Vitamin D

 

Vitamin D ist der Oberbegriff für eine Reihe biologisch aktiver Calciferole. Ergocalciferol (=Vitamin D2) in pflanzlichen Lebensmitteln; Cholecalciferol (=Vitamin D3) in tierischen Lebensmitteln.

Provitamine D sind das aus der Umwandlung von Cholesterin gebildete 7-Dehydrocholesterol und das in Pflanzen entstehende Ergosterol. Biologisch sind die Calciferole keine Vitamine, sondern Prohormone. Sie werden zunächst in der Leber und anschließend in der Niere in die eigentlichen Wirkformen umgewandelt.


Bildung mit Hilfe des Sonnenlichtes:

Vitamin D kann mit Hilfe des Sonnenlichtes vom Körper selbst aus Cholesterin bzw. 7-Dehydrocholesterol hergestellt werden! Hierzu ist UV-Licht der Wellenlänge 290 - 315 nm (UVB-Licht) erforderlich. Bei adä-quater UVB-Bestrahlung ist eine Zufuhr von Vitamin D über Lebensmittel nicht notwendig. Gegen eine übermäßige Vitamin D-Bildung als Folge lang dauernden Sonnenbadens ist der Mensch durch die Bildung inaktiver Vitamin D-ähnlicher Stoffe geschützt.

Systematik von Vitamin D:

Gruppe Name Bezeichnung Herkunft
Provitamin Ergosterol Vorkommen in Pflanzen, Umwandlung zu Vitamin D2
  7-Dehydrocholesterol Vorstufe von Vitamin D3 in der Haut
Provitamin / Prohormon Vitamin D2 Ergocalciferol Vorstufe von Ergosterol in Pflanzen
Vitamin D3 Calciol
Cholecalciferol
Eigensynthese in der Haut, Transport an DBP zur Leber
Biologisch aktive Metabolite 25-OH-D Calcdiol
25-Hydroxycholecalciferol
Entstehung durch Hydroxylierung von Vitamin D3 in der Leber, Transport an DBP
1,25-OH2-D Calcitriol
1,25-Dihydroxycholecalciferol
Entstehung durch Hydoxylierung von 25-OH-D in der Niere, Transport an DBP, wichtigster aktiver Metabolit "Hormon"



Umrechnung:

1 µg Vitamin D-Äquivalente = 1 µg Vitamin D2 = 1 µg Vitamin D3 = 40 I.E. Vitamin D2 und Vitamin D3 haben beim Menschen die gleiche Wirksamkeit.

Empfohlene Mengen pro Tag:

Gruppe Menge
Säuglinge (-12 Monate) 10 µg
Kinder / Jugendliche 5 µg
Erwachsene 5 µg
Ältere Menschen (> 65 Jahre) 10 µg
Schwangere 5 µg
Stillende 5 µg



Der Vitamin D-Bedarf über Lebensmittel ist von mehreren äußeren Faktoren geographischer, klimatischer und kultureller Art abhängig, die die Vitamin D-Bildung der Haut beeinflussen. Hierzu zählen der Breitengrad des Wohnortes, die Jahreszeit, die Tageszeit, die Witterung und die Kleidungsgewohnheiten. Weitere Einflussfaktoren sind die Hautpigmentierung und das Alter.

Wirkungen im Körper:

Vitamin D-Hormone sind für die Regulation des Calcium- und des Phosphatstoffwechsels erforderlich. Sie fördern die Calcium- und Phosphat-Aufnahme im gesamten Dünndarm. Auch in der Niere wird die Calciumausscheidung gehemmt, wodurch mehr Calcium im Körper verbleibt.

Eine weitere Aufgabe der D-Hormone ist der Einbau von Calcium und Phosphat als Hydroxyapatit in die Knochen (Mineralisierung). Darüber hinaus sind Vitamin D-Hormone für zahlreiche biologische Prozesse notwendig, u.a. bei der Entwicklung von Haut- und Immunzellen.

Neuere Ergebnisse zeigen, dass die biologisch aktive Form des Vitamin D, das 1,25-Dihydroxyvitamin D, nicht nur in der Niere gebildet wird, sondern auch in einer ganzen Reihe verschiedener Gewebe. In diesen Geweben reguliert 1,25-Dihydroxyvitamin D das Zellwachstum, wodurch vermutlich in zahlreichen Geweben einer Krebsentstehung vorgebeugt wird. Eine ganze Reihe von Studien bestätigen den Zusammenhang zwischen Vitamin D-Mangel und Dickdarm-, Prostata- und Brustkrebs: Diese Krebsarten treten signifikant häufiger auf in höheren Breitengraden, also dort, wo aufgrund einer geringeren Sonneneinstrahlung auch weniger Vitamin D in der Haut gebildet wird. Zusätzlich zeigen Studien, dass bei einer ausreichenden Vitamin D-Versorgung das Risiko für unterschiedliche Krebsarten (u.a. Dickdarmkrebs) deutlich reduziert ist.

Die Tatsache, dass die meisten Körpergewebe nicht nur 1,25-Dihydroxyvitamin D über eigene Rezeptoren erkennen, sondern auch über die enzymatische Kapazität verfügen es zu bilden (aus 25-Hydroxyvitamin-D), lässt den Schluss zu, dass Vitamin D ein zentrales Hormon mit schützender Wirkung auch bei anderen Krankheiten ist. So zeigen Studien eine Bedeutung des Vitamin D-Mangel in Zusammenhang mit Typ I Diabetes, Multipler Sklerose sowie Rheumatischer Arthritis. Diskutiert wird hierbei eine zentrale Bedeutung von 1,25-Dihydroxyvitamin D für das Immunsystem.
Die schützende Rolle von Vitamin D spielt darüber hinaus in zahlreichen Geweben eine wesentliche Rolle zur Vorbeugung gegen Alterungsvorgänge, auch in der Haut gegen UV-bedingte Schädigungen. Somit stellen Vitamin D Analoga aussichtsreiche Substanzen für einen Einsatz in der "Anti-Aging-Therapie" dar.

Mangelerscheinungen:

Ein Mangel an Vitamin D verursacht Störungen des Calcium- und Phosphatstoffwechsels. Im Säuglings- und Kleinkindalter kann Vitamin D-Mangel (D-Hypovitaminose) zur Rachitis mit Deformierungen des Skeletts und Auftreibungen im Bereich der Wachstumsfugen (rachitischer Rosenkranz, O-Beine, weiche Schädelknochen, Quadratschädel) führen. Weitere Krankheitssymptome sind herabgesetzte Muskelkraft, verminderter Muskeltonus und erhöhte Infektanfälligkeit.

Im Erwachsenenalter führt ein ausgeprägter Vitamin D-Mangel zur Osteomalazie. Diese ist durch eine Demineralisierung und Umbauvorgänge des voll entwickelten Knochens gekennzeichnet. Typisch sind bandförmige Umbauzonen (Looser), in deren Bereich Spontanfrakturen auftreten können. Die tragenden Knochen verbiegen sich langsam, was zu Schmerzen im gesamten Haltungsapparat führt.

Eine schlechte Vitamin D-Versorgung trägt zur Entstehung der Osteoporose im Alter bei. Anders als bei der Osteomalazie kommt es hierbei zu einer Verminderung des anorganischen und organischen Knochengewebes mit gleichzeitiger Vergröberung seiner Struktur.

Zu wenig Vitamin D kann im Alter die Herzleistung beeinträchtigen. In einer Studie der Universität Bonn und des Herzzentrums Bad Oeynhausen mit knapp 90 Teilnehmern waren bei Probanden mit Herzschwäche (Herzinsuffizienz) die Vitamin D-Werte im Blut um bis zu 50 % niedriger als in der gesunden Kontrollgruppe. Je schwerer die Erkrankung war, desto ausgeprägter zeigte sich auch der Mangel.

Vitamin D-Status: Blutwerte:

Vitamin D-Mangel kann durch die Messung von 25-Hydroxyvitamin D im Blut erfasst werden. Die Normbereiche werden in der Literatur mit ca. 10-60 ng/mL angegeben. Werte unter 10 ng/mL müssen als schwerer Vitamin D-Mangel eingestuft werden.
Neuere Studien zeigen allerdings, dass bereits bei Werten zwischen 10 und 20 ng/mL von einem Vitamin D-Mangel gesprochen werden muss, da in diesen Fällen sich häufig eine Überaktivität der Nebenschilddrüse bemerkbar macht. Für 25-Hydroxyvitamin D sollte im Hinblick auf die Knochengesundheit 20 ng/mL als Mindestwert angesehen werden.

Zur Vorbeugung von Krebs wird jetzt von verschiedenen Experten sogar ein Mindestwert von 25-30 ng/mL empfohlen. Auch ein Einsatz von Vitamin D als Nahrungsergänzungsmittel (z.B. Milch) erscheint durchaus sinnvoll. Dazu fehlen in Deutschland zur Zeit allerdings die rechtlichen Voraussetzungen. Erfolgt eine medikamentöse Vitamin D - Substitution sollte generell ein Zielbereich von 25-45 ng/mL angestrebt werden. Hierbei wird eine zweimalige Kontrollmessung pro Jahr empfohlen.

Erhöhter Bedarf / Störungen der Vitamin D-Aufnahme:

Die Vitamin D-Versorgung wird durch Störungen der Fettverdauung und -aufnahme beeinträchtigt, z.B. bei Mangel an Gallensäuren, Zöliakie oder einer Erkrankungen der Bauchspeicheldrüse.

Die körpereigene Umwandlung in die wirksamen Vitamin D-Hormone kann bei schweren Krankheiten der Leber und bei Niereninsuffizienz gestört sein.

Antiepileptika und Schlafmittel (z.B. Barbiturate) erhöhen den Bedarf an Vitamin D durch Beschleunigung des Stoffwechsels auf Werte bis zu 25 µg pro Tag. Im Alter ist die Fähigkeit zur Vitamin D-Bildung in der Haut deutlich herabgesetzt! Ein 80-Jähriger stellt, verglichen mit einem 20-Jährigen, bei gleicher UVB-Einstrahlung nur noch ein Viertel der Menge her.

Fettleibige Menschen leiden häufig ebenfalls unter Vitamin D-Mangel und in Konsequenz an sekundärem Hyperparathyreoidismus (Überaktivität der Nebenschilddrüse) und Osteomalazie (Mineralisationsdefekt im Knochen). Der Grund hierfür liegt im hohen Gehalt an Körperfett, das Vitamin D, ein fettlösliches Hormon, sehr effizient bindet und dadurch aus dem Blut entfernt.

Nahrungsergänzung und Therapie mit Vitamin D:

Von großer Bedeutung ist eine regelmäßige Vitamin D-Zufuhr im Säuglingsalter. Der Vitamin D-Gehalt von Frauenmilch reicht für eine Deckung des Bedarfs nicht aus, sodass eine Vitamin D-Prophylaxe erfolgen sollte (Empfehlungen siehe oben).

Auch im Alter sind Vitamin D-Präparate zusammen mit Calcium sinnvoll zur Vorbeugung der Osteoporose.

Zur Vitamin D-Prophylaxe eignen sich im Reformhaus folgende Produkte:

Der Gesetzgeber erlaubt im Bereich der freiverkäuflichen Arzneimittel (Reformhaus, Drogerie u.a.) die Abgabe von maximal 400 I.E./Tag (=10 µg). Somit ist bei einer Einhaltung der Dosierungsempfehlungen eine Vergiftung ausgeschlossen.

Überdosierung:

Vitamin D-Vergiftungen sind beim Gesunden lediglich durch eine überhöhte orale Zufuhr möglich, nicht jedoch durch eine übermäßige Sonneneinstrahlung.

Die Folgen einer Vergiftung sind eine vermehrte Calciumaufnahme im Darm und aus den Knochen. Dadurch wird eine starke Erhöhung des Calciumspiegels im Blut ausgelöst, die als Hypercalcämie-Syndrom zu schweren Organstörungen führen kann: häufiges Wasserlassen und Durst, Übelkeit und Erbrechen, Nierensteine und Nierenschädigungen.

Im Säuglingsalter dürfen Tagesmengen von mehr als 25 µg nicht ohne gezielte Indikation und regelmäßige Kontrolle der Calciumkonzentrationen im Blut und der Calciumausscheidung im Urin gegeben werden. Der früher übliche Vitamin D-Stoß ist als Rachitisprophylaxe mittlerweile überholt. Eine tägliche Vitamin D-Zufuhr bis zu 50 µg kann für Erwachsene als unbedenklich angesehen werden. Bei einer dauernden Aufnahme von 95 µg/Tag sind Fälle von Hypercalcämie beobachtet worden.

Vitamin D-reiche Lebensmittel:

Angaben in µg Vitamin D-Äquivalenten/ 100 g Lebensmittel; 1 µg = 40 I.E. Nur wenige Lebensmittel, insbesondere Lebertran, Leber, Fettfische, Margarine (mit Vit. D angereichert) und Eigelb enthalten Vitamin D in nennenswerter Menge.

Tierische Lebensmittel
Fischprodukte Leber
Hering 27,0 Hammelleber 2,0
Aal 20,0 Rinderleber 1,7
Lachs 16,0 Hühnerleber 1,3
Sardine 11,0
Heilbutt 5,0 Tierische Fette und Öle
Makrele 1,0 Butter 1,0
Rotbarsch 2,3 Lebertran 213,0
Milch / Milchprodukte Eier
Schlagsahne (30 %) 1,1 Eigelb 5,6
Gouda (45 % i. Tr.) 1,3 Ei (100g) 2,9
Emmentaler (45 % i. Tr.) 1,1
Pflanzliche Lebensmittel
Pilze
Morcheln 3,1
Steinpilze 3,1
Champignons 2,1
Pfifferlinge 1,9



Literatur: