Pathogenese

 

 

Die Pathogenese (griech. pathos “Leiden(schaft), Sucht, Pathos“ und genesis “Entstehung, Schöpfung, Geburt“) beschreibt Entstehung und Entwicklung einer physischen oder psychischen Erkrankung oder den Verlauf eines krankhaften Prozesses mit allen daran beteiligten Faktoren.
Die Beschreibung der Ursache einer Krankheit wird als Ätiologie bezeichnet.

Abgrenzung und Einordnung der Pathogenese:

Die Pathogenese ist ein Teilgebiet der Pathologie. “Als Pathologie wird in der Medizin die Erforschung und Lehre von den Ursachen (Ätiologie), der Entstehungsweise (Pathogenese), der Verlaufform und der Auswirkungen von krankhaften bzw. abnormen Einzelphänomenen (Symptomen) oder Symptomverbänden (Syndromen) sowie von Missbildungen aller Art verstanden, einschließlich dabei feststellbarer Körpervorgänge (Pathophysiologie).“

Eine kürzere Definition erklärt die Pathologie als “Lehre von den abnormen und krankhaften Vorgängen und Zuständen im Körper (“pathologische Anatomie“) und deren Ursachen“.

Im alltäglichen klinischen Sprachgebrauch werden die Begriffe "Pathogenese" und "Ätiologie" häufig synonym oder gemeinsam verwendet, obwohl dies von der Wortbedeutung her falsch ist. Die Ätiologie stellt sozusagen den Ausgangspunkt der Pathogenese dar, die Ursache, die die Krankheitsentstehung ins Rollen bringt. Die Ätiologie beschäftigt sich mit der Ursache von Erkrankungen und ihren auslösenden Faktoren. In der medizinischen Diagnostik wird umgangssprachlich auch die Ursache einer Krankheit selbst als Ätiologie bezeichnet.

Die Pathogenese beschreibt hingegen den gesamten Prozess, also vor allem den zeitlichen Verlauf der Krankheitsentstehung mit ihren ganzen Facetten. Das Verständnis für die Pathogenese einer Krankheit ist entscheidende Voraussetzung für ihre Therapie oder Prävention.

Formale und kausale Pathogenese:

Die kausale Pathogenese beschreibt die Situation des Menschen bei Ausbruch einer Krankheit, kurz die individuelle Veranlagung des Individuums.
Die formale Pathogenese beschreibt die funktionellen und strukturellen Krankheitsprozesse im Individuum. So gehört z.B. bei einem grippalen Infekt ein evtl. geschwächtes Immunsystem zur kausalen Pathogenese, während der Krankheitsprozess zur formalen Pathogenese gehört. Das die Infektion auslösende Virus zählt zur Ätiologie!

Pathogenese und Salutogenese:

Als Gegenentwurf zur Pathogenese entwickelte der Medizinsoziologe Aaron Antonovsky die  Salutogenese. Diese beschäftigt sich im Gegensatz zur Pathogenese mit den Gesundheit fördernden Faktoren.
Die Hauptkritik von Antonovsky an der Pathogenese ist die nahezu ausschließliche Betrachtung der Krankheit und ihrer Symptome. Damit löst er sich vom klassischen medizinischen Verständnis, das pathogenetisch geprägt ist und nur nach der Entstehung und den Bedingungen von Krankheit fragt.

Literatur: