Vitamin E

 

Bekannt wurde Vitamin E im Jahre 1922 in Zusammenhang mit Untersuchungen über den Einfluss von Nährstoffen auf die Fruchtbarkeit von Tieren. Das Fehlen von Vitamin E führte zu Störungen der Fortpflanzungsfähigkeit. Heute wird Vitamin E bei einer Vielzahl von Krankheiten zur Vorbeugung und Behandlung erfolgreich eingesetzt.

Tocopherol: (in mg/Tag)
 
Säuglinge und Kleinkinder:
0 - 4 Monate: 3
4 - 12 Monate: 4
1 - 4 Jahre: 6 (m)/5 (w)
4 - 7 Jahre: 8 (m)/8 (w)
 
   
Kinder:
7 - 10 Jahre: 10 (m)/9 (w)
10 - 13 Jahre: 13 (m)/11 (w)
13 - 15 Jahre: 14 (m)/12 (w)
 
 
Jugendliche + Erwachsene:
15 - 25 Jahre: 15 (m)/12 (w)
25 - 51 Jahre: 14 (m)/12 (w)
51 - 65 Jahre: 13 (m)/12 (w)
ab 65 Jahre: 12 (m)/11 (w)
 
   
 
Schwangere: 13
Stillende: 17
 


Chemie und Vitamin E wirksame Verbindungen:

Unter dem Namen Vitamin E wird eine Gruppe ähnlicher chemischer Verbindungen (Chromanring mit freier bzw. versterter OH-Gruppe + gesättigte oder ungesättigte isoprenoide Seitenkette mit 16 C-Atomen) zusammengefasst.
Es wird unterschieden zwischen alpha, beta, gamma und delta-Tocopherol.
Natürliche Tocopherole werden als RRR-Verbindungen z.B. RRR-alpha-Tocopherol (früher D-alpha-Tocopherol) bezeichnet.

Das synthetisch hergestellte alpha-Tocopherol stellt eine Mischung aus 8 Isomeren dar und wird als all-rac-alpha-Tocopherol (früher D, L-alpha-Tocopherol) bezeichnet. Handelsüblich sind stabile v.a. mit Essigsäure veresterte Formen, v.a. das all-rac-alpha-Tocopherylacetat. Dessen biologische Aktivität beträgt ca. 2/3 von der des natürlichen RRR-alpha-Tocopherols.

Umrechnung:

1 mg RRR-alpha-Tocopherol-Äquivalent = 1 mg RRR-alpha-Tocopherol = 1,49 IE (Internationale Einheit)
1 IE = 0,67 mg RRR-alpha-Tocopherol = 1 mg all-rac-alpha Tocopherylacetat.

Licht, Temperatur und andere Einflussfaktoren:

Bei der Lebensmittelverarbeitung und -zubereitung erleiden die Tocopherole nur geringe Verluste. Sie sind bei Abwesenheit von Sauerstoff und Peroxiden weitgehend beständig gegen Erhitzen bis 200° C. Gegen pH-Veränderungen unterhalb des Neutralpunktes sind sie stabil. In Anwesenheit von Schwermetallen und ranzigen Fetten werden sie durch den Luftsauerstoff schnell oxidiert. Gegen Tageslicht und UV-Licht sind sie empfindlich.

Wirkungen im Körper:

Aufnahme, Transport, Speicherung und Ausscheidung:

Verdauung und Aufnahme von Tocopherolen sind an die Fettverdauung gekoppelt und folglich von der gleichzeitigen Anwesenheit von Gallensalzen und Pankreassaft abhängig. Hauptaufnahmeort ist der obere Dünndarm.

Die Bioverfügbarkeit der Tocopherole hängt entscheidend von der Art des gleichzeitig zugeführten Nahrungsfettes ab: mittelkettige gesättigte Fettsäuren begünstigen, langkettige mehrfach ungesättigte n-3 und n-6 Fettsäuren hingegen hemmen die Aufnahme!
Die Tocopherolaufnahme ist dosisabhängig. Wird eine durchschnittliche Menge Fett verzehrt, liegt die Aufnahmerate von Vitamin E bei Gabe

In der Praxis wird mit einer durchschnittlichen Aufnahmerate von 30 % gerechnet. Tocopherol wird zu 90 % in der Lymphe transportiert, der Rest über die Pfortader. Es wird zu 65 % in den LDL, 8 % in den VLDL und zu etwa 24 % in den HDL, aufgenommen. Zwischen Tocopherolkonzentration und Gesamtlipidgehalt im Blut besteht daher eine enge Beziehung.

Wegen seiner allgemeinen Schutzwirkung auf Membranen kommt Vitamin E in allen Geweben vor. Die höchsten Gehalte finden sich in Fettgewebe, Leber und Nebennieren. Auch Herz, Skelettmuskel und Hoden enthalten größere Mengen. In Plasma, Leber, Niere und Milz unterliegt Tocopherol einem schnellen Umsatz (Halbwertzeit 5 - 7 Tage), während dieser im Fettgewebe - trotz der dort vorkommenden großen Vitamin E Menge - langsam ist.
Im Harn werden verschiedene Vitamin E Metaboliten gefunden.

Mangelerscheinungen:

Klinisch bedeutende Mangelerscheinungen zeigen sich, vor allem beim Erwachsenen, erst nach massiver langanhaltender Unterversorgung. Vitamin-E-Mangel führt zur Zerstörung von Blutzellen, Muskelschwäche und Störungen im Nervensystem und Gehirn. Durch Vitamin E Mangel werden weit über 100 Enzyme in ihrer Aktivität beeinflusst.

Mangelerscheinungen können hervorgerufen werden:

Neugeborene verfügen infolge des eingeschränkten Tocopheroltransportes von der Plazenta zum Fetus nur über sehr geringe Vitamin E Speicher.

Versorgungslage mit Vitamin E:

Ist die Versorgung bedarfsdeckend, spiegelt sich dies in den Tocopherolkonzentrationen des Plasmas und der Blutzellen wider.
Als Normalwerte gelten 0,5 - 2 mg/100 ml (12 - 46 µmol/l) Plasma bzw.
0,8 mg/g Gesamtlipide.

In großen epidemiologischen Studien wurden zur Abwehr degenerativer chronischer Erkrankungen Plasmaspiegel von mehr als 30 µmol/l ermittelt. Hierzu sind Zufuhren zwischen 15 und 30 mg alpha-Tocopherol/Tag notwendig.

Laut Ernährungsbericht 2000 "werden die Schätzwerte der Referenzwerte für Vitamin E bei den meisten Altersgruppen im Durchschnitt nicht erreicht!"

Vitamin E-Bedarf ist erhöht bei:

Verwendung von Vitamin E:

Vitamin E wird hauptsächlich zur Nahrungsergänzung eingesetzt. Hierzu eignen sich im Reformhaus:

Darüber hinaus wird Vitamin E hochdosiert (ab ca. 100 I.E.) zur Vorbeugung und Behandlung verschiedener Krankheiten eingesetzt. In der orthomolekularen Medizin werden folgende Indikationen genannt:

unterstützend kann Vitamin E eingesetzt werden bei:

Überdosierung:

Verglichen mit den fettlöslichen Vitaminen A und D ist Vitamin E bei oraler Aufnahme relativ untoxisch. Eine orale Zufuhr von 200 - 800 mg alpha-Tocopherol-Äquivalenten/Tag wird von Erwachsenen toleriert.
Gelegentlich treten bei hoher Dosierung gastrointestinale Störungen und verminderte Schilddrüsenhormonspiegel im Blut auf.
Als obere Zufuhrmenge ohne unerwünschte Wirkungen werden 200 mg alpha-Tocopheroläquivalente/Tag angesehen.

Wechselwirkungen und Gegenanzeigen:

Absolute Gegenanzeigen sind nicht bekannt. Patienten mit Störungen der Blutgerinnung oder Patienten, die mit Gerinnungshemmern (z.B. Marcumar) oder Acetylsalicylsäure (ASS) therapiert werden, sollten Vitamin E jedoch nur in Absprache mit dem behandelnden Arzt einnehmen.
Sehr hohe Mengen (> 800 mg TÄ/Tag) können die Blutplättchenverklumpung (Thrombozytenaggregation) hemmen und so die Blutungszeit verlängern. Es wird daher empfohlen, zwei Wochen vor bzw. nach operativen Eingriffen, keine derartige Vitamin E Supplementation vorzunehmen.

Angaben in Tocopherol-Äquivalente/ 100 g Lebensmittel
Tierische Lebensmittel
 
Fleisch- und Wurstwaren/Innereien:
   
keine nennenswerten Mengen
 
   
Fischprodukte:
Makrele 1,3
Rotbarsch 1,3
   
sonst keine nennenswerte Mengen
 
 
Tierische Fette und Öle:
Butterschmalz 3,6
Lebertran 3,3
Butter 2,0
Schweineschmalz 1,6
 
   
Milch, Milchprodukte/Eier:
Hühnerei (100 g) 2,0
   
sonst keine nennenswerte Mengen
 
 
Pflanzliche Lebensmittel
 
Getreide:
Weizenkeime 25,0
Weizenkleie 2,7
Weizenmehl (Typ 1700) 2,1
Roggenvollkornbrot 1,2
 
   
Gemüse:
Petersilie 3,7
Wirsing 2,5
Paprika 2,5
Spargel 2,0
Grün- + Weiß-+ Rotkohl 1,7
Sojabohnen 1,5
Spinat 1,4
 
 
Nüsse und Samen:
Leinsamen 57,0
Erdnüsse 11,0
Mandeln 26,0
Paranüsse 7,6
Haselnüsse 26,0
Walnüsse 6,0
Sonnenblumenkerne 21,8
Pistazien 5,2
 
   
Obst:
Hagebutte 4,2
Sanddornbeere 3,2
Heidelbeere 2,1
Johannisb.(schw.) 1,9