Acai

 

Acai-Beeren (ausgesprochen A - ssa - i) werden als Superfood in zahlreichen Produktvarianten angeboten. Sie sind die Früchte einer Palmenart, die in Mittel- und Südamerika beheimatet ist.

Botanik, Ernte und Herkunft

Euterpe olaceae und Euterpe precatoria sind die botanischen Namen der Palmen, die die Acai-Beeren hervorbringen. Sie werden bis zu 45 m hoch. Die Palmen wachsen vor allem im Amazonasgebiet. Euterpe oleraceae wächst mit bis zu 45 Stämmen an einer Palme und bildet Luftwurzeln, Euterpe precatoria wächst dagegen einstämmig.

Die Früchte hängen wie Zöpfe direkt am Stamm. Acai-Beeren sind botanisch streng gesehen keine Beeren, sondern Steinfrüchte. Sie enthalten einen großen Samen, der vom essbaren Fruchtmark bzw. der Haut abgelöst wird. Der Samenkern macht 90 % des Gewichtes aus. Sie werden zwischen Juli und Dezember geerntet. Der Geschmack von Acai-Beeren wird als "ölig-nussig, erdig-metallisch" beschrieben. Im Vergleich mit heimischen Gemüse- bzw. Obstsorten liegen die Geschmacksnuancen zwischen Waldbeeren und Rote Bete.

Die Acaiernte ist reine Handarbeit, teils in großer Höhe, und nicht ungefährlich. Die Fruchtzöpfe werden  am Stamm abgetrennt und dann einzeln zum Boden gebracht. Ein Fruchtzopf liefert bis zu 6 kg Beeren, eine Palme liefert ca. 25 Kilo Acaifrüchte im Jahr. Die einzelnen Früchte ähneln in Aussehen und Größe den Heidelbeeren. Unreif sind sie grün, während der Reifung wechselt die Farbe von dunkelblau bis violett.

Abhängig von Feststoffen und der Verdünnung des Acai-Fruchtfleisches unterscheidet das brasilianische Lebensmittelgesetz verschiedene Stufen von Feststoffanteilen: 

Mittels Handarbeit werden die Beeren eingeweicht und zu einem cremig-öligen Brei, dem Acaipüree, gepresst. Traditionell genutzt werden fast alle Pflanzenteile. 

Pflanzenteile von Euterpe und deren Nutzung
PflanzenteileVerwendung
Palmherzengekocht als Lebensmittel 
Früchteals Püree, Saft
PamstämmeBauholz
PalmblätterDachabdeckung
Fruchtölgegen Durchfall
Fruchtsamengegen Fieber

Bei den indigenen Völkern des Amazonasgebietes gibt es viele Speisen und Getränke, denen die frischen Acaifrüchte zugegeben werden, beispielsweise in den täglichen Maniokbrei. Acaisaft ist in Südamerika ein beliebtes Erfrischungsgetränk auch in Kombination mit dem Coffein haltigen Guarana.

Um Acai länger haltbar zu machen, wird das Fruchtmark ausgesiebt und mehrmals pasteurisiert. Danach werden die Früchte schockgefrostet. Zur Gewinnung von Acaipulver, das als Zutat in zahlreichen "Superfoodprodukten" zu finden ist, wird die tiefgefrorene Masse schonend aufgetaut und dehydriert. Reines Acaipulver enthält keine Farb-, Geschmacks- und Konservierungsstoffe.

Mit Acaipulver werden Smoothies und andere Lebensmittel wie Joghurt, Kuchen, Quark und Nachspeisen aufgewertet.

Acai-Nährwerte

Seriöse Angaben über den Nährstoffgehalt von Acai-Beeren sind schwer zu finden. Häufig beziehen sich die Angaben auf die Trockenmasse oder die gefriergetrocknete Variante. Die folgende Übersicht bezieht sich auf den Nährstoffgehalt der frischen Beeren, wobei sich die Angaben verschiedener Organisationen deutlich unterscheiden. Im Vergleich zu bekannten Früchten ist der Nährwertgehalt der Acai-Beere zwischen Waldbeeren und Oliven angesiedelt.

Hervorzuheben ist der für eine Frucht hohe Fettanteil, der je nach publizierter Quelle zwischen 4,5 und 17,5 g liegt. Neben der hohen Nährstoffdichte werden Acai-Beeren auch als stark antioxidativ ausgelobt. Die bei Acai-Beeren gemessenen ORAC-Werte (siehe unter Stichwort ORAC) sollen nach Angaben der populärwissenschaftlichen Literatur die Gehalte  von anderen ebenfalls antioxidativ wirksamen Lebensmitteln übertreffen. Dies wird von namhaften Ernährungswissenschaftlern und Verbraucherorganisationen bestritten.

Hervorgehoben werden zudem die für eine Frucht hohen Werte an Vitamin A, Vitamin E und Calcium.

Auffällig ist der hohe Gehalt am Spurenelement Mangan, der nach Angabe der Verbraucherzentrale NRW pro 100 g Frucht deutlich über der täglich empfohlenen Zufuhrmenge liegt.

 

Inhaltsstoffe in 100 g Acai-Beeren
Kohlenhydrate4,0 gBrennwert66 - ...kcal = 274 - ... kJ
Eiweiß2,0 - 4,4 gBallaststoffe23,9 g
Fett4,5 - 17, 5 g

 

davon gesättigte Fs 25 %; einfach ungesättigte Fs 63 %; mehrfach ungesättigte Fs 12 %

 

Vitamine
vor allem Vitamin A (541 i.E.); Vit. E (24 mg)

Mineralstoffe

 

vor allem Kalium (503 mg); Calcium (k.A.) Mangan (k.A,)


Sonstiges
Polyphenole (0,5 g)

ORAC-Wert

 

5500 µmol TE


Quelle: fruteiro.de/brasilianischen-tropische-fruchte/acai und www.hannes-pharma.de

 

Acai-Beeren als "Superfood"

Zusätze aus Acai-Beeren sind in zahlreichen Produkten des Bio- und Reformwarenhandels zu finden. Im Vordergrund steht die antioxidative Wirkung der Beeren. Diese ist sowohl unter Laborbedingungen (in vitro) als auch im lebenden Organismus (in vivo) nachgewiesen. Die Wirkstoffe, die hauptsächlich für die antioxidativen Wirkungen in Frage kommen, sind die beiden Hauptanthocyane Cyanidin-3-Rutinosid und Cyanidin-3-O-Glucosid.

In Studien mit geringen Teilnehmerzahlen (10 - 12) wurden neben der antioxidativen Wirkung günstige Effekte auf den Nüchtern-Blutzucker, die Blutfettwerte und auf das Körpergewicht beobachtet. Solche Effekte werden bei der Werbung für Acai als "Superfood" vollmundig herausgestellt. Allerdings fehlen Studien an größeren Bevölkerungsgruppen (epidemiologische Studien), die den Qualitätskriterien wissenschaftlicher Fachgesellschaften genügen. Ein Problem der meisten kleineren Studien zu Acai ist die Heterogenität der eingesetzten Produkte. Häufig werden Produkte verwendet, die nicht ausschließlich Bestandteile der Acai-Beeren enthalten, sondern Mischungen mit anderen Früchten.

Werblich herausgestellt wird auch ein niedriger glykämischer Index, der im Wesentlichen auf einen hohen Fruchtzuckergehalt zurückzuführen ist. Somit ist die Acai-Beere nicht geeignet bei Fruktosemalabsorption.

Die Werbung für Acai als Schlankheitsmittel ist angesichts der ernährungsphysiologischen Daten nicht nachzuvollziehen.

Qualität von Acai-Beeren

Auf folgende Kriterien sollte beim Kauf von Acai-Beeren geachtet werden:

Literatur

--> Anthocyane, Calcium, Fruktosemalabsorption, Glykämischer Index, Mangan, Oliven, ORAC, Superfood, Vitamin A, Vitamin E