Zahnkaries

 

Die Karies (lateinisch caries - die Morschheit, Fäulnis) bezeichnet zum einen den Knochenkaries, eine entzündliche Erkrankung des Knochens mit Zerstörung von Knochengewebe, besonders bei Knochentuberkulose. Meist wird Karies verbunden mit der Zahnkaries, einem akuten oder chronischen Zerfall der harten Zahnsubstanz.

Karies-Häufigkeit:

Zahnkaries ist mit einer Häufigkeit von über 90% die häufigsteernährungsbedingte Krankheit in westlichen Industrieländern.
Trotz erfolgreicher Maßnahmen der Kariesprophylaxe ist Karies nach wie vor die häufigste Erkrankung der Zähne, mit zum Teil irreparablen Folgen für die Zahnsubstanz.

Karies-Definition:

Bei der Zahnkaries handelt es sich um eine Zahnerkrankung, die durch eine mikrobielle Zerstörung der Zahnsubstanz durch äußere Einflüsse gekennzeichnet ist. Diese wird im weiteren Verlauf der Erkrankung so weit geschädigt, dass dies zu einem Verlust der befallenen Zähne führen kann. Im Volksmund spricht man auch von "Zahnfäule".

Karies-Stadien:

Die Karieserkrankung kann sich über mehrere Stadien erstrecken:

  1. Initialkaries
  2. Dentinkaries
  3. Caries profunda
  4. Caries penetrans

Bei der Initialkaries kommt es zunächst zu Entkalkungen, die makroskopisch als weiße Flecken (white spot) erkennbar sind. Infolge der Einlagerungen von Farbpigmenten aus der Nahrung werden diese Flecken häufig dunkel. Im Initialstadium können prophylaktische Maßnahmen (Ernährungsumstellung, Fluoridierung, bessere Zahnhygiene) zu einer Remineralisierung des Zahnschmelzes führen.

Bei der Dentinkaries wird das Zahnbein (Dentin) befallen. Zahnschmerzen sind erste Warnsymptome. Da Dentin wesentlich weicher als Zahnchmelz ist, breitet sich die Karies unterhalb der Schmelz-Dentin-Grenze schnell in die Breite aus. Der Zahnschmelz an den Rändern des kariösen Defektes kann dann beim Kauen plötzlich wegbrechen. Zu diesem Zeitpunkt wird die Karies häufig erst wahrgenommen.

Eine Caries profunda (tiefe Zahnkaries) liegt vor, wenn die Kariesläsion schon in über zwei Drittel der Dentinschicht in Richtung des Zahnmarkes (der Pulpa) vorgedrungen ist.

Bei der Caries penetrans (durchdringende Zahnfäule) hat der Defekt bereits durch das Dentin hindurch die Pulpa, das Zahnmark, erreicht, so dass eine Verbindung zwischen Mundhöhle und Pulpencavum, dem Hohlraum zwischen Zahnkrone und Wurzel, entstanden ist.

Ursachen der Zahnkaries:

Die Entstehung der Karies ist ein Geschehen, das von vielen Faktoren abhängt. Folgende Hauptfaktoren sind für die Kariesentstehung verantwortlich:

Bakterielle Besiedlung: Im Mund befindet sich eine Vielzahl an Bakterien. Besonders gefährlich sind die Bakterien der Gattung Streptococcus mutans, die bei häufiger Zufuhr von Saccharose (Zucker) besonders gut gedeihen. Diese Bakterien bilden auf enzymatischem Weg aus den Kohlenhydraten der Nahrung unlösliche Verbindungen, die sich auf der Zahnoberfläche ablagern. Diese Ablagerungen nennt man Plaque. Plaque ist eine weiche, unterschiedlich dicke Schicht, die sich aus Bakterien, deren Produkten und Speichelkomponenten zusammensetzt.
Plaque bildet sich besonders stark in den Fissuren ("Zahnrillen" auf den Zähnen) und am Zahnfleischrand. Sie tritt vermehrt auf, wenn die Mundhygiene unzureichend ist. Die Bakterien der Plaque verstoffwechseln jede Art von Zucker, wodurch wiederum organische Säuren entstehen, die den pH-Wert im Mundraum absenken. Ein weiteres Problem ist, dass durch die Besiedlung mit Plaquebakterien der Speichel nicht mehr an die Zähne gelangt und somit die Reinigung sowie die Mineralisierung der Zahnoberfläche entfällt. Die Zahnschmelzhärtung über die Mineralstoffaufnahme aus dem Speichel ist bedeutender als die aus dem Blut.
Erbliche Veranlagung (v.a. Karies der Mutter)
Ernährungsfaktoren wie:

Mangelnde Zahnhygiene Für die Gesunderhaltung der Zähne ist es sehr wichtig, dass der gefährliche Plaquebelag sich nicht auf der Zahnoberfläche festsetzt. Gründliche Mundhygiene, vor allem nach den Mahlzeiten bzw. nach dem Genuss kariogener Nahrungsmittel und Getränke, ist zur Vermeidung von Karies und auch anderen Zahnerkrankungen unverzichtbar.
Trotz Aufklärung und eines großen Angebots von Zahnpflegemitteln reinigt ein großer Teil der Bevölkerung seine Zähne, v.a. die Zahnzwischenräume, unzureichend!

Behandlung der Karies:

Die Behandlung kariöser Zähne beschränkt sich weitgehend auf die Reparatur entstandener Schäden. Eine medikamentöse Therapie gibt es nicht. Der Zahnarzt entfernt die befallenen Teile der Zahnsubstanz und "kittet" den entstandenen Defekt durch geeignetes Füllungsmaterial (Amalgam, Gold oder andere) oder, wenn der Schaden schon zu groß geworden ist, durch eine Krone.

Kariesprophylaxe:

Die Kariesprophylaxe hat eine überragende Bedeutung in der Bekämpfung der Zahnkaries. Die Kariesprophylaxe sollte bereits in der Schwangerschaft beginnen. Damit das Kind eine gesunde Zahnsubstanz aufbauen kann, ist es wichtig, dass die Ernährung der werdenden Mutter alle Nährstoffe in ausreichender Menge enthält.
Das Ernährungsverhalten spielt in den verschiedenen Altersgruppen (Säugling, Kind, Jugendliche.) eine jeweils unterschiedliche Rolle. Dass der Kontakt der Zähne mit Speisen und Getränken der wichtigste Faktor bei der Kariesentstehung ist, sollte in jeder Altersgruppe beachtet werden.
Das Stillen ist eine erste Kariesprophylaxe Maßnahme! Studien haben ergeben, dass nicht gestillte oder nur kurz gestillte Kinder häufiger Karies aufweisen als gestillte. Dies wird zurückgeführt auf den Zuckergehalt teiladaptierter Milchnahrungen. Ständiges und wiederholtes Nuckeln an Säuglingsflaschen fördert die Entstehung der Karies, vor allem, wenn die Schnullerflasche Fruchtsaft, gesüßten Tee, Milch oder Ahnliches enthält.

Eltern von Säuglingen und Kleinkindern sollten ihren Kindern ungesüßte Tees, stark verdünnte Fruchtsäfte oder stilles Wasser bzw. abgekochtes Leitungswasser von guter Qualität ins Fläschchen füllen und dieses dann dem Kind nur kurzfristig überlassen. Zur Beruhigung, und um das Verlangen nach Lutschen zu befriedigen, kann vorübergehend ein Schnuller gegeben werden. Ab dem 6. Lebensmonat können Kinder in der Regel aus Lerntassen trinken. Bonbons und andere Süßigkeiten sollten, wenn überhaupt, Kindern nur gelegentlich in kleinen Mengen und nach den Hauptmahlzeiten gegeben werden. Bei Kleinkindern, Kindern und Jugendlichen sollten im Anschluss an einen evtl. Verzehr die Zähne geputzt werden. Bei den 13 bis 18-jährigen wurde der höchste Kariesbefall festgestellt! Daher sollten im Kindes-, Jugend, aber auch im Erwachsenenalter folgende Tipps für eine "zahngesunde" Ernährung befolgt werden:

Fluoride in der Kariesprophylaxe

Fluorid wird besonders in den Zähnen und Knochen gespeichert. Es sorgt als Bestandteil des Zahnschmelzes für eine hohe Widerstandskraft gegenüber Karies verursachenden Faktoren..
Fluorid verhindert die Entstehung von Karies durch eine verminderte

Therapeutisch wirkt Fluorid hauptsächlich über die Zahnoberfläche in Form fluoridhaltiger Zahncremes, Mundspülungen, Zahngelees, Zahnlacken, Zahnseide etc.
Eine zusätzliche Aufnahme von Fluorid über die Nahrung, hier speziell über fluoridiertes Speisesalz, Mineralwasser mit hohem Fluorgehalt oder Fluoridtabletten kann sinnvoll sein.
Untersuchungen belegen, dass eine ausreichende Fluoridzufuhr das Kariesrisiko um ca. 50% senkt! Im Durchschnitt nimmt der erwachsene Bundesbürger in Deutschland nur ca. 0,32 bis 0,6 mg Fluorid mit der Nahrung bzw. Getränken auf, das entspricht rund einem Fünftel des Tagesbedarfs.

Prophylaxe über Mundhygiene

Die Zähne sollten möglichst nach jeder Mahlzeit, besonders aber nach dem Frühstück und vor dem Zubettgehen bzw. nach dem Verzehr von Süßem mit einer geeigneten Zahnbürste und Zahnpasta gereinigt werden.
Zu beachten sind hierbei folgende Punkte:

Putzen alleine reicht jedoch nicht aus, da damit lediglich an zugänglichen Stellen Essensreste bzw. die Plaque entfernt werden können. Mit Zahnseide und so genannten "Interdentalbürsten" lassen sich Zahnzwischenräume von Speiseresten und Plaques reinigen.
Zahnseide gibt es in verschiedenen Ausführungen:

Auch Interdentalbürsten gibt es in verschiedenen Ausführungen im Handel.
Mit der Munddusche gelangt man ebenfalls in schwer zugängliche Zahnregionen. Mit einem mehr oder weniger festen Wasserstrahl (meist einstellbar) werden Speisereste ausgeschwemmt und weggespült. Dem Spülwasser können fluoridhaltige Lösungen zugefügt werden.
Die Munddusche sollte regelmäßig benutzt werden, vor allem, wenn die Zähne eng beieinanderstehen.

Viele Zahnarztpraxen haben eine "Dentalhygienikerin" in ihrem Team. Sie führt eine professionelle Zahnreinigung mit anschließender Fluoridierung der Zähne durch. Ferner erfolgt meist eine Unterweisung, wie die Mundhygiene zu Hause sachgerecht durchzuführen ist, um den Kariesbefall möglichst zu vermeiden bzw. zu verringern.

Falls die Zähne einmal nicht wie oben beschrieben gereinigt werden können, vor allem nach einer Mahlzeit, kann man sich mit dem Kauen xylithaltiger Kaugummis (ohne Zucker !) behelfen. Hierdurch wird der Speichelfluss angeregt und entstandene Säuren werden neutralisiert, was für die Mineralisierung der Zähne von Bedeutung ist.

Literatur und Adressen: