Kapuzinerkresse

 

Die Kapuzinerkresse ist eine Gewürz- und Arzneipflanze. Im Jahr 2013 wurde sie von der Universität Würzburg zur Arzneipflanze des Jahres gewählt. Im Vordergrund stehen ihre antibakteriellen Wirkungen, die auf ihrem Gehalt an Senfölglykosiden basieren. Neuere Studien deuten auch auf eine antidiabetische Wirkung hin.

Botanik und Herkunft

Die Kapuzinerkresse gehört zu den Kreuzblütlerartigen (Brassicales). Als Pflanzengattung sind die Kapuzinerkressen (Tropaeolum) der Familie der Kapuzinerkressengewächse (Tropaeolaceae) zugeordnet. Die meisten Arten (8) werden als zum Teil rankende Zierpflanzen angeboten, eine Art wird als Gewürz- bzw. Arzneipflanze verwendet. Die Blüten sind gelb bis rot-orange. Sie erinnern in der Farm an die Kapuzen der Mönchskutten. Daher stammt der Name. Der lateinische Name Tropaeolum leitet sich vom griechischen Tropaion ab, ein schildförmiges Siegessymbol.

Heimisch ist die Kapuzinerkresse in Mittel- und Südamerika, wurde dann von Seefahrern nach Europa gebracht und dort vorrangig in Klostergärten angepflanzt. Sie ist frostempfindlich. Bekannteste Art ist die große Kapuzinerkresse (Tropaeolum majus). 

Inhalts- und Wirkstoffe

Im Vordergrund stehen die Senfölglykoside (Glukosinolate), eine typische Wirkstoffgruppe von Kreuzblütlern wie z.B. Brokkoli, Meerrettich oder Radieschen. Die Kapuzinerkresse enthält das Senfölglukosid Glykotropaeolin. Um das scharf schmeckende Senföl, in diesem Fall das Benzylisothiocyanat (Benzylsenföl), aus der glykosidischen Bindung zu lösen, ist das in den Zellen enthaltene Pflanzenenzym Myrosinase notwendig. Es wird beim Zerstören der Zellwände freigesetzt.

Für die Pflanze sind diese Stoffe wichtig, um Frassfeinde abzuwehren.

Kapuzinerkresse als Lebensmittel

Verwendet werden die Blüten, die Blätter und die Blütenknospen. Letztere werden, in Salz und Essig eingelegt, auch als "Deutsche Kapern" bezeichnet. 

Aufgrund des scharfen Geschmacks wird Kapuzinerkresse vorrangig als Gewürzpflanze genutzt. Aus optischen Gründen werden die Blüten der Kapuzinerkresse gerne als essbare Verzierung auf Salaten drapiert.

Hervorgehoben wird zudem der hohe Vitamin C Gehalt mit 285 mg/100 g.

Glucosinolate zählen zu den Sekundären Pflanzenstoffen. Sie werden diskutiert im Hinblick auf eine Krebs vorbeugende Wirkung. Besonders bekannt ist in diesem Zusammenhang Brokkoli. 

Kapuzinerkresse als Arzneipflanze

Der Übergang von Gewürz- zu Heilpflanzen ist, wie man beispielsweise an Knoblauch oder Thymian sieht, fließend. Die Senfölglykoside beispielsweise sind einerseits für den scharfen Geschmack, andererseits für die Wirkung gegen Bakterien ("antibiotisch") verantwortlich. 

Für die Monographie der Kapuzinerkresse hatte die in den 1990er Jahren zuständige Kommission E folgende Indikationen als sinnvoll beschrieben: "adjuvante Therapie von Infektionen der ableitenden Harnwege und Katarrhen der oberen Luftwege sowie äußerlich bei leichten Muskelschmerzen."

Eine doppelblind Placebo-kontrollierte Studie mit einer kombinierten Gabe von Meerrettich und Kapuzinerkresse mit reichlich Senfölglykosiden konnte bei 351 Probanden eine vorbeugende Wirkung gegenüber Infektionen der oberen Atemwege nachweisen.

Während die antibakterielle Wirkung der Senfölglykoside gut nachweisbar ist, fehlen gut kontrollierte Studien zu einer eventuellen antiviralen und/oder antimykotischen (gegen Pilze) Wirkung. Hier gibt es nur "in-vitro" Studien in Nährlösungen oder auf Nährböden.

Arzneiliche Dosierung

Extrakte aus Kapuzinerkresse werden als Fertigarzneimittel z.B. als Kapseln oder Tabletten angeboten. Hier sollte die Dosierungsanleitung der Packungsbeilage beachtet werden.

Die empfohlene Dosierung bei einem Frischpflanzensaft aus Blättern und Blüten liegt bei 30 g/Tag in 3 Einzeldosen. 

Ein Tee sollte  aus 3 - 30 g frischen Blättern zubereitet werden. Er darf nur mit heißem Wasser überbrüht und nicht gekocht werden. Empfohlen werden 2 - 3 Tassen am Tag.

Gegenanzeigen, Nebenwirkungen, Wechselwirkungen

Eine gemeinsame Wirkung der Glucosinolate ist die Freisetzung von Thiocyanaten, die in der Schilddrüse die Jodaufnahme hemmen und somit zu einer Kropfbildung beitragen können. Menschen mit Schilddrüsenproblemen sollten daher beim Verzehr von Kreuzblütlern zurückhaltend sein.

Benzylisothiocyanat kann die "Alkoholtoleranz" verringern. Das bedeutet, dass in Verbindung mit dem Genuss von Kapuzinerkresse bereits kleine Mengen Alkohol berauschend und enthemmend wirken. Daher stammt der früher übliche Genuss von Kapuzinerkresse als Aphrodisiakum. 

Literatur:

 

 --> Brokkoli, Jod, Knoblauch, Meerrettich, Radieschen, Sekundäre Pflanzenstoffe, Vitamin C