Polycystisches Ovarsyndrom (PCOS)

 

Das polyzystisches Ovarsyndrom (PCOS) betrifft Frauen und ist gekennzeichnet durch eine erhöhte Konzentration männlicher Hormone (Androgene). Als Folge treten Zyklusstörungen und Unfruchtbarkeit auf, aber auch ein erhöhtes Risiko für Diabetes und Herz-Kreislaufkrankheiten.

Historie und synonyme Begriffe:

Stein und Leventhal beschrieben im Jahre 1935 erstmals die beim polyzystischen Ovarsyndrom auftretenden Symptome. Stein-Leventhal-Syndrom ist daher auch heute noch als Krankheitsbezeichnung gebräuchlich.

Symptome:

Meist treten nicht alle genannten Symptome gleichzeitig auf!

Häufigkeit:

Die Prävalenz (Häufigkeit in einer Gruppe) des PCOS wird in Deutschland auf 5-12 % geschätzt, somit ist etwa jede fünfte bis zwölfte Frau im gebärfähigen Alter betroffen. Meist tritt das PCOS zwischen dem 15. und 25. Lebensjahr auf. Es gehört zu den häufigsten Hormonstörungen (Endokrinopathien) der Frau. Bei adipösen Frauen tritt es deutlich häufiger auf. Es wird geschätzt, dass mehr als 50 Prozent der PCOS-Patientinnen übergewichtig sind. Zudem ist es die häufigste Ursache für Unfruchtbarkeit.

Krankheitsentstehung (Pathogenese):

Die Krankheitsentstehung (Pathogenese) ist noch nicht vollständig geklärt. Erbliche Faktoren sowie Übergewicht verbunden mit einer Insulinresistenz spielen eine bedeutende Rolle. Erhöhte Blutinsulinwerte (Hyperinsulinämie) und erhöhte Spiegel des LH (Luteinisierendes Hormon), die sich in den meisten Fällen nachweisen lassen, führen zu einer gesteigerten Produktion männlicher Geschlechtshormone (Androgene). Die folgende Kette von Reaktionen erklärt die Symptome des PCOS:

  1. Die Hirnanhangdrüse (Hypophyse) schüttet vermehrt luteinisierendes Homon (LH)* und weniger follikelstimulierendes Hormon (FSH) aus.
  2. Dieses Ungleichgewicht regt im Eierstock die Bildung von männlichen Hormonen ( Androgene) an. Diese werden im Fettgewebe zum Teil in weibliches Östrogen umgewandelt.
  3. Die dadurch erhöhte Östrogenkonzentration bewirkt wiederum, dass weniger FSH und mehr LH ausgeschüttet wird. Das regt die Bildung von männlichen Hormonen in den Eierstöcken an.
  4. Der Überschuss an männlichen Hormonen in den Eierstöcken verhindert den normalen Menstruationszyklus: Der Zyklus wird gestört oder die Regel bleibt ganz aus.
  5. Beim polyzystischen Ovarsyndrom (PCOS) wird auch Insulin in erhöhtem Maß ausgeschüttet. Die dadurch erhöhte Insulinkonzentration führt ebenfalls dazu, dass mehr männliche Hormone in den Eierstöcken gebildet werden und vermehrt LH in der Hirnanhangdrüse ausgeschüttet wird.

* Die Hauptaufgabe des LH ist die Auslösung des Eisprungs und die Bildung und Stimulierung des sog. Gelbkörpers (der Gelbkörper produziert Östrogene und Progesteron).

Quelle: onmeda

Bei einer Erhöhung des männlichen Geschlechtshormons Testosteron verändert sich außerdem der Muskelfasertyp im weiblichen Körper. Der Muskelfasertyp I mit einer ausgeprägten Kapillarisierung und vielen Insulinrezeptoren wird zu Muskelfasertyp II mit einer geringeren Kapillarisierung und deutlich weniger Insulinrezeptoren umgebaut.
Die Folge ist eine schlechtere Traubenzuckerverwertung, es kommt zur vermehrten Fettspeicherung vor allem im Bauch. So entsteht eine Art “Teufelskreis“, in dem die Hyperinsulinämie die erhöhte Androgenproduktion der Eierstöcke (Ovarien) unterhält und die erhöhten Androgene wiederum die Insulinresistenz unterhalten.

Ursachen:

Die Ursachen für die beschriebene Entgleisung des Hormonstoffwechsels sind nicht genau bekannt. Diskutiert werden:

Therapie:

Ziele der Therapie sind die Beseitigung des Übergewichtes, die Linderung der Symptome, die Normalisierung des entgleisten Hormonstoffwechsels und die Verhinderung von Spätfolgen wie Diabetes mellitus oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen. In jedem Fall sollte ein bestehendes Übergewicht mithilfe einer Ernährungsumstellung und vermehrter Bewegung gesenkt werden. Beides führt häufig schon alleine dazu, dass sich der Zyklus reguliert und Eisprünge einsetzen.

Bei der Auswahl weiterer therapeutischer Maßnahmen ist die Frage entscheidend, ob ein Kinderwunsch vorliegt oder nicht.

Ohne Kinderwunsch
Bei Frauen ohne Kinderwunsch kann der mit dem polyzystischen Ovarsyndrom verbundene hormonelle Teufelskreis durchbrochen werden. Verabreicht werden Hormonpräparate, deren Zusammensetzung gegen männliche Hormone wirkt. Gleichzeitig werden unerwünschte Folgeerscheinungen wie eine veränderte Behaarung und Hautprobleme behandelt. Hierzu wird eine Antibabypille verordnet, die gleichzeitig auch noch eine verhütende Wirkung hat.

Mit Kinderwunsch
Frauen mit Kinderwunsch erhalten in der Regel Kortisonpräparate in niedriger Dosierung, um die Bildung männlicher Hormone in den Nebennieren zu unterdrücken. Sollte zu viel milchbildendes Hormon (Prolaktin) vorhanden sein, wird seine Konzentration medikamentös gesenkt.
Auch eine Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose) kann die Ursache für eine Unfruchtbarkeit sein. Daher sollte sie ebenfalls behandelt werden.
Eine weiterer thearapeutischer Ansatz ist die Auslösung des Eisprungs (Ovulation) mithilfe von Antiöstrogenen wie zum Beispiel Clomifen. Ist auch diese Methode nicht erfolgreich können Injektionen mit dem follikelstimulierenden Hormon (FSH) helfen. Eine solche Behandlung erhöht allerdings das Risiko für eine plötzliche, übermäßige Bildung von Eibläschen, die mit einer erhöhten Wahrscheinlichkeit für höhergradige Mehrlingsschwangerschaften verbunden ist.
Die beim PCOS häufig auftretende Insulinresistenz geht zwangsläufig einher mit erhöhten Blutzuckerspiegeln. Der Blutzucker senkende Wirkstoff Metformin regt ebenso wie Clomifen den Eisprung und die Follikelbildung an.
Das PCOS kann auch operativ behandelt werden. Dabei werden die überzähligen Zysten im Rahmen einer Bauchspiegelung (laparoskopisch) punktiert und mit Hitze oder einem Laser zerstört.

Literatur:

Diabetes, Übergewicht