Carnitin

 

Carnitin (2-Hydroxy-4-trimethylaminobuttersäure) wurde früher auch als Vitamin BT oder Vitamin T bezeichnet. Es wird in letzter Zeit als Schlankmacher ("Fettschmelzer") sowie als leistungssteigerndes Mittel bei Sportlern angeboten. So soll der Weltmeisterschafts-Sieg der italienischen Fußball-Nationalmannschaft gegen die deutsche Nationalmannschaft 1982 auf die Einnahme von Carnitin zurückzuführen sein! Weitere Wirkungen, die dem Carnitin unterstellt werden, sind: Antimüdigkeitsmittel, Antiarteriosklerosemittel, Antikrebsmittel und Potenzsteigerungsmittel.

Bildung:

Carnitin ist kein Vitamin, da die Substanz als L-Carnitin vom Körper selbst in ausreichender Menge hergestellt werden kann. L-Carnitin wird Hauptsächlich in Leber, Niere und Gehirn gebildet. Die Synthese erfolgt aus den beiden Aminosäuren Lysin und Methionin unter Mitwirkung der Vitamine C, B6, Niacin sowie des Mineralstoffs Eisen. Ein Vitamin-C-Mangel bzw. ein Mangel an einem oder mehreren dieser Cofaktoren kann allerdings die L-Carnitin-Synthese erheblich beeinträchtigen. Weiterhin verfügt der Körper über die Möglichkeit, Carnitin-Verluste zu verhindern. Im Körper befinden sich insgesamt etwa 20 bis 25 Gramm Carnitin, das sich besonders in der Skelettmuskulatur und im Herzmuskel konzentriert.

Funktion:

Wissenschaftlich gesichert ist die Rolle von Carnitin bei der Einschleusung langkettiger Fettsäuren aus dem Zellplasma in die Mitochondrien (Kraftwerke der Körperzelle). Damit spielt Carnitin eine zentrale Rolle bei der Energiegewinnung aus Fetten.

Daneben werden dem Carnitin noch weitere Funktionen zugeschrieben, die aber wissenschaftlich umstritten sind.
Dazu gehören z.B. die Beteiligung an der Thermogenese (Wärmeerzeugung) im braunen Fettgewebe, eine Senkung des Triglycerid- und Cholesterinspiegels, die Regulation der Gluconeogenese (Glukoseaufbau) sowie Funktionen im Nervensystem.

Mangel:

Carnitin-Mangelzustände sind nach Dialyse und langfristiger parenteraler Ernährung festgestellt worden. Ursachen für einen Carnitin-Mangel können angeborene Stoffwechselkrankheiten sein, die edingt durch Gendefekte, Synthese, Transport oder Ausscheidung von Carnitin beeinflussen.

Eine Unterversorgung kann aber auch durch folgende Ursachen hervorgerufen werden:

Früh- und Neugeborene können Carnitin noch nicht ausreichend aufbauen, sie sind auf äußere Zufuhr mit der Muttermilch angewiesen. Daher weisen mit Kuhmilch ernährte Säuglinge und Säuglinge, die auf Sojamilch-Basis ernährt werden,eine Unterversorgung auf.

L-Carnitin-Gehalt von Lebensmitteln:

L-Carnitin ist hauptsächlich in Fleisch enthalten, wobei als Faustregel gilt: je dunkler das Fleisch, desto höher der Carnitin-Gehalt. Milch, Eier, Vollkornerzeugnisse tragen ebenfalls zur Carnitin-Aufnahme bei.

L-Carnitingehalt mg pro 100 g
 
Tierische Lebensmittel
Schaffleisch 210,0
Lammfleisch 80,0
Rindfleisch 70,0
Schafherz 60,0
Schweinefleisch 30,0
Kaninchenfleisch 20,0
Rinderherz 20,0
Hühnerfleisch 7,5
Schweineleber 5,0
Rinderleber 2,5
Vollmilch 1,0
Hühnereier 0,8
 
   
Pflanzliche Lebensmittel
Apfelmus 3,1
Tomaten 2,9
Birnen 2,7
Bierhefe 2,4
Reis 1,8
Pfirsiche 1,6
Spargel 1,3
Avocados 1,3
Erbsen 1,2
Grapefruits 1,1
Weizenkeime 1,0
Brot 0,8
 


Bewertung:

Carnitin scheint nach der vorliegenden Literatur eine Berechtigung als Medikament zur Beseitigung von Carnitin-Mangel bei den oben genannten Störungen zu haben. Eine Nahrungsergänzung, insbesondere mit den in der Werbung genannten Gründen, muss derzeit kritisch hinterfragt werden,da die Auswirkung einer ständigen hohen Carnitinaufnahme nicht geklärt sind.

Literatur: