Zusatzstoffe

 

 

Der Begriff "Zusatzstoffe" wurde 1974 mit dem Lebensmittel- und Bedarfsgegenständegesetz (LmbG) eingeführt; er löste den Begriff "Fremdstoff" des ehemaligen Lebensmittelgesetzes (LmG) ab. Seit dem 1.1.1993 wurden auf EG Ebene europaweit gültige Richtlinien für die Verwendung und Kennzeichnung von Zusatzstoffen erlassen.

Begriffsbestimmungen:

Zusatzstoffe
sind Stoffe, die dazu bestimmt sind, Lebensmitteln zur Beeinflussung ihrer Beschaffenheit oder zur Erzielung bestimmter Eigenschaften oder Wirkungen zugesetzt zu werden. Im Sinne des Gesetzes sind davon ausgenommen Stoffe, die natürlicher Herkunft oder den natürlichen chemisch gleich sind und nach allgemeiner Verkehrsauffassung überwiegend wegen ihres Nähr-, Geruchs- oder Geschmackswertes, oder als Genussmittel verwendet werden, sowie Trink- und Tafelwasser. Sie müssen gekennzeichnet werden.

Technische Hilfsstoffe
bedürfen keiner besonderen Kennzeichnung. Es sind dies Stoffe, die zur Herstellung von Lebensmitteln verwendet, aber im Laufe des Produktionsprozesses wieder entfernt werden. (z.B. Lösungsmittel bei der Ölextraktion, Katalysatoren, Filtrationshilfsmittel).

Zusatzstoffgruppen:

Nach der Zusatzstoffverkehrsverordnung werden 11 Gruppen von Zusatzstoffen unterschieden:

  1. Farbstoffe
  2. Konservierungsstoffe
  3. Antioxydationsmittel
  4. Emulgatoren, Stabilisatoren
  5. Dickungsmittel, Geliermittel,
  6. Säurungsmittel, Säureregulatoren
  7. Trennmittel, Überzugsmittel, Tauchmassen
  8. Geschmacksverstärker, einige Aromastoffe
  9. Zuckeraustauschstoffe, künstliche Süßstoffe
  10. Stoffe für sonstige technologische Zwecke
  11. Stoffe für besondere Ernährungszwecke, Vitamine, modifizierte Stärkenn

Kennzeichnung von Zusatzstoffen:

Bei verpackten Lebensmitteln:

Lebensmittel in Fertigpackungen müssen folgende Angaben tragen:

Da sämtliche Zutaten in absteigender Reihenfolge ihres Gewichtsanteils aufgeführt werden, findet man die in geringen Mengen verwendeten Zusatzstoffe am Ende der Zutatenliste. Zusatzstoffe müssen bis auf eine Ausnahme (modifizierte Stärke) immer mit dem Klassennamen (z.B. Emulgator), gefolgt von der Verkehrsbezeichnung (z.B. Lecithin) oder der E-Nummer (z.B.
E 322) angegeben werden.
Ist ein Zusatzstoff keiner Klasse zuzuordnen, so muss er mit seiner Verkehrsbezeichnung aufgeführt werden (z.B. Nitritpökelsalz).

Es gibt jedoch auch Lücken in der Kennzeichnung von Zusatzstoffen. So besteht z.B. keine Kennzeichnungspflicht für Stoffe, die nicht direkt, sondern über bestimmte Zutaten, in ein Lebensmittel gelangen. Wird beispielsweise Margarine mit Beta-Carotin zur Herstellung eines Kuchens verwendet, muss das Beta-Carotin in der Zutatenliste nicht aufgeführt werden.
Bei folgenden Lebensmitteln müssen überhaupt keine Zutatenlisten aufgeführt werden:

Bei unverpackten Lebensmitteln:

Für lose, also unverpackte Waren, sind Kennzeichnungsvorschriften in der Zusatzstoffzulassungsverordnung enthalten. Nur einige besonders wichtige Zusatzstoffe müssen auf oder neben dem Lebensmittel kenntlich gemacht werden. Beim Versandhandel findet man diese Angaben in den Angebotslisten, in den Gaststätten auf den Speise- und Getränkekarten.
In Einrichtungen der Gemeinschaftsverpflegung (z.B. Betriebskantinen, Jugendherbergen) müssen Zusatzstoffe zumindest auf einem Aushang kenntlich gemacht werden. Im Wesentlichen handelt es sich um folgende Hinweise:

Bei der Abgabe in Einrichtungen, in denen die Verpflegung einer ärztlichen Kontrolle unterliegt (z.B. Krankenhäuser), genügt es, die Angaben in Aufzeichnungen zu machen, in die der verantwortliche Arzt Einblick nehmen kann.

Zulassung von Zusatzstoffen:

Zusatzstoffe müssen grundsätzlich ein Zulassungsverfahren durchlaufen. Über die Zulassung eines Zusatzstoffes entscheidet der Wissenschaftliche Lebensmittelausschuss der EU.
Stoffe, die nicht ausdrücklich erlaubt sind, sind verboten. In der Bundesrepublik Deutschland waren bisher 265 Zusatzstoffe zugelassen. Nach den Zusatzstoff-Richtlinien der EU wurden davon (von 265) 30 nicht in die neue Richtlinie übernommen und 61 Zusatzstoffe zusätzlich aufgenommen. Insgesamt sind daher in der EU 296 Zusatzstoffe zugelassen.
Nach den neuform Qualitätsrichtlinien der Reformhaus eG sind insgesamt nur ca. 60 Zusatzstoffe im Lebensmittelsortiment des neuform-Reformhauses erlaubt!

Voraussetzung für eine Zulassung sind:

  1. Der Nachweis der gesundheitlichen Unbedenklichkeit
  2. Der Nachweis der technologischen Notwendigkeit

Zum Nachweis der gesundheitlichen Unbedenklichkeit dienen in der Regel Tierversuche. In diesen wird der ADI-Wert (acceptable daily intake) ermittelt, aus dem die duldbare Menge in mg Zusatzstoffe pro kg Nahrungsmittel berechnet wird. Die Diskussion um die gesundheitliche Unbedenklichkeit der Zusatzstoffe nach diesem Verfahren ist kontrovers (ADI-Wert).

Weltweit gibt es unterschiedliche Bewertungen von einzelnen Zusatzstoffen, obwohl die WHO und die FAO eine Koordinierung und weltweite Zulassung von Zusatzstoffen anstrebt. Markante Beispiele sind das in Österreich verbotene Tartrazin (E 102), das in den USA und der Schweiz nur mit Warnhinweis verwendet werden darf, in der Bundesrepublik jedoch nur bei Arzneimittel einen Warnhinweis tragen muss.

Gesundheitliche Bewertung von Zusatzstoffen:

Zusatzstoffe sind weder generell unbedenklich noch generell gesundheitsschädlich. Jeder Zusatzstoff muss einzeln nach dem heutigen Wissensstand bewertet werden. Die Unterteilung in natürliche, naturidentische und künstliche Zusatzstoffe kann nicht als alleiniger Maßstab einer Bewertung dienen. So haben sich auch einige natürliche Zusatzstoffe wie z.B. Cumarin (Aromastoff des Waldmeisters) als nicht unbedenklich erwiesen.
Grundsätzlich ist es daher richtig, die Notwendigkeit von Zusatzstoffen eng auszulegen. Nicht zuletzt aus allergologischen Überlegungen sollte die Menge der verwendeten Zusatzstoffe in Lebensmitteln möglichst gering sein. Überflüssige Zusatzstoffe, die lediglich der Schönung von Lebensmitteln dienen, sollten vermieden werden. Wenig bekannt ist zudem über die wechselseitige Beeinflussung (synergistische Effekte) mehrerer Zusatzstoffe oder über additive Effekte.

Verwendung von Zusatzstoffen im Reformhaus:

siehe auch bei den einzelnen Zusatzstoffgruppen!

Literatur:

ADI-Wert, Antioxidationsmittel, Aromastoffe, Verdickungsmittel, Emulgatoren, Farbstoffe, Geschmacksverstärker, Glutamat, Konservierungsstoffe, Mehlbehandlungsmittel, Phosphor, Säuerungsmittel, Säureregulatoren, Schmelzsalze, Süßstoffe, Trennmittel/Überzugsmittel, Verbraucher-Organisationen