Alpha-Liponsäure

 

Alpha-Liponsäure (α-Liponsäure) ist eine schwefelhaltige Fettsäure. Sie ist ein Antioxidans und regeneriert zugleich andere Antioxidantien. Eine Hauptindikation sind nervlich bedingte Sensibilitätsstörungen und Schmerzen (Polyneuropathien), die vor allem bei Diabetikern vorkommen.

Geschichte der Entdeckung und Aufklärung

Alpha-Liponsäure wurde 1951 aus Leberextrakten isoliert. Man erkannte, dass die Substanz eine wichtige Rolle bei der Energiegewinnung in den Mitochondrien, den „Kraftwerken“ der Zellen, spielt. 1959 wurde sie als Gegengift (Antidot) gegen eine akute Pilzvergiftung (Amanita phalloides = Grüner Knollenblätterpilz/Grünlicher Gift Wulstling) verabreicht.
Ebenfalls im Jahre 1959 wurde Alpha-Liponsäure in Deutschland als verschreibungspflichtiges Arzneimittel (intravenös) bei diabetischer Neuropathie zugelassen.

In den 1960er zeigten klinische Studien, dass intravenös verabreichte Alpha-Liponsäure die Symptome nervlich bedingter Sensibilitätsstörungen und Schmerzen infolge von Polyneuropathien lindern kann. Diese treten vor allem als Folgen von Diabetes auf. Zudem wird Alpha-Liponsäure als Nahrungsergänzungsmittel eingesetzt.

Chemischer Aufbau und Eigenschaften

Die natürliche Alpha-Liponsäure wird als R-Liponsäure bezeichnet. Dies hängt mit der räumlichen Anordnung ihrer Atome zusammen. In der Natur sind die (R)-Liponsäure und ihre reduzierte Form, die Dihydroliponsäure (6,8-Dithiooctansäure), biologisch aktiv.
Eine Besonderheit gegenüber anderen Antioxidantien besteht darin, dass Alpha-Liponsäure sowohl wasser- als auch fettlöslich ist. Diese Eigenschaft ermöglicht eine Passage durch Zellmembranen und die Überwindung der Blut-Hirnschranke.

Vorkommen im Körper

Alpha-Liponsäure ist in jeder Zelle vorhanden, vor allem in den Zellkraftwerken, den Mitochondrien. Zudem kommt sie in der intrazellulären Flüssigkeit und den Phospholipid-Membranen der Zellen vor. Organe/Gewebe mit hoher Mitochondriendichte und intensivem Energiestoffwechsel wie Herz, Leber und Skelettmuskel haben einen besonders hohen Alpha-Liponsäure-Gehalt.

Bildung von Alpha-Liponsäure im Menschen und täglicher Bedarf

In der Natur wird ausschließlich die R-Form der Alpha-Liponsäure gebildet. Im menschlichen Körper wird sie aus Octansäure (Caprylsäure) und aus Cystein synthetisiert. Sie ist also kein Vitamin, obwohl sie in der Vergangenheit zum Vitamin B-Komplex gezählt wurde. Eine exakte Bedarfsmenge ist demzufolge auch nicht bekannt. Synthetisch wird S- bzw. RS-alpha-Liponsäure hergestellt. Sie wird in Nahrungsergänzungsmitteln eingesetzt (siehe auch unter "Verwendung und Dosierung).

Resorption im Darm und Verteilung im Körper

In freier Form wird α-Liponsäure vollständig aufgenommen. Nach oraler Einnahme wird Alpha-Liponsäure schnell und vollständig resorbiert, in die Gewebe transportiert und durch die Zellen aufgenommen, wo ein Großteil rasch in ihre reduzierte Form Dihydroliponsäure (6,8-Dithiooctansäure) überführt wird. Dort ist sie in der Regel an die Amoinosäure Lysin gebunden.

Alpha-Liponsäure in Lebensmitteln

Alpha-Liponsäure kommt in der R-Konfiguration in zahlreichen pflanzlichen und tierischen Lebensmitteln vor. Dort ist sie in der Regel an die Aminosäure Lysin gebunden, kommt also nicht in freier Form vor. Die Abspaltung von Alpha-Liponsäure aus dieser Verbindung ist deutlich weniger effektiv als die Eigensynthese. Daher spielt die Aufnahme aus Lebensmitteln eine untergeordnete Rolle.
Zu den Alpha-Liponsäure haltigen Lebensmitteln zählen u.a. Spinat, Brokkoli und Tomaten sowie Fleisch und Innereien.

Wirkungen von Alpha-Liponsäure

Wissenschaftlich gesichert sind folgende Wirkungen:

Anhaltspunkte für positive Effekte der  Alpha-Liponsäure werden diskutiert in Bezug auf

Anwendungsgebiete für Alpha-Liponsäure

Verwendung und Dosierung

Alpha-Liponsäure wird als Wirkstoff in Arzneimitteln und in Nahrungsergänzungsmitteln verwendet. In der Regel wird ein Gemisch aus R- und S-alpha-Liponsäure verwendet. Bei Arznei- und Nahrungsergänzungsmitteln wird empfohlen, die R-Konfiguration bevorzugt einzusetzen. Obwohl es keinen festgelegten empfohlenen täglichen Referenzwert für Alpha-Liponsäure gibt, liegen die Standarddosen in der Regel zwischen 100 und 600 mg pro Tag.
Die in der wissenschaftlichen Forschung verwendeten Werte reichen von 300 mg bis 1.200 mg pro Tag.

Alpha-Liponsäure als Arzneimittel

In einem Test der Stiftung Warentest vom 15.03.2022 wurden sieben Medikamente mit Alpha-Liponsäure als Wirkstoff getestet. Der Wirkstoff wurde angeboten als

Die Dosierung betrug bei allen getesteten Arzneimitteln 600 mg/Tag. Alle getesteten Präparate waren rezeptfrei. Die Indikation lautete „Schmerzen aufgrund diabetischer Neuropathie“. Bei allen Medikamenten mit dem Wirkstoff Alpha-Liponsäure war der folgende Wortlaut zu finden: „Nur wenn besser bewertete Mittel nicht eingesetzt werden können oder nicht vertragen werden. Es fehlen Studien, die belegen, dass das Mittel auch bei langfristiger Anwendung wirksam und verträglich ist.“ Bei Neuropathien anderer Ursachen werden Medikamente mit Alpha-Liponsäure nicht empfohlen, da die therapeutische Wirksamkeit von Alpha-Liponsäure nicht ausreichend nachgewiesen sei.

Alpha-Liponsäure als Nahrungsergänzungsmittel (NEM)

Als Nahrungsergänzungsmittel wird Alpha-Liponsäure vornehmlich wegen ihrer antioxidativen und entgiftenden Wirkung eingesetzt/eingenommen. Für den allgemeinen Oxidationsschutz werden 100 mg pro Tag empfohlen. Alpha-Liponsäure bindet nicht nur Schwermetalle wie Blei und Quecksilber, sondern auch essenzielle Mineralstoffe wie Calcium, Eisen, Kupfer oder Magnesium. Daher sollte die Einnahme mit einem zeitlichen Abstand von rund 1 Stunde zu den Mahlzeiten erfolgen.

Verwechslungsgefahr besteht aufgrund der verwendeten Abkürzungen: Sowohl Alpha-Liponsäure als auch Alpha-Linolensäure werden häufig mit "ALA" angekürzt. Dabei steht das zweite "A" für "acid", engl. "Säure".

Diagnostik

Der Gehalt an Alpha-Liponsäure kann von spezialisierten Labors ermittelt werden. Die Analyse der freien Alpha-Liponsäure erfolgt im Serum. Der Referenzbereich wird in µg/l angegeben und liegt bei > 12,5.  Im Labor wird die Gesamt-Konzentration gemessen und nicht zwischen den beiden Isomeren (R- und S-Konfiguration) unterschieden.

Gegenanzeigen, Nebenwirkungen und Wechselwirkungen

Gegenanzeigen
Schwangerschaft und Stillzeit. Da keine Studien vorliegen und die Substanz Risiken bergen kann (siehe Nebenwirkungen), wird bisher ein Verzicht auf Alpha-Liponsäure als Nahrungsergänzungsmittel auch für Kinder und Jugendliche für sicherer gehalten.

Nebenwirkungen von alpha-Liponsäure als Arzneimittel

Wechselwirkungen

Kritische Bewertung von Alpha-Liponsäure als Nahrungsergänzungsmittel

Besonders Verbraucherorganisationen sehen eine Nahrungsergänzung mit Alpha-Liponsäure kritisch. In den meisten Fällen halten sie diese für nicht notwendig. Das Hauptargument für die kritische Bewertung ist: Alpha-Liponsäure wird im Körper selbst gebildet. Daher ist eine Nahrungsergänzung in der Regel nicht sinnvoll.

Literatur

⇒Antioxidationsmittel, Biotin, Glutathion, Vitamin C, Vitamin E