Phosphatidylserin

 

Phosphatidylserin (PS) ist wie Lecithin ein natürlich vorkommendes Phospholipid und essentiell für die Funktion aller Zellen im Körper.
PS wird in geringen Mengen auch vom Körper produziert. Es reguliert den Flüssigkeitshaushalt der Zelle und hilft bei einer ausreichenden Versorgung mit allen nötigen Nährstoffen. Am wichtigsten ist Phosphatidylserin für das Gehirn. Phosphatidylserin ist dabei ein wichtiger Regulator der normalen, gesunden Aktion der Neurotrans-mitter und des Informationsaustausches zwischen den Gehirnzellen (Neuronen.)

Aufbau und Chemie von PS:

Phosphatidylserin ist mit Lecithin (Phosphatidylcholin) verwandt
und gehört zur Gruppe der Phospholipide. Im Organismus wird
es aus der Aminosäure L-Serin, Glyzerophosphat und zwei
Fettsäuren gebildet.

Unzureichende Versorgung mit PS:

Bei einem Mangel an Methionin, Folsäure, Vitamin B12 und vor allem essentiellen Fettsäuren kann das Gehirn nicht genügend PS bilden. Ein Phosphatidylserin-Mangel kann nicht am lebenden Menschen festgestellt werden. Auch bei jungen Leuten kann immer öfter eine verschlechterte Leistungsfähigkeit in den Bereichen Aufmerksamkeit, Konzentration, Merk- und Lernfähigkeit beobachtet werden. Man führt dies einerseits auf Engpässe in der körpereigenen Produktion von PS andererseits auf eine phosphatidylserinarme Nahrung zurück. Man sollte nicht weniger als 200 mg PS pro Tag aufnehmen. Auf fett- und cholesterinhaltige Nahrungsmittel, die üblicherweise auch viel Phosphatidylserin enthalten, sollte also nicht gänzlich verzichtet werden.

Phosphatidylserin und Gehirnfunktion:

Als wichtiger Grundbaustein der Membranen von Gehirnzellen ist
es an zahlreichen neurologischen Prozessen beteiligt. Es ist ein Regulator des Informationsaustausches zwischen den Gehirnzellen. Die Membranphospholipide spielen eine zentrale Rolle für die inter-zelluläre Kommunikation und für die Übertragung biochemischer Signale in das Zellinnere, wo dann zelluläre Reaktionen ausgelöst werden. Vor allem das Zentralnervensystem ist auf das einwand-
freie Funktionieren dieser Prozesse angewiesen. Wahrscheinlich unterstützt PS den Zellstoffwechsel und die Signalübertragung,
indem es die Fluidität der Zellmembran beeinflusst.

Allgemein werden niedrige Konzentrationen von PS im Gehirn mit verschlechterter mentaler Funktion und Depressionen in Zusammenhang gebracht. Bei älteren Menschen findet man diese Symptome häufiger. Dies ist einerseits auf die schon zuvor erwähnten Alterungsprozesse im Gehirn als auch auf eine unzureichende Zufuhr an Nährstoffen zurückzuführen.

Anwendungsgebiete/Zielgruppen:

Klinische Studien mit oralen PS-Gaben wurden bei verschiedenen Anwendungsgebieten und mit unterschiedlichen Zielgruppen durchgeführt.

Ältere Menschen:

Einige Untersuchungen ergaben, dass PS altersabhängige Gedächtnisstörungen deutlich verbessern kann. Positive Wirkungen konnten durch eine PS-Nahrungsergänzung bei Verhaltensstörungen wie Motivationsverlust, Antriebsstörungen, mangelndes Interesse an der Umwelt, sowie von Gedächtnisleistung, Konzentrationsfähigkeit und Abrufbarkeit von Gedächtnisinhalten erzielt werden. Meist wurden in diesen Studien 300 mg/d PS verabreicht. Alterungsprozesse, die mit strukturellen und biochemischen Veränderungen im Gehirn verbunden sind, können durch PS verzögert werden. So kann PS Änderungen in der Zusammensetzung der Nervenzellmembran und einem Anstieg der Membranviskosität entgegenwirken. Dadurch kann eine Reduktion enzymatischer Aktivitäten verhindert werden. Diese sind nämlich auf eine optimale Membranfluidität, welche nur durch ausreichend vorhandenes PS gegeben ist, angewiesen.

Demenzen:

Im Rahmen diverser Studien wurde auch die Wirkung von PS
bei Alzheimer-Patienten untersucht. Es konnte eine signifikante Besserung von Angstsymptomen, Antrieb, Gedächtnisleistung
und kognitiven Fähigkeiten beobachtet werden.

Depressionen:

Bei depressiven Patienten ohne Demenz konnte sowohl eine Verbesserung der depressiven Symptomatik als auch von Gedächtnis- und Verhaltenssymptomen festgestellt werden.
Im Gegensatz zu den typischen Antidepressiva erzeugt PS
keine Nebenwirkungen.

Hyperaktive Kinder:

Zusätzliche PS-Gaben wirkten sich aber positiv bei hyperaktiven Kindern aus. Diese wurden deutlich ruhiger und auf herkömmliche Medikamente konnte teilweise völlig verzichtet werden.

Stärkung von Gedächtnis- und Konzentrationsleistungen:
In klinischen Studien mit oralen PS-Gaben konnte festgestellt werden, dass PS eine signifikant positive Wirkung auf kognitive Funktionen aufweist, vor allem auf Funktionen, die mit zunehmendem Alter nachlassen. Dazu gehören Gedächtnis- und Sprachleistung sowie Lern- und Konzentrationsfähigkeit.

Chronischer Stress und Hyperkortisolismus:

PS hat Einfluss auf die Freisetzung von Cortison in Stresssituationen. In einer Studie zu Belastungsinduziertem Stress waren die Cortison-spiegel bei gesunden Personen mit ausreichender PS-Versorgung niedriger als bei der Placebo-Gruppe. Cortison, das in Stress-situationen vermehrt freigesetzt wird, ruft diverse unerwünschte Wirkungen hervor. Unter anderem beeinflusst es das Herz-Kreislauf-system, die Magensaftproduktion und das Gehirn. Bei erhöhtem Cortisonspiegel kann es durch die gesteigerte Magensaftproduktion zu Magengeschwüren und durch Wirkung auf das Gehirn zu EEG-und psychischen Veränderungen kommen. Die antidepressive Wirkung von PS erscheint auch deshalb als ziemlich sicher, da bei depressiven Personen häufig ein Hyperkortisolismus beobachtet werden kann.

Kraftsportler:

Da PS den Cortisonspiegel senken kann, wird es auch im Kraftsport vermehrt eingesetzt. Kortison hat einen negativen Einfluss auf den Proteinstoffwechsel. Die katabole (Gewebeabbauende) Wirkung des Kortison kommt dadurch zustande, dass es den Blutzuckerspiegel erhöht, wozu vermehrt Aminosäuren gebraucht werden, die wiederum dem Proteinstoffwechsel entstammen. Außerdem wird der Neueinbau von Protein in die Muskelzelle verhindert. Das Ausmaß des Aufbaus von Muskelmasse hängt vom Testosteron/Cortison-Verhältnis ab.
Je höher der Testosteronwert im Verhältnis zum Cortisonwert ist, desto mehr Muskelgewebe kann aufgebaut werden.
Phosphatidylserin kann sich bei Kraftsportlern günstig auswirken,
da es nicht den normalen Kortisonspiegel beeinflusst, sondern ausschließlich einen Stressbedingten Kortisonanstieg, wie z.B.
bei intensivem Gewichtstraining, verhindert. Phosphatidylserin entfaltet seine cortisonunterdrückende Wirkung nur bei unnatürlich hohen Cortisonspiegeln und verschiebt das Testosteron/ Cortisonverhältnis zu Gunsten von Testosteron.

PS im Reformhaus:

PS wird im Reformhaus als Monopräparat in Form von Pulver
in Briefchen oder konzentriert in Kapselform sowie als Kombinationspräparat mit anderen Wirkstoffen angeboten.

Literatur:

* Härtinger, H.: Phosphatidylserin;
Alternative Medicine Review 4;2
* www. preventnetwork.com