Myrrhe

 

Die Myrrhe ist eine Heilpflanze mit langer Tradition. (3000 Jahre v. Chr.). Verwendet wird das Harz der bis zu 3 m hohen Bäume. Angewendet wurde und wird sie aufgrund ihrer adstringierenden, desinfizierenden, entzündungshemmenden und der die Wundheilung fördernden Wirkung. Sie wurde aufgrund ihrer bedeutenden Rolle in der Arzneipflanzenhistorie sowie vielversprechender neuer Forschungsergebnisse zur Heilpflanze des Jahres 2021 gewählt.

Botanischer Name, Herkunft und andere Bezeichnungen

Der Namensursprung Myrrhe ist abgeleitet aus dem Arabischen. Die Silbe „murr“ steht für den typisch bitteren Geschmack des Myrrhenharzes. Neben dem Geschmack ist auch der aromatische Geruch ein charakteristisches Merkmal. Darum ist Myrrhe in der Aromatherapie bedeutsam.

Botanischer Name Commifora myrrhe (Nees) Engl.
(Burseraceae = Balsambaumgewächse)
Verwendete PflanzenteileHarz aus der Rinde
Andere Bezeichnungen  Echte Myrrhe, Gummi-Myrrhe, Heerabol-Myrrhe, Männliche Myrrhe, Rote Myrrhe
HeimatAbessinien, Eritrea, Jemen, Somalia, Sudan
SortenBeispiele: Somali-Myrrhe, Yemen-Myrrhe

Gewinnung des Harzes und Weiterverarbeitung

Das Harz der Myrrhenbäume tritt natürlicherweise ohne menschliches Zutun aus. Es gibt zwar die Möglichkeit die Stämme anzuritzen; das so gewonnene Harz gilt allerdings als minderwertig. Geerntet wird nach der Regenzeit. Das Harz wird nachdem Kontakt mit Luft fest. Die Farbe changiert zwischen rotgelb und rotbraun.
Mittels Wasserdampfdestillation wird aus dem Harz das ätherische Öl des Myrrhenbaumes gewonnen. Dieses wird verschiedenen Produkten wie z.B. Parfums, Mundwasser u.v.a. zugegeben (siehe auch unter Darreichungsformen) und als Aromaöl angeboten. Wird pulverisiertes Harz mit hochprozentigem Alkohol (1 : 5,90 - 96%) versetzt, entsteht die Myrrhentinktur als traditionelles freiverkäufliches Arzneimittel zur Anwendung bei Entzündungen und Aphten im Mund- und Rachenraum.

Wirkstoffe des Myrrhenharzes

Das Gummiharz der Myrrhe hat ein breites Inhalts- bzw. Wirkstoffspektrum. Das Harz lässt sich in eine Alkohol (Ethanol) lösliche und eine nicht Alkohol lösliche Fraktion unterteilen. Zu den alkohollöslichen Stoffen zählen die ätherischen Öle,  die Terpene und die Diterpensäuren. Der wasserlösliche, in Alkohol nicht lösliche Komplex besteht im Wesentlichen aus dem „Rohgummi“ oder „Rohschleim“. Dies sind hauptsächlich Proteoglykane und Schleime.

Wirkstoffe im Myrrhenharz

Stoffgruppe Einzelne Substanzen
Glycoproteine4-Methyl-Glucurunogalactan-Protein
Phenoleα- und β-Heerabo-Myrrhol
Schleime Komplexe Polysaccharide mit Arabinose und Galaktose
Sterole Cholesterol, β-Sitosterol
Terpene Mono- Tri- und Sesquiterpene

Quelle: https://www.phytodoc.de/heilpflanzen/myrrhe
 

Myrrhe aus arzneilicher Sicht

Myrrhe ist von mehreren Gesellschaften/Komitees für Phytotherapie positiv monografiert worden. Monografien sind eine Art „Steckbriefe“ für Arzneistoffe, auch Arzneipflanzen, in denen die wichtigsten Informationen über die jeweiligen Stoffe zusammengefasst und beurteilt sind. Die Tabelle gibt eine Übersicht der Anwendungsgebiete seitens der verschiedenen Ausschüsse bzw. Komitees:

Phytotherapie Organisationen Anwendungsgebiete laut Monografie
ESCOP = European Scientific Cooperative on Phytotherapy Entzündungen des Zahnfleischs und der Mundschleimhaut (Aphten), leichte Hautentzündungen, kleine Wunden und Schürfungen, unterstützend bei Rachenschleimhaut- und Mandelentzündungen
HMPC = Committee on Herbal Medicinal ProductsKleine Geschwüre und Entzündungen der Mundschleimhaut, kleine Hautwunden und kleine Furunkel
Kommission ELokale Behandlung leichter Entzündungen der Mund- und Rachenschleimhaut


Neben diesen gesicherten Anwendungsgebieten gibt es vielversprechende Hinweise auf weitere Indikationen, bei denen Myrrhe eingesetzt werden kann. Insbesondere die Verwendung bei Colitis ulcerosa und beim Reizdarmsyndrom, zusammen mit Kaffeekohle und Kamille, wurde in Studien als sinnvolle therapeutische Maßnahme bewertet und wird in der ärztlichen S3 Leitlinie zu C. ulcerosa empfohlen. Andere Indikationsgebiete, die zum Teil ausschließlich auf der traditionellen Verwendung gründen, sind:

•    Darminfektionen
•    Erkältungen
•    Gelenkbeschwerden (Rheuma)
•    Hämorrhoiden
•    Menstruationsbeschwerden
•    Parasitenbefall
•    Wechseljahrbeschwerden

Myrrhe - Darreichungsformen

Myrrhe bzw. Bestandteile der Myrrhe sind in Arzneimitteln und Kosmetika sowie in Aromaölen und Räucherwaren enthalten. Als Tee wird Myrrhe nicht angeboten. Folgende Darreichungsformen mit Myrrhe bzw. Myrrhezutaten sind im Handel erhältlich:

•    Aromaöle
•    Duftwässer
•    Körperpflegeprodukte (z.B. Cremes, Lotionen)
•    Mundsprays
•    Mundwässer
•    Schwedenkräuter (alkoholische Kräutermischungen)
•    Tabletten
•    Tinkturen (Myrrhentinktur)
•    Zahnpasta- und Zahnpflegemittel

Gegenanzeigen

Myrrhenpräparate sollten nicht in der Schwangerschaft verabreicht werden, da Myrrhe in Verbindung mit anderen Pflanzen als Abtreibungsmittel verwendet wurde. Diese Anwendung ist rein traditionell begründet, exakte Wirkmechanismen oder Studien hierzu liegen nicht vor. Die Gegenanzeige Schwangerschaft ist daher eine reine Sicherheitsmaßnahme.
Insulin spritzende Diabetiker sollten die leicht Blutzucker senkende Wirkung von Myrrhe beachten.

Nebenwirkungen

Beim Aufträufeln von Myrrhetinktur auf die Mundschleimhaut kann es zu einem Brennen kommen und die Geschmacksempfindung vorübergehend beeinträchtigt werden.
In seltenen Fällen können allergische Hautreaktionen (Kontaktdermatitis) auftreten.
Bei innerlicher Einnahme des Harzes der mit Myrrhe verwandten Commiphora mukul, die auch als „falsche Myrrhe“ bezeichnet wird, können Durchfall und Darmkrämpfe auftreten; allerdings nur bei höheren Dosierungen.

Wechselwirkungen

Myrrhe kann die Abbaurate von Wirkstoffen, die die Blutgerinnung hemmen (Cumarine, Warfarin) erhöhen und damit deren Abbau beschleunigen.

Literatur

⇒ Colitis ulcerosa, Diabetes, Monographie, Reizdarm,  Rheuma, Wechseljahre