Mönchspfeffer

 

Mönchspfeffer oder Keuschlamm (Vitex agnus-castus) ist eine Heilpflanze, deren Wirkung sich auf die Regulation verschiedener Sexualhormone erstreckt. Verwendet werden die Früchte des bis zu 6 m hohen Baumes/Strauches aus der Familie der Lippenblütler.

Kulturgeschichte der Namen Mönchspfeffer und Keuschlamm

Ihren Namen hat die Pflanze von der traditionellen Anwendung bei Mönchen um deren sexuelle Lust zu hemmen. Die Früchte von Vitex agnus castus wurden in der Küche als Ersatz für Pfeffer verwendet, daher der Name Mönchspfeffer.
Im Griechischen wurde Mönchspfeffer mit dem Adjektiv „agios“ versehen, das so viel bedeutet wie heilig, gottgefällig oder keusch. Da das lateinische Wort für Lamm – agnus – ähnlich klingt, kam es vermutlich zu einer Verwechslung.  „Agnus castus“ bedeutet so viel wie „keusches Lamm“. Daraus wurde dann die verkürzte Version „Keuschlamm“.

Botanischer Name, Herkunft und andere Bezeichnungen

Botanischer NameVitex agnus-castus L. (Familie der Lippenblütler)
Andere NamenAbrahamsbaum, Keuschbaum, Keuschlamm, Keuschstrauch Mönchspfeffer, Müllen
WirkstoffeÄtherisches Öl (1,2 %) mit 1,8-Cineol, Limonen und Pinen; Iridoidglykoside; Flavone und Flavonoide
HeimatSüdeuropa
AnbauMittelmeergebiet und Westasien; in Deutschland möglich

 

Verarbeitung der Früchte

Verwendet werden ausschließlich die reifen, getrockneten Früchte, die zerkleinert und mit verdünntem Ethanol extrahiert werden. Nach dem Trocknen wird der Extrakt zu verschiedenen Arzneiformen weiter verarbeitet.

Anwendungsgebiete des Mönchspfeffers

Mönchspfeffer wird seit langem bei Erkrankungen und/oder Störungen im Bereich der sexuellen Funktionskreise angewendet. Für folgende Anwendungsgebiete wurde die Wirkung in klinischen Studien nachgewiesen:

*Gelbkörperhormon ist das deutsche Wort für Progesteron

Wirkmechanismen des Mönchspfeffers

Über die genauen Wirkmechanismen der Inhaltsstoffe von Vitex agnus-castus wird intensiv geforscht. Sicher scheint die Beeinflussung der Ausschüttung weiblicher Hormone, vor allem die Wiederherstellung eines Gleichgewichts zwischen Progesteron (Gelbkörperhormon) und Östrogen.Festgestellt wurde zudem eine Beeinflussung der Hypophyse (Hirnanhangsdrüse). Dort wird durch Inhaltsstoffe von Vitex agnus-castus die Freisetzung des Hormons Prolaktin gehemmt. Dies würde die positiven Effekte auf die schmerzhaft geschwollene Brust erklären, denn Prolaktin fördert das Wachstum der Brustdrüse.

Anwendung und Darreichungsformen des Mönchpfeffers

Fertigarzneimittel mit Mönchspfeffer wie Kapseln, Tabletten oder Tinkturen sollten mindestens über drei Monate eingenommen werden, um eine Wirkung zu erzielen. Für den Tee werden Samen und Früchte verwendet. Auch Teemischungen mit anderen Heilkräutern wie z.B. Frauenmantel werden angeboten.
Extrakte aus Mönchspfeffer enthalten deutlich höhere Wirkstoffmengen als Teezubereitungen. Mönchspfefferextrakte werden auch mit Mikronährstoffen wie z.B. Folsäure kombiniert, um die Wirkung zu optimieren.

Dosierung und Präparate nach Monographie des Herbal Medicinal Product Committee (HMPC)

Zu Mönchspfeffer wurde vom Herbal Medicinal Product Committee (HMPC) eine Monographie erstellt. Das HMPC ist innerhalb der European Medicines Agency (EMA) für die Bewertung pflanzlicher Arzneisubstanzen zuständig.
In der Monographie werden pflanzliche Arzneimittel in solche mit "traditional use" (Traditionell angewendete Arzneimittel) und "well established use" (in der Anwendungen gut/wissenschaftlich belegte Arzneimittel) unterschieden.  
Die Tabelle zeigt verschiedene Mönchspfeffer-Präparate und ihre Zuordnung nach der HMPC-Monographie.

Gut belegte AnwendungTraditionelle Anwendung

Pflanzliche Zubereitung:

Trockenextrakt (6-12 : 1) →  Extraktionsmittel 60%iger Alkohol

  1. Pulverisierte Pflanze
  2. Tinktur (1 : 5)
  3. Trockenextrakt (7-13 : 1)
  4. Trockenextrake (10-18,5 : 1)
DosierungDosierung
Tägliche Dosierung für erwachsene Frauen: 20 mg

Tägliche Dosierung für erwachsene Frauen:

zu 1. → 800 mg

zu 2. → 165 mg

zu 3. → 4 mg

zu 4. → 2 - 3 mg

Quelle: European Union herbal monograph on Vitex agnus-castus L., fructus


Gegenanzeigen, Nebenwirkungen, Wechselwirkungen

Gegenanzeigen
Bei Erkrankungen, die in Zusammenhang mit der Sekretion und/oder der Regulation von Geschlechtshormonen wie z.B. Brustkrebs oder Endometriose stehen, sollten Mönchspfefferpräparate nicht genommen werden. Auch in physiologisch besonderen Situationen, bei denen die Geschlechtshormone eine Rolle spielen, wie in der Pubertät, in Schwangerschaft und Stillzeit ist Mönchspfeffer nicht angezeigt.
Nebenwirkungen
Selten wird über Magen-Darm-Symptome wie Verdauungsbeschwerden oder Erbrechen sowie Kopfschmerzen, Mundtrockenheit und Müdigkeit berichtet. Auch Hautunreinheiten (Akne) und Juckreiz sind unerwünschte Wirkungen, bei deren Auftreten die Behandlung abgebrochen werden sollte.
Wechselwirkungen
Arzneimittel mit Mönchspfeffer könnten die Wirkungen von Dopaminantagonisten, also Arzneimittel, die an Dopaminrezeptoren andocken, um eine „Antidopaminwirkung“ zu erzielen, abschwächen. Ihre Anwendungsgebiete sind Erbrechen sowie Psychosen und Schizophrenie. Arzneimittel mit Mönchspfeffer sollten bei Einnahme der „Pille“ nicht gegeben werden.

Literatur

⇒   Ätherisches Öl, Flavonoide, Monographie