Advantam

 

Advantam ist in Europa unter der E-Nummer 969 seit 2014 als Süßstoff zugelassen. Es ist nur für bestimmte Anwendungszwecke erlaubt. Entwickelt wurde Advantam vom japanischen Unternehmen Ajinomoto Co. Inc.
Advantam ist als weißes Pulver in Reinform erhältlich und wird in vielen Lebensmitteln eingesetzt. (→ Lebensmittelrechtlicher Status)

Chemische Zusammensetzung und Eigenschaften

Advantam ist als Reinsubstanz ein weißes bis gelbliches Pulver. Der korrekte chemische Name (IUPAC-Name) lautet:
Methyl-N-[3-(3-hydroxy-4-methoxyphenyl)propyl]-L-α-asparagyl-L-phenylalaninat

Advantam wird in drei Stufen industriell hergestellt:

  1. Aufbau von trans-Isoferulasäure (HMCA) aus Isovanillin über mehrere Reaktionsschritte.
  2. HMCA wird selektiv zum Aldehyd (2) hydriert (3-(3-Hydroxy-4-methoxyphenyl)propanal, HMPA).
  3. HMPA wird mit Aspartam und Wasserstoff unter Zuhilfenahme eines speziellen Platin- oder Palladium-Katalysators zum Advantam umgesetzt.

Der Schmelzpunkt liegt bei 101,5 Grad Celsius, der Stoff ist relativ schlecht (0,99 g/L bei 25° C) wasserlöslich. Allerdings steigt die Löslichkeit, je höher die Temperatur und je niedriger der pH-Wert ist.

Geschmack und Süßkraft von Advantam

Die Süßkraft von Advantam wird als Spanne im Vergleich zur Süßkraft von Saccharose (Haushaltszucker) angegeben. Sie richtet sich nach der spezifischen Verwendung in einem Lebensmittel (siehe Tabelle). Nach Angaben in der Literatur schmeckt Advantam 20.000- bis 37.000- mal süßer als Zucker (Saccharose). Damit übertrifft Advantam die Süßkraft anderer Süßstoffe deutlich.
Geschmacklich werden folgende Aspekte herausgestellt:
Advantam

Lebensmittelrechtlicher Status

Advantam ist in der EU seit 2014 als Süßungsmittel zugelassen.  Advantam zählt zu den Zusatzstoffen, deren Anwendung in der Zusatzstoffzulassungsverordnung geregelt ist. Die Tabelle gibt einen Überblick über die Lebensmittel, in denen Advantam eingesetzt werden darf. Angegeben ist auch die jeweilige Höchstmenge bezogen auf mg Advantam pro Kilogramm beziehungsweise Liter. Für Tafelsüßen gibt es keine Beschränkung der Höchstmenge (quantum satis=so viel wie nötig).
Advantam ist außerhalb der europäischen Gemeinschaft in mehr als 35 Ländern einschließlich Nordamerika, Kanada und Mexiko zugelassen. Außerdem ist der Einsatz in den meisten Ländern Südamerikas, in Russland sowie im asiatischen Raum erlaubt.

Lebensmittelgruppen Höchstmenge in mg/kg
Bier und Malzgetränke, Birnen- und Apfelwein6
Feine Backwaren für besondere Ernährungszwecke17
Fisch und Fischereiprodukte 3
Fruchtnektar6
Frühstücksgetreidekost  10
Kakao- und Schokoladeprodukte 20
Kaugummi ohne Zuckerzusatz 200 bzw. 400
Knabbereien auf Kartoffel-, Getreide-, Mehl-
oder Stärkebasis 
5
Konfitüren, Gelees, Marmeladen, Maronencrème, andere Brotaufstriche10
Milchprodukte10 mg/l
Obst und Gemüse in Essig, Öl oder Lake3
Obst- und Gemüsekonserven 10
Salate und würzige Brotaufstriche  4
Saucen 2 bzw. 4
Senf2
Speiseeis10
Suppen und Brühen2
Süßwaren 10 bzw. 20, zur Erfrischung des Atems: 60
Verzierungen, Überzüge und Füllungen 10 bzw. 20

Quelle: Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA)

Bedeutung für die menschliche Ernährung

Advantam beeinflusst wie auch andere synthetische Süßstoffe den Blutzucker- und/oder den Insulinspiegel nicht und ist kalorienfrei.
Da auch Aspartam bei der Herstellung zugegeben wird (→ chemische Zusammensetzung und Eigenschaften) , enthält Advantam die Aminosäure Phenylalanin. Da diese nur in einer sehr geringen Menge enthalten ist, entfällt der bei Aspartam übliche Hinweis „enthält eine Phenylalaninquelle“. Diese Angabe ist bedeutsam für Menschen mit der Krankheit Phenylketonurie, die Phenylalanin meiden sollten.
Zuständig für die Bewertung von Zusatzstoffen im Europäischen Raum ist die European Food Safety Authority (EFSA). Sie kommt in ihrer Bewertung im Jahre 2007 zu folgender Einstufung: Advantam ist

In dem Gutachten der EFSA wurde ein ADI-Wert* von 5 mg/kg Körpergewicht pro Tag festgelegt. Bei einem durchschnittlichen Verzehr von Süßstoffen, hier speziell Advantam, wird normalerweise nie mehr als ein Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht aufgenommen. Der ADI-Wert wird somit bei weitem nicht erreicht.

* ADI = acceptable daily intake (tolerierte Aufnahmemenge  pro Tag, bei lebenslangem Verzehr)

Literatur

⇒ Acesulfam, Aspartam, Diabetes, Neotam, Phenylketonurie, Saccharin, Stevia, Sucralose, Süßstoff, Thaumatin, Übergewicht, Zucker, Zuckeraustauschstoffe, Zusatzstoffe