Kartoffel

 

Botanischer Name: Solanum tuberosum L.; Familie der Nachtschattengewächse (Solanaceae)

Geschichte/Herkunft:

Die Urheimat der Kartoffel liegt in den Hochländern Südamerikas. Hier war sie schon in den ersten Jahrhunderten n.Chr. als Nahrungspflanze bekannt. In Deutschland wurden die ersten Kartoffeln um die Wende vom 16. zum 17. Jahrhundert angebaut.
Erst in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts erkannte man den Wert der Kartoffel als Nahrungsmittel. Um ihre Verbreitung hat sich Friedrich der Große verdient gemacht. In der Hungersnot nach dem Siebenjährigen Krieg wurde die Kartoffel zu einer bedeutenden Hilfe für die notleidende Bevölkerung. Auch im 19. und 20. Jahrhundert hat die Kartoffel dazu beigetragen, Hungersnöte zu lindern.

Anbau:

Für den Anbau der Kartoffel werden keine Samen, sondern Pflanzkartoffeln verwendet. Diese so genannten Mutterknollen werden zum Keimen in die Erde gelegt. Aus Trieben, die hinauf ans Licht streben, wachsen die Kartoffelstauden. An unterirdischen Trieben bilden sich Wurzeln und an deren Enden schließlich die Kartoffeln.
Gepflanzt wird im März und im April, geerntet je nach Sorte Juni bis Oktober. Hauptanbauländer sind heute: Russland, Polen, USA, China, und die Bundesrepublik Deutschland.

Einteilungskriterien sind: Erntezeit, Kocheigenschaften und Handelsklassen.

Erntezeit:

Frühkartoffeln:
werden z.T.unter Folie angebaut. Dadurch gibt es bereits ab Anfang Juni Frühkartoffeln aus deutscher Herkunft (in Baden, in der Pfalz sowie am Niederrhein).Die ersten Frühkartoffeln sind eine besondere Delikatesse. Sie sind zum Schälen zu schade und sollten am besten nur kräftig unter Wasser abgebürstet werden.
Sehr frühe Sorten:
eignen sich im allgemeinen nicht für die Einkellerung, da sie ihre guten Speiseeigenschaften schnell verlieren, sehr früh keimen und welken.
Frühe Sorten:
dienen der Anschlussberatung und können bis zum Herbst gelagert werden, einige auch länger.

Handelsklassen:

Speisekartoffeln werden nach rein äußerlichen Kriterien in die Handelsklassen "Extra" und "I" eingeteilt. Als "Drillinge" können Kartoffeln bezeichnet werden, welche die für die jeweilige Handesklasse vorgeschriebene Mindestgröße unterschreiten.

Verwendung:

Kartoffeln werden vielfältig verarbeitet:

 

Inhaltsstoffe in 100 g Kartoffeln:
 
Wasser: 77,80 g
Eiweiß: 2,04 g
Fett: 0,11 g
 
   
Kohlenhydrate: 14,8 g
Energie: 298 kJ/70,2 kcal
 
Vitamine:   v.a Vitamin C (10 - 40 mg),
Vitamin B 6 (0,3 mg)
Mineralstoffe:   v.a. Kalium (411 mg)

Quelle: Souci-Fachmann-Kraut: Die Zusammensetzung der Lebensmittel - Nährwert-Tabellen; medpharm Scientific Publishers, Stuttgart 1994.

Unerwünschte Stoffe:

Bei unsachgemäßer Lagerung (s. Lagerung) kann sich v.a. in grünen Stellen vermehrt Solanin (ein Alkaloid) bilden. Solanin führt in größerer Menge (ab 10 mg/100g) zu Halskratzen, Kopfschmerzen, Mattigkeit, Erbrechen, Bauchschmerzen und Durchfall. In schweren Fällen können Koma, Krämpfe und der Tod eintreten.

Bedeutung für die menschliche Ernährung:

Die Kartoffel enthält als vollwertiges Grundnahrungsmittel reichlich Stärke. Sie kann nur durch Kochen für den menschlichen Genuss aufgeschlossen werden (keine Rohkost !).
Das Eiweiß ist sehr hochwertig. Seine biologische Wertigkeitliegt bei 98 (zum Vergleich: Vollei = 100). In Kombination mit anderen eiweißhaltigen Lebensmitteln ist diese Wertigkeit noch zu steigern. Die höchste bekannte Eiweißwertigkeit liefert eine bestimmte Zusammenstellung von Kartoffeln und Hühnerei (Kartoffel-Ei-Diät).
Die Kartoffel ist kalorienarm, Vitamin C-reich und kaliumreich.

Diätetische Hinweise:

Arzneiliche Wirkung von Kartoffelsaft:

Kurzfristig (!) und auf einen bestimmten Solaningehalt eingestellt, wird Kartoffelsaft als Arzneimittel (!) bei Magenübersäuerung verwendet. Solanin neutralisiert die überschüssige Magensäure.

Lagerung:

Angebot und Besonderes an Kartoffelerzeugnissen des Reformhauses:

Literatur:

Biologische Wertigkeit, Diabetes, Handelsklassen, Kohlenhydrate