Planetary Health Diet

 

Die Planetary Health Diet (PHD) ist ein Ernährungskonzept, das im Jahre 2015 von der Rockefeller Foundation-Lancet-Commission on Planetary Health (Rockefeller-Lancet Stiftungskommission für planetare Gesundheit) entwickelt wurde. Ihr Ziel ist die Entwicklung und Verbreitung einer Ernährungsweise, die sowohl die Gesundheit des Menschen als auch die Gesundheit der Erde fördert. Ökologische Nachhaltigkeit und individuelle Gesundheit sollen gleichermaßen gefördert werden.

EAT-Lancet-Kommision

Der EAT-Lancet-Kommission gehören 37 Wissenschaftler aus 16 Ländern an, die unterschiedliche Bereiche vertreten. Darunter sind z.B.  Agrar- und Ernährungswissenschaftler, Mediziner, Klimaforscher sowie ExpertInnen für Public Heath (öffentliches Gesundheitswesen).

Um alle Menschen dieser Erde bis zum Jahr 2050 nachhaltig und gesund zu ernähren, ist eine grundlegende Veränderung unserer Ernährungsweise nötig. Das zeigt ein im Januar 2019 veröffentlichter Report der EAT-Lancet-Kommission. Das Ziel der Forscher war es, eine wissenschaftliche Grundlage für einen Wandel des globalen Ernährungssystems zu schaffen.

Ökologische Aspekte der globalen Lebensmittelproduktion

Die globale Lebensmittelproduktion hat einen großen Einfluss auf das Klima und die Umwelt. Aktuell werden rund 40 % der Landflächen landwirtschaftlich genutzt. 30 % der Treibhausgasemmissionen wird durch die Produktion von Lebensmitteln verursacht und 70% des Frischwassers dafür verbraucht. Ändert sich nichts an der bisherigen globalen Ernährungsweise, können die im Pariser Klimaabkommen verabschiedeten Ziele sowie die Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen nicht erreicht werden. Dies betrifft in erster Linie die Lebensmittelproduktion der Industrieländer. Sie produziert einen Großteil der Lebensmittel im Überschuss, von dem ein Teil weggeschmissen wird. Die Folgen der Überproduktion ist Überkonsum, der zu Übergewicht/Adipositas und Krankheiten des metabolischen Syndroms wie Bluthochdruck, Diabetes, Fettstoffwechselstörungen und Gicht führt. Gleichzeitig leiden weltweit über 820 Millionen Menschen an Hunger und Wasserknappheit z.B. infolge von extremen Wetterlagen wie Dürren oder Überschwemmungen. 

Gesundheitliche Aspekte der PHD

Die Ernährungsempfehlungen der PHD basieren auf Studien mit höchstem wissenschaftlichen Evidenzgrad. Das heißt: Zugrunde gelegt sind ausschließlich Metaanalysen und systematische Reviews. Deren Ergebnisse zeigen einen eindeutigen Zusammenhang zwischen der aktuellen Ernährungsweise, industriell geprägter Nahrungsmittelproduktion und der pandemischen Ausbreitung Ernährungs-mit-bedingter Krankheiten. Dazu zählen Übergewicht, Fettleibigkeit, Bluthochdruck, Fettstoffwechselstörungen, Krebs und diverse Stoffwechselerkrankungen. Im nächsten Abschnitt sind die konkreten Ernährungsempfehlungen in qualitativer und quantitativer Hinsicht zusammengestellt.

Quantitative und qualitative Aufteilung der PHD

Die folgende Übersicht zeigt, welche Lebensmittel in welchen Mengen täglich bzw. wöchentlich verzehrt werden sollten, um sowohl die individuelle Gesundheit zu fördern als auch gleichzeitig die Ressourcen der Erde zu schonen. Es ist eine Art „Referenz-Speiseplan“, der an traditionelle Ernährungsformen (z.B. asiatische, mediterrane Lebensweise) auf der Welt angepasst werden kann. Möglich wird dies durch die angegebenen Spannen (in Klammern), die unterschiedliche Kostformen mit und ohne tierische Lebensmittel ermöglichen.

Lebensmittelgruppe Empfohlene Mengen pro Tag in g Energieaufnahme pro Tag in kcal
Kohlenhydrate
Vollkorngetreide232811
Stärkehaltiges Gemüse50 (0 - 100)39
Gemüse  300 (200-600) 78
Obst 200 (100-300)126
Proteinquellen
Rind-/Lamm-/Schweinfleisch14 (0-28)30
Geflügel29 (0-58)62
Eier13 (0-25)19
Fisch28 (0-100)40
Hülsenfrüchte 75 (0-100)284
Nüsse50 (0-75)291
Milchprodukte  250 (0-500) 153
Fette und Öle
Öle mit überwiegend mehrfach ungesättigten Fettsäuren40 (20-80) 354
Fette/Öle mit überwiegend gesättigten Fs   11,8 (0-11,8)96
Zugesetzter Zucker
Alle Süßungsmittel 31    120

Quelle: https://www.bzfe.de/nachhaltiger-konsum/lagern-kochen-essen-teilen/planetary-health-diet/

Unterschiede zu den Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung

Im Unterschied zu den Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (dge) beinhaltet die PHD deutlich weniger tierische Produkte, insbesondere weniger Fleisch- und Wurstwaren sowie weniger Milchprodukte. Zwar sind die Empfehlungen der dge auch pflanzenbasiert, sie reichen aber nicht aus, um die ökologischen Aspekte der „planetaren Grenzen“ für eine nachhaltige Kostform einzuhalten.

Strategien für die Umsetzung

Bei den Strategien für die Umsetzung der PHD sind sich die Wissenschaftler einig, dass reine Informationen über die Vorteile dieser Kostform an die Verbraucher nur wenig ausrichten können. Für effektiver halten sie folgende Maßnahmen:

Auch eine deutlich veränderte Nahrungsmittelproduktion hin zu einer stärker ökologisch orientierten Landwirtschaft ist nötig, um die Ziele des Pariser Klimaabkommens zu erreichen.

Kritik am Konzept der PHD

Die Umsetzung der Empfehlungen der PHD würde in zahlreichen Ländern der Welt eine gravierende Veränderung der Ernährungsweise mit sich bringen. Für eine so starke Veränderung bedarf es besonderer Anstrengungen, den Willen dazu und Zeit. Es ist fraglich, ob in den Industrienationen eine so starke Veränderung des Ernährungsverhaltens realisierbar ist.
Die PHD geht pauschal von einer täglichen Energiezufuhr von 2.500 kcal aus. Für die individuelle Umsetzung müsste der Kalorienbedarf an den tatsächlichen persönlichen Bedarf angepasst werden.
Ein großes Problem ist zudem der Hunger in der Welt. Vielen Menschen in Krisen und/oder Kriegsgebieten ist der Zugang zu Lebensmitteln und Getränken extrem erschwert oder generell verwehrt. Für sie scheint ein verändertes Konsumverhalten in den Industrienationen die einzige Chance auf ein Abmildern von Dürre- und Überschwemmungskatastrophen zu sein.

Literatur

⇒ Deutsche Gesellschaft für Ernährung, Eier, Fett, Fisch, Fleisch, Gemüse, Hülsenfrüchte, Kohlenhydrate, Krebs, Lebensmittelbezogene Empfehlungen, Milchprodukte, Nüsse, Vollkorn, Zucker