Orthorexia Nervosa

 

 

 

Der Begriff "Orthorexia nervosa" bezeichnet eine Essstörung, die wissenschaftlich noch nicht eindeutig definiert und klassifiziert ist. Der amerikanische Mediziner Steven Bratman erklärt die Orthorexia nervosa als "übersteigerte Fixierung auf "gesunde" Nahrungsmittel".

Typische Verhaltensweisen bei Orthorexia nervosa:

Die Orthorexie kann entstehen aus dem Wunsch, sich gesünder zu ernähren, abzunehmen und/oder Krankheiten vorzubeugen.
Nach Bratman entsteht daraus nach und nach ein Zwang, sich stets "richtig und gesund" zu ernähren.

Test auf Orthorexia nervosa:

Aktuell existiert lediglich ein von Bratman selbst entwickelter Fragebogen, mit dem eine Orthorexia nervosa “diagnostiziert“ werden kann:

Auswertung:

0-2 Punkte: Das Essverhalten ist in Ordnung. Essen kann ohne schlechtem Gewissen genossen werden.
3-5 Punkte: Erste Anzeichen einer Orthorexia liegen vor. Vorsicht ist geboten.
6-8 Punkte: Es bestehen bereits ernste Probleme mit dem Essverhalten. Die Ernährung wird zu ernst genommen.
9 Punkte und mehr: Vorliegen einer Orthorexia. Fachliche Hilfe ist erforderlich.

Studien zur Orthorexia nervosa:

In einer ersten Studie über die krankhafte Fixierung auf gesundes Essen publiziert von Carlo Cannella vom Institut für Ernährungswissenschaften der römischen Universität La Sapienza, wurden 404 Personen zu ihrem Essverhalten befragt. Rund sieben Prozent der Teilnehmer wurden daraufhin als orthorektisch eingestuft. Die meisten zeigten entweder in angstbesetzten Situationen oder in glücklichen Momenten ein unkontrollierbares Bedürfnis zu essen, einhergehend mit einem Gefühl der Schuld.
Ergebnisse der Studie über Orthorexie sind:

Abgrenzung zur Anorexia nervosa:

Die gesundheitsschädigenden Auswirkungen vor allem auf der körperlichen Ebene sind kaum mit denen der Anorexie (Magersucht) vergleichbar. Körperliche Symptome sind kaum vorhanden, schließlich erfolgt in den meisten Fällen ein Verzehr von qualitativ hochwertigen Lebensmitteln
Die psychioschen und sozialen Auswirkungen sind weitaus gravierender als die körperlichenen. Orthorektiker sind häufig gesellschaftlich isoliert und vereinsamt.

“Behandlung“ der Orthorexie:

Da eine klare wissenschaftliche Definition von Orthrexia nervosa noch nicht existiert, kann der Begriff “Therapie“ nur mit Vorbehalt verwendet werden.
Ziel einer Behandlung ist es, betroffene Menschen von ihrem zwanghaften Verhalten zu befreien und die Rückkehr ins gesellschaftliche Leben zu ermöglichen. Bedeutsam ist das Wiedererlernen von Genussfähigkeit.

Literatur:

Anorexie, Bulimia nervosa