Neotam (E 961)

Neotam ist in Europa unter der E-Nummer 961 seit 2010 als Süßstoff sowie als Geschmacksverstärker zugelassen. Er ist nur für bestimmte Anwendungszwecke erlaubt. Entwickelt wurde Neotam von französischen Chemikern der Firma Nutrasweet.

Chemische Zusammensetzung und Stoffwechsel 

Wie Aspartam besteht auch Neotam im Wesentlichen aus den Eiweißbausteinen (Aminosäuren) Asparaginsäure und Phenylalanin.

Neotam ist eine Verbindung aus Aspartam und 3,3-Dimethylbutyraldehyd und wird durch reduktive Alkylierung gewonnen.

Der korrekte chemische Name (IUPAC-Name) lautet:
N-[N-C3,3-dimethylbutyl)-L-α-aspartyl-L-phenylalanin-1-methylester

Bei der Verstoffwechselung wird Neotam in seine Grundbausteine zerlegt. Dabei werden auch geringe Mengen Phenylalanin frei. Im Gegensatz zu Aspartam ist der Hinweis „enthält eine Phenylalaninquelle“ bei Neotam nicht erforderlich. Menschen mit der Krankheit Phenylketonurie (PKU) müssen die Aminosäure Phenylalanin weitestgehend meiden. Die Mengen an Phenylalanin, die beim Abbau von Neotam entstehen, sind allerdings so gering, dass auch Menschen mit PKU den Süßstoff vertragen.
Neotam beeinflusst weder den Blutzucker- noch den Insulinspiegel und ist kalorienfrei. 

Geschmack und Süßkraft von Neotam

Die Süßkraft von Neotam wird als Spanne im Vergleich zu Saccharose (Haushaltszucker) angegeben. Sie richtet sich nach der spezifischen Verwendung (siehe Tabelle) bei einem Lebensmittel. Die Süßkraft von Neotam ist 7.000 bis 13.000 Mal stärker als die von Zucker. Damit liegt Neotam weit über der Süßkraft anderer Süßstoffe. Der Süßgeschmack von Neotam wirkt lange nach. Neotam hat keine bittere oder metallische Geschmacksnote wie andere Süßstoffe.

Lebensmittelrechtlicher Status

Neotam zählt zu den Zusatzstoffen, deren Anwendung in der Zusatzstoffzulassungsverordnung geregelt ist. Die Tabelle gibt einen Überblick über die Lebensmittel, in denen Neotam eingesetzt werden darf. Angegeben ist die jeweilige Höchstmenge bezogen auf mg Neotam pro Kilogramm beziehungsweise Liter des Lebensmittels.

 

LebensmittelgruppenHöchstmengeBeispiele
Brennwertverminderte oder ohne Zuckerzusatz hergestellte Getränke und Lebensmittel1 – 65 mg oder ml/kgAromatisierte Getränke auf Wasserbasis, verschiedene Dessertspeisen, Speiseeis, Bier (siehe auch weiter unten bei Lebensmittelgruppen)
Süßsaure Obst- und Gemüsekonserven10 mg/kg
Soßen und Senf12 mg/kg
Feine Backwaren für besondere Ernährungszwecke55 mg/kgGluten freie Kekse
Nahrungsergänzungsmittel in flüssiger und fester Form auf Vitamin- und oder Mineralstoffbasis in Form von Sirup oder Kautabletten20 – 185 mg/kg
Snacks18 mg/kgGesalzene und trockene Knabbererzeugnisse auf Basis von Stärke oder Nüssen
Süßwaren ohne Zuckerzusatz32 mg/kg
Sehr kleine Süßwaren ohne Zuckerzusatz200 mg/kg
Kaugummi ohne Zuckerzusatz250 mg/kg
Eistüten und Waffeln ohne Zuckerzusatz60 mg/kg
Essoblaten60 mg/kg
Feinkostsalate12 mg/kg
Spirituosen mit einem Alkoholgehalt <15 %20 mg/L
Getränke aus einer Mischung von Bier-, Apfel-und Birnenwein, Spirituosen oder Wein20 mg/L
Apfel- oder Birnenwein20 mg/L
Alkoholfreies Bier bzw. Bier mit einem Alkoholgehalt von höchstens 1,2 %20 mg/L
Tafelbier mit einem Stammwürzegehalt <6 %20 mg/L
Bier mit einem Mindestsäureäquivalent von 30 Milliäquivalenten20 mg/L
Dunkles Bier der Art oud bruin20 mg/L
Stark aromatisierte Rachenerfrischungspastillen ohne Zuckerzusatz65 mg/kg

Quelle: www.gesetze-im-internet.de/zzulv_1998/BJNR023100998.html

Neotam ist außerhalb der europäischen Gemeinschaft in mehr als 35 Ländern einschließlich Nordamerika, Kanada und Mexiko zugelassen. Außerdem ist der Einsatz in den meisten Ländern Südamerikas, in Russland sowie im asiatischen Raum erlaubt.

Gesundheitliche Risiken

Zuständig für die Bewertung von Zusatzstoffen im Europäischen Raum ist die European Food Safety Authority (EFSA). Sie kommt in ihrer Bewertung im Jahre 2007 zu dem Fazit, dass Neotam

ist. In dem Gutachten der EFSA wurde ein ADI-Wert* von 0-2 mg/kg Körpergewicht pro Tag festgelegt. Neotam ist in der EU seit 2010 sowie in vielen anderen Ländern als Süßungsmittel zugelassen.
* adi = acceptable daily intake (tolerierte Aufnahmemenge  pro Tag, bei lebenslangem Verzehr)


Bedeutung für die menschliche Ernährung

→ Süßstoffe

Informationen über den aktuellen Stand und Literatur

→ Acesulfam, Aspartam, Diabetes, Phenylketonurie, Saccharin, Sucralose, Süßstoff, Thaumatin, Übergewicht, Zucker, Zuckeraustauschstoffe, Zusatzstoffe