Parodontitis

 

Die Parodontitis, deren alter Name Parodontose ist, bezeichnet eine Entzündung des Zahnbettes.

Zum Zahnbett gehören das Zahnfleisch (= Gingiva), der Zahnzement und die knöcherne Zahnhöhle. Im Unterschied zur Zahnfleischentzündung (Gingivitits) erstreckt sich die Entzündung bei der Parodontitis nicht nur auf das Zahnfleisch sondern auch auf den knöchernen Unterbau. Unterschieden werden aggressive, in kurzer Zeit fortschreitende Verlaufsformen und die chronische Parodontitis, welche eher langsam voran schreitet.

Häufigkeit:

Aus repräsentativen Studien zur Mundgesundheit geht hervor, dass rund 75% der Menschen über 35 unter Parodontitis in unterschiedlichen Schweregraden leiden. Bei 18 % der Menschen über 65 Jahre ist die Erkrankung weit fortgeschritten.

Anatomische und physiologische Grundlagen:

Die Zähne sind durch die Wurzelhaut, über die Zahnwurzel, im Kiefer verankert. Die Wurzelhaut besteht aus tausenden von Fasern, die die Verbindung zum Kieferknochen ermöglichen. Die Verankerung der Zähne im Kiefer ist nicht knöchern-starr, sondern durch das Zahnfleisch fest und graduell flexibel. Das Zahnbett (= Parodontium) ist die Basis für einen gesunden Zahnhalteapparat und bildet eine genetische und funktionelle Einheit. In der Mundhöhle befinden sich ca. 600 verschiedene Bakterienarten, von denen einige wenige durch Enzyme und giftige Stoffwechselprodukte das Zahnfleisch angreifen. Diese sind auf Dauer nur dann gefährlich, wenn die Mundhygiene vernachlässigt wird (s. Prophylaxe). Ein intaktes Immunsystem kann die Erreger der Parodontitis in Schach halten. Ist das Immunsystem jedoch geschwächt, wird das Zahnfleisch angegriffen.

Symptome und Verlauf:

Die ersten Anzeichen für eine Parodontitis sind die Schwellung und die Rötung des Zahnfleisches. Zahnfleischbluten ist ein schwer wiegendes Anzeichen, das auf eine Parodontitis deutet. Auch häufiger Mundgeruch und Geschmacksprobleme können Warnzeichen sein. Treten diese Symptome erstmalig auf, befindet sich die Paradontitis noch in einem Frühstadium. Es müssen kurzfristig therapeutische Maßnahmen ergriffen werden. Eine Parodontitis läuft in folgenden Schritten ab:

  1. Bildung bakterieller Plaque
  2. Infektion
  3. Entzündung an Zahnfleisch und Zahnhalteapparat
  4. Zahnfleischtaschenbildung
  5. Gewebeabbau

Die Mechanismen, die von einer Zahnfleischentzündung (Gingivitis) zu der Entstehung der Parodontitis führen, sind noch nicht im Detail geklärt.

Diagnose:

Die Ausprägung des Zahnfleischrückgangs kann mit Hilfe einer Parodon-talsonde ermittelt werden. Dies ist ein Messinstrument, das die Tiefe der Zahnfleischtaschen misst. Die Symptomstärke wird mit dem Parodontale Screening Index (= PSI) beziffert. Dazu wird das Gebiss in 6 Abschnitte unterteilt und jeder Zahn in Bezug auf die Tiefe der Zahnfleischtasche untersucht. Für die quantitative Auswertung werden die in der Übersicht beschriebenen „Codes“ zugeordnet:

Der höchste Code ist maßgeblich für die Bewertung der Krankheitsaus-prägung in den 6 Gebissabschnitten. Der so ermittelte Parodontalstatus ermöglicht einen ersten diagnostischen Befund. Durch Röntgenauf-nahmen der Kieferknochen und mittels eines Bakterientests kann die Diagnose weiter gefestigt werden.

Folgen der Parodontitis:

Erfolgt die Therapie nicht rechtzeitig, schreitet die Entzündung weiter in das Zahnbett voran. Der knöcherne Unterbau des Zahnhalteapparates wird zerstört und durch schwammiges Bindegewebe ersetzt. Dieses weiche Gewebe ist instabil; die Zähne lockern sich und können ausfallen. Zudem kann sich eine Parodontitis auch auf andere Organe und Gewebe auswirken. Die die Entzündung auslösenden Bakterien bzw. deren Stoffwechselprodukte sind schädlich für das Herz und die Blutgefäße. Vor allem das Risiko von Herzinfarkten und Schlaganfällen ist bei Menschen mit Parodontitis deutlich erhöht.

Atemwegserkrankungen, Diabetes und Osteoporose sind Erkrankungen, die über eingewanderte Parodontitis auslösende Keime bzw. deren Giftstoffe begünstigt werden.

Risikofaktoren und Ursachen:

Die Ursachen für die Parodontitis liegen in Zahnstein und bakteriellen Zahnbelägen. Diese entstehen zum einen in Folge einer mangelnden Zahnhygiene, zum anderen spielt die Zusammensetzung des Speichels eine Rolle. Darüber hinaus können auch genetische Faktoren eine Rolle spielen. So bildet sich Zahnstein bei manchen Menschen deutlich häufiger und in kürzeren Abständen als bei anderen. Die regelmäßige professionelle Zahnreinigung sollte dann in kürzeren Abständen erfolgen.

Verschiedene Risikofaktoren begünstigen die Entstehung einer Parodontitis über unterschiedliche Mechanismen:

Diabetes – vor allem unbehandelt  über hohe Zuckerwerte, die Parodontitis auslösende Bakterien ernähren; gleichzeitig hat eine Parodontitis auch Auswirkungen auf die diabetische Erkrankung. Sie kann z. B. die Blutzuckereinstellung negativ beeinflussen. Die Hyperglykämie, fördert die Entstehung von Endprodukten der fortgeschrittenen Glykierung (advanced glycation endproducts, AGE). Die AGE können sich an Zelloberflächenrezeptoren (RAGE) binden und so eine entzündliche Reaktion auslösen. in der Gingiva und im Parodont von Diabetikern konnte man eine Anhäufung der AGE nachweisen.

Stress zieht häufig einen ungesunden Lebensstil nach sich und kann durch Einflüsse der Stresshormone selbst Risiko erhöhend wirken.

Ungesunde Ernährung über Nährstoffmangel und erhöhten Zuckerkonsum

Veränderte hormonelle Situationen wie:

Beispielsweise führen Hormone in der Schwangerschaft zu einer „Auflockerung“ des Bindegewebes und damit auch zu einer Lockerung des Zahnhalteapparates. Auch die Entzündungsneigung ist in dieser Zeit stärker ausgeprägt.

Prophylaxe:

Eine gesunder Lebensstil, vor allem eine zuckerarme Ernährung und das Nichtrauchen sind neben einer gründlichen und regelmäßigen Mundhygiene die wichtigsten Faktoren.

Diese sollten ergänzt werden von einer professionellen Zahnreinigung mindestens einmal im Jahr.

Die grundlegenden Regeln zur Zahnhygiene sind in der folgen Übersicht zusammengestellt:

  1. Zähne zweimal am Tag gründlich mit einer Zahnbürste reinigen; die richtige Technik sollte einmal z. B. in Verbindung mit einer professionellen Zahnreinigung erlernt werden. Wichtig ist auch die Reinigung der Zahnzwischenräume: diese sollte mindestens einmal am Tag mit Hilfe von Zahnseide oder Zahnzwischenraumbürsten erfolgen.
  2. Eine Zungenreinigungsbürste vermindert die Zahl von gefährlichen Bakterien.
  3. Hygienische und trockene Aufbewahrung aller Mundhygienemittel.
  4. Zahnbürsten sollten alle 2 Monate ausgetauscht werden, Zahnzwischenraumbürsten sollten alle 14 Tage erneuert werden.
  5. Bei Symptomen wie Zahnfleischbluten einen Zahnarzt aufsuchen.

Therapie:

Die Behandlung der Parodontitis gliedert sich in die drei Phasen:

  1. Initial- oder Hygienephase – siehe Prophylaxe
  2. Spezifische zahnärztliche Entfernung der Bakterien und Entzündungsherde
  3. Nachsorge und Erhaltungstherapie

Patienten, bei denen einmal eine Parodontitis diagnostiziert wurde, sind anfällig für wiederkehrende Symptomschübe. Sie sollten daher lebenslang die Risikofaktoren minimieren und für eine gründliche Mundhygiene sorgen. Eine jährliche professionelle Zahnreinigung und regelmäßige Kontrolle durch den Zahnarzt sind für eine nachhaltige Symptomfreiheit unverzichtbar.

Literatur: