Vitamin A

 

Bereits 1500 v.Chr. war den Ägyptern eine der bekanntesten Vitamin A-Mangelerscheinungen, die Nachtblindheit, bekannt. Zur Vitamin A-Familie gehören Retinol und Retinylacetat (in tierischen Lebensmitteln) sowie ß-Carotin und andere Carotinoide (in pflanzlichen Lebensmitteln). Die Carotine sind so genannte Provitamine, d.h. Vitaminvorstufen. Sie werden erst im Körper in das eigentliche Vitamin A umgewandelt.

Umrechnung:
1 mg Retinoläquivalent = 6 mg all-trans-ß-Carotin
  = 12 mg andere Carotinoide
 
1 Internationale Einheit (I.E.) = 0,3 µg Retinol
  = 0,34 µg Retinylacetat
  = 0,6 µg ß-Carotin
  = 1,2 µg andere Carotinoide


Vitamin A: (mg-Äquivalent/Tag)
 
Säuglinge und Kleinkinder:
0 - 4 Monate: 0,5
4 - 12 Monate: 0,6
1 - 4 Jahre: 0,6
4 - 7 Jahre: 0,7
 
   
Kinder:
7 - 10 Jahre: 0,8
10 - 13 Jahre: 0,9
13 - 15 Jahre: 1,1 (m)
  1,0 (w)
 
 
Jugendliche + Erwachsene:
15 - 19 Jahre: 1,1 (m)/0,9 (w)
ab 19 Jahre: 1,0 (m)/0,8 (w)
 
   
 
Schwangere: 1,1
Stillende: 1,5
 


Wirkungen von Vitamin A im Körper:

Mangelerscheinungen:

Frühe Anzeichen eines Vitamin A-Mangels sind die Erhöhung der Reizschwelle für Lichteindrücke und Verlangsamung der Anpassung an das Dämmerungssehen (Hemeralopie) sowie eine verstärkte Bildung von Hornhaut (Hyperkeratose).
Allgemein zeigt sich ein Mangel v.a. in den sich rasch entwickelnden und differenzierenden Geweben: Mundschleimhaut, Atmungs- und Verdauungstrakt, Harnwege, Drüsenleitungen, Haut, Eierstöcke, Vagina, Hoden und der Hornhaut (Cornea) des Auges. Symptome sind Austrocknung, Verhornung und Rückbildung der jeweiligen Schleimhäute.

Häufig kommt es zur so genannten Knötchenhaut (Phrynodem), Mundschleimhautentzündung, Weißschwielenkrankheit (Leukoplakie) und Darmgeschwüren.
Anomalien treten auch bei anderen (nicht epithelialen) Zellen und Geweben (embryonales Gewebe, Knochen, Knochenmark und Zähne) auf. Sie können Fortpflanzungsstörungen verursachen.Außerdem kann es zu einer defekten Bildung der Stützgewebe von Knochen mit Knochendeformationen kommen.
Das Risiko für schwer wiegende Infektionskrankheiten ist stark erhöht.
Das bekannteste und gravierendste Mangelsymptom ist die Xerophtalmie, die über Trübungen und Nekrosen der Hornhaut schließlich eine Erblindung zur Folge hat.

Ursache von Vitamin A Mangelerscheinungen:

In den Industrieländern ist ein schwer wiegender Vitamin A-Mangel (Hypo- oder Avitaminose) weniger durch eine mangelhafte Zufuhr bedingt, er ist meist nur die Folge von:

Gruppen mit kritischer Versorgung:

Bevölkerungsgruppen mit kritischer Versorgung sind Neugeborene, Kinder mit häufigen Infekten sowie an Masern Erkrankte und alte Menschen.
Beim Neugeborenen hängt die Versorgung wesentlich von der Zufuhr während der Schwangerschaft ab. Mit Fieber einhergehende Infektionskrankheiten führen zu einer starken Erhöhung des Vitamin A-Bedarfs bei gleichzeitiger vermehrter Ausscheidung. Dies ist v.a. bei Kleinkindern zu berücksichtigen.

Nahrungsergänzung und Therapie mit Vitamin A:

Vitamin A wird im Reformhaus hauptsächlich zur Nahrungsergänzung bei starker Beanspruchung an die Sehkraft (z.B. Fernfahrer, Computerarbeiter u.a.) eingesetzt.
Hierzu eignen sich im Reformhaus:

Eine vorbeugende und therapeutische Gabe von Vitamin A erscheint sinnvoll bei:

Diese Krankheiten führen häufig zu einem Vitamin A-Mangel, der das Krankheitsbild weiter verschlechtert.

Vitamin A und Zink:

Zinkmangel kann den Transport des Vitamin A im Körper behindern. Zink greift in den Aufbau des für Vitamin A notwendigen Transportproteins (retinolbinding protein, RBP) ein.

Überdosierung:

Das Vorkommen von Vitamin A-Überdosierungen (Hypervitaminosen) ist relativ selten. Sie können vorkommen zum einen durch eine übermäßige Zufuhr von Vitamin A haltigen Nahrungsergänzungsmitteln zum anderen durch einen häufigen Genuss von Leber oder Lebertran. In den Lebern großer Meeres- oder Schlachttiere können bis zu 2.500 i.E./g enthalten sein. Leicht können mit einer Portion weit über 100.000 i.E. verzehrt werden.

Durch Provitamine wie z.B. Beta-Carotin können keine Vitamin A-Vergiftungen ausgelöst werden, da die Aufnahme von Provitaminen und deren Umwandlung in Vitamin A durch die Darmschleimhaut kontrolliert erfolgt und daher nur begrenzt möglich ist!

Der Gesetzgeber erlaubt im Bereich der freiverkäuflichen Arzneimittel (Reformhäuser, Drogerien u.a.) eine Abgabe von maximal (!) 5000 IE/Tag. Bei Einhaltung der Dosierungsempfehlungen ist somit eine Vergiftung ausgeschlossen.

Akute Vergiftungserscheinungen bei einer einmaligen Gabe von mehr als 2 Millionen I.E. bei Erwachsenen oder mehr als 100 000 I.E. bei Kindern; Hauptsymptom sind starke Kopfschmerzen. Hinzu kommen Appetitlosigkeit, Erbrechen Schwindel, Haarausfall und starke Müdigkeit.
Chronische Vergiftungserscheinungen sind zu erwarten bei langfristiger Einnahme (über Monate bis Jahre) von 50.000 - 100.000 IE bei Erwachsenen und 12.000 - 60.000 IE bei Kindern; Hauptsymptom ist die Schälreaktion der Haut sowie Knochenschmerzen, v.a. der langen Röhrenknochen.

Bei Schwangeren können Dosierungen von 10.000 I.E./Tag v.a. im ersten Drittel der Schwangerschaft zu Missbildungen des Fötus führen.

Vitamin A-reiche Lebensmittel:

Angaben in Mikrogramm (µg) Retinoläquivalente/100 g Lebensmittel,
bei Lebererzeugnissen in mg (1 mg = 1000 µg) (300 Mikrogramm entsprechen ungefähr 1000 I.E.)
Tierische Lebensmittel (Retinol)
 
Pflanzliche Lebensmittel (Provitamine A)
 
Gemüse:
Möhren (roh) 1500 mg
Grünkohl (roh) 862 mg
Spinat (roh) 795 mg
Feldsalat 650 mg
Mangold 588 mg
Chicoree (roh) 572 mg
Endivien 280 mg
Kopfsalat 187 mg
Broccoli (roh) 146 mg
 
   
Obst:
Aprikosen (getr.) 5800 mg
Hagebutte 800 mg
Honigmelone 784 mg
Ebereschenfrucht 408 mg
Sanddornbeere 250 mg
 


Literatur:

Carotin , Lebertran, Zink

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