicher Skelettmuskel, der nur wenig Muskelstärke (Glykogen) speichern kann. In letzter Zeit wurde besonders der erhöhte muskuläre sowie der erhöhte Leberfettgehalt als Charakteristikum eines MTS dargestellt.

Krankheiten/Störungen beim Metabolischen Syndrom:

Bluthochdruck (Hypertonie):

Bei Adipösen kommt ein Bluthochdruck viermal häufiger vor als bei Normalgewichtigen. Ist der Taillenumfang sehr groß, ist eine Hypertonie gar sechsmal häufiger als bei Personen mit niedrigem Taillenumfang. Der Anteil der Fettsucht (Adipositas) an der Entstehung eines Bluthochdruckes liegt bei ca. 40% . Die Adipositas ist in Industriestaaten die häufigste Ursache für die Entstehung der Hypertonie.

Diabetes mellitus:

der Typ 2 Diabetes hat eine zentrale Bedeutung für das MTS. Bei etwa jedem dritten Übergewichtigen mit Verteilung des Fettes vor allem im Bauchraum besteht eine gestörte Glukosetoleranz; ein Test auf gestörte Blutzuckerverwertung ist daher unbedingt notwendig. Bei Adipösen mit gestörter Glukosetoleranz sind Herzinfarkt und Schlaganfall um das 2,1- bzw. 1,9fache und die Sterblichkeit um das 2,2fache erhöht. Die Entstehung eines manifesten Diabetes hängt eng mit dem Übergewicht und dem Taillenumfang zusammen.

Fettstoffwechselstörungen:

Typisch für das MTS sind nicht die erhöhten Blutcholesterinwerte, sondern erhöhte Blutfettwerte (Hypertriglyceridämie), ein niedriges HDL-Cholesterin (Hypoalphalipoproteinämie), erhöhtes Apolipoprotein B, erhöhte freie Fettsäuren sowie triglyzeridreiche Lipoproteine (z. B. small dense LDL). Erklären lassen sich die bei Adipositas und Insulinresistenz zu beobachtenden Lipid- und Lipoproteinveränderungen durch erhöhte Enzymaktivitäten verschiedener Enzyme des Fettstoffwechsels (HTGL, CETP, LPL, LCAT). Der Gesamtheit der Lipidveränderungen beim MTS kommt eine ähnliche Arteriosklerose fördernde Wirkung zu wie einem erhöhten LDL-Cholesterin.
Störungen der Blutgerinnung: Beim MTS kann sowohl die Koagulation (Gerinnung) gesteigert als auch die Fibrinolyse (Auflösung der Gerinnung) beeinträchtigt sein. Die Gerinnungsstörungen werden durch Übergewicht und einem erhöhten Bauchfettansatz begünstigt.

Veränderungen an der Gefäßwand:

Wichtige Gefäßwandfunktionen (Gefäßdilatation, Antiproliferation, Antithrombogenität, Fibrinolyse, Antiinflammation und Antioxidation) sind bei der Adipositas aufgrund der erhöhten Fettmasse gestört. Am besten untersucht ist die durch Pharmaka beeinflussbare Gefäßerweiterung; sie ist bei Adipösen beeinträchtigt und korreliert eng mit BMI, WHR und Insulinresistenz.
Sämtliche Krankheiten des MTS sind unabhängige Risikofaktoren für Herz- und Gefäßerkrankungen.
Das MTS hat aufgrund des gleichzeitigen Vorkommens dieser Risikofaktoren ein enormes Potenzial für arteriosklerotische Erkrankungen wie koronare Herzkrankheit, Schlaganfall und arterielle Verschlusskrankheit. Eine koronare Herzkrankheit und ein Schlaganfall waren bei Patienten mit einem MTS dreimal bzw. 2,3-mal häufiger. Im Vergleich zu Personen ohne MTS hatten Patienten mit MTS eine um
das vierfache gesteigerte Gesamtsterblichkeit und eine um das 5,5fache erhöhte Sterblichkeit an Herz-Kreislauf-Erkrankungen; nach sieben Jahren war jeder fünfte Studienteilnehmer verstorben.

Therapie des Metabolischen Syndroms:

Ein MTS lässt sich am besten durch Beseitigung oder Reduktion der Ursache behandeln. Korrigieren lassen sich natürlich nur Faktoren des Lebensstils; in erster Linie geht es um Gewichtsreduktion, da ca. 85% aller Personen mit MTS übergewichtig sind. Auch eine Reduktion des Alkoholkonsums, eine Aufgabe des Nikotinkonsums, eine verminderte Aufnahme von gesättigten und eine vermehrte Zufuhr von einfach ungesättigten Fettsäuren und Fischölen haben positive Auswirkungen. Das MTS lässt sich grundsätzlich effektiv behandeln. Nehmen Adipöse mit einem MTS deutlich an Gewicht ab, ist bei den meisten die Stoffwechselstörung verschwunden, fast alle können ihre Medikamente reduzieren und nicht wenige können sie gänzlich absetzen.
Eine vermehrte körperliche Aktivität hat positive Auswirkungen auf alle Parameter des MTS. Die Effekte sind zum einen durch den erhöhten Energieverbrauch und die damit verbundene Gewichtsabnahme zu erklären. Ein körperliches Training verbessert jedoch die Insulinsensitivität und das MTS auch ohne Gewichtsabnahme. Das bedeutet, dass ein MTS nicht allein ernährungsmedizinisch, sondern immer auch – falls keine Gegenanzeigen bestehen – bewegungstherapeutisch behandelt werden sollte.

Beratung im Reformhaus®:

Das metabolische Syndrom ist gekennzeichnet durch das gleichzeitige Vorkommen mehrerer ernährungsabhängiger Krankheiten/ Funktionsstörungen. Die Beratung muss daher an den Empfehlungen für die spezifischen Krankheiten ansetzen.
Der wichtigste ursächliche und alle Störungen begünstigende Faktor ist das Übergewicht bzw. die Fettsucht. Vorrangiges Ziel ist daher die Beseitigung bzw. Verminderung des Übergewichtes!
Um eine Gewichtsabnahme von 5–10 % des Ausgangsgewichts zu bewirken (übliches Therapieziel), ist langfristig ein Energiedefizit von 500–800 kcal/d erforderlich. Als Kostform empfiehlt sich eine Energie verminderte Mischkost mit 1200–2000 kcal/d, je nach Energieverbrauch des Betroffenen. Erreicht wird diese Energiezufuhr im Wesentlichen durch eine Reduktion der Fettaufnahme auf 60–80 g/d.

Literatur:

Diabetes mellitus, Fett, Fettstoffwechselstörungen, Gicht, Hypertonie, Übergewicht