Stille Entzündungen

Stille Entzündungen – englisch: silent inflammations – gelten als „Vorboten“ schwerer, z.T.  lebensbedrohlicher Erkrankungen wie z.B. Diabetes, Krebs, Herzschäden oder Rheuma.
Sie können diagnostisch anhand spezifischer Parameter frühzeitig erkannt werden. Mit Hilfe von Lebens- und Naturheilmitteln können stille Entzündungen bekämpft werden.

Akute Entzündungen

Eine Entzündung ist eine Abwehrreaktion des Körpers, um Krankheitserreger abzuwehren. Eine akute Entzündung zeichnet sich aus schulmedizinischer Sicht durch fünf Merkmale aus:

Nach einer akuten Entzündung kommt es zu einer anti-entzündlichen Gegenreaktion. Damit wird verhindert, dass es zu überschießenden Reaktionen des Immunsystems kommt. Das Gleichgewicht von entzündungsfördernden und entzündungshemmenden Faktoren wird so nach einer akuten Entzündung wieder hergestellt.

Stille Entzündungen (Silent inflammations)

Im Unterschied zu einer akuten Entzündung, die medizinisch gesehen eine sinnvolle Notfallreaktion darstellt, läuft eine stille Entzündung unterschwellig ab.
Sie spiegelt die Reaktion des Organismus auf verschiedene Belastungsfaktoren wider. Dazu zählen unter anderem Rauchen, übermäßige Sonneneinstrahlung, Schadstoffe, Stress, Übergewicht mit Bauchfett und vieles mehr.
Bei einer stillen Entzündung laufen gleichzeitig entzündungsfördernde (= proinflammatorische) Reaktionen des Immunsystems und antientzündliche Prozesse im Körper ab. Dadurch befindet sich das Immunsystem in einem dauerhaften Erregungszustand. Die stille Entzündung wird bildhaft mit einem brodelnden Vulkan verglichen, der kurz vor dem Ausbruch steht. Immunologisch sind sowohl starke Immunantworten als auch Prozesse möglich, die zu einer Drosselung von Immunreaktionen führen.
Stehen überschießende Immunreaktionen im Vordergrund, können als Folge Autoimmunerkrankungen oder auch Gefäßschäden durch arteriosklerotischer Prozesse auftreten.
Wird das Immunsystem infolge andauernder Entzündungsreize herunter reguliert, werden von außen eindringende Krankheitserreger nicht ausreichend bekämpft. Als Folge können sich chronische Infekte etablieren. Noch gravierender ist die Schwächung der Immunabwehr gegenüber Tumorzellen, wodurch die Gefahr von Krebserkrankungen steigt.   

Diagnostik einer stillen Entzündung

Durch intensive Erforschung der stillen Entzündungen wurde eine ganze Reihe spezifischer Parameter identifiziert, anhand derer ein stilles Entzündungsgeschehen bereits frühzeitig erkannt werden kann. Dabei sind drei Bereiche von Bedeutung:

  1. Die Aktivität des Enzyms IDO und das Verhalten der Stoffe, die im Zusammenhang mit der IDO-Aktivität stehen – Kynurenin, Tryptophan sowie das Verhältnis von Kynurenin zu Tryptophan
  2. Der Entzündungsparameter hsCrP (= hochsensitives C reaktives Protein) sowie bestimmte Interleukine und TNF-alpha
  3. Antikörper gegen über den LPS (Lipopolysaccaride)

Die folgende Übersicht zeigt solche diagnostischen Merkmale:

ParameterErklärung/Werte
IDO-Aktivität und beteiligte Stoffe
Kynurenin> 2,48 µmol/l
Tryptophan> 58,8 µmol/l
Kynurenin/Tryptophan-Ratio< 40
Entzündungsstatus
Hochsensitives CrP> 0,56 mg/l
Interleukin 1 beta 65 – 762 pg/ml
Interleukin 62879 – 5956 pg/ml
TNF-alpha255 – 1248 pg/ml
LPS-System (Endotoxin)
LPS-AntikörperKönnen über die Darmwand ins Blut gelangen (Leaky gut

Quellen: Ganz Immun – Fachinformation 0100 Immun Monitoring; Institut für Mikroökologie – Silent Inflammation Check

Erklärung der Parameter

Kynurenin
ist ein Abbauprodukt der Aminosäure Tryptophan. Bei akuten und bei stillen Entzündungen wird das Enzym Indolamin-2,3-Dioxygenase (IDO) hochreguliert. Die Folge ist eine gesteigerte Bildung von Kynurenin. In diesem Zusammenhang muss auch ein Mangel an Vitamin B6 beachtet werden, durch den es zu einem erhöhten Kynureninwert kommen kann.

Tryptophan
ist eine unentbehrliche Aminosäure (früher: essentiell). Sie ist notwendig für die Bildung des Neurotransmitters Serotonin, der eine wichtige Rolle bei Depressionen spielt. Auch für die Bildung des „Schlafhormons“ Melatonin wird Tryptophan benötigt.
Niedrige Tryptophanwerte im Serum können (selten) ernährungsbedingt sein. Meist spiegeln sie einen erhöhten Tryptophan-Abbau wider. Der Grund dafür kann in einer oben erläuterten IDO-Aktivierung liegen, der wiederum entzündliche Prozesse zugrunde liegen. Tryptophan wird in einem solchen Fall vermehrt zu Kynurenin verstoffwechselt. Ein niedriger Tryptophanspiegel kann Depressionen und Schlafstörungen verursachen. Zu beachten ist in diesem Kontext auch das Vorkommen einer Fruktosemalabsorption. Diese kann zu einer gestörten Tryptophanaufnahme im Darm führen.

Kynurenin/Tryptophan-Ratio

Mit Hilfe der Bestimmung des Quotienten von Kynurenin zu Tryptophan lässt sich die IDO-Aktivität (s.o.) bewerten. Pro-inflammatorische Zytokine wie beispielsweise TNF-alpha oder spezielle Interleukine  (IL 1-beta und IL 6) aktivieren das Enzym. Es bewirkt eine Erhöhung des Kynurenins sowie eine Absenkung von Tryptophan mit den oben geschilderten nachteiligen Folgen.

Hochsensitives CrP

Das C-reaktive Protein (CRP – Grenzwert 5 mg/l)) ist ein bekannter Biomarker für ein akutes Entzündungsgeschehen. Der Wert ist jedoch bei einer stillen Entzündung nicht erhöht, weil diese niederschwellig abläuft. Wesentlich empfindlicher und somit geeignet, eine stille Entzündung nachzuweisen, ist das hochsensitive CrP, dessen Erhöhung auf niedrig-gradige, systemische Entzündungsprozesse im Körper hinweist. Der Schwellenwert ist mit  > 0,56 mg/l wesentlich niedriger und kann bereits auf unterschwellige Entzündungsprozesse im Körper hinweisen.

LPS (Lipopolysaccharide, Synonym Endotoxin)

Bakterielles LPS ist in der Zellwand gram-negativer Bakterien lokalisiert. Sterben gram-negative Bakterien ab, wird es freigesetzt.
Dies kann im Darm ebenso geschehen wie im Bereich entzündeter Gewebe, z.B. im Zahnfleisch. Ein besonderes Risiko für den Übertritt von LPS vom Darm ins Blut stellt ein durchlässiger Darm (Leaky gut) dar.
Gelangt LPS ins Blut, bildet das Immunsystem Antikörper gegen dieses sogenannte Endotoxin. Dieses löst dann über die Bildung spezifischer pro-inflammatorischer Zytokine die stillen Entzündungen aus. Die LPS gilt als wichtigster „Triggerfaktoren“ für stille Entzündungen.
Diagnostisch werden Antikörper gegen LPS im Serum bestimmt. Eine erhöhte Antikörperkonzentration zeigt ein vermehrtes Auftreten von LPS an.

Prävention und Therapie von Stillen Entzündungen

Die wichtigste präventive und therapeutische Maßnahme gegenüber stillen Entzündungen ist ein gesunder Lebensstil, der durch folgende Faktoren gekennzeichnet ist:

Entzündungshemmende Lebensmittel und „Vitalstoffe“

Zahlreiche Lebensmittel und Vitalstoffe wirken entzündungshemmend. Die folgende Tabelle gibt einen Überblick über die wichtigsten derartigen Stoffe.

Lebensmittel/VitalstoffeMengeReichlich enthalten in
Arginin 1 – 5 g Nüsse, Vollkorn
Ballaststoffe30 gGemüse, Obst, Vollkorn
Früchte mit EnzymenAnanas, Papaya
Gewürze besonders: Curcumin
Ginsengwurzel1 - 2 g Wurzelals Arzneimittel
Keime und SprossenAlfalfa, Brokkoli, Mungo…..
Knoblauch1 - 2 ZehenFrisch, Saft
Kupfer1 - 1,5 mg Hülsenfrüchte, Kakao, Nüsse, Vollkorn
Omega-3-Fettsäuren250 mgAlgen, Fettfische, Leinöl, Nüsse
Pre- und ProbiotikaFermentierte Lebensmittel, spezielle Nahrungsergänzungsmittel
Sekundäre PflanzenstoffeGemüse, Gewürze (Curcuma, Ingwer, Schwarzkümmel!), Obst (Blaubeeren!!,
(grüner) Tee…
Selen 30 – 70 µgFisch, Nüsse (Paranüsse!), Pilze, Vollkorn
Vitamin C> 100 mgGemüse, Obst (Acerola, Sanddorn)…..
Vitamin D - individuelle Statusbestimmung wichtig! 5 – 10 µgFettfische, Milchprodukte, Pilze, genügend Sonneneinstrahlung
Vitamin E 12 – 15 mgPflanzenöle – vor allem Weizenkeimöl; keine Linolsäure reichen Öle wie Distel-, Maiskeim- oder Sonnenblumenöl
Zink10 mgAustern (!!), Fisch, Fleisch, Nüsse, Vollkorn…
Quelle: Modifiziert nach: Irmler, B./Wolz, G.: Silent Inflammation; Eubiotika-Verlag

Literatur

⇒ Arginin, Ballaststoffe, Curcumin, Diabetes, Gewürze, Ginseng, Knoblauch, Krebs,  Kupfer, Omega-3-Fettsäuren, Sekundäre Pflanzenstoffe, Selen, Vitamin C, Vitamin E, Zink