Aflatoxine

 

Aflatoxine gehören zu einer Gruppe von verschiedenen Schimmelpilzgiften (Mykotoxinen), die unterschiedliche Krankheitssymptome verursachen können. So wurde die Gefährlichkeit der Schimmelpilzgifte erstmals vom französischen Arzt Dodart 1763 beschrieben. Er konnte die "Kribbelkrankheit" (Ergotismus) mit Lähmungen, Kribbeln und Krämpfen auf verschimmelten Roggen zurückführen. Heute weiß man, dass die Ursache auf eine Vergiftung mit den Alkaloiden des Mutterkornpilzes zurückzuführen ist.

Eine Isolierung mit Aufklärung der chemischen Struktur gelang erst 1960/61 nachdem etwa 100.000 Truthühner in England verendet waren. Nähere Untersuchungen ergaben, dass die Tiere mit verschimmeltem Erdnussmehl gefüttert wurden. Aus dem Toxingemisch des Schimmel-pilzes Aspergillus flavus wurden acht verschiedene Aflatoxine isoliert:

Aflatoxin B1, B2, B2a, G1, G2, G2a, M1, M2, GM1.

Vorkommen:

Aspergillus flavus befällt vor allem Nüsse (Erdnüsse, Paranüsse, Pistazien), Mohn, Getreide, Mais, Reis und natürlich auch verarbeitete Mehlprodukte wie Brot, Backwaren etc. Aber auch Feigen, Aprikosen- und Pfirsichkerne werden befallen. Aflatoxine können z. B. über ver-schimmeltes Heu in die Kuhmilch und von dort als Aflatoxin M1 oder M2 in alle Milchprodukte der Nahrung gelangen.

Aufnahme von Aflatoxinen:

Der Mensch kann Aflatoxine oral mit Aflatoxin-belasteter Nahrung, inhalativ durch Einatmen von Aflatoxin-haltigen Stäuben aufnehmen. Ein dritter Weg ist die Aufnahme über die Haut (dermal). Dabei wird zur Abschätzung einer eventuellen Gesundheitsgefährdung die so genannte dermale Penetrationsrate ermittelt sowohl unter okklusiven als auch unter nicht-okklusiven Bedingungen. (Okklusiv bedeutet, die Substanz wurde unter Abschluss auf die Haut gegeben und wird nicht anderweitig, etwa über Ablecken z. B. vom Tier abgestreift oder aufgenommen)

Empfehlungen für die Vermeidung von Aflatoxinen:

Der Schimmelpilzbefall von Lebensmitteln ist abhängig von der Qualität der Produktions- und Lagerbedingungen. Kühle und trockene Lagerung von Lebensmitteln verlangsamen das Wachstum von Schimmelpilzen. Verschimmelte Lebensmittel sollten weggeworfen werden. Der Schimmel-pilz durchsetzt mit seinem Mycel auch tiefe Schichten des Lebensmittels, so dass ein oberflächliches Abtragen nicht ausreicht.

Ochratoxine (Mykotoxine von bestimmten Penicillium-Arten) kommen im Schweine- und Geflügelfleisch sowie in Wurstwaren durch die Verfüt-terung verschimmelter Futtermittel vor. Ihre Giftigkeit wird ähnlich hoch eingestuft wie die der Aflatoxine.

Durch Erhitzen lässt sich der Aflatoxingehalt nicht verringern.

Giftigkeit:

Aflatoxine gelten als die bisher stärksten bekannten krebserregenden Giftstoffe aus Schimmelpilz. Daneben findet man noch eine starke Lebertoxizität (Leberschädigungen, Leberkrebs). Nach Auffassung von Toxikologen sollte der Mensch nicht einmal 1 Nanogramm Aflatoxin pro Tag aufnehmen, dies entspricht 0,000.000.001 g/kg.

Höchstmengen:

In der Verordnung (EG) Nr. 1881/2006 der Kommission vom 19. Dezember 2006 zur Festsetzung der Höchstgehalte für bestimmte Kontaminanten in Lebensmitteln sind die Höchstgehalte für Aflatoxin B1 und Gesamtaflatoxin (Aflatoxin B1 + G1 + B2 + G2) in einer Reihe von Lebensmitteln festgelegt.

Nüsse und Trockenfrüchte (Angaben in µg/kg) B1 Summe aus
B1 , B2 , G1, G2
Erdnüsse und andere Ölsaaten
und deren Verarbeitungserzeugnisse, die zum unmittelbaren Verzehr oder zur Verwendung als Lebensmittelzutat bestimmt sind außer:
  • pflanzliche Rohöle, die zum Raffinieren bestimmt sind
  • raffinierte Pflanzenöle
 
2 4
die vor ihrem Verzehr oder ihrer Verwendung als Lebensmittelzutat einer Sortierung oder einer anderen physikalischen Behandlung unterzogen werden sollen außer:
  • Erdnüsse und andere Ölsaaten, die zum Zermahlen für die Erzeugung von raffiniertem Pflanzenöl bestimmt sind
 
8 15
Mandeln, Pistazien und Aprikosenkerne
die zum unmittelbaren Verzehr oder zur Verwendung als Lebensmittelzutat bestimmt sind 8 10
die vor ihrem Verzehr oder ihrer Verwendung als Lebensmittelzutat einer Sortierung oder einer anderen physikalischen Behandlung unterzogen werden sollen 12 15
Haselnüsse und Paranüsse
die zum unmittelbaren Verzehr oder zur Verwendung als Lebensmittelzutat bestimmt sind 5 10
die vor ihrem Verzehr oder ihrer Verwendung als Lebensmittelzutat einer Sortierung oder einer anderen physikalischen Behandlung unterzogen werden sollen 8 15
Andere Schalenfrüchte
als Aprikosenkerne, Haselnüsse, Mandeln, Paranüsse, Pistazien und deren Verarbeitungserzeugnisse, die zum unmittelbaren Verzehr oder zur Verwendung als Lebensmittelzutat bestimmt sind 2 4
die vor ihrem Verzehr oder ihrer Verwendung als Lebensmittelzutat einer Sortierung oder einer anderen physikalischen Behandlung unterzogen werden sollen 8 10
Die Höchstgehalte beziehen sich auf den essbaren Teil der Erdnüsse und Schalenfrüchte. Wenn Erdnüsse und Schalenfrüchte ,in der Schale’ analysiert werden, wird bei der Berechnung des Aflatoxingehalts angenommen, dass die gesamte Kontamination den essbaren Teil betrifft; diese Annahme gilt nicht für Paranüsse.
Trockenfrüchte
und deren Verarbeitungserzeugnisse, die zum unmittelbaren Verzehr oder zur Verwendung als Lebensmittelzutat bestimmt sind 2 4
die vor ihrem Verzehr oder ihrer Verwendung als Lebensmittelzutat einer Sortierung oder einer anderen physikalischen Behandlung unterzogen werden sollen 5 10
Getreide und Gewürze (Angaben in µg/kg) B1 Summe aus
B1 , B2 , G1, G2
Getreide und Gewürze einschließlich verarbeiteter Getreideerzeugnisse, außer Mais und Reis 2 4
Mais und Reis, der vor seinem Verzehr oder seiner Verwendung als Lebensmittelzutat einer Sortierung oder einer anderen physikalischen Behandlung unterzogen werden soll 5 10
Getreidebeikost und andere Beikost für Säuglinge und Kleinkinder 0,1  
Folgende Gewürzsorten: Capsicum spp. (getrocknete Früchte, ganz oder gemahlen, einschließlich Chili, Chilipulver, Cayennepfeffer und Paprika) Piper spp. (Früchte, einschließlich weißer und schwarzer Pfeffer) Myristica fragrans (Muskat) Zingiber officinale (Ingwer) Curcuma longa (Gelbwurz) Gewürzmischungen, die eine oder mehrere der oben genannten Gewürzsorten enthalten 5 10
Sonstige Lebensmittel B1 M1
Rohmilch wärmebehandelte Milch und Werkmilch   0,05
Säuglingsanfangsnahrung und Folgenahrung, auch Säuglingsmilchnahrung und Folgemilch   0,025
Diätetische Lebensmittel für besondere medizinische Zwecke ,die eigens für Säuglinge bestimmt sind 0,1 0,025


Quelle: VERORDNUNG (EU) Nr. 165/2010 DER KOMMISSION vom 26. Februar 2010 zur Änderung der Verordnung (EG) Nr. 1881/2006 zur Festsetzung der Höchstgehalte für bestimmte Kontaminanten in Lebensmitteln hinsichtlich Aflatoxinen

Aflatoxine in Kosmetika:

In kosmetische Mittel können Aflatoxine über verschimmelte Rohstoffe gelangen, insbesondere, wenn Naturstoffe wie z. B. bei Naturkosmetika verarbeitet werden.

Nach Verdachtshinweisen wurden mandel- und kleiehaltige Kosmetika bezüglich ihres Gehalts an Aflatoxinen untersucht. Die Untersuchungsbehörden konnten bei einem Viertel der untersuchten Proben Schimmelpilzbelastungen nachweisen, teilweise oberhalb der zulässigen Höchstmengen.

Allerdings gelangte das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) zu dem Ergebnis, “dass an Hand der vorliegenden Daten keine konkretisierbare gesundheitliche Gefährdung der Verbraucher durch die Anwendung derartiger Produkte zu erwarten ist.“

Nachweisverfahren:

Die Standardmethode für den Nachweis und die Quantifizierung von Aflatoxinen ist die Massenspektroskopie.

Daneben gibt es weitere chromatographische Maßnahmen:

Literatur:

Erdnuss, Feigen, Gelbwurz, Getreide, Gewürze/Kräuter, Haselnuss, Ingwer, Mandel, Milch, Muskat, Paprika, Paranuss, Pfeffer, Pinienkerne, Pistazien, Nüsse, Säuglingsernährung, Trockenfrüchte