Silent inflammation

 

Unter einer "Silent inflammation", übersetzt unterschwellige Entzündung, versteht man ein chronisches, unterschwelliges oder auch subakut genanntes Entzündungsgeschehen, das den Weg für schwere Krankheiten wie zum Beispiel Krebs oder Arterioklerose bereitet.

Grundlagen einer Entzündung

Die bei einer Entzündung ablaufenden Reaktionen zeigen die Auseinandersetzung des Immunsytems mit Körper fremden Substanzen oder Krankheitserregern wie Bakterien, Viren oder Pilzen. Das immunologische Geschehen lässt sich als Zusammenarbeit zwischen dem unspezifischen und dem spezifischen Teil des Abwehrsystems verstehen, die durch Botenstoffe, Zytokine, kommunizieren. Dieses Geschehen ist in seiner Physiologie äußerst komplex. Das zeigt sich allein schon in den Fachbegriffen für die zahlreichen unterschiedlichen Immunzellen: Makrophagen, natürliche Killerzellen, Granuloyten u.v.m. und auch in der Vielzahl der Botenstoffe: Interferone, Interleukine, Chemokine u.a. Diagnostisch lässt sich ein Entzündungsgeschehen immer an der erhöhten Konzentration bestimmter Immunzellen wie z.B. der Leukozyten zeigen und auch an einer erhöhten Konzentration spezieller Botenstoffe. Typisch ist z.B. die Erhöhung des CrP-Wertes. CrP steht für C-reaktives Protein.

Unterschiede zwischen einer akuten, chronischen und "verborgenen" Entzündung

Im Unterschied zu einer akuten, plötzlich auftretenden Entzündung, die medizinisch durch die fünf klassischen Symptome Erwärmung (Calor), Rötung (Rubor), Schmerz (Dolor), Schwellung (Tumor) und Funktionseinschränkung (Functio laesa) charakterisiert ist, handelt es sich bei der „Silent inflammation“ um ein chronisches Entzündungsgeschehen im Hintergrund. Die klassischen Entzündungszeichen sind wenig bis gar nicht vorhanden.

Die bei einer akuten Entzündung, z.B. bei einer Bronchitis, auftretenden Symptome sind vom Patienten deutlich spürbar und schränken ihn in seinem Alltag erheblich ein. Diverse Entzündungsparameter, die vom Arzt diagnostisch erhoben werden, sind stark erhöht und auch eindeutig dem Entzündungsgeschehen zuzuordnen.

Auch bei einer chronischen, unterschwelligen Entzündung sind typische Entzündungsparameter erhöht, allerdings nur in einem Bereich knapp unterhalb der krankheitswertig (pathologischen) Einstufung. Auch die körperlichen und/oder psychischen Symptome werden lange Zeit nicht eindeutig als Krankheit angesehen, die einen Betroffenen einen so einschränkt, dass er sich bzw. ein Arzt ihn als arbeitsunfähig ansieht. Beschrieben wird zumeist ein Mangel an Energie, evtl. auch eine allgemeine Antriebslosigkeit.

"Silent inflammation" als Wegbereiter für schwer wiegende Krankheiten

Die Sichtweise, dass den bedeutendsten und für die meisten Todesfälle verantwortlichen Krankheiten eine unterschwellige Entzündung zugrunde liegt, wird wissenschaftlich zunehmend untermauert.

So spielen in der aktuellen Vorstellung darüber, wie Arterioskleose entsteht, entzündliche Vorgänge eine Hauptrolle. Weniger das Cholesterin selber, vielmehr eine Transportform des Cholesterins, das LDL (Low Density Lipoprotein), gilt als starker Risikofaktor. Das Risiko erhöht sich vor allem dann, wenn LDL oxidiert wird und anschließend von Zellen des Immunsystems (Makrophagen) aufgenommen wird. Diese Zellen siedeln sich als Schaumzellen in der Gefäßwand an und tragen so zu einer Verringerung des Gefäßdurchmessers bei. Dieser Vorgang ist nichts anderes als eine Entzündung, die ja immer als eine Auseinandersetzung des Immunsystems mit als Fremdstoffen erkannten Substanzen definiert ist.

Ähnliche hoch komplexe Abläufe stehen vermutlich auch am Anfang der Entstehung von Krebserkrankungen. 

Weitere Krankheiten, für die eine „Silent inflammation“ als Ursache angesehen wird, sind:

Ursachen für "Silent inflammations"

Die Ursachen für „Silent inflammations“ sind primär in einem Lebensstil zu suchen, der gekennzeichnet ist von Bewegungsmangel, einer so genannten Western diet, negativem Stress, einer Vielzahl von Genussgiften und Umweltschadstoffen.

Hinzu kommen Entzündungsherde im Körper, die lange Zeit unbehandelt bleiben wie zum Beispiel eine Zahnfleischentzündung. Auch ein gestörtes Mikrobiom, also eine Darmflora, in der sich unerwünschte Bakterien/Pilze angesiedelt haben, gilt als bedeutender Faktor.

Das gestörte Mikrobiom ist zudem Ausdruck einer ungesunden Ernährungsweise im Sinne einer "Western diet", für die folgende Faktoren typisch sind:

Entzündungsfördernd wirkt sich darüber hinaus die Speicherung von Fett am Bauch also viszeralem Fett, aus. Dies liegt daran, dass im Bauchraum lokalisierte Fettzellen entzündungsfördernde Botenstoffe, die Adipokine, erzeugen.

Eine Rolle spielt auch der übermäßige Verzehr von Zucker und ganz allgemein von Kohlenhydratträgern, die den Blutzucker kurzfristig stark erhöhen (Glykämischer Index > 70, Glykämische Last > 20). Alle diese Faktoren einer „Western diet“ begünstigen langfristig die Entstehung unterschwelliger Entzündungen.  

Diagnose einer "Silent inflammation"

Die Diagnosestellung ist schwierig, weil herkömmliche Entzündungsparameter wie das CrP eventuell nur leicht erhöht sind. Hier bietet sich die Messung des hochsensitiven CrPs (hsCrP) an, das deutlich empfindlicher reagiert.

Ein weiterer Indikator für eine unterschwellige Entzündung ist die Balance von Oxidantien zu Antioxidantien. Hierzu gibt es verschiedene sehr differenzierte Messparameter wie z.B. die Höhe des Wertes der  Superoxiddismutase (SOD), der ImAnOx®-Test (Photometrisches Testsystem zur Bestimmung des gesamten antioxidativen Status/Kapazität (TAS/TAC) in Serum und EDTA-Plasma), der Glutathion-Stoffwechsel oder die Konzentration der alpha-Liponsäure. 

Ein weiterer Parameter ist LPS (Lipopolysaccharide). LPS kommen in der Zellwand gramnegativer Bakterien vor und zeigen eine unterschwellige bakterielle Entzündung an.

Die Diagnostik sollte unbedingt von einem hierauf spezialisierten Arzt vorgenommen werden. 

Ernährung gegen "Silent inflammation"

Anknüpfend an die Ursachen für chronische unterschwellige Entzündungen liegt die Empfehlung an die  Betroffenen nahe, ihren Lebensstil zu verändern. Neben ausreichenden Bewegung in Form eines moderaten Ausdauertrainings und/oder mehr Alltagsaktivitäten ist die Ernährung entscheidend. Viele Lebensmittel bzw. ihre Inhaltsstoffe wirken, wenn nicht direkt und unmittelbar, so doch langfristig und damit indirekt entzündungshemmend. Die Tabelle gibt einer Übersicht über Lebensmittel und Lebensmittelinhaltsstoffe, die als besonders stark entzündungshemmend eingestuft werden.

 

Lebensmittel/Stoffe gegen Entzündungen Vorkommen
Arginin --> 1 - 5 gNüsse, Vollkorn
Ballaststoffe --> 30 gGemüse, Obst, Vollkorn
Früchte mit EnzymenAnanas, Papaya
Ginsengwurzelals Arzneimittel
Keime und SprosseAlfalfa, Brokkoli, Mungo u.a.
Kupfer --> 1 - 1,5 mgHülsenfrüchte, Kakao, Nüsse, Vollkorn
Knoblauch --> 1 - 2 ZehenFrischer Knoblauch, auch Knoblauchsaft
Omega-3-Fettsäuren --> 250 mgAlgen(öl), Fettfische, Leinöl, Nüsse
Prä- und ProbiotikaFermentierte Lebensmittel, spezielle Nahrungsergänzungsmittel
Sekundäre PflanzenstoffeGemüse (Brokkoli, Rosenkohl...), Gewürze (Curcuma, Ingwer, Schwarzkümmel...), Obst (Blaubeeren...), güner Tee
Selen --> 30 - 70 µgFisch, Nüsse (Paranüsse!!), Pilze, Vollkorn
Vitamin C --> 100 mgGemüse (Paprika...), Obst (Acerola, Sanddorn...)
Vitamin D --> 5 - 10 µg; individuellen Blutstatus beachten !!Fettfische, Milchprodukte, Pilze,
Sonnenlicht (in Deutschland zwischen Mai und August)
Vitamin E --> 12 - 15 mgPflanzenöle (Weizenkeimöl)
Zink --> 10 mgAustern (!!), Fisch, Fleisch, Nüsse, Vollkorn...
Quelle: Modifiziert nach: Imler, B./Wolz, G.: Silent inflammation; Eubiotika Verlag

 

 

Literatur

Bürkle, S.: Heimliche Entzündungen; Königsfurt-Urania Verlag

Imler, B./Wolz, G.: Silent inflammation; Eubiotika Verlag

--> Ananas, Antioxidantien, Arginin, Ballaststoffe, Curcuma, Ginseng, Ingwer, Knoblauch, Kupfer, Omega-3-Fettsäuren, Papaya, Prebiotika, Probiotika, Sekundäre Pflanzenstoffe, Selen, Vitamin C, Vitamin D, Vitamin E, Zink