Beta-Glucan

 

Beta-Glucane sind Mehrfachzucker (Polysaccharide) aus 100 – 10.000 Glukoseeinheiten. Im Unterschied zu Stärke sind sie unverdaulich, also für den Menschen enzymatisch nicht aufzuspalten. Sie werden den Ballaststoffe zugerechnet und kommen in Getreide, besonders in Hafer und Gerste, sowie in Algen und Pilzen, vor allem Hefen, vor.

Beta-Glucanen wird eine Vielzahl positiver biologischer Wirkungen zugeschrieben. Im Vordergrund stehen Effekte auf den Blutzucker, den Fettstoffwechsel und das Immunsystem.

Chemische Unterschiede zwischen einzelnen Beta-Glucanen:

In populärwissenschaftlichen Artikeln ist meist die Rede von Beta-Glucanen als einheitlicher Substanz. Dies ist biochemisch nicht korrekt. Beta-Glucane aus Getreidearten einerseits und Algen/Pilzen andererseits unterscheiden sich in ihrer Bindungsart. Dies hat Folgen für ihre Wasserlöslichkeit und die Wirkung im Organismus.

Beta-Glucane im Getreide liegen primär in einer beta-glykosidischen 1,3/1,4 – Bindung vor. Dies bedeutet, dass das Kohlenstoffatom 1 in einem Glucosemolekül verbunden ist mit dem Kohlenstoffatom 3 oder 4 der benachbarten Glucoseeinheit. Diese Bindungsart bedingt ihre Wasserlöslichkeit. Im Vordergrund bei Beta-Glucanen aus Getreide stehen die Wirkungen auf den Blutzucker und den Fettstoffwechsel. Nennenswerte Gehalte haben Gerste und Hafer.

In Hefen und Pilzen liegen die Beta-Glucane dagegen in einer 1,3/1,6 -Bindung vor, das heißt Kohlenstoffatom Nr. 1 ist mit dem Kohlenstoffatom Nr. 3 oder 6 des benachbarten Glucosemoleküls verbunden. Infolge dieser Bindungsart sind sie nicht wasserlöslich. Die biologische Wirkung der Beta-Glucane aus Algen und Pilzen ist daher die Stimulation (Modulation) des Immunsystems.

Beta-Glucan Gehalte in Getreidearten:

GetreideGehalt in der Trockenmasse
Haferkleie8 - 10 %
Gerste4,8 %
Hafer4,5 %
Roggen2,3 %
Weizen0,8 %

Wirkungen auf den Cholesterinspiegel:

Auf den Cholesterinspiegel wirken die Beta-Glucane aus Getreide. Die Cholesterin senkende Wirkung ist mit der Bindung von Beta-Glucanen an Gallensäuren zu erklären. Infolge dieser Bindung im Darm werden Gallensäuren vermehrt ausgeschieden und nicht „recycelt“. Weniger Gallensäuren kommen zur Leber zurück, sodass sie neue Gallensäuren bilden muss. Der Ausgangsstoff für diese Neubildung ist Cholesterin, das aus dem Blutbestand entnommen wird. Die Folge ist eine Absenkung des Blutcholesterinspiegels.

Wie in den Health claims (siehe unten) ausgeführt, sind die Mengen an Beta-Glucan leicht über entsprechende Lebensmittel zu erreichen. Beta-Glucan liegt nur in den Randschichten des Hafers und ist in konzentrierter Form vor allem in der der Haferkleie enthalten. Daher ist sie ideal für die Bedarfsdeckung. Nur 40 g Haferkleie liefern die erforderlichen 3 g Beta-Glucan. Verwendet man Haferflocken, müssen 80 g verzehrt werden, um auf die Menge von 3 g Beta-Glucan zu kommen.

Wirkungen auf den Blutzuckerspiegel und die Sättigung:

Der verlangsamte Glukose-Anstieg nach dem Essen beruht vermutlich auf einer erhöhten Viskosität des Speisebreies im Darm, hervorgerufen durch Beta-Glucan aus Getreide. Infolgedessen können die Stärke spaltenden Enzyme ihre Verdauungsarbeit nur langsam verrichten. Daraus resultiert eine verzögerte Glukoseaufnahme in das Blut.

Mit der längeren Verweildauer des Speisebreis im Magen-Darm-Trakt  ist auch eine stärkere und länger anhaltende Sättigung nach dem Verzehr verbunden. Dies hat vor allem im Rahmen einer Gewichtsabnahme Bedeutung.

Wirkungen auf das Immunsystem:

Die Wirkungen auf das Immunsystem sind vor allem den Beta-Glucanen aus Hefen und Pilzen zuzuschreiben. Der Effekt beruht auf einer Stimulation des unspezifischen Teils der Immunantwort. Immunzellen, die nachweislich stark durch Beta-Glucan in Hefe und Pilzen stimuliert werden, sind Makrophagen und neutrophile Granulozyten.

Um diese  Effekte auf das Immunsystem zu erzielen, halten Experten eine tägliche Aufnahme von 75-150 mg Beta-Glucan aus Hefen bzw. Pilzen für notwendig. Diese Menge ist realistischer Weise nur durch eine Aufbereitung der Wirkstoffe in Nahrungsergänzungsmitteln zu erreichen.

Health claims:

Nach der Health Claims Verordnung (HCVO) darf bei Produktenfolgende Aussage gemacht werden, wenn sie eine festgelegte Menge Hafer- bzw. Gersten-Beta-Glucan enthalten:

Zusätzlich müssen folgende Bedingungen erfüllt werden:

In Bezug auf den Blutzuckerspiegel ist die folgende Aussage erlaubt:

„Der Verzehr von Beta-Glucanen aus Hafer oder Gerste als Teil einer Mahlzeit trägt zur Reduktion des Blutzuckerspiegels nach dem Essen bei.“

Ergänzende Kriterien sind:

Literatur:

Wulfekotte, Ursula: Beta-Glucane: Ballaststoffe mit Prädikat; www.wochenblatt.com