Bircher-Benner

 

Maximilian Oskar Bircher-Benner (1867-1939) war ein schweizer Arzt und Lebensreformer, der wesentlich zur Entwicklung der Vollwert-Ernährung beigetragen hat. Bircher wurde von seinen Patienten geschätzt, von seinen Kollegen aber ausgegrenzt. Mit der von ihm entwickelten "Ordnungstherapie" stellte er sich außerhalb der damaligen Schulmedizin. Sein Heilungskonzept beruhte auf der Förderung der Lebenskraft und nicht, wie damals üblich, auf der Bekämpfung von Symptomen. Insbesondere seine Ernährungsempfehlungen wurden nicht ernst genommen.

Bircher-Benners 9 Ordnungsgesetze:

1. Das Organisationsgesetz der Nahrung:
In einer vegetabilen Frischnahrung haben wir "eine sinnvolle, dem Leben dienliche Organisation der absorbierten Energie", die wir möglichst unverändert nutzen können und sollen. Wird das Nahrungsintegral "willkürlich in Bruchteile zerlegt", so gibt es "eine einseitige, d.h. ungünstige Nahrungswirkung".
Alle Zustandsänderungen der Nahrung bedeuten einen Organisationsverlust.

2. Das Gleichgewichtsgesetz der Ernährung:
"Der Organismus bedarf der Zufuhr sämtlicher Nährfaktoren in einem harmonischen Gleichgewicht." Fehlen einzelne Faktoren, so sucht der Organismus Ausgleich durch Vielessen, was zu neuem Ungleichgewicht führt.

3. Das Ökonomiegesetz:
"Die Nahrungszufuhr soll gerade den Bedarf decken, weil überschüssige Nahrungszufuhr sowohl die Leistungsfähigkeit wie die Gesundheit mindert."

4. Das Mundgesetz
fordert, "dass der Mund bei der Nahrungszufuhr seiner Bestimmung gemäß verwendet werde", d.h. Gebiss, Speicheldrüsen und Geschmackssinn müssen eingesetzt werden für Auswahl und Vorverdauung der Nahrungsmittel.

5. Das Ordnungsgesetz des Hautorgans:
"Es ist die Bestimmung des Hautorgans, die Sonnenlichtstrahlung aufzunehmen, von der Luft umfächelt zu werden, auf warme und kühle Temperaturen zu reagieren. Die Haut ist für diese Aufgabe wundervoll ausgestattet, und wir sollten ihr zurückgeben, was wir ihr durch Zivilisationsverhalten genommen haben."

6. Das Ordnungsgesetz der Lungen:
"Unsere Lungen bedürfen frischer reiner Luft Tag und Nacht."

7. Das Ordnungsgesetz zur Beziehung zur Schwerkraft:
"Die Gesundheit basiert zu einem wesentlichen Teil auf ein wohlbemessenes, weder übertriebenes, noch zu spärliches, aber regelmäßiges und harmonisches Arbeiten des ganzen Bewegungsapparates."

8. Das Ordnungsgesetz des Lebensrhythmus:
Offensichtlich wusste Bircher-Benner von Rhythmusforschung, die vor 50 Jahren in den Anfängen steckte, schon einiges. Er deutet an, dass Blut und Stoffwechsel ihre natürlichen Rhythmen haben und dass durch "ungeordnetes Verhalten" Regeneration und chemisches Gleichgewicht zerstört werden.

9. Das Ordnungsgesetz des Seelenlebens:
"Die Gesundheit der Seele hat die Beachtung aller schon genannten Ordnungsgesetze zur Voraussetzung; und sie hängt von dem ab, was wir in jedem Gegenwartsmomente tun, ob wir jetzt gerade die Ordnungsgesetze des Lebens liebend und freudig befolgen oder sie übermütig, selbstherrlich, trotzig verletzen."

Bircher-Benner Ernährung:

In diesem Sinne bildeten frische, pflanzliche Lebensmittel, in Form von Rohkost, den Grundstock seiner "Schutz- und Heilkost", denn hierin ist laut Bircher-Benner die lebenswichtige Sonnenenergie noch unvermindert gespeichert (Vitamine waren zu der Zeit noch unbekannt).

Fleisch, Auszugsmehle, Zucker und konservierte Lebensmittel, die um die Jahrhundertwende zum "Segen der Menschheit" avancierten, waren bei Bircher-Benner verboten. Mäßigkeit war sein oberstes Gebot. Eine Hauptmahlzeit und zwei Nebenmahlzeiten am Tag sollten nicht überschritten werden, um das Verdauungssystem nicht unnötig zu belasten.

Heute ist Bircher-Benner bei den meisten Menschen nur noch als 'Erfinder' des Müslis in Erinnerung. Das Bircher-Müsli bestand ursprünglich aus Haferflocken, Joghurt, geriebenen Äpfeln und gemahlenen Nüssen.

Literatur:

Kollath, Vollwert-Ernährung