Aronia

 

Die Apfelbeeren (Aronia) sind eine Pflanzengattung mit etwa drei bis neun Arten in der Familie der Rosengewächse (Rosaceae). In der Lebensmittelgruppe Obst zählen sie zum Kernobst.
In Polen und Russland wird Aronia als Heilpflanze eingestuft. Aufgrund ihrer kräftigen roten Farbe wird die Aronia auch als Alternative für Lebensmittelfarben (vor allem anstelle von Cochenillerot A) verwendet.

Botanik und Herkunft:

Die Apfelbeere stammt ursprünglich aus dem Osten Nordamerikas. Sie wird seit den 1950er Jahren auch in Osteuropa und seit den 1970er Jahren auch in Deutschland (Oberlausitz) angebaut.
Obstbaulich gezüchetete Aronia-Arten sind sommergrüne bis zu 2 m hohe und breite Sträucher mit spitzen, auffallend weinroten Winterknospen. Der Strauch ist wenig anfällig für Pflanzenkrankheiten.
Die einfachen Laubblätter sind elliptisch bis verkehrt eiförmig, 2 bis 8 cm lang, meist kurz zugespitzt, fein kerbig gesägt, oberseits auf der Mittel­rippe mit schwarzroten Haaren mit leuchtend roter Herbstfärbung.
Die weißen Blüten ähneln den Apfelblüten, daher kommt der Name Apfelbeeren. Im September reifen die Beeren heran.
Der Durchmesser der roten oder schwarzen, apfelförmigen Früchte beträgt 5 bis 12 mm.Sie werden Kahle Apfelbeere oder Schwarze Eberesche genannt. Die erbsengroßen, schwarzen, häufig wachsartig überzogenen Früchte, die ab Mitte August bis Oktober geerntet werden können, schmecken süß-säuerlich-herb, im Geschmack ähnlich wie Heidelbeeren. Das Fruchtfleisch ist intensiv rot gefärbt. Die kleinen Apfelfrüchte sind frei von Steinzellen und enthalten auch kein Kerngehäuse, die Samen sind sehr klein.

Aroniaarten und -sorten:

Die obstbauliche Nutzung der Aronia wurde ermöglicht durch Züchtung etlicher Sorten mit besseren Eigenschaften als die Wildformen.
Die häufigsten Arten sind Aronia arbutifolia und Aronia melanocarpa. Die Arten Aronia melanocarpa und A. × prunifolia tragen schwarze Beeren, Aronia arbutifolia rote Beeren.
Derzeit ist Aronia × prunifolia 'Nero' die meist angebaute und ertrag­reichste Sorte in Deutschland und Polen. Sie trägt etwa 12 mm dicke, sehr saftige, kaum glänzende, aromatische Früchte und eignet sich gut zur Herstellung von Marmeladen. Der Gerbstoffgehalt ist bei diesen Beeren niedriger als bei der Wildform (Aronia melanocarpa). In Baum­schulen wird sie als „Schwarze Colorado-Beere“ angeboten.
Weitere bedeutende Aronia-Sorten sind: ’Aaron’ (Dänemark), ’Fertödi ’ (Ungarn), ’Hugin’ (Schweden), ’Kurkumäcki’ (Finnland), ’Nero’ (Tschechien), ’Rubina’ (Finnland/Russland), ’Viking’ (Finnland).

Verwendung, Verwertung und Produkte:

Die Früchte sind roh kaum genießbar. Bei Aufbewahrung im Kühl­schrank sind die Beeren bis zu 3 Monate lagerfähig. Sie werden als Trockenfrüchte und vor allem in Mischungen mit anderen Früchten zu Konfitüre und Kompott verarbeitet. Daneben eignen sich Apfelbeeren auch zur Gewinnung von Konfitüre, Gelee und zum Kandieren. Durch die Verwendung von Aroniabeeren zur Gewinnung von Erdbeerkonfitüre wird deren Färbung dunkler und stabiler.
Aroniasaft hat ein ähnliches Aroma wie Bittermandeln. Die Saftausbeute der Apfelbeeren liegt bei 75-80 %. Sie ist um etwa 6 % höher, wenn die Früchte vorher mit Kälte bei -5°C behandelt wurden. Der Geschmack und die Farbe von sauren Säften lässt sich durch Aroniasaft verbessern. Aufgrund des hohen Gehaltes an Anthocyanen wird Aroniasaft als Rohprodukt für die Gewinnung natürlicher Farbstoffe genommen.
Flüssige Aronia-Produkte werden in vielfältiger Form angeboten: Neben Aroniasaft auch als Mischsaft, Nektar, Konzentrat, Sirup und als Bestandteil von Fruchtsäften und Limonaden.
In Osteuropa wurde Aronia auch in der Süßwarenindustrie verwendet als Zusatzstoff für Karamellfüllungen, Pralinen, kandierte Früchte und Eis.
Heute werden Aroniabeeren im Osten Deutschlands von der Lebensmittelindustrie fast nur noch als Farbstoff in Produkten wie Speiseeis, Backwaren und Getränken eingesetzt.

 

Inhaltsstoffe der Apfelbeeren je 100 g

verw. Kohlenhydrate

18,0 g

  Brennwert

96 kcal

Eiweiß

1,9 g

     

Fett

1,5 g

     

Vitamine: v.a. Vitamin C, andere Nährstoffe nur qualitative Angaben

 

Quelle : www.lebensmittel-tabelle.de

Aroniasaft hat im Vergleich zu anderen Früchten einen sehr hohen Polyphenolgehalt. Hierbei werden vor allem den Anthocyanen aufgrund ihres hohen antioxidativen Potentials und den guten Radikal­fängereigenschaften gesundheitsfördernde und präventive Eigenschaften bei einer Reihe von Krankheiten (z. B. Herz-Kreislauferkrankungen) zugeschrieben. Bei einer Bestimmung der antioxidativen Aktivität von roten Fruchtsäften nimmt Aroniasaft mit seiner sehr hohen antioxidativen Kapazität eine Spitzenstellung ein. Ebenfalls hoch ist der Gehalt an Procyanidinen. (siehe auch Forschungsprojekt Aronia).
Zudem enthalten Apfelbeeren reichlich Gerbstoffe.

Bedeutung für die menschliche Ernährung:

Obst, Trockenfrüchte

Die Apfelbeeren werden vor allem aufgrund ihres hohen antioxidativen Potenzials ausgelobt, zurückzuführen auf ihren hohen Gehalt an Anthocyanen.
Viele Aussagen zu Apfelbeeren betreffen arzneiliche Wirkungen. Diese sind für Lebensmittel rechtlich nicht erlaubt!

Forschungsprojekt Aronia:

Ein Forschungsprojekt, bei dem die Aronia im Blickpunkt, steht läuft seit 2006 unter dem Thema “Procyanidine - Vom besseren Verständnis der Wirkung zur Entwicklung funktioneller Lebensmittel“.
Das Projekt beschäftigt sich mit der systematischen Untersuchung von Procyanidinen, einer komplexen Gruppe von phenolischen sekundären Pflanzenstoffen. Sie stellen auf Grund beschriebener gesundheits­fördernder Wirkungen potentielle wertgebende Bestandteile in Lebens­mitteln dar. Das Gesamtziel des Projektes ist es, die physiologische Wirkung von Procyanidinen zu verstehen und auf dieser Grundlage funktionelle Lebensmittel mit einem optimierten Gehalt an Procyanidinen zu entwickeln.
Das Projektvorhaben umfasst einen grundlagenorientierten und einen anwendungsbezogenen Teil. Beteiligt sind die Universität Potsdam, die Universität Braunschweig, das Deutsche Institut für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke, die Bundesforschungsanstalt für Ernährung und Lebensmittel in Karlsruhe sowie die Kelterei Walther in Arnsdorf und die Breko GmbH in Bremen.
Ziel der grundlagenorientierten Teilprojekte ist es, definierte Procyanidine, die mittels präparativer Techniken aus Lebensmitteln isoliert oder synthetisiert werden, hinsichtlich ihrer biologischen Wirkung zu untersuchen und daraus erstmals Struktur-Wirkungsbeziehungen abzuleiten. Systematische Untersuchungen zum Metabolismus und zur Bioverfügbarkeit dieser Verbindungen im Menschen, die unter besonderer Berücksichtigung der Rolle des Darmes und der intestinalen Mikrobiota durchgeführt werden, sollen dabei den Grundstein zum Verständnis der gesundheitsfördernden Wirkungen dieser Verbindungs­klasse legen. Im Fokus aller Untersuchungen stehen die Aroniabeere sowie Traubenerzeugnisse, die reich an Procyanidinen sind.

Aronia als Heilpflanze:

Seit langem wird die Aroniabeere in Osteuropa als Volksheilmittel angewendet. Auch bei den Ureinwohnern Amerikas waren die Aroniabeeren bekannt. Sie sind Bestandteil des Pemmikans, einer Art „Reiseproviant und Notvorrat“, der neben Aronia auch Dörrfleisch und Fett enthält.

Aroniazubereitungen werden bei folgenden Indikationen empfohlen:

Literatur:

Antioxidantien, Obst, Trockenfrüchte, Vitamin C