Arachidonsäure

 

Arachidonsäure ist eine Fettsäure, die hauptsächlich in Fett reichen tierischen Lebensmitteln enthalten ist. Sie ist für die Regulation des Zellstoffwechsels von Bedeutung. Bei übermäßiger Aufnahme werden entzündliche Krankheiten wie z.B. Rheuma gefördert. Ihren Namen hat sie von der in Erdnussöl (Erdnuss = Arachis hypogaea) vorkommenden Arachinsäure. Dies ist die gesättigte (ohne Doppelbindungen) Variante der Arachidonsäure. 

Chemische Struktur

Arachidonsäure (Fachname: Eicosatetraensäure) ist chemisch charakterisiert durch:

Vorkommen und Synthese im Körper

Die Arachidonsäure kommt in nennenswerten Mengen nur in tierischen Lebensmitteln vor. Da es sich um eine Fettsäure handelt, steigt die Konzentration mit dem Fettgehalt des Lebensmittels. Besonders reich an Arachidonsäure ist Schweinefett. Die Tabelle zeigt eine Übersicht von Arachidonsäuregehalten verschiedener tierischer Lebensmittel:

 

Tierische LebensmittelArachidonsäure in mg/100 g

Eier

Hühnerei-Eigelb

Hühnerei, gesamt


297

70

Fette und Öle

Butter

Rindertalg

Schweineschmalz


113

240

1700

Fisch und Fischerzeugnisse

Rotbarsch, geräuchert

Thunfisch


366

245

Fleisch und Fleischprodukte

Schweineleber

Suppenhuhn

Leberwurst


491

850

200

Milch- und Milchprodukte

Vollmilch

Emmentaler Käse (45 % i.Tr.)


3

28

Quelle: Souci-Fachmann-Kraut: Die Zusammensetzung der Lebensmittel – Nährwert-Tabellen

 

Arachidonsäure kann im Organismus aus Linolsäure gebildet werden. Der Syntheseweg geht über die Zwischenstufen Gamma-Linolensäure und Dihomo-Gammalinolensäure. Die Synthese verläuft reibungslos, wenn die Enzyme Delta-6-Desaturase, Delta-5-Desaturase und eine Elongase ausreichend aktiv sind. Je nach Ernährungsweise und genetischer Disposition kann der Arachidonsäuregehalt im Organismus stark variieren. Ein geringer Gehalt an Arachidonsäure kann folgende Gründe haben:

Die Frage, inwieweit die körpereigene Arachidonsäuresynthese aus Linolsäure dazu beiträgt entzündliche Prozesse (siehe auch negative Effekte) zu fördern ist nicht geklärt. In einem systematischen Übersichtsartikel (Review) wurde als Fazit festgehalten, dass es „nahezu keine Daten aus randomisierten, kontrollierten Interventionsstudien bei gesunden Menschen gibt, die zeigen, dass eine erhöhte Aufnahme von Linolsäure über die Ernährung Entzündungsmarker erhöht. Allerdings kann die Möglichkeit, dass eine hohe Linolsäure-Aufnahme diese erhöht, nicht ausgeschlossen werden.“

Bedeutung im Stoffwechsel

Positive Effekte

Aus der Arachidonsäure werden Eicosanoide gebildet, die für eine Vielzahl von Stoffwechselvorgängen  nötig sind. Sie sind bei allen Säugetieren von Bedeutung.  Arachidonsäure wird in die Zellmembran eingebaut, insbesondere von Nerven und Gehirnzellen. Niedrige Konzentrationen an Arachidonsäure können daher den Weg für neurologische Erkrankungen bereiten. Bei Kindern mit Aufmerksamkeits- und Hyperaktivitätsstörungen wurden niedrige Arachidonsäurekonzentrationen im Gewebe gefunden. Das Immunsystem benötigt Arachidonsäure als Vorstufe für spezielle Gewebshormone (Prostaglandine).

Negative Effekte

Arachidonsäure ist andererseits auch eine Schlüsselsubstanz für Stoffe, die Entzündungsprozesse fördern. Darum wird bei allen Erkrankungen mit Entzündungsprozessen, vor allem rheumatischen Krankheiten, eine niedrige Arachidonsäurezufuhr über Lebensmittel empfohlen. Auch die Zufuhr Linolsäure reicher Öle soll bei solchen Krankheiten eher zugunsten von Omega-3-Fettsäuren (in Fischölen, Leinöl u.a) vermindert werden.

Ganzheitlich betrachtet ist Arachidonsäure als Ausgangsfettsäure für eine Vielzahl von Gewebshormonen von Bedeutung. Besteht eine Unausgewogenheit (zu niedrige bzw. zu hohe Gewebskonzentrationen) oder sind bestimmte Erkrankungen vorhanden, kann der Fettsäurestoffwechsel mit individuell zugeschnittenen Empfehlungen zur Auswahl von Speisefetten- und -ölen optimiert werden.

Eine Kostform, bei der auf Dauer die Arachidonsäurezufuhr deutlich eingeschränkt ist, ist die vegetarische Ernährung. Bei einer Umstellung wie sie z.B. bei Erkrankungen des rheumatischen Formenkreises empfohlen wird, dauert es ca. zwei Monate, bis hohe Arachidonsäurewerte gesunken sind. Mit einem spürbaren Effekt ist also erst nach mehreren Wochen konsequenter Umstellung zu rechnen.

Literatur:

 --> Fett, Fettsäuren, Omega-3/6 Fettsäuren, Rheuma