Waerland

 

 

Are Wåerland (1876-1955) war ein schwedischer Lebensreformer und Gesundheitspionier. Durch die Heilung seiner eigenen Krankheit kam er zu der Erkenntnis, dass eine richtige Ernährung die Voraussetzung für Gesundheit ist. Er entwickelte eine strenge laktovegetabile Kost, die so genannte "Wåerland-Kost", integrierte aber auch andere Lebensbereiche in seine neue Gesundheitsbewegung.

In seinem Namen entstanden zunächst nur in Schweden, ab den 50er Jahren auch in Deutschland, zahlreiche Wåerland-Heime und -Sanatorien. Nach seinem Tod sorgte seine Frau Ebba Wåerland für die internationale Verbreitung der Wåerland-Bewegung.

Theorie der Wåerland-Kost:

Auch bei Wåerland (vergl. Mayr oder Hay) steht der Darm im Mittelpunkt seiner Ernährungslehre. Er ist der Schlüssel zur Gesundheit bzw. bei gestörter Funktion die Ursache fast aller Krankheiten. Somit sind alle Nahrungsmittel auszuschließen, die einen negativen Einfluss auf das Verdauungssystem haben.
Hier standen an erster Stelle tierische Proteine wie Fleisch, Fisch und Eier. Diese Lebensmittel gelten als unnatürlich, weil der Mensch nach Wåerland ursprünglich ein reiner Pflanzenesser war. Außerdem entstehen durch Fleischgenuss Fäulnisbakterien im Darm, die die physiologische (natürliche) Darmflora beeinträchtigen und dadurch zu Verdauungsstörungen führen. Auch die Übersäuerung des Organismus ist ein Argument für den Übergang auf eine Rohkost-reiche, laktovegetabile Kost. Schließlich enthält Fleisch auch krankheitserregende Bakterien, die Verstopfung, Erkältungen, Tuberkulose, Gicht, Rheuma, Krebs und andere Krankheiten hervorrufen oder begünstigen.

Nach dem Grundsatz, dass nur solche Nahrung genossen werden sollte, die nachweislich notwendig, gesundheitsfördernd und schmackhaft ist, entwickelte Wåerland seine äußerst maßvolle und betont eintönige Kost, die verhältnismäßig wenig erlaubt und zahlreiche Verbote beinhaltet. So kann es kaum verwundern, dass die Wåerland-Bewegung nach den Entbehrungen des 2. Weltkriegs, zunächst nur wenige Anhänger gefunden hat.

Praxis der Wåerland-Kost:

Die Wåerland-Kost besteht hauptsächlich aus reichlich Kartoffeln, in der Schale gekocht, Rohkost und rohem Obst, roher Milch und Sauermilchprodukten sowie Kruska, einem Vollkorn-Getreidebrei.

Originalrezept Kruska:
je 2 Esslöffel Weizen, Roggen, Hafer, Graupen; diese Getreidemischung wird grob gemahlen und anschließend werden je 2 Esslöffel Weizenkleie und Rosinen oder getr. Pflaumen zugegeben.

Vollkornbrot, das aus den gleichen Getreidesorten wie die Kruska (Weizen, Roggen, Gerste, Hafer, Hirse) besteht, war ebenfalls erlaubt. Diese Brotsorte wird heute noch von der Firma Achimer Simonsbrot-Fabrik gebacken und in den Reformhäusern angeboten.

Morgens soll ein basischer Gemüseabsud (Excelsior) und ein leichtes Frühstück die Hauptausscheidung von Harnsäure unterstützen.

Originalrezept Excelsior:
Ungeschälte, gut gereinigte Kartoffeln werden mit der gleichen Menge Mohrrüben und Sellerieknolle in reichlich Wasser ohne Salz höchstens 1/2 Std. gekocht. Auf jeden halben Liter dieses Absuds werden abends noch 2 Esslöffel Leinsamen und Weizenkleie hinzugefügt.
Am nächsten Morgen wird dieses Getränk auf Körpertemperatur angewärmt und getrunken. Eine reichliche Flüssigkeitsaufnahme von mindestens 3 Litern, hauptsächlich in Form von Kräutertees, wird empfohlen.

Verbotene Lebensmittel:

Fleisch, Fisch, Eier, stark verarbeitete Nahrungsmittel wie Zucker, Konserven, Auszugsmehle u.a.. Auch der Konsum von Salz wird abgelehnt mit der Begründung, dass nur geringe Mengen über die Niere ausgeschieden werden können und das überschüssige Salz in Knochen und Bindegewebe abgelagert wird. Genussmittel wie Kaffee, Tee, Kakao, Nikotin und Alkohol sind weder notwendig noch gesundheitszuträglich und daher nicht erlaubt.

Nahrungszusammenstellung:

Auch hinsichtlich der Nahrungszusammenstellung und der Einnahme der Mahlzeiten gibt es Reglementierungen. Für eine optimale Verdauung passt zu rohem Gemüse und Obst nur gesäuerte Milch, Kruska verträgt sich nur mit Kompott, Trockenfrüchten und normaler Milch. Die günstigste Zeit der Nahrungsaufnahme ist nach Wåerland zwischen 12 und 20 Uhr.
In dieser Spanne isst man die beiden Hauptmahlzeiten, die Kruska und eine Rohkost-Kartoffel-Mahlzeit. Nach 20 Uhr soll der Organismus seine Ruhe für Erholung und Erneuerung haben.

Eine wesentliche Bedeutung für die Bekömmlichkeit der Nahrung misst Wåerland der Gemütsverfassung während des Essens bei.
Auch die gesündeste Kost kann zum Gift für das Blut werden, wenn sie in gereizter, unruhiger, grübelnder oder verärgerter Stimmung aufgenommen wird.

Bewertung:

siehe auch Vegetarismus

Die Wåerland-Kost ist eine sehr strenge lakto-vegetabile Kost. Trotz der starken Lebensmitteleingrenzungen ist wegen der Vollwertigkeit der Ernährung eine ausreichende Nährstoffversorgung gegeben. Die Erhaltung der Gesundheit und die günstige Beeinflussung verschiedener Krankheiten durch die Wåerlandkost ist auf die reichliche Rohkost- und Ballaststoffaufnahme mit ihren positiven Wirkungen auf das Verdauungssystem und die Darmflora, das günstige Natrium-Kalium-Verhältnis, das Meiden krankheitsfördernder Nahrungs- und Genussmittel und möglicherweise dem leichten Überschuss an basenbildenden Lebensmitteln zurückzuführen.

Nach den heutigen Erkenntnissen lassen sich einige von Wåerlands Thesen, z.B. was die Wirkungen von tierischen Lebensmitteln, Salz, Zucker u.a. auf den Organismus und die Darmflora betrifft, wissenschaftlich nicht mehr halten. Die strikte Befolgung seiner Kost ist heutzutage weder notwendig noch zeitgemäß. Die Bedeutung der Wåerland-Kost liegt in ihrer Rolle als Wegbereiter einer gesundheitsbewussten, vegetabilen und vollwertigen Ernährung.

Literatur:

Ballaststoffe, Darmflora, Getreide, Kalium, Lebensreform, Mayr-Kur, Natrium