Glyphosat

Glyphosat (chemische Bezeichnung: N(Phosphonomethyl)glycin)  ist das weltweit am häufigsten eingesetzte Unkrautvernichtungsmittel (Herbizid). Unter dem Namen Roundup wurde es von 1974 von der Firma Monsanto im Markt eingeführt. 2018 wurde Monsanto von der Bayer AG gekauft. 

Der Einsatz von Glyphosat ist umstritten. Zum einen aufgrund eventuell schädlicher Wirkungen bei Mensch und Tier, zum anderen aufgrund ökologischer Aspekte.   

Glyphosat - Streit um die Zulassung

In den letzten vier Jahrzehnten wurde Glyphosat immer wieder zugelassen, da von den Behörden kein unzumutbares Risiko für die Gesundheit gesehen wurde. Zuständig sind die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) und die Europäische Chemikalienagentur (ECHA).  Im Juni 2016 lief in der EU die Zulassung für Glyphosat aus. Die erneute Zulassung in der EU war stark umstritten, die Bundesregierung hat einer Zulassung für weitere fünf Jahre zugestimmt.

Wirkungen von Glyphosat

Glyphosat wird primär über die Blätter aufgenommen.  Um das Wachstum von Unkraut zu verhindern wird es daher vor der Aussaat auf dem Acker versprüht. Über die Wurzeln von Nutzpflanzen wird Glyphosat so gut wie nicht aufgenommen, da der Stoff sich an Tonpartikel im Boden bindet.  Der Wirkstoff  hemmt das Enzym 5-Enolpyruvylshikimat-3-phosphat (EPSP)-Synthetase. Dieses Enzym wird in Pflanzen für die Biosynthese der Aminosäuren Phenylalanin, Tyrosin und Tryptophan benötigt. Es ist bei Mensch und Tier nicht vorhanden. 

Problematik der Netzmittel (Surfactants)

In Pflanzenschutzmitteln ist nicht nur der Hauptwirkstoff, z.B. Glyphosat, enthalten sondern weitere Stoffe, die das Eindringen der Hauptwirkstoffe erleichtern sollen. Einige dieser Netzmittel sind toxischer als Glyphosat. Bedenklich sind vor allem polyethoxylierte Alkylamine, auch als POE-Tallowamine bekannt. Diese sind vermutlich die Auslöser von Reizeffekten bei Menschen, die freiwillig oder unfreiwillig mit größeren Mengen an Glyphosat enthaltenden Herbiziden in Berührung gekommen sind. 

Parallele Anwendung gentechnisch veränderter Nutzpflanzen

Firmen, die Herbizide vertreiben, bieten gleichzeitig gentechnisch veränderte Nutzpflanzen, vor allem Baumwolle, Mais, Raps und Soja an. Als Vorteil dieser Praxis gilt in erster Linie die Verbreitung einer pfluglosen Bodenbearbeitung, die die Bodenerosion zurückdrängen soll. Nebeneffekte sind ein geringerer Kraftstoffverbrauch und dadurch verminderte Emissionen von Treibhausgasen.

Umweltorganisationen kritisieren die zunehmende Abhängigkeit der Landwirte von gentechnisch verändertem Saatgut. Vorteil ist seine Resistenz gegenüber den entsprechenden Herbiziden. Nachteil: Die züchterische Bearbeitung seitens des Saatgutherstellers macht oftmals eine Aussaat des gewonnenen Saatguts durch den Landwirt unmöglich, so dass er jährlich neues Saatgut kaufen muss.

Auswirkungen auf die Gesundheit

Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) schreibt Glyphosat in Tierversuchen „eine geringe akute Toxizität nach einmaliger dermaler (über die Haut), inhalativer oder oraler Aufnahme“, zu. 

Weitere Eigenschaften sind in der Tabelle zusammengefasst: 

WirkungenEinschätzung des BfR
allergisierendnein
Augen reizendja
Haut reizend nein
Krebs erregend (kanzerogen)nein
Erbgut schädigend (mutagen)nein
Sonstigessiehe Text unten

 

Bei wiederholten Gaben von Glyphosat wurden in Dosierungen oberhalb des NOAEL (no observed adverse effect level) unerwünschte Wirkungen auf Augenlinse, Harnblase, Leber, Magen-Darm und Speicheldrüsen beobachtet.

Eine Dosis, bei der es zu keinen schädlichen Wirkungen kommt, also ein „klarer NOAEL“, wurde in allen Studien ermittelt. Mit anderen Worten: Glyphosat führt zu keinen unerwünschten Wirkungen, wenn es unterhalb der Schwelle des NOAEL in den Organismus gelangt.

In Bezug auf eine Krebs erregende Wirkung ist die Einschätzung verschiedener Institutionen und Organisationen weitestgehend einheitlich.  Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR), die Internationalen Agentur für Krebsforschung der WHO (IARC) und die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) sehen bei einer bestimmungsgemäßen Anwendung von Glyphosat kein erhöhtes Krebsrisiko für den Menschen. Dies wird in den Mitgliedsstaaten der EU mit Ausnahme von Schweden ebenso eingeschätzt. Ein erhöhtes Krebsrisiko wird dagegen von verschiedenen Naturschutz- und Umweltorganisationen wie z.B. dem B.U.N.D. oder Greenpeace als wahrscheinlich eingestuft. 

Höchstmengen von Glyphosat in Lebensmitteln

Die für Lebensmittel maximal zulässigen Rückstandswerte (maximum residue level MRL) für Glyphosat sind je nach Lebensmittelgruppe verschieden. Die folgende Tabelle gibt eine Übersicht: 

LebensmittelgruppenMRL = Maximum residue level
Eier, Fleisch, Milch0,05 mg/kg
Gemüse, Obst0,1 mg/kg
Getreide und Soja20 mg/kg
Wildpilze50 mg/kg

 

Die deutschen Lebensmittelbehörden testen in einem Schadstoffmonitoring regelmäßig auf Rückstände, unter anderem auch auf Glyphosat. Insgesamt wurde bei 1400 Proben nur in 4 % der Proben Glyphosat gefunden. Rückstände waren und sind nachweisbar in Bier, Getreideprodukten, Hülsenfrüchten –besonders Linsen–, und Milch.

Das Münchener Umweltinstitut untersuchte 2016 deutsche Biere auf Glyphosatrückstände. Die Gehalte lagen zwischen 0,46 und  29,74 mg/l. 

In einer Schweizer Studie wurden mehr als 230 Lebensmittel auf Glyphosatrückstände getestet. Mit Anwendung empfindlicher moderner Analysentechnik wurden bei 40 % der Lebensmittel Rückstände festgestellt. 

Die Glyphosatrückstände in Lebensmitteln waren so gering, dass negative Wirkungen auf die Gesundheit ausgeschlossen werden konnten. Selbst bei den höchst belasteten Lebensmitteln – es handelte sich um Teigwaren – müsste der Verbraucher pro Tag 71 kg verzehren, um in den Bereich einer die Gesundheit gefährdenden Dosis zu gelangen.

Als Basis für die gesundheitliche Risikobewertung gilt die akute Referenzdosis (ARfD). Sie wurde für Glyphosat auf 0,5 mg/kg Körpergewicht festgelegt. Die ARfD ist definiert als diejenige Substanzmenge pro kg Körpergewicht, die über die Nahrung mit einer Mahlzeit oder innerhalb eines Tages ohne ein erkennbares gesundheitliches Risiko für Verbraucherinnen und Verbraucher aufgenommen werden kann.

Eine andere Höchstmenge beschreibt der ADI-Wert: ADI steht für „acceptable daily intake“ (duldbare tägliche Aufnahmemenge) und gibt die Menge eines Stoffes an, die eine Verbraucherin oder ein Verbraucher täglich und ein Leben lang ohne erkennbares Gesundheitsrisiko aufnehmen kann. Die Europäische Kommission hat für Glyphosat einen ADI-Wert von 0,3 mg/kg Körpergewicht/Tag festgelegt.

Gesundheitliches Risiko von Lebensmitteln mit Glyphosat

Nach den vorliegenden Messwerten bestand in Deutschland zu keiner Zeit ein gesundheitliches Risiko für Verbraucher und Verbraucherinnen. Selbst wenn man die höchste gemessene Belastung eines Lebensmittels zugrunde legt, ergeben sich keine gesundheitlich relevanten Folgen. 

Selbst eine Überschreitung der ARfD bedeutet nicht zwangsläufig eine konkrete Gesundheitsgefährdung, sondern zeigt nach dem derzeitigen Stand des Wissens an, dass eine gesundheitliche Gefährdung für Verbraucherinnen und Verbraucher eher unwahrscheinlich ist. 

Zudem gibt es bei den Berechnungen noch einen Sicherheitsfaktor von 100 zwischen der höchsten Dosis in Tierstudien, bei der keine signifikanten gesundheitsschädigenden Befunde beobachtet wurden, und der akuten Referenzdosis für den Menschen. 

Auch in Bezug auf eine langfristige Aufnahme von Glyphosat, bei der der ADI-Wert zugrunde gelegt wird, war und ist eine gesundheitliche Gefährdung selbst bei längerfristigem Verzehr von Lebensmitteln mit Glyphosat nach Auffassung des Bundesamtes für Risikobewertung (BfR) unwahrscheinlich. 

Relevant ist eine Belastung mit Glyphosat dagegen in Ländern wie beispielsweise Argentinien und Paraguay, wo Herbizide mit Flugzeugen großflächig versprüht werden. Auch Bewohner von Dörfern, die nicht ausgespart werden, werden dadurch mit größeren Mengen kontaminiert. Erhöhte Fehlgeburtsraten in solchen Regionen wurden ermittelt. 

Ökologische Problematik von Glyphosat

Aufgrund seiner Breitenwirkung auf nahezu alle Unkräuter ist Glyphosat in der konventionellen Landwirtschaft sehr geschätzt. Unumstritten ist seine Wirkung auf die Artenvielfalt. Da alle Beikrautpflanzen vernichtet werden, betrifft dies auch die Lebensgrundlagen von Mikroorganismen und Tieren, vor allem von Insekten.  Siehe auch: Parallele Anwendung von gentechnisch veränderten Nutzpflanzen

Literatur: 

  • Bayer AG: Zusammenfassungen von Studien zur Sicherheit von Glyphosat - https://www.cropscience-transparency.bayer.com/
  • Bundesinstitut für Risikobewertung: Fragen und Antworten zur Bewertung des gesundheitlichen Risikos von Glyphosat; FAQ des BfR vom 1.3.2016
  • Kölner Stadt Anzeiger: Glyphosat – eine europäische Hängepartie; 26.10. 2017
  • Greenpeace-Magazin 5.16: Wieviel Glyphosat steckt in unseren Lebensmitteln und wie gefährlich ist das?

--> ADI-Wert, Getreide, Mais, Raps, Soja